21.10.09
17:43 Uhr

Wenn der Wolfskin dreimal klingelt…

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Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich Dave Stewarts „This little Town“ via Last.FM. Das Internet wird immer mehr zu diesem kleinen Dorf, in dem man sich am Marktplatze trifft, die News und neuesten Gerüchte tauscht, in dem man sich kennt, kennenlernt, und gerne wohlfühlt…

Manfred Hell, Mastermind hinter Jack Wolfskin, hat den Werbeblogger kontaktet. Wir sprachen eine knappe Stunde und er machte nicht den Eindruck, als sei er von der Reaktion der Blogosphäre und Offline-Presse (als Reaktion auf unseren Artikel vom Samstag „Jack Wolfskin eröffnet Abmahn-Herbst„) tief beeindruckt.

Ehrlich gesagt halte ich genau das auch für eine der wichtigsten Eigenschaften eines erfolgreichen CEOs. Läßt man sich beeindrucken, verliert man den klaren Blick und kühlen Kopf. Heißgelaufene Umfaller haben wir da draussen schon genug. Ist man beeindruckt, hat man verloren.

Nun, Hell/Wolfskin haben keineswegs verloren. Er hat sogar sehr gewonnen, zumindest bei mir – in dieser Stunde, nach der ich dachte, wir kennen uns seit langem aus diesem Dorf, diesmal der realen Welt.

Um es kurz zu machen: Den kühlen Kopf hat er sich bewahrt. Hell ist am Montag zum ersten Male wieder im Office. Dort wird er den gesamten Abmahnprozess, seine Verhältnismäßigkeit und die eigene Rolle in den letzten Tagen hinterfragen. Das ist längst von ihm hineingebrieft in sein Unternehmen – so wie heute schon in der Printausgabe des Handelsblattes angekündigt wurde, die Einzelfälle eingehender zu prüfen.

So wie sich die Rolle der Marke in den letzten Jahren im Leben der Menschen veränderte, so müssen sich auch die Prozesse ändern, die diese Marke aufbauen, die sie formen und vervollkommnen, ist er überzeugt. Es müssten sich aber auch dringend die Prozesse ändern, die ursprünglich die Marke vor Missbrauch schützen sollen. Hier muß ein neues Augenmaß der neuen (Medien-) Welt gerecht werden.

Dies wollte er uns mitteilen.

Montag werde ich ihn also persönlich in Idstein treffen und der Werbeblogger wird natürlich weiter über die Erkenntnisse berichten. Ein kleines Dorf – wie das Internet. Ich glaube, das wird richtig gut. Geben wir ihm die Zeit. Er hat sie verdient.

Update:

Eure Zeilen zeigen mir, daß Ihr Euch viele Gedanken macht. Vielleicht kann ich einige davon auflösen:

– Nein, ich habe keinen Beratervertrag, und der Wolfskin-GF wollte auch nicht meine Konfektionsgröße wissen.
– Nein, aufgrund meiner Historie bin ich mit 46 Jahren nicht mehr beeindruckt, wenn mich ein Geschäftsführer anruft.

– Ja, ich bin froh, daß er sich überhaupt gemeldet hat, denn das zeigt, auch er will den Fall lösen, und ist gesprächsbereit.

– Nein, ich denke es war richtig, daß er mich zuerst anruft, denn ich habe den Fall ins Rollen gebracht. Ich werde im Handelsblatt, etc. zitiert. Ich bin für ihn im Zweifel derjenige, bei dem die Fäden der Aktion zusammenlaufen. Dort meldet man sich zuerst. Und sei es, um nur die Wogen zu glätten.

– Ja, der Bericht ist auffallend positiv. Warum? Weil ich Ruhe haben will auf beiden Seiten! Ich will, daß die Abmahnungen der Damen zurückgezogen und daß die Damen für all den Ärger der letzten Wochen entschädigt werden, daß sich der Hauptverantwortliche zumindest entschuldigt. Ich will, daß so etwas bei Jack Wolfskin nicht mehr vorkommt! Und ich wünsche mir, daß das ein oder andere Unternehmen aus den letzten 5 Tagen lehrreiche Schlüsse zieht.

– Nein, er hat mich nicht bestellt, sondern ich habe das 4-Augen-Gespräch mit ihm gefordert. Am Telephon kann er mir (und Euch) alles erzählen!  Unter anderem, er sei im Ausland! Interessiert mich alles nicht. Mich interessiert nur die schnelle Lösung des Konfliktes.

– Nein, der Montag ist vollkommen okay, denn die ersten Abmahnung wird am Abend des Dienstag per Fax fällig! Zeit genug für alle Beteiligten.

– Ja, ich denke, eine zufriedenstellende Lösung erreichen wir nur, wenn man sich im Vorfeld auf einen Level begibt, auf dem man vernünftig miteinander reden kann. Dazu können in diesen Tagen wir alle beitragen. Wir sollten weiter das ureigentliche Ziel verfolgen!

Danke Euch allen! Wir bleiben dran!
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313 Kommentare

  1. Vadder Krause

    Das muß kein Traum bleiben.
    .
    Auch SHELL mßte umdenken, als die Leute an der Tankstelle abgestimmt hatte.
    .
    Also Boykott gegen Jack Wolfskin.
    .
    Beim Umsatz und Gewinn trifft man Sie empfindlich.

  2. Charly W.

    Gerade in den Militaria-Shops an den Auslandseinsatzstandorten der Bundeswehr wurde bisher viel von JW angeboten. Ich glaube, das können sie sich ab jetzt klemmen… Unter Kameraden ist es zwar nicht üblich, jemanden „anzuspucken“ wenn er das Logo von JW noch offen trägt, aber eben weil es ein Kamerad ist, wird er einfach drauf angesprochen, das diese Marke ab jetzt „out“ ist!

  3. Schwarzliste

    Dir Vögel von jws sollen sich mal gedanken machen weshalb billigheimer mehr als erfolgreich sind.

  4. supergrobi

    Seh ich auch so, Jack Wolfskin ist jetzt out.

    Lediglich gegen die Hobby-Bastler wird zurückgerudert, aber der Kurs wird mit Sicherheit weiterhin gehalten. Wer eine Tatze nutzt wird auch in Zukunft mit der Abmahnkeule eine draufbekommen, JW ist es dabei egal ob Bär oder Hund, die werden sich nicht ändern.

    Ich werde keine Produkte von JW mehr kaufen, besser als andere sind sie auch nicht, es war halt ein bekannter Name, aber diesen Bonus haben sie jetzt verloren, zumindest bei mir, vielleicht geht es euch ja genauso.

    Möglich ist sowas nur in der Bananenrepublik Deutschland.

  5. ernst

    Bei mir hat JW trotzdem verloren. Mich hat das „Zurückrudern“ nämlich nicht beeindruckt. Das was davor war, lässt sehr tief blicken und das vergessen wir nicht so schnell.

  6. Brand Management im Internet Zeitalter – Bsp. Jack Wolfskin | Lemundo: Online Marketing Services

    […] 21.10.2009 ruft der Jack Wolfskin CEO bei Werbeblogger.de an und diskutiert die Angelegenheit scheinbar direkt und sachlich nüchtern, aber auch recht […]

  7. Phaidros

    Was ist jetzt aus dem gestrigen Gespräch geworden? Hieß ja, am Montag geht die Show weiter.
    Oder ist Janus nicht mehr interessiert, den Schaden irgendwie zu begrenzen?

  8. Mit Kanonen auf Tatzen « CrisisEverywhere Blog

    […] scheint enorm gewesen zu sein. Wolfskin-CEO Manfred Hell wendete sich sogar persönlich an Werbeblogger und schaffte es, einen halbwegs positiven Artikel zu generieren. Nichtsdestotrotz dürfte das Image […]

  9. Ludwig

    Jack Wolfskin – ein Einzelfall oder die Spitze des Eisbergs?
    ————————————————————

    Leider kein Einzelfall. Gelegentlich lenken Firmen ein (es soll noch andere gegeben haben, ich kenne keine). Was bedeudet Einlenken für die bereits Betroffenen? Das Engagement im Netz schätze ich sehr, aber es wird nur Einzelschicksalen geholfen. Und in wie vielen Fällen gibt es gar keine Mobilisierung?

    Jack Wolfskin – ein einmaliges Beispiel für die Macht der Marke und die Marktmacht der Verbraucher. Dies war aber nur möglich, weil der Konzern eine so gewichtige und wertvolle Marke “Jack Wolfskin” innehält, stilisiert durch die Bildmarke der “Wolfspfote”. Nur weil sich die riesige FANgemeinde der Produkte, auch Gutverdienende (pioneers, opinion leader, und und und) mit Bastelmuttis solidarisierten, vielleicht auch weil sie das Image IHRER Marke gefährdet sahen. WIR alle mussten einschreiten und aktiv werden. Mich eingeschlossen, sonst hätte die eigene Investition in teure outdoor-Kleidung massiv an Wert (Image) verloren.
    Was solls, so geht man nicht mit Kunden um. Ich trenne die Pfoten ab und schicke sie an Herrn Hell persönlich zurück. Ich brauche keine Pfote. Ich sehe die Pfote im weiteren Sinn nicht als schutzfähig an (meine ganz persönliche Meinung). Mit einer speziellen Abbildung sieht das anders aus.

    Als internetgeschädigtes Abmahnopfer in anderer Angelegenheit fand ich 2002 ähnliche Stürme der Entrüstung allerdings begrenzt auf abmahnwelle.de – Eine solche breite MOBILISIERUNG war damals nicht möglich. Die Chance dazu wiederholt sich ständig, wie tausende sich schützender Firmen zeigen. Jeder einzelne Fall hat die Chance dazu, manchmal bleibt nur das Risiko für die Betroffenen.

    “Wehret den Anfängen.” Dafür ist es schon lange zu spät.
    ——————————————————–

    Viel wichtiger wird jetzt, Schaden für die Zukunft zu verhindern. Sowohl für Firmen als auch für die Verbraucher. Abmahnopfer kann jeder werden. Abmahnopfer gibt es auf beiden Seiten, wie die Wolfspfote zeigt. Der richtige Adressat ist die Politik, das Bundesministerium der Justiz, …

    Zu diesem Thema sind einige Petitionen ohne die erforderliche Unterstützung abgelaufen. Einmalig ist m.E. die Konstellation: starke outdoor-Marke gegen Oma&Mutter (ich kann auch stricken aber nicht so gut).

    Leute begreift, dies ist eine einmalige CHANCE für uns Verbraucher (= potentielles Abmahnopfer = machtloser Empfänger einer anwaltlichen Kostennote über ca.1.000 Euro inkl. lebenslänglichem schwebendem Todesurteil = strafbewehrte Unterlassungserklärung)!

    Von der Wolfpfote sind wenige betroffen, aber VIELE BEWEGT. Die Wolfspfote ist eben eine starke Marke. Ihre Markenträger verbinden ein Lebensgefühl damit, so ist es von den Markenstrategen gewollt. Gute Arbeit! Dieser Erfolg bröselt … wegen Juristen.

    Wer ist gut, wer ist der Böse?
    ——————————

    Die Frage nach “Gute Strickliesl” und “Böser Wolf” stellt sich nicht.
    Die Frage ist geltendes Recht und Verhältnismäßigkeit.
    Die Situation in Bildern:
    Was stört es eine deutsche (internationale) Eiche, wenn ein kleiner Hund sie anpinkelt.
    Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – ignorantia legis non excusat.

    Da schickt ein Goliath Rechtsanwälte los, seine mühsam aufgebaute Marke zu verteidigen. Muß Goliath ja auch, sonst wird ihm das später als mangelnder Markenschutz zur Last gelegt, wenn er mal gegen einen anderen Goliath kämpft. Das Rundumfeuer trifft gelegentlich auf viele kleine Davids ohne Steinschleuder. Gutgläubiger David fällt aus allen Wolken, soll ca.1000 Euro zahlen für etwas, was er gar nicht wollte, weil nicht wußte (siehe Unwissenheit) und dies nun unverzüglich abstellt, in Kenntnis dieser Rechtsverletzung niemals getan hätte. Er kennt zwar die 10 Gebote (die Bibel, die Tora, den Koran, o.a.), aber vom Gewerblichen Rechtsschutz mit allen seinen Ausprägungen (Markenrecht, Namensrecht, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht, usw.), davon hat er keine Ahnung, die Vielfalt ist unglaublich de.wikipedia.org/wik...

    Das ist keine Auseinandersetzung unter Gleichberechtigten. Für ebenbürtige Marktteilnehmer ist das Instrument der Abmahnung geschaffen, zur außergerichtlichen Durchsetzung ihres Rechts, nicht um rechtschaffene Bürger am Rechtssystem (ver-)zweifeln zu lassen. Viele Rechtsanwälte kennen ihr Recht. Verhältnismäßigkeit anzuwenden oder es gar bei einer Ermahnung zu belassen ist nicht ihr Job. Diesen Ermessensspielraum hat ein Polizist, als Vertreter der Staatsmacht, er darf ermahnen statt gnadenlos zu strafen. Bei einer Abmahnung geht es nicht um ein Bußgeld (60 Euro), sondern um ca.1000 Euro anwaltliche Kostennote und die werden als Strafe empfunden. Es ist nur ein Buchstabe E->A mit verhehrender Wirkung.

    Was können wir tun?
    ——————-
    Viele sind mobilisiert, jetzt müssen wir uns KANALISIEREN und multiplizieren. Ich habe am 27.10.2009 eine ePetition Nr. 8033 formuliert, diese muß erst noch geprüft werden, einige sind schon wirkungslos abgelaufen. Schaut auf der Seite des Bundestags: https://epetitionen....
    oder für ganz neugierige hier der download des Textes
    file-upload.net/down...
    Legt schon mal euren account an, erfüllt die direkte Demokratie mit Menschen. Vielleicht unterstützt ihr die eine oder anderere ePetition auch gleich.
    Spätestens wenn die ePetition zur Abstimmung eingestellt ist, melde ich mich hier wieder. Bis dahin bleibt aktiv, vergesst nicht (so schnell – 3 Wochen sind lange), die Petition läuft nur 3 Monate und tragt euch ein. Die Zeit ist günstig, die Chance einmalig.

    Und zwei Bitten am Schluß…
    —————————-
    1. Straft die Pfote nicht durch Konsumverweigerung, sondern kauft eure Marke, trennt die Pfote ab und schickt sie zurück – zeigt EURE Krallen – aber mit Stil.

    2. Sollten sich hier abmahnfähige Stellen befinden, bitte ich, als gutgläubiger Ignorant, um einen freundlichen Hinweis. Ich werde dies unverzüglich abstellen. Vielen Dank. Ludwig Hoch, c/o Petition, Sonnenstr. 42, 97640 Stockheim

  10. 50hz – Werkstatt für Netzkommunikation » Blogarchiv » Der Wolf rettet seine Haut – Rehabilitation wäre angemessen

    […] im Web 2.0-Umfeld. Kurzzeitig hatte man den Eindruck, Jack Wolfskin könnte kurzfristig angemessen reagieren, doch schließlich verfiel man doch in stereotype […]

  11. Dirk "festus" Festerling

    Blöde Frage:
    Gab es das Gespräch?
    Wenn ja, kam was dabei rum?

  12. ralf schwartz

    Nein, das Gespräch gab es nicht. Wir haben es abgesagt, nachdem Wolfskin eine PM veröffentlichte > werbeblogger.de/2009...

    Danach war es verhältnismäßig ruhig – bis wir nach einem Monat nachfaßten > werbeblogger.de/2009...

    Für mehr Infos zu bestimmten Themen kannst Du einfach das Thema in die werbeblogger-Suche eingeben ;-)
    Für zB Wolfskin erhältst Du dann alle Infos schnell und chronologisch geordnet.
    Frohes Neues Jahr!

  13. Unterschätze NIE die Macht der Netz-Community! | UltraBit's Blog

    […] nicht ohne Folgen bleiben durfte. Der CEO von Jack Wolfskin, Manfred Hell, hat sogar Kontakt zum Werbeblogger aufgenommen, denn der PR-GAU war eingetreten. Werbeblogger.de berichtete in den vergangenen Tagen […]

Eure Kommentare

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