12:48 Uhr
Paid Content – Klingelbeutel oder Kirchensteuer – oder beides?
Gestern Abend besuchten Cem-”das Leben ist nicht digital”-Basman und ich die Mediacoffee Podiumsdiskussion “Gewinner und Auslaufmodelle -- Wer profitiert von der Medienkrise“.
Anwesend waren leitende Vertreter von Spiegel, Axel Springer, Gruner & Jahr, Zeit und Google. Moderator und dpa-infocom Geschäftsführer Meinolf Ellers bediente sich innerhalb der Diskussion einer streitbaren Metapher, um die Refinanzierungsstrategien (der Verlage) im Internet zu beschreiben, die ich als nachhaltigen Eindruck gerne teilen möchte. Sinngemäß führte er aus:
Es ist ein bisschen wie in der Kirche. Verlage laden -zur Messe- ein, gratis und mit vollem Programm. Die Besucher kommen in Scharen und anschließend geht man mit dem Klingelbeutel herum, nur dieser bleibt vergleichsweise leer. Im Unterschied zu den Verlagen und Journalisten hat die Kirche aber wenigstens eine Kirchensteuer…
Das Bild brachte die Teilnehmer und das Auditorium zum Schmunzeln, Fried von Bismarck (Spiegel) und Christoph Keese (Springer) wollten die humorige Steilvorlage aber nicht unkommentiert stehen lassen. So schildert Keese noch einmal, warum Springer Vorstandschef Mathias Döpfner sich für ein “Leistungsschutzrecht für Verlage” stark macht.
Auch eine “Steuer” sei im Prinzip nichts anderers als eine “Flatrate”, eine zentral eingesammelte Abgabe aller, um eine bestimmte Leistung anderer dauerhaft in Anspruch nehmen zu können. Warum sollten Verlage bzw. Journalisten -wie zum Beispiel in der Musikindustrie- nicht auch angemessen an einer wirtschaftlichen Verwertung beteiligt werden?! Ist es fair, dass Netzaggregatoren Auszüge von Artikeln und Beiträgen der Verlage auf einer Website maschinengesteuert sammelten, um sich anschließend über Werbung zu refinanzieren, ohne die Hersteller des Quellenmaterials, die Inhalteschaffenden also, entsprechend zu vergüten?!
Zurück zur Kirchen-Metapher: Das erste Gebot der christlichen Ethik lautet bekanntlich: “Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.” Auch wenn der eine oder andere Verlag sich in alter Tradition vielleicht tatsächlich noch als “Gott der Medienlandschaft” fühlt, so ist doch auch klar, dass gerade im Web das Angebot und die Alternativen an Inhalten -quantitativ aber auch qualitativ- rasant zunimmt. Reine Newsmeldungen sind weltweit gratis verfügbar und sicher nicht mehr geeignet, einen Anspruch auf eine Verwertungsabgabe geltend zu machen. Wofür auch?!
Genügend Pressemeldungen werden bereits heute durch die Rationalisierungszwänge der Verlage und schrumpfende Redaktionen allenfalls dezent textlich umformuliert, die eigene geistige Schöpungshöhe ist marginal bis nicht vorhanden. Was bliebe, sind (Hintergrund-) Berichte, Analysen, Fachkommentare und andere journalistische “Qualitätserzeugnisse”, allerdings darf sich gerade Axel Springer dann auch selbstkritisch hinterfragen, welche Publikationen aus eigenem Hause diesem Anspruchsraster nicht genügen.
Update:
4 Kommentare
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Am 22. April 2009 um 13:15 Uhr
Vlatrate für Verleger? No way, baby.
Am 22. April 2009 um 14:40 Uhr
[...] News-Bereich, mit dem sich die Grossen schwer tun, der aber auf ihrer Agenda ist, wie ich auch gestern Abend beim media coffee gerade auch von Christoph Keese (Springer) im Panel gehört habe. Roberts Vorhaben ist eine [...]
Am 23. April 2009 um 11:42 Uhr
Vollkommen klar, warum sich Springer für ein Leistungschutzrecht im Internet stark macht. Davon profitieren nämlich die Verlage, nicht die Autoren als die eigentlichen Urheber. Dabei haben Springer, Süddeutscher Verlag und Co. schon vor Jahren ihre eigene Flatrate erfunden, aber andersherum: Autoren werden mit einem Einmalhonorar abgefunden, anschließend darf der Verlag die Texte beinahe beliebig weiterverwenden. Kleine Zusatzhonorare gibt es im Total Buy Out System nur in Einzelfällen.
Am 28. April 2009 um 13:15 Uhr
[...] Paid Content – Klingelbeutel oder Kirchensteuer – oder beides? — 15:34 via Delicious Es ist ein bisschen wie in der Kirche. Verlage laden -zur Messe- ein, [...]