15:52 Uhr
Marke, Slogan & Claim sind nur Symptome tieferliegenderer Probleme
Kampagnen sind Symptome – Markennamen, Slogans und Claims sind Symptome. Sie künden von der Größe, dem Stolz oder dem Ende einer Zeit. Sie sind Symbol, Zeichen, Eisbergspitze. Kopf, von dem der Fisch her stinkt.
Ob sie wollen oder nicht, sie erzählen, was das wahre Problem der Marke, des Produktes ist, des gesamten Marktes gar. Man kann eben nicht nicht kommunizieren.
01 – Beispiele hirnlosen Hochrüstens
- Gillette Fusion ProGlide Power Golden Edition Rasierer
- Somat10 – Das beste Somat aller Zeiten
- L’Oréal ReVitaLift10 (Bekämpft die 10Anzeichen der Hautalterung)
- L’Oréal Men Expert VitaLift5″
- Olaz total effects (7Anti-Ageing Effekte in einem Produkt)
- Bref Power WC-KraftGel mit 6x Effekt (Gegen die 6hartnäckigsten Verschmutzungen).
Einerseits sind manche Namen einfach nicht mehr merkfähig, andererseits nur noch Versionsnummern einer sich selbst überholenden ‘Produktentwicklung’, die in Banalitäten endet.
Jedes Produkt von L’Oréal, Henkel und Kollegen hilft irgendwann gegen alles. Dann braucht man nur noch eines, nämlich das, das gleichzeitig gegen Altersflecken, Urinstein et al. wirkt. Cillit Bang ist da mit “effektiv gegen mehr als 40 Flecken” vielleicht etwas ganz Großem auf der Spur.
02 – Trotzig gegen den Trend
Je höher die Selbstüberschätzung, je divergenter Fremd- und Eigenbild, je konservativer und fortschrittsfeindlicher die eigene Philosophie, desto weiter hergeholt ist der durch den klugen Spruch zu manifestierende Anspruch.
- “Vorsprung durch Technik”
- “Das Beste oder nichts”
- “Das Auto”
Blablabla tönt aus den Marken- und Unternehmens-Websites. Worte, inhaltsleere Hülsen. Technokratische Spielereien ohne Sinn. Ohne Relevanz. Wert- und Nutzenfrei. Ohne Spannung. Ohne Reiz. Ohne Polarisierung. Ohne Persönlichkeit und Gesicht. Ohne Alleinstellungsmerkmal. Distinktion. Ohne auch nur die geringste zukunftsfähige emotionale Aufladung.
Was soll man auch sagen – oder gar zeigen – wenn es nichts zu sagen, zu zeigen gibt? Wenn das Produkt, die Marke nichts hergibt? Keine Innovation, keine Alleinstellung. Muster ohne Wert ist, und Karosserie und Reklame Wolkenkuckucksheime kreieren müssen.
Vorsprung durch Technik von gestern? Warum nur ‘Kompromisslos anspruchsvoll’ statt ‘Kompromisslos mobil’, ‘Kompromisslos ökologisch’, ‘Kompromisslos effizient’?
Wie eindrucksvoll zukunftsfähig könnte man zB ‘Vorsprung durch Technik’ aufladen!? Audi könnte sich damit an die Spitze einer nachhaltigen, (auto)mobilen Bewegung setzen, den Wettbewerb weit hinter sich lassen – würde man sich auf das Wesentliche konzentrieren, statt mit Gimmicks und PS von seinen Versäumnissen abzulenken.
Noch offensichtlicher ist dies bei Mercedes. Aber vielleicht hat man dies schon eingesehen: ‘Das Beste oder nichts’ scheint sang- und klanglos eingemottet zu sein, kann ich es doch auf der Website nicht mehr wirklich entdecken. Einzig hier hat man es wohl zu löschen vergessen: „Unsere weltweite Golfstrategie folgt dem Mercedes-Benz Leitbild ‘Das Beste oder Nichts’”.
Und selbstverständlich kann einem Marketing oder Agentur den Alleinstellungs- oder Marktführeranspruch hinter ‘Das Auto’ erklären. Denkt man darüber jedoch nach, bleibt wenig übrig an Sinn, Inhalt, Relevanz oder Alleinstellung. Von ‘Das Auto’ kann ich mir nichts kaufen. Kein Wunder, denn eigentlich wird auch nur umgekehrt ein Schuh daraus: aus dem Handeln im Markt erwächst die Positionierung in den Köpfen der Menschen.
Fazit: Entschleunigung & Reflexion tut Not
Marken und Unternehmen, Marketing und Agenturen machen es sich zu leicht, wenn sie einfach die Versionsnummer erhöhen, einen weiteren Benefit in das Produkt packen. Machen es sich zu leicht, wenn sie austauschbarste Slogans und Claims wählen, und diese zu allem Überfluss nur mit heisser Luft füllen – statt mit Persönlichkeit, Charakter, Zukunftsfähigkeit.
Lauschen wir aufmerksam den Namen, Slogans und Kampagnen dort draussen, erkennen wir die Verzweiflung von Produkt und Marke, jeden ansprechen, sich ubiquitär prostituieren, und es jedem recht machen zu wollen – innerhalb und ausserhalb des Konzerns. Das muss doch im Wahnsinn enden.
55 Kommentare
- Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
- WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
- Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
- Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
- Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
- Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
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Am 21. Februar 2012 um 16:40 Uhr
“Das Beste oder nichts” – den Slogan kann man auch getrost in die Pfanne hauen: gastrolux.de/
Am 21. Februar 2012 um 17:05 Uhr
So wahr. Mir wird bei “L’Oréal ReVitaLift10″ schon immer ganz anders, wenn ich bedenke, dass ich später auf ganze “10 Anzeichen der Hautalterung” achten und dagegen ancremen muss.
Am 21. Februar 2012 um 18:40 Uhr
Du hast da glaube ich den falschen Rasierer, unter 22 Klingen geht heute nichts mehr: russell.heistuman.co...
Am 21. Februar 2012 um 18:43 Uhr
@Tanja Vor allem, da es nur gegen die Anzeichen geht und nicht gegen die Hautalterung selbst …
Am 21. Februar 2012 um 19:22 Uhr
Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
Am 21. Februar 2012 um 21:45 Uhr
Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss, dass viele Slogans auf der lingustischen Ebene wirklich toll sind. Verschiedenste rhetorische Formen werden bewusst und gekonnt eingesetzt. Beispiel Mercedes: In den Katalogen von Mercedes-Benz findet man etliche rhetorische Figuren und oftmals eine Metapher, die sich durch die ganze Broschüre zieht. Zudem werden auch Bildinhalte geschickt mit dem Text verknüpft. Wirklich sehr interessant. Ich habe meine Bachelorarbeit darüber geschrieben. Name wie die obengenannten von Gillettte und co. sind natürlich totaler Quatsch! da kann ich nur beipflichten! Danke für den Beitrag !
Am 21. Februar 2012 um 21:56 Uhr
In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger Gedanken entwickelt.
Am 21. Februar 2012 um 23:00 Uhr
@AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
Am 21. Februar 2012 um 23:01 Uhr
@Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
Am 21. Februar 2012 um 23:04 Uhr
@Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck.
Wenn man sich allein diese alte Zahl von “85% der Innovationen verschwinden nach einem Jahr wieder aus den Regalen” vorstellt …
Wofür man all dieses Hinrschmalz benutzen könnte …
Am 22. Februar 2012 um 08:28 Uhr
toller Artikel.
“Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren Vergangenheit. nicht nur auf twitter, facebook, in der Kampagne und im alltag wird er als lustige Antwort auf sämtliche Fragen benutzt.
Am 22. Februar 2012 um 13:31 Uhr
Zum Glück gibt es auch noch richtige gute Slogans. sho.rtlink.de/y6u4XN
Am 22. Februar 2012 um 16:37 Uhr
@Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
Am 23. Februar 2012 um 20:02 Uhr
Man sollte aber nicht generell auf allen Slogan herumhacken.
„Vorsprung durch Technik“ ist Beispielsweise ein Slogan den Audi seit 1971 verwendet. Mit diesem Slogan rechtfertigen sich Audifahrer also schon sehr lange. Desweiteren wurde er schon in mehreren Liedern verwendet und hat damit schon einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Auch wenn er nicht mehr zu 100% in die heutige Zeit passt gehört er doch zu Audi.
Am 23. Februar 2012 um 20:33 Uhr
@MöBo Der Slogan selbst ist nicht das Problem:
“Wie eindrucksvoll zukunftsfähig könnte man zB ‘Vorsprung durch Technik’ aufladen!? Audi könnte sich damit an die Spitze einer nachhaltigen, (auto)mobilen Bewegung setzen, den Wettbewerb weit hinter sich lassen – würde man sich auf das Wesentliche konzentrieren, statt mit Gimmicks und PS von seinen Versäumnissen abzulenken.”
So aber bleiben nur hohle Worte übrig.
Am 25. Februar 2012 um 19:24 Uhr
[...] Marke, Slogan & Claim sind nur Symptome tieferliegenderer Probleme “Kampagnen sind Symptome – Markennamen, Slogans und Claims sind Symptome. Sie künden von [...]
Am 4. März 2012 um 15:04 Uhr
Danke für den sehr gut verfassten Artikel.
Am 5. März 2012 um 12:58 Uhr
ich hab’ noch einen viel besseren: McDonald’s: Sparen mit Qualität.
das lässt sich kaum noch toppen…
Am 5. März 2012 um 15:02 Uhr
@giovanni ;)
Am 15. März 2012 um 18:54 Uhr
Der typische Empfänger dieser Creme, Rasierer und Waschmittel Claims/Slogans ist nun einmal der Big Brother und RTLII News Zuschauer.
Und die stehen auf möglichst viele coole “Features” – und bitte cool auf Englisch.
Am 15. März 2012 um 21:07 Uhr
@Zuschauer
ahem, huestel, laut der Gesellschaft der Deutschen Sprache (oder wie immer der Verein noch heisst) verstehen die meisten Deutschen und insbesondere “der Big Brother und RTLII News Zuschauer” diese Denglischen Slogans nicht. Womit Dein Argument hinfaellig waere.
Am 15. März 2012 um 21:32 Uhr
@Armin
Auch nicht “total power pro effects expert”?
Am 15. März 2012 um 21:56 Uhr
Warum kann ich das nicht facebooken?
Am 15. März 2012 um 22:14 Uhr
Vielleicht finden die Zuschauer dort alles cool, was sie nicht verstehen .. also alles …
Am 20. März 2012 um 17:53 Uhr
Pointiert mit viel Wahrheit drin. In der B2B-Kommunikation ist derzeit gefühlt jedes 2 Wort in Anzeigen oder Broschüren oder Websites „Perfektionn“ bzw. „perfekt“.
Kann es sein, daß jede Gesellschaft die Werbung vorgesetzt bekommt, die sie verdient, ausgeheckt von eben den Werbeleitern und Agenturen, die sie verdient?
Am 3. April 2012 um 17:49 Uhr
Es heisst immer “Branding” sei so wichtig, um in den Köpfen der Leute zu bleiben. Aber mit den obigen Namen, die sich kein Mensch merken kann, würde mich echt interessieren was sich die Herren der Marketingabteilung dabei gedacht haben… Wahrscheinlich hats einer wieder angefangen und nun machens alle nach!
Am 9. April 2012 um 10:10 Uhr
Großer Artikel mit Bezug zu Motto-Problem. Sie betonen, wirklich jedes Detail in Ihrem Artikel.
Am 10. April 2012 um 13:16 Uhr
Wirklich guter Artikel, leider stimmt es das die ganzen Firmen ihre Produkte mit ein anander kombinieren und unaussprechliche Namen hervorkommen. Wie heißen die Produkte den in 10jahren? oO
Zu den Werbesloagens, gut manche sind schon so alt die gehören irgendwie zur Marke. Aber andere die so richtig doof klingen, sag ich jetzt mal, sollte man wirklich durch bessere und auch Passendere ersetzen.
Mfg Baldur
Am 12. April 2012 um 14:33 Uhr
Ouhman, wie ich ess hasse vor dem Regal zu stehen und mir alle Namen durchzulesen die auch noch am Ende als Zungenbrecher enden.
Die sollen einfach neue und gut zu merkende Namen erfinden und nicht einfach immer ergänzen…
Am 17. April 2012 um 15:20 Uhr
Lustig, was Sie hier so schreiben. Zum Beispiel über Audi:
“Wenn das Produkt, die Marke nichts hergibt? Keine Innovation, keine Alleinstellung. Muster ohne Wert ist, und Karosserie und Reklame Wolkenkuckucksheime kreieren müssen.”
Die Marke Audi gibt also Ihrer Meinung nichts her? Entschuldigung, aber das bringt mich zum Lachen!
“Vorsprung durch Technik von gestern? Warum nur ‘Kompromisslos anspruchsvoll’ statt ‘Kompromisslos mobil’, ‘Kompromisslos ökologisch’, ‘Kompromisslos effizient’?”
Der Audi Slogan ‘Vorsprung durch Technik’ hat seine absolut produktbezogenen Wurzeln und er ist 30 Jahre alt. Allein das Alter dieses Slogans widerlegt vieles von dem, was hier über Claims und Slogans gesagt wird. Und was, bitte, soll “kompromisslos mobil” bedeuten? I don’t understand…
Sie schreiben weiter:
“Wie eindrucksvoll zukunftsfähig könnte man zB ‘Vorsprung durch Technik’ aufladen!? Audi könnte sich damit an die Spitze einer nachhaltigen, (auto)mobilen Bewegung setzen, den Wettbewerb weit hinter sich lassen – würde man sich auf das Wesentliche konzentrieren, statt mit Gimmicks und PS von seinen Versäumnissen abzulenken.”
Audi ist an der Spitze. Was Sie allerdings unter einer “nachhaltigen (auto)mobilen Bewegung” verstehen, bleibt mir rätselhaft. Kann es sein, dass aus den Worten ein generell anti-automobiler Geist spricht? Konzerne, wie die der deutschen Automobilindustrie sind hochkomplexe Gebilde. Ich glaube, man kann diese Komplexität nicht nach den Claims oder Slogans bewerten, die die einzelnen Marken setzen. Eines darf ein Claim sicher nicht in dieser Branche: Ideologie verbreiten. Das kann nicht die Aufgabe von Werbung sein und ist es auch nicht.
MfG
Volker Remy
Am 17. April 2012 um 16:16 Uhr
@Volker Remy: Zum Thema Branding der großen Automarken habe ich damals auch etwas hier im Werbeblogger geschrieben. Dass das “hochkomplexe Gebilde” sich gelegentlich selbst im Weg steht, darf aber doch bemerkt werden, oder?
werbeblogger.de/2010...
Am 17. April 2012 um 16:27 Uhr
@Roland Kühl-von Puttkamer
Ich habe das gelesen. Es war auch nicht meine Absicht dafür zu sorgen, dass etwas nicht gesagt werden darf. Natürlich stehen sich hochkomplexe Gebilde gelegentlich selbst im Weg, vielleicht sogar öfters, als sie es selbst merken. Mir ging es lediglich darum, den Trennstrich zwischen klass. Werbung einerseits und den vielen anderen Feldern einer Automobilmarke hervorzuheben, die alle gleichzeitig bewirtschaftet werden müssen. Meine Achtung vor den Leistungen der Autobauer ist immens gestiegen, seit dem ich auf mehreren Gebieten für sie tätig war, bzw. bin.
Was den Audi Claim “Vorsprung durch Technik” betrifft, ist dies m. E. ein besonders gelungenes Beipsiel für den Charakter dieser Marke, da er sich auf zahlreiche Innovationen dieser Marke bezieht, wie bspw. den Vierradantrieb oder die Vollaluminiumkarosse.
Am 17. April 2012 um 19:09 Uhr
@Volker Remy
“wie bspw. den Vierradantrieb oder die Vollaluminiumkarosse”
Vierradantrieb: 1980
Vollaluminiumkarosse: 1994
qed
Und zum Rest:
“Dear Automobile Managers: Drop the Auto, Innovate Mobility!” – ralfschwartz.typepad...
“The Automobile Innovation Delusion or The Art of Building the No-Go Car” – ralfschwartz.typepad...
“Daimler: Celebrating 1000 Years of Incremental Innovation” – ralfschwartz.typepad...
Am 18. April 2012 um 12:55 Uhr
Gut geschrieben!
Am 18. April 2012 um 13:23 Uhr
@ralf schwartz
Sehr schöne Metaebenen (Links)
Doch zurück zum Thema Claim & Slogans:
Audi – Vorsprung durch Technik
Vierradantrieb: 1980
Vollaluminiumkarosse: 1994
Sie waren so freundlich, die Jahreszahlen herauszufinden. Das habe ich in meinem Beitrag zuvor gesagt: Der Audi Claim ist 30 Jahre alt und er bezieht sich auf bahnbrechende Innovationen für die gesamte Automobilindustrie. Die Marke ist sich darin treu geblieben, und das ist der Grund, warum dieser Slogan weltweit beibehalten und verstanden wird.
Ich glaube es macht wenig Sinn, Metaebenen (wie z. B. “Mobilität”) und klassische Werbung für eine bestimmte Marke zu vermengen. Ein Claim oder Slogan findet seine Aussagegrenzen dort, wo das Produkt mit seinem Qualitäts- und Wirkungsversprechen das momentane Maximum erreicht hat. Mehr kann ein Claim nicht. Er kann weder die Marke noch ihre Käufer neu erfinden.
Am 18. April 2012 um 14:41 Uhr
@Volker Remy
Das ist natürlich ganz schön klein gedacht.
Ein Claim sollte die komplette Zukunft der Marke beinhalten, ihren Kern, der sie noch lange voranträgt.
Er sollte die Marke herausfordern, wenn sie es schon selbst nicht tut oder sich das Unternehmen auf Jahrzehnte alten Lorbeeren ausruht und nur noch Gimmicks präsentiert.
‘Solide Wertarbeit’ würde heute besser passen als ‘Vorsprung durch Technik’.
Am 18. April 2012 um 18:13 Uhr
@ralf schwartz
“Das ist natürlich ganz schön klein gedacht.”
Ich bin nicht sicher, ob es “klein gedacht” ist, aber auf Sicht gefahren bestimmt. John Naisbitt zitiert in seinem Buch Mind Set einen New Yorker Gouverneur, der einmal gesagt haben soll:
‘Eilen Sie der Parade nicht so weit voraus, dass die Menschen nicht mehr erkennen, dass Sie dazugehören.’
Ralf Schwartz:
“Ein Claim sollte die komplette Zukunft der Marke beinhalten, ihren Kern, der sie noch lange voranträgt.”
Absolut d’accord! Besser kann man ‘Vorsprung durch Technik’ kaum noch charakterisieren.
“Er sollte die Marke herausfordern, wenn sie es schon selbst nicht tut oder sich das Unternehmen auf Jahrzehnte alten Lorbeeren ausruht und nur noch Gimmicks präsentiert.”
Eine Marke, die sich selbst durch ihren Claim herausfordert…hmmmmm…das verstehe ich nicht (siehe Paradeensatz oben) Und “Jahrzehnte alte Lorbeeren” in Bezug auf eine Marke nennt man auch eingezahltes “Markenkapital”. Die Vergangenheit einer Marke (und das gilt im ganz besonderen Maße für Automobilmarken) ist im Bewusstsein des Käufers der Grundstock seines inneren Kaufentscheidungsdialogs. Das sollte man natürlich wissen, wenn man über Automobilmarken reden will. Es gibt keine “alten Lorbeeren” bei Automarken. Genau so wenig wie es “alte Kunden” dort gibt.
Am 18. April 2012 um 18:35 Uhr
@Volker Remy
“Es gibt keine “alten Lorbeeren” bei Automarken. Genau so wenig wie es “alte Kunden” dort gibt.”
Wie man seit Jahren bei Opel sieht – im Negativen!
Einerseits: Ich weiss ja, dass es schwer ist, aus seiner Haut herauszuwachsen.
Andererseits: Die Bewahrung des Status Quo war noch die die Aufgabe von Agentur, Marketing oder Marke.
Dritterseits: Was sonst wäre Innovation als der Parade vorauszueilen – von zu weit hat niemand gesprochen. Die Autoindustire ist weit hinter ihrer eigenen Parade.
Am 18. April 2012 um 19:09 Uhr
@Ralf Schwartz
“Wie man seit Jahren bei Opel sieht – im Negativen!”
Gerade das Beispiel Opel zeigt mir, dass es enorm wichtig ist, sich überhaupt erst einmal Lorbeeren zu verdienen. Nicht von ungefähr fällt beim Vergleich v. bspw. Opel / BMW auf, dass fast exakt zu dem Zeitpunkt, als Opel auf dem Zenith stand, BMW fast pleite war. Interessant wird es dann um 12.01 Uhr: BMW erfindet sich neu und Opels Abstieg beginnt. Der Grund, warum Opel als Marke noch lange in vieler Munde war, hatte die Marke der Existenz des Opel Kadett zu verdanken, der bald schon vom Golf I auf die Plätze verwiesen wurde. In der Nische sorgte der Opel GT für relativ kurze Zeit noch für Gesprächsstoff. Für einen Volumenhersteller in der Summe bei weitem nicht ausreichend.
Opel hat meiner Meinung nach den Kampf um die ersten Pätze in den Köpfen der Käufer vor allem im Service und Verkauf verloren. Dann folgten eine diffuse Modellpolitik und eine Positionierung, die keine mehr war. Ich kann mich spontan an keinen Opel Claim mehr erinnern, außer “Ihr freundlicher Opel Händler” (wenn man das als Claim überhaupt gelten lassen will).
“Die Bewahrung des Status Quo war noch die die Aufgabe von Agentur, Marketing oder Marke.”
(ich nehme an, es sollte heißen: “noch nie die Aufgabe…”)
Das ist sicher als generalistische Aussage zutreffend. Doch wie das Beispiel Audi mit “Vorsprung durch Technik” zeigt, war es durchaus richtig, am vergleichsweise kleinen Rad ‘Claim’ keine Experimente vorzunehmen, wie der unglaubliche Erfolg der Marke eindrucksvoll beweist. Ähnlich verhält es sich mit “Freude am Fahren” bei BMW. Wer dort Optimierungspotenzial sieht, sollte schon mit einem an Genialität grenzenden Claim aufkreuzen.
Aber wie gesagt: ich messe einem Claim bei Automobilmarken große Bedeutung bei, doch die Komplexität des Automobilmarketings zwingt dazu, an viele Aspekte zu denken, die lange vor der Aufstellung eines Claims einen hohen Reinheitswert erlangen müssen – nicht zuletzt das Produkt selbst. Aber auch der Service, dessen Einfluss auf den Erfolg einer Marke gerade von Agenturen oft unterschätzt oder fehl eingeschätzt wird, trägt zum Markenbewusstsein bei den Käufern entscheidend bei. Da kann der Claim noch so futuristisch daher kommen, er wird wenig ausrichten, wenn das Produkt und der Service nicht stimmen.
Wenige wissen übrigens, dass das Geld in der Automobilindustrie im Service verdient wird, längst nicht mehr im Neuwagenabsatz. Das bedeutet, dass die Schaffung einer glaubhaften Servicemarke inzwischen mindestens soviel Bedeutung besitzt, wie die Formeln der klassischen Werbung im b2c Sektor.
Noch ein Hinweis zur Zukunftsfähigkeit der Automobilmarken: Eben weil das Geld im Service verdient wird (Werkstatt, Leasing/Finanzierung, Zubehör- und Ersatzteilverkauf, Bereifungen, Veredelungen, Gebrauchtwagen etc.) steht die gesamte Industrie allein beim Thema Elektromobilität vor gigantischen Aufgaben. Wie groß die Auswirkungen sein werden, kann man sich vielleicht vorstellen, wenn man sich den Motor, wie wir ihn heute kennen, einfach wegdenkt. Daran wird schon deutlich, was sich alles im Cash-Cow-Sektor Service ändern wird, wenn Strom die Autos antreibt. Diese Strukturrevolution kann man nicht von heute auf morgen bewältigen und die Dimension zeigt auch, wie vergleichsweise unbedeutend dann noch Petitessen wie Claims oder schicke TV-Spots sind.
Am 19. April 2012 um 16:29 Uhr
@Volker Remy
Alles richtig. Aber genau deshlab hätte der wahre Vorsprung durch Technik vor 10 Jahren den eMotor realisiert. Probleme, wie das Service-Thema, vor sich her zu schieben hilft da wenig.
ABer ich denke, wir sind da sowieso einer Meinung, sind nur von verschiedenen Seiten gekommen.
Am 26. April 2012 um 07:09 Uhr
Ich glaube es war MadTV, die mal eine ganz tolle Parodie auf Gilette gebracht haben.
“Der neue MACH10″ mit 10 Klingen! Die erste Klinge entfernt große Haare, die zweite Klinge alle weiteren Haare, die dritte Klinge löst die obere Hautschicht ab, die vierte….”
Am 26. April 2012 um 07:18 Uhr
btw. noch mein Senf dazu, sonst lässt es mir keine Ruhe:
Genau aus diesem Grund war ich nie Kunde bei Gilette. Ich bin verwirrt durch die vielen unterschiedlichen Modelle (oder mir kommt es zumindest so vor, das es unzählige Modelle gibt), ich kann mir die einzelnen Modell-Namen nicht merken und will es auch überhaupt nicht, weil sie absichtlich so kompliziert sind, und wenn ich einen kaufen würde, dann hätte ich ja ein paar Tage später das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein, weil jetzt schon ein vermeintlich viel besseres Modell rausgekommen ist.
Trotzdem scheinen sie mit ihrer Strategie wohl den Nerv vieler Männer zu treffen – das Unternehmen läuft ja wie geschmiert. Ich finde die Werbung einfach nur verwirrend.
Am 26. April 2012 um 10:58 Uhr
…einen weiteren Benefit in das Produkt packen
Ich bitte zuerst um Nachsicht. Da ich nicht zu der klassisch gelehrten “Werbegilde” gehöre.
Aber ich kann bei all den Slogans und Claims keine Benefits entdecken. Nur Worthülsen die sowieso kein Konsument ernst nimmt.
Es ist ja auch schwierig wenn man als Konzern einen Slogan möchte der den Kundenbedürfnissen gerecht wird mit der Positionierung unsere Zielgruppe sind “alle” Menschen.
Den Potentiellen Kunden bei seinen Bedürfnissen abzuholen und somit sein Produkt als Bedarf zu verkaufen wird da schwierig ;-)
Ich weiss zumindest nicht für was alle die hier genannten Firmen heute noch stehen. Kein Profil. Keine Kanten. Kein Charme. Keine Seele. Und somit Austauschbar.
Am 11. Juni 2012 um 12:48 Uhr
Wort-wettrüsten vom feinsten. Die Produktnamen werden wohl erst wieder kürzer wenn es mit der Werbezeit in konflikt gerät ;)
Am 25. September 2012 um 11:21 Uhr
Sehr schöner Artikel ;-)
Am 3. Oktober 2012 um 23:05 Uhr
Du sprichst mir aus der Seele… Das hat doch schon Ähnlichkeiten mit der sich wiederholenden Filmbranche und deren Sequels entwickelt…
Am 9. Oktober 2012 um 11:16 Uhr
Toller Artikel.
Ich finde es vor allem schade, dass sich Einzel- und Kleinunternehmer ein Beispiel an den Großen nehmen.
Dann haben die auch Slogans wie Besser, seriöser bla bla…. oder Ihr Versprechen ist unser Fokus usw.
Der Slogan sollte heutzutage eher bereits den Produktvorteil oder noch besser die Problemlösung beinhalten.
An Just do it komme keiner mehr heran. :)
Am 24. Oktober 2012 um 21:08 Uhr
Einmal Gillette – immer Gillette !
Allerdings beeindruckt mich deren Werbung in keinster Weise.
Mein Butterfly-Hobel von Gillette ist, laut Typcodierung, aus dem 3. Quartal 1956, funktioniert wie am ersten Tag – und verbraucht pro Jahr noch nicht mal für 4 EUR-Klingen.
Selbst schuld, wer auf den Dummenfang reinfällt statt sich einen Klassiker zu holen.
Mehr sparen und Unweltschutz geht beim Rasieren imho nicht.
Am 3. Februar 2013 um 05:55 Uhr
Der beste Werbeslogan war für mich redcoon: Elektronik günstig & Bücher.
Ich wusste nie welche Symbiose zwischen den beiden Artikelgruppen herrschte und fragte mich immer, warum denn die Bücher nicht auch günstig sind.
Danke für den interessanten Artikel! Die Diskussion in den Kommentaren war übrigens noch interessanter
Am 19. Februar 2013 um 21:25 Uhr
Hehe, Lena, gut erkannt: Die Dummheit der Texter überwiegt mittlerweile. Das kommt vermutlich vom langen Studieren.
Am 21. Februar 2013 um 14:26 Uhr
“Das beste Somat aller Zeiten” würde ja heißen, dass es nie wieder ein besseres geben wird. Oder nicht? Alle Zeiten sind ja noch lange nicht abgeschlossen, weil’s da auch noch ein Morgen … gibt
Am 21. Februar 2013 um 14:31 Uhr
Gegen die 6hartnäckigsten Verschmutzungen. Und gegen die weniger hartnäckigen hilft es nicht? Kann ja sein – aufgrund der chemischen Zusammensetzung, dass es nur die sechs hartnäckigsten Verschmutzungen entfernen kann.
Am 13. April 2013 um 10:44 Uhr
Prima, Lena, guter Beitrag.
Am 1. Mai 2013 um 16:09 Uhr
Sehr guter Beitrag.
schneller, besser, lauter, auffälliger…….
solange der Verbraucher sich weiter berieseln lässt wird dieser Wahnsinn kein Ende nehmen.
Am 2. Mai 2013 um 11:00 Uhr
Ja die Werbung, so lange Menschen daran glauben was man ihnen erzählt wird der Umsatz immer stimmen.
Rantje B.