14:19 Uhr
Montagspredigt: D64
“D64 sind Menschen, die täglich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen des Internets für die Transformation unserer Gesellschaft arbeiten” – ich mag diese Alleinstellungs- und Vertretungs-Ansprüche. Widersprechen kann man dem sowieso nicht: “Sie sind sich einig, dass man Politik für die Zukunft nicht mit Gedankengut von gestern machen kann”. Werden wir also alle Mitglied in diesem Verein, “um Deutschland für die digitale Demokratie vorzubereiten”. Denn das wird ja langsam Zeit.
Ein wenig haben die Herren Richel und Lumma einem schon leid getan, wenn sie wieder die Prügel einstecken mußten für den Quatsch, den die SPD wiedermal verzapfte, wenn es um Netzpolitik ging – oder was sie dafür hielt.
Umso besser, daß sich die Herren (und Damen) aus dieser selbstgewählten Falle befreien konnten, die sie eine Zeitlang als Herausforderung und Fitness-Übung verstanden, bis sie erkannten, daß dies doch nur Sisyphos-Arbeit ist – und nun versuchen, die Partei von außen zu verändern.
Daß man Systeme nicht von innen verändern kann, wußten Leonard Cohen und ich schon lange. “They sentenced me to 20 years of boredom for trying to change the system from within”, singt er in der ersten Zeile seines Songs ‘First we take Manhattan’. Aber wer hört schon auf uns?
Weder die Autoindustrie, noch Energie-, Zement-, Pharma-, Verlags- und Medien-Industrie sind von innen zu heilen, zu wandeln oder gar neu zu erfinden, dazu sind sie viel zu satt. Ebensowenig wie eben die Politik.
Allzu schön und bequem hat man es sich in seiner Welt gemacht als daß man sich von der größten Erfindung seit des Buchdruckes aufscheuchen und hinter dem warmen Ofen vertreiben lassen möchte.
Umso besser, daß wir nun ein paar Kämpfer haben, die wissen, wo es langgeht. Und, ehrlich gesagt, traue ich diesen Damen und Herren mehr zu als der digiges.
Caveat: Im Grunde hat man die Selbstzerstörungssequenz in die Gründungsmitgliedschaft direkt mit eingebaut. Die Bombe tickt schon, nähert sich asymptotisch Fünf vor Zwölf.
So richtig knallen wird es allerspätestens, wenn die wirtschaftlichen Interessen von Facebook und Google der DNA der menschlichen Mitglieder diametral widersprechen.
Genau das macht es aber so spannend.
Ebenso wie die Parteilichkeit des Vereins.
Zwei größere Hürden hätte man sich nicht setzen können. Aber wenn die Damen und Herren daran wachsen, wird aus D64 tatsächlich der legitime, ruhm- und ehrenvolle Nachfolger des legendären C64 werden können.
Dies meine ich ernst und soll nicht wie die Häme eines ZX81-, Spectrum- und Atari-Users klingen.
Wünschen wir D64, seinen Machern und Mitgliedern viel Erfolg und rufen ihnen die 2.Zeile des Cohen-Songs zu – in der Hoffnung, sie möge Realität werden: ”First we take Manhattan – then we take Berlin!”
7 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 5. Dezember 2011 um 17:31 Uhr
Ehe sich noch mehr Menschen den Gedanken machen, der Tessa und Martin gerade beschäftigt, hier Frage und Antwort:
Tessa: “…warum setzt diese “Montagspredigt” die Damen in Klammern? ”
Ralf: Weil ich zuerst nur von Matthias und Nico sprach (ua. weil ich nicht wußte, ob sich auch Damen in dieser Falle wähnten), die ja Herren sind – im nächsten Satz aber die Damen nicht vernachlässigen wollte!
(Hätte ich keine Klammern gemacht, wäre irgendein Witzbold gekommen und hätte mich gefragt, wer von den beiden die Dame sei, man kennt das ja.)
Weiter unten sind Damen und Herren übrigens gleichberechtigt genannt, wie es sich gehört.
Am 6. Dezember 2011 um 18:04 Uhr
[...] seiner gestrigen Montagspredikt schreibt Ralf [...]
Am 6. Dezember 2011 um 19:07 Uhr
Ich bin ja (bei aller Begeisterung für das Internet) nicht unbedingt der Auffassung, dass unsere Demokratie zuvörderst an einem Mangel an Digitalität krankt oder mehr Digitalität das Allheilmittel für akute gesellschaftliche Fehlentwicklungen darstellt. Von daher wüßte ich schon mal gerne, worauf die von D 64 versprochene Transformation der Gesellschaft denn eigentlich abzielen soll – außer dass sich die üblichen Verdächtigen auch weiterhin Pöstchen und Redezeiten sichern. Ich wünsche dem Verein ja alles Gute, pflege auch keine Erzfeindschaften zu irgendwelchen Mitwirkenden, aber irgendwie klingt es in meinen Ohren derzeit noch arg nach “zentrale Eckpfeiler reloaded”.
Und dann auch noch die großen Viecher Google und Facebook mit dabei. Hm. Wer da Hund ist und wer der wedelnde Schwanz von D 64, da darf man mal gespannt sein.
Am 7. Dezember 2011 um 14:17 Uhr
Mäuse-Guantanamo
Habt doch jetzt endlich Erbarmen mit der Maus.
Sie kämpft nun schon seit 3 Tagen und 3 Nächten.
Am 7. Dezember 2011 um 14:23 Uhr
;)) – Sie muss nur kämpfen solange Du die Website geöffnet hast.
Am 8. Dezember 2011 um 07:34 Uhr
@Vroni :-) Herzlich gelacht am frühen Morgen. Danke. @Ralf, in der Tat, sollen wir Mäuschen nicht mal erlösen? Auch wenn sie keine Erschöpfungserscheinungen zeigt, aber der Käse fangt an zu müffeln ;-).
Am 8. Dezember 2011 um 10:18 Uhr
@Roland @Vroni Da wir natürlich nicht Vroni vom werbeblogger ausschließen wollen, nur um der Maus Ruhe zu geben, sollten wir die Maus vielleicht durch ein Erinnerungs.jpg ersetzen und dieses zur Quelle verlinken, oder?