05.12.06
16:30 Uhr

Subversives Web 2.0 – ein philosophischer Ansatz

Prof. Dr. Thomas Friedrich (Hochschule Mannheim) hat einen exklusiven Beitrag in unserem Buenalog veröffentlicht: Kapitalismus ade. Die subversive Kraft des Web 2.0. Mal wirklich ein anderer Ansatz um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Am Ende wird auch auf Marketing im Web 2.0 eingegangen:

Wenn nun heute im modernen Marketing vermehrt die Frage gestellt wird, wie das Verhältnis von Web 2.0 und Marke ist, stimmt eines sicher: Marken, Corporate Design und Corporate Identity funktionieren nach der alten Identitätslogik. Die im globalisierten Kapitalismus sich stark erhöhende ökonomische Konkurrenz nötigte den Firmen vermehrt eine verschärfte Identitätsbildung auf, schon allein deswegen, um in der Warenflut vom potentiellen Kunden überhaupt noch als Einheit wahrgenommen zu werden. Der Widerspruch zwischen Markenlogik und Web 2.0-Logik könnte größer nicht sein. (…) Ich sehe nun zwei Möglichkeiten. Einmal könnte die heute völlig unproblematische Allianz von Ökonomie und Politik dazu verwendet werden, durch Gesetzgebung, das heißt mit Staatsgewalt die alten kapitalistischen Kategorien „Privateigentum“, „Autor“, „Honorar“, „Werk“ usw. dem Web 2.0 überzustülpen. Mit dieser Zwangsjacke würde versucht werden alle transzendierenden, subversiven und radikaldemokratischen Kräfte des Netzes zu bändigen. Das wäre die langweilige Version.

Vielleicht ist aber auch die subversive, radikaldemokratische Kraft des Web 2.0 stärker als es den Gesetzgebern recht ist. Dann könnte das Web 2.0 als Leitmedium zu einem neuen Verständnis von Demokratie, Wissen und Kommunalität in globaler Dimension führen, das dazu beiträgt die aktuelle privatwirtschaftliche Ökonomie, die bezogen auf die Versorgung der Weltbevölkerung mit Gütern sich ohnehin als ein völlig untaugliches Mittel erwiesen hat, endlich abzulösen. Gefunden werden muss ein gesellschaftliches Modell, das jenseits der ehemaligen staatssozialistischen und aktuellen kapitalistischen Kategorien zu begreifen ist. Vielleicht gibt uns das Web 2.0 und seine Logik dazu einen Leitfaden.

Ich sehe die Thematik natürlich nicht ganz so schwarz/weiß. Weder wird das Web 2.0 umsturzartig die Welt verändern, noch werden Staat und Konzerne so strikt eingreifen, dass es zu einer Zwangsjackensituation führt (und wenn, wird sich die Bewegung neue Kanäle suchen). Ich sehe die große Chance für Unternehmen dahingehend, im Internet nun einen echten Mehrwert für Kunden zu bieten. Einfach aufgrund der Tatsache, dass der zur Verfügung stehende Raum enorm groß ist und die Produktion von Content relativ unaufwendig geworden ist. Ideen werden nun zum alleinigen Zahlungsmittel, denn sie sind die eigentliche Währung des Web 2.0. Nicht der Corporate Blog zählt, sondern die Geschichte, die darin erzählt wird. Nicht die Community Plattform ist attraktiv, sondern die Menschen die sich darin tummeln.

Marken könnten somit tatsächlich zu echten Orientierungspunkten und Wegbegleitern werden. Kein bloßes Lippenbekenntnis mehr. Dazu jedoch muss zunächst eine Interessensüberschneidung stattfinden.

Nur wenn sich Interessen überschneiden, macht Kommunikation erst richtig Spaß.

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Ein Kommentar

  1. Gerold Braun

    da fehlt ein b im suversif der Überschrift ;-)

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Eure Kommentare

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  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
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