Hygiene als System: Warum zufälliges Putzen nicht mehr ausreicht
Professionelle Reinigung hat sich von der gelegentlichen Sauberkeit hin zu einem klar strukturierten Hygienesystem entwickelt. Wir orientieren uns dabei nicht mehr an Einzelmaßnahmen, sondern an durchgängigen Prozessketten, die von der Gefährdungsbeurteilung über die Planung bis zur Kontrolle alle Schritte abdecken.
Moderne Hygieneplanung bedeutet:
- Klare Zieldefinition: Welche Flächen benötigen welchen Hygienestandard?
- Transparente Abläufe: Wer macht was, wie oft, mit welchen Mitteln?
- Nachvollziehbare Dokumentation: Welche Maßnahmen wurden wann ausgeführt?
- Regelmäßige Überprüfung: Werden die festgelegten Standards tatsächlich eingehalten?
Damit Hygienekonzepte belastbar sind, müssen sie sowohl rechtliche Vorgaben (z. B. Arbeitsstättenverordnung, Infektionsschutzgesetz) als auch branchenspezifische Richtlinien (z. B. KRINKO-Empfehlungen im Gesundheitswesen, HACCP im Lebensmittelbereich) abbilden. Durch diese Verknüpfung entsteht ein steuerbares System, das sich im Alltag praktisch anwenden lässt.
Von der Sichtreinigung zur risikobasierten Hygieneplanung
Früher stand oft die optische Sauberkeit im Vordergrund. Heute rückt der Hygienestatus von Flächen in den Mittelpunkt. Wir unterscheiden etwa zwischen:
- Hochfrequentierten Kontaktflächen (Türklinken, Handläufe, Taster)
- Sanitären Anlagen (Toiletten, Waschbecken, Duschbereiche)
- Funktionsflächen (Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Küchen)
- Sensiblen Bereichen (medizinische Räume, Lebensmittelzonen, Labore)
Für jede Zone wird ein Reinigungs- und Desinfektionsplan erstellt. Darin legen wir fest:
- Reinigungshäufigkeit (mehrmals täglich, täglich, wöchentlich)
- Reinigungsart (trocken, feucht, nass, desinfizierend)
- Verwendete Mittel (pH-Wert, Materialverträglichkeit, VAH-/RKI-Listung)
- Arbeitsmethode (Wischrichtung, Farb- und Tuchsysteme, Geräteeinsatz)
So entsteht eine risikobasierte Steuerung: Flächen mit hoher Kontaktrate oder sensiblem Nutzungszweck erhalten eine andere Priorität als wenig frequentierte Zonen. Dieser Ansatz sorgt dafür, dass Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie hygienisch den größten Nutzen entfalten.
Flächenklassifizierung, Reinigungsstufen und Materialschutz
Ein durchdachtes Hygienekonzept beginnt mit der systematischen Flächenklassifizierung. Wir unterscheiden häufig:
- Hygienerelevante Flächen
Dazu zählen Oberflächen, die direkt oder indirekt mit Menschen, Lebensmitteln oder medizinischen Produkten in Berührung kommen. Hier gelten strengere Reinigungs- und Desinfektionsintervalle. - Normale Nutzflächen
Bürobereiche, Flure, Besprechungsräume. Sauberkeit dient hier sowohl dem Wohlbefinden als auch der Minimierung von Keimübertragungen über Hände und Oberflächen. - Technische und Nebenflächen
Lager, Technikräume, weniger frequentierte Zonen. Sie benötigen angepasste, aber nicht unbedingt tägliche Behandlung.
In jeder Kategorie unterscheiden wir außerdem Reinigungsstufen:
- Unterhaltsreinigung: Regelmäßig wiederkehrende Reinigung mit definiertem Turnus.
- Zwischenreinigung: Anlassbezogene Reinigung bei sichtbar erhöhter Verschmutzung.
- Grundreinigung: Tiefgehende Entfernung haftender Schichten und Pflegefilme in größeren zeitlichen Abständen.
Gerade bei der sachgemäßen Gebäudereinigung in Hamburg zeigt sich, wie wichtig die Abstimmung auf regionale Einflüsse ist: Außenklima, Feinstaubbelastung, Streumittel im Winter und hohe Besucherströme in öffentlichen Bereichen wirken sich deutlich auf Verschmutzungsgrad und Intervalle aus.
Parallel zur Hygiene müssen wir den Materialschutz im Blick behalten. Aggressive oder ungeeignete Mittel können:
- Oberflächen anlösen oder aufrauen
- Beschichtungen zerstören
- Dichtungen und Fugen schädigen
- Langfristig höhere Wiederanschaffungskosten verursachen
Daher stimmen wir Reinigungsmittel nach pH-Wert, Tensidart, Lösungsmitteln und Herstellerangaben auf die vorhandenen Materialien ab und definieren dies verbindlich in den Reinigungsplänen.
Reinigungschemie gezielt einsetzen statt „mehr hilft mehr“
Ein professionelles Hygienekonzept verlässt sich nicht auf wahllos eingesetzte Chemikalien, sondern auf präzise dosierte Produkte mit klarem Einsatzbereich. Wesentliche Grundregeln sind:
- So viel wie nötig, so wenig wie möglich: Überdosierung erhöht weder Reinigungskraft noch Hygiene, sondern nur Kosten und Umweltbelastung.
- Klare Zuordnung: Sanitärreiniger, Allzweckreiniger, Alkoholreiniger, Desinfektionsmittel – jeder Produkttyp erhält definierte Anwendungen.
- Einhaltung der Einwirkzeit: Desinfektion wirkt nur, wenn die vorgeschriebene Einwirkdauer tatsächlich eingehalten wird.
- Vermeidung unzulässiger Mischungen: Bleichmittel und Säuren, verschiedene Desinfektionsmittel oder stark alkalische und saure Produkte können gesundheitsschädliche Dämpfe oder Reaktionen erzeugen.
Wir verankern diese Regeln in Arbeitsanweisungen, die in verständlicher, knapper Form alle wesentlichen Punkte enthalten:
- Verdünnungsverhältnisse
- Vorgesehene Wasserhärtebereiche
- Oberflächenkompatibilität
- Sicherheits- und Arbeitsschutzhinweise
Dadurch senken wir nicht nur das Risiko für Gesundheitsschäden und Oberflächenkorrosion, sondern stellen auch sicher, dass die Produkte ihre vorgesehene Wirkung entfalten.
Arbeitstechniken, Zonenkonzepte und Farbtrennung
Reinigungsmittel allein stellen keine Hygiene sicher. Entscheidend sind Arbeitsmethoden, mit denen Verschmutzungen sicher entfernt und nicht verteilt werden. Zentrale Bausteine:
- Arbeiten von sauber nach schmutzig: Zuerst weniger belastete Flächen, anschließend stärker kontaminierte Bereiche.
- Arbeiten von oben nach unten: Damit herabfallende Partikel oder Tropfen nicht bereits gereinigte Flächen erneut verschmutzen.
- Definierte Wischbahnen: Überlappende, gleichmäßige Bewegungen statt wahlloser Richtungswechsel.
Hinzu kommt ein strukturiertes Farbkonzept für Tücher und Mopps, um Kreuzkontamination zu vermeiden. Typisch ist:
- Rot: WC-Becken, Urinale, direkt kontaminationsgefährdete Sanitärbereiche
- Gelb: Waschbecken, Fliesen, sonstige Sanitärobjekte
- Blau: Allgemeine Flächen in Büros und Aufenthaltsbereichen
- Grün: Küchen- und Lebensmittelbereiche
Dieses System funktioniert nur, wenn es konsequent geschult, kontrolliert und dokumentiert wird. Dadurch lässt sich nachweisen, dass Toilettenbereiche nicht mit denselben Textilien bearbeitet wurden wie Arbeitsflächen oder Handläufe.
Hygienepläne, Checklisten und Dokumentation als Steuerungsinstrument
Ein modernes Hygienekonzept benötigt schriftlich fixierte Unterlagen, die jederzeit nachvollziehbar sind. Dazu gehören:
- Hygienepläne pro Bereich mit:
- Flächenaufstellung
- Reinigungsart
- Turnus
- Mittel und Hilfsmitteln
- Arbeitsanweisungen für typische Tätigkeiten:
- Sanitärreinigung
- Bodenreinigung
- Oberflächendesinfektion
- Glas- und Sonderreinigung
- Checklisten zur täglichen oder wöchentlichen Abarbeitung:
- Abgehakte Punkte schaffen Klarheit
- Auffälligkeiten werden direkt vermerkt
Die Dokumentation dient nicht nur der internen Kontrolle, sondern auch als Nachweis gegenüber Behörden, Auditoren oder Auftraggebern. Insbesondere in Bereichen mit HACCP-, ISO- oder sonstigen Zertifizierungen ist lückenlose Nachvollziehbarkeit Pflicht.
Wir achten darauf, dass Dokumente:
- übersichtlich gestaltet sind,
- klar verständliche Formulierungen verwenden,
- digital oder analog gleichermaßen praktikabel nutzbar sind.
Schulung, Unterweisung und Hygienekultur im Alltag
Selbst das beste Konzept bleibt wirkungslos, wenn es im Alltag nicht gelebt wird. Daher steht kontinuierliche Schulung im Mittelpunkt. Inhaltliche Schwerpunkte sind:
- Richtiges Händehygiene-Verhalten (Dauer, Technik, geeignete Produkte)
- Persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe, Schutzbrille, ggf. Mundschutz)
- Sicherer Umgang mit chemischen Produkten
- Verhalten bei Zwischenfällen (Blut, Erbrochenes, Nadelstichverletzungen, verschüttete Chemikalien)
Neben einmaligen Einweisungen brauchen wir wiederkehrende Unterweisungen und praktische Einheiten, in denen Mitarbeitende:
- korrekte Wischtechniken üben,
- Fehlanwendungen erkennen,
- Rückfragen stellen können.
Darüber hinaus fördern wir eine Hygienekultur, in der:
- Auffälligkeiten (z. B. Defekte an Sanitärobjekten) aktiv gemeldet werden,
- Reinigungszeiten respektiert und nicht gestört werden,
- klare Zuständigkeiten bekannt sind.
So entsteht ein Miteinander von Nutzenden und Reinigungspersonal, das die Wirkung des Hygienekonzepts stärkt.
Digitalisierung und Monitoring in der professionellen Reinigung
Digitale Werkzeuge ermöglichen heute eine feinere Steuerung und Überprüfung von Hygienemaßnahmen. Verschiedene Ansätze unterstützen dabei:
- Digitale Tourenplanung für Reinigungskräfte mit mobilen Endgeräten
- QR-Codes an Räumen, über die erledigte Arbeiten dokumentiert werden
- Sensorik für Füllstände von Seifenspendern, Papierhandtüchern oder Abfallbehältern
- Digitale Checklisten und Fotodokumentation bei Auffälligkeiten
In hygienisch sensiblen Bereichen kommen zusätzlich Adenosintriphosphat(ATP)-Messungen oder Abklatschtests zum Einsatz, um die mikrobielle Belastung von Flächen zu überprüfen. Die Ergebnisse fließen zurück in:
- Anpassung von Reinigungsintervallen
- Änderung von Produkten oder Methoden
- gezielte Nachschulung von Mitarbeitenden
Digitales Monitoring hilft, Trends frühzeitig zu erkennen, etwa steigende Verschmutzung durch geänderte Nutzung oder saisonale Einflüsse, und erlaubt eine schnellere Reaktion.
Nachhaltige Hygiene: Umwelt, Gesundheit und Wirtschaftlichkeit verbinden
Fortschrittliche Hygienekonzepte berücksichtigen neben Sauberkeit und Keimreduktion auch Umweltverträglichkeit und Gesundheitsschutz. Wichtige Stellschrauben:
- Konzentrat-Systeme mit exakter Dosierung, um Verpackungsmüll und Überdosierung zu verringern
- Mikrofasertechnologie, die mechanische Reinigungsleistung erhöht und den Chemikalienbedarf reduziert
- Kaltwassergeeignete Mittel, die Energieverbrauch senken
- Zertifizierte Produkte (z. B. EU Ecolabel, Blauer Engel), sofern sie mit den hygienischen Vorgaben vereinbar sind
Zusätzlich achten wir auf:
- Ergonomische Hilfsmittel (Teleskopstiele, leichte Wagen, rückenschonende Geräte)
- Lüftungskonzepte, die das Einatmen von Aerosolen und Dämpfen reduzieren
- Lärmarme Maschinen, um den Arbeitsalltag zu entlasten
Nachhaltige Hygiene bedeutet nicht Verzicht auf Wirksamkeit, sondern eine bewusste Auswahl von Methoden und Produkten, die Gesundheit, Umwelt und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gleichermaßen gerecht wird.
Kontinuierliche Verbesserung: Hygienekonzepte regelmäßig anpassen
Professionelle Reinigung ist kein statischer Zustand. Nutzungen ändern sich, neue Erkenntnisse zur Keimübertragung kommen hinzu, Gebäude werden umgebaut oder erweitert. Daher etablieren wir Regelkreise, um Hygienekonzepte fortlaufend zu verfeinern:
- Regelmäßige Begehungen mit strukturierten Protokollen
- Auswertung von Reklamationen, Auditergebnissen und Messwerten
- Anpassung von Plänen, wenn sich Frequenzen oder Raumnutzungen ändern
- Einbindung der Mitarbeitenden, die auf praktische Probleme hinweisen
Aus diesen Rückmeldungen entstehen gezielte Korrekturen:
- Intervalländerungen bei bestimmten Flächen
- Austausch ungeeigneter Produkte
- Anpassung von Reinigungswegen
- Erweiterung der Schulungsinhalte
So entwickelt sich die professionelle Reinigung von der starren Routine hin zu einem dynamischen System, das auf Veränderungen reagieren kann, ohne die hygienische Sicherheit zu gefährden.













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