25.05.07
22:35 Uhr

AOK fürgegen Fettsucht, Hautkrebs und Leberzhirose

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Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass so manche Menschen in der Welt ihr Gehirn morgens auf dem Weg zur Arbeit auf der Hutablage liegen lassen. Dann denke ich manchmal auch nur ein wenig wie Bob Dylan, der mir mit „there are many among us who feel that life is but a joke“ aus „All along the watchtower“ (natürlich wesentlich knackiger von Jimi Hendrix performed) aus der Seele spricht, wenn ich von solch gar merkwürdigen und völlig irrsinnigen Marketingaktionen erfahre: Da gibt es also die „Gesundheitskasse“, die im echten Leben eine der größten und teuersten Krankenkassen Deutschlands ist, die mit einer Art Paybackkarte schnuffige Rabatte auf allerlei Freizeitaktivitäten gibt. Die sogenannte „AOK Plus Card“ im Raum Baden-Würtemberg verschaffte den Eigentümern diverse Rabatte auf Leistungen der teilnehmenden Partner. Von Apollo Optik bis zum Vital- und Wellnesshotel Albb hört sich das ja zunächst ganz normal an. Allerdings berichtete das Nachrichtenmagazin Frontal21 im ZDF diese Woche von einigen ziemlich fragwürdigen Partnern. So fand man neben Fahrradgeschäften eben auch Fast Food Restaurants, Kneipen und Sonnenstudios im Partnerprogramm wieder. Also Rabatt auf Pommes, Assi-Toaster und Alkopops finanziert durch die Beiträge der Kassenmitglieder? Wunderbar!

Klar, dass der Bericht mehr als nachhaltig gewirkt hat. AOK BW hat umgehend reagiert und die widersprüchlichen Partner umgehend von der Liste gestrichen. Man sei wohl mit einigen Angeboten weit über das Ziel hinausgeschossen, erklärte der Vorstandschef der AOK BW nach Veröffentlichung durch das Nachrichtenmagazin. Ja, ja, erst denken dann handeln. Ich finde es jedenfalls äußerst amüsant, wenn eine „Gesundheitskasse“ Wasser predigt und unter der Hand Wein verschenkt. Burgerrabatte und gleichzeitig auf der eigenen Internetseite das Fastfood anprangern. Getränkerabatt in den Diskotheken für Jugendliche bereitstellen und über die Alkoholsucht öffentlich ermahnen. Tut mir leid, da ist für mich einfach Schluss. Ich bin zwar kein „Kunde“ der AOK, ich kann aber wirklich nur jedem derzeitigen AOK-Mitglied dazu raten, es sich dreimal zu überlegen, wem er seine Gesundheitsvorsorge anvertraut. Eine derartige doppelmoralische Kommunikation habe ich jedenfalls in diesen Ausmaßen schon lange nicht mehr erlebt. Da zieht auch nicht mehr das Argument des „über das Ziel hinausschießens“. Auch an Stelle der restlichen noch teilnehmenden Partner, würde ich mir ausführlich Gedanken machen, ob ich bei so einer fadenscheinigen Aktion überhaupt noch teilnehmen kann, ohne dass das eigene Image dabei Schaden nimmt.

Bitte bleibt gesund und infiziert dabei doch alle anderen mit der Botschaft!

Danke an Julian, für den Hinweis per Mail!

4 Kommentare

  1. Julian Reischl

    :-)

    Der Dank gebührt meinem Kollegen Jean, bzw. dessen Vermieterin, die ihm das heute wohl im Treppenhaus erzählt hat…

  2. Patrick Breitenbach

    Der Flurfunk war also schneller :-)

  3. Wolfgang Hömig-Groß

    Neben Dylan/Hendrix ist mein Bild von der Welt durch folgende Verse von Genesis (aus Heathaze von Duke) entscheidend mitgeprägt:
    Beware the fisherman who’s casting out his line
    Into a dried up river bed.
    But don’t ry to tell him ‘cos he won’t believe you.
    Throw some bread to the ducks instead, it’s easier that way.
    Feel like a stranger, an alien in an alien place.
    Passt auch hier ganz gut – manche sehen eben ganz was anderes als andere …

  4. Wolf

    Wie ungerecht. An ihre rauchenden Kunden hat die Gesundheitskasse nicht gedacht …

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