27.03.07
15:03 Uhr

ADC-Jury nagelt Hitler zum silbernen Testimonial

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Natürlich ist der Nagel nicht für das Testimonial selbst sondern scheinbar für den für die Jury äußerst witzigen Audio-Spot für einen Reiseführer von Madeira und der Buchahndlung, wo man ihn kaufen kann. Spießer Alfons regt sich zu Recht über „den Führer für den Führer“ auf. Wenn man ein wenig tiefer gräbt kommen natürlich etliche unliebsame Verbindungen zu Tage. So gab es zahlreihe KdF-Reisen nach Madeira. Meine Begründung zur ethischen Ablehnung eines solchen Spots kann man gerne noch einmal anhand der Media Markt Polen-Spot-Diskussion nachvollziehen. Es gibt Dinge, die haben in der Werbung in so einem Rahmen nichts zu suchen. Aber wer weiß, vielleicht sind Alfons und ich da einfach nur viel zu spießig in den Augen des Art Director Clubs. Mich würden mal Meinungen aus dem Mitgliederkreis des ADC interessieren. Wurde das später diskutiert oder fand man das allgemein nur richtig schön kreativ und zotig?

Hat jemand den Radio-Spot parat?
Hier isser

UPDATE: Hitler scheint als Werbefigur absolut en vogue zu werden. Hier eine Kampagne von Kempertrautmann.

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33 Kommentare

  1. stk

    KdF. Nicht KFD.

  2. Patrick Breitenbach

    Stimmt, war ein Dreher. Danke!

  3. Klausi

    Meinst du KdF-Reisen? „Unliebsame Verbindungen“ kann man aber auch wirklich an den Haaren herbeiziehen. Aber wenn man in einer bestimmten Richtung „gräbt“ und das Ziel nie aus den Augen lässt, findet man auch etwas Passendes.

  4. Patrick Breitenbach

    @Klausi: Es wird gegraben, glaub es mir. Die Richtung wo gegraben weren soll geben in diesem Fall andere vor. Zum Beispiel der ADC.

  5. Roland

    Einfach nur geschmacklos. Aufmerksamkeitsstark ja, aber geschmacklos. Wer kommt als nächstes aus dem Off? Che Guevara, Stalin, der Duce oder Idi Amin?

  6. massenpublikum

    Dann möchte ich hier gleich den nächsten Aufreger präsentieren:
    medienhandbuch.de/pr...

  7. Patrick Breitenbach

    @massenpublikum: Die Kempertrautmann Geschichte?

    medienhandbuch.de/pr...

    Hat für mich eine ganz andere Note, können wir aber gerne ebenfalls diskutieren.

  8. Claus Thaler

    Ach, die Kampagne von kt, das würde ich auch nicht so streng beurteilen wollen, da wird doch eindeutig ein Witz über Hitler gemacht und nicht mit ihm.

  9. Olaf

    Man sollte vielleicht zur Ehrenrettung der Branche und um mal was positives zu sagen, erwähnen, dass es für den Hitler-Spot schon beim ADC bei der Präsentation reichlich Buh-rufe gab.
    Es haben nicht alle Werber einen schlechten Geschmack.

  10. alex von staudt

    das ist doch kleingeistig. das ist in keiner art und weise verwerflich. und leute, ich bin jude. und ihr positive rassisten a la ja ja , die schwarzen können besonders hoich springen. kommt mal klar mit eurem komplex, ich komme es ja auch. der spot ist lustig, aber halt leider ne klassische goldidee, kund war eine buchhandlung. trotzdem lustig, wenn auch ein scherz, der mir nicht so neu vor kommt.

  11. Patrick Breitenbach

    @alex von staudt: Also den „positiven Rassisten“ musst du uns unbedingt nochmal ausführlich erklären. Bin ich – genetisch bedingt? – wohl zu kleingeistig dafür.

  12. Thies

    witze über hitler machen: ok. witze mit hitler machen: meinetwegen auch ok. aber derart schlechte witze machen – das ist sogar ohne hitler scheiße.
    führer wäre sowas nicht möglich gewesen.

  13. Thies

    @alex von staudt: „klassische goldidee“?
    gelacht hab ich nur, als ich gehört (oder verhört?) habe, dass der eine Buchhändler anscheinend auch noch Cohn heißt.

  14. henning

    Für mich klingt es nach:
    Erst die Idee, dann der Kunde und dann ab zum ADC!

  15. Helmut

    Jenseits der poltischen Implikationen – was macht diesen Sport aus Kreativen-Sicht denn preiswürdig?

    Der Spot ist noch nicht mal originell (aus „Der Wixxer“, in der der Butler „Hatler“ fragt, ob er sich als (Schloß-)Führer anbieten soll – und da ist die Antwort wenigstens witzig: „Nicht schon wieder“), noch sonderlich werbewirksam und zudem handwerklich schlecht – denn der „Hitler“-Effekt ist nach zwei Sätzen verbraucht (da die Hitler-Parodie auch noch schlecht gemacht ist), die geplante Ironie „nicht irgendeinen Führer“ verpufft. Übrig bleibt ein schlechter, geschmackloser Spot, der zudem noch nicht mal seine Botschaft an den Mann kriegt (hat sich irgend jemand nach einmaligem Hören den Namen der Buchhandlung gemerkt?).

    Das Perfideste an dem Spot ist, dass der „Hitler“ ja nichts Falsches sagt und sich als „guter (da informativer) Reiseführer“ geriert – das hätte man doch viel unterhaltsamer und besser lösen können: Zwei Sätze dummes Zeug zur Küstenlinie von Madeira, ein Schrei von einem langem Fall, ein dumpfer Aufschlag – dann Sprecher – „Suchen Sie sich besser einen guten Führer durch Madeira“ oder so ähnlich. Dann hätte der Spot wenigstens Witz, wenn auch eng an der Geschmacksgrenze.

    Aber so bleibt ein viel zu langer unorigineller Spot zweifelhafter Aussage, dessen Botschaft verpufft, der Kosten produziert und keine Werbewirkung hat – durch und durch schlechte Werbung und sicher nicht preiswürdig.

  16. Peter

    ähh und dafür gibt’s einen silbernen nagel? unglaublich! man sollte nicht nur der agentur den nagel entziehen, sondern auch mal die jury des adc austauschen. der spot ist weder lustig, noch preisverdächtig. einfach nur ein dummer, viel zu langgezogener kalauer.

  17. Six

    Hitler-Persiflagen finde ich ja oft lustig und angebracht. aber als Werbung (noch dazu für ein harmloses unpolitisches Produkt) ungeeignet. Der Komödie erlaubt es die Freiheit der Kunst sich mit heiklen Themen zu beschäftigen und zu kritisieren, aber wenn Hitler als Testimonial herhält, geht das schon in Richtung Verharmlosung.

  18. Thomas

    …und ich dachte letztes Jahr wäre der Tiefpunkt mit „Hammer? Hamma!“ schon erreicht.

    Wie können solch über alle Maßen erfahrenen Funk-Profis wie Klaus Funk und Henning Lührsen einem solchen Spot Silber geben?

  19. Hatler

    Geschmacklosigkeit ist eine Sache. Fast noch peinlicher ist, dass ein Spot dieser miserablen handwerklichen Qualität überhaupt auf eine Vorschlagsliste kommt. Der Schnekelklopfer ist – wie mehrfach erwähnt – schlichtweg abgekupfert. Der Sprecher ist als Hitler-Imitator dritte Liga (höchstens). Und ein eingermaßen handwerklich begabter Texter würde diesem Gag vielleicht in 30 Sekunden einen Hauch von Pointierung verleihen, satt ihn in 60 Sekunden hilflos breitzutreten wie Quark.

  20. www.mediareloaded.de

    „Comedy Central“ wirbt mit „Hitler nackt“…

  21. Gone in 30 Seconds

    Gerade als Funk- und Klaus Funk-Fan würde ich gerne mal wissen, wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist. Was generell auffällt: Auch anderen Kategorien ist die Rückkehr des Wortspiels, des Kalauers und der banalen Idee gefeiert worden. Mehr Spaß in Kurven. Gute Werbung aus Ton. Der Görtz-Schuh. Sechs Gänge. Und der Reise-Führer. Kalauern (Ich frage mich, wieso man sowas in den betreffenden Hochleistungsagenturen ausdenken und umsetzen darf)zu ADC-Awards zu verhelfen ist lächerlich genug; Werbung mit Hitler zu versilbern ist aber nur noch schade. Klar kann und soll man über Hitler lachen, aber mit Hitler werben? Und dann auch auch so mies produziert? (Wie zu viele der prämierten Spots.) Ich frage mich, wie man seinen Textern und Junioren bei diesem Ergebnis noch vermitteln soll, dass es sich lohnt, überraschend, sorgfältig und auf den Punkt zu denken und zu schreiben. Geht ja auch anders. Ach so, und „Short but Fun“ ist niemals Gold.

  22. massenpublikum

    Die Tatsache, dass der Spot so heiß diskutiert und somit eine höhere Coverage erreicht, unterstreicht seinen Erfolg. Geschmack hin oder her.

  23. Claus Thaler

    Liebes Massenpublikum, ganz unabhängig vom Führer-Funkspot finde ich das Argument „Alle reden drüber, also ist es erfolgreich“ eher fatal, das war ja bei der Verleihung auch über die „Sau“-Kampagne vom Media Markt zu hören. Mit dem Argument „Jede PR ist erstmal gute PR“ kann ich allerdings auch vor dem Tempodrom mit brennenden Goldhamstern jonglieren. Bringt auch viel Aufmerksamkeit, macht die Sache aber nicht unbedingt besser, oder? :-)

  24. Oe

    Wo ist denn da die Satire, wenn eine Hitler-Stimme schwärmt, dass madeira „frei von jeder kriminalität“ und „eines der sichersten urlaubsreiseziele der welt“ ist???? die überleitung am schluss macht das ganze nicht besser!!
    also: ich schlage die gesamt-demission des adc-vorstandes vor. und eine öffentliche entschuldigung.

  25. massenpublikum

    Claus Thaler, es macht die Sache insofern nicht besser, da es schlicht und ergreifend verboten ist. Der Funkspot hingegen ist grenzwertig aber legal. Und einfach nur Geschmackssache.

    Viele fanden auch die Idee zum Film „Mein Führer“ ehrverletzend – andere lustig.

    Letztendlich bleibt eine Entscheidung jedem selbst überlassen. Und das ist nur einer von unzähligen Vorteilen gegenüber der Führerzeit.

  26. ramses101

    Trotzdem ist er noch lange kein Erfolg, nur weil über ihn geredet wird. Über die Mutter die (mutmaßlich) ihr Kind vom Balkon geworfen hat, wird auch viel geredet. Mal ganz abgesehen davon, dass sich das Gerede über den Spot abseits von Werberforen in sehr gesunden Grenzen halten dürfte.

  27. justus jonas

    @ramses
    das gerede über den spot hält sich abseits von werbeforen in grenzen, weil niemand den spot kennt. der wurde bestimmt nur einmal auf radio aurich oder so geschaltet.

  28. ramses101

    Eben. Und ein Spot ist nicht deshalb erfolgreich, nur weil ein paar Werbern über ihn diskutieren. Das wäre ja auch völlig absurd.

  29. Mac Le

    Der Zweck einer Werbung ist und bleibt eine Botschaft zu transportieren – in diesem Fall Werbung für die Buchhandlung zu machen. Und dieses Ziel wurde meiner Meinung nach schon dadurch verfehlt, weil der Testimonial viel zu präsent ist und viel zu sehr polarisiert.

    Wie war noch gleich der Name der Buchhandlung…?! ;)

  30. lokalreporter

    keine ahnung worums den ehemaligen da geht, aber hitler zu ironisieren, ist unter young jewish ein alter hut. hierzulande dreht der joghurt halt schnell in die andere richtung. stimmt die chemie nicht, übersäuert das müsli. fazit: die pampe schmeckt zum kotzen!

  31. Thies

    @Mac Le: „Der Zweck einer Werbung ist und bleibt eine Botschaft zu transportieren“ – und ich denke, der Zweck dieser Werbung war es, weniger die Buchhandlung als die Agentur ins Gespräch zu bringen. Insofern finde ich es besonders erfreulich, dass zumindest in dieser Diskussion noch niemand die Namen der verantwortlichen Witz-Figuren genannt hat. Damit das nicht etwa mir noch versehentlich passiert, stige ich aus dieser Diskussion aus. Letzten Endes sind eh alle einer Meinung.

  32. Gerrit Donat

    Seien wir mal ehrlich: Jeder von uns hat im Agenturalltag schon mal den lustigen Adolf auf dem Tisch – oder wenigstens im Kopf gehabt. Nun, die Profis unter uns haben ihn dann wohl in der Schubalde verschwinden lassen, um sich in einer stillen Stunden daran zu erfreuen.

    Naja, als Feindbild macht er ja sogar was her (siehe PETA und Co). Aber ihn zum lustigen Aushängeschild zu machen, zeugt von fehlender Professionalität. Ich persönlich saß vergangenen Samstag im Tempodrom und dachte nicht „wie geschmacklos“ oder „wie unmoralisch“, sonder einfach nur „wie unkreativ“ – Führer –> Hitler –> lustig? Wohl kaum.

    Und während also gerade ein paar Polizeischüler den Arsch voll bekommen, weil Sie – wie meine gesamte Generation – der ritualisierten Holocaust-Mahnerei überdrüssig sind, werden derartig schwache Spots genagelt.

    Ratlos, aber doch irgendwie höchst amüsiert

    Gerrit

  33. Shoa.de

    Hitler als Werbefigur ist vor dem Hintergrund der Millionen Toten seiner Politik von unglaublicher Geschmacklosigkeit.
    Und wer sich von dem Gedenken distanziert, weil er es als angeblich ritualisierte Holocaust-Mahnerei diffamiert ist kaum besser.

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