10:56 Uhr
Ein spanischer Richter verlautet: Raubkopierer kurbeln das Musikgeschäft an.
Viel ist schon über die Frage geschrieben worden, welchen Schaden Musikpiraten und Raubkopierer anrichten, die sich ihre Musik aus illegalen Quellen besorgen. Für die Musikindustrie und ihre Verbände ist der Fall klar: an vielen, wenn nicht allen “Raubkopierern” verliert die Industrie einen potenziellen Kunden und damit laufend Umsätze in Milliardenhöhe. Aber ist das wirklich so?
Ein spanischer Richter, der bei einem Fall von Handel mit illegalen Musicdownloads eingesetzt war, kommt zu bemerkenswerten Schlüssen. Zusammengefasst:
1. Das Ausmaß eines wirtschaftlichen Verlustes durch illegale Downloads für die Musikindustrie kann nicht gemessen werden.
2. Es könnte sich durchaus auch genau gegensätzlich verhalten: illegale Downloads kurbeln letztlich das Musikgeschäft an.
Er begründet dies mit der Einschätzung, dass Musikpiraten zunächst bewusst auf den Kauf zugunsten einer illegalen Quelle verzichten wollen, also die Musik ursprünglich nicht etwa käuflich und legal erwerben wollten, was sich aber später ändere. Bei torrentfreak.com exisitiert auszugsweise eine englische Übersetzung des Richterspruchs, die ich hier einmal frei ins Deutsche übersetze:
Im Gegensatz zum rechtlichen Argument ist es in jedem Fall vorstellbar, dass sich Kunden, die zuvor eine illegale Kopie gesehen oder gehört haben, anschließend das Original kaufen, weil es ihren persönlichen Geschmack trifft, so dass der Markt von Originalwaren vom Verkauf von Raubkopien profitiert.
(“In any case, reversing the legal argument, it is conceivable that a customer, after hearing or viewing the pirated copy, may decide to purchase the original, finding it to their taste, so that the sale of pirated copies, far from harming, benefits the market for original items.”)
Harter Tobak. Wenn ich an die massive Markenpiraterie aus Fernost denke, dann habe ich da so meine Zweifel, vor allem bei Produkten im ursprünglich hochpreisigen oder Luxussegment, die wegen ihrer Investitionshöhe dem “Durchschnittsverdiener” vermutlich auch weiterhin verschlossen bleiben. Anders sieht es ggf. tatsächlich bei Musikdownloads aus, wo “Schwarzlader” zugleich die treuesten iTunes-Kunden (geworden) sind, wie der ehemalige Chef von EMI digital vor einiger Zeit schon bemerkte.
Merrill profiled the file sharing behaviour of people who used Limewire against the top iTunes sales and the biggest iTunes buyers were the same as the highest sharing “thieves” on Limewire.
Dieses Verhalten ist eigentlich so alt wie das Handelsmarketing selbst, wo brauchbare Produktproben, Betas und Gratis-Zugänge absatzdynamisch wirken, nur dass die Musikindustrie ihren eigenen “Interessenten” offensichtlich nicht so richtig über den Weg traut, ja, sie eher ständig als Hauptschuldigen für schwindende Musikabsätze ausmacht.
Warum sonst promoten die Labels und Verlage ihre Musik und Künstler nicht selbst mit dem Download von ganzen Songs, gebunden an eine Nutzer-ID und die Möglichkeit, sie mit weiteren Angeboten nach ihren Vorlieben zu versorgen?! Was sollen diese albernen Hörproben-Schnipsel in Grammophon-Qualität?!
11 Kommentare
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- Vermögensberater/Finanzberater: Vor allem Designer verdienen aus meiner Sicht viel zu wenig für das was geleistet wird!!!
- Martina: ich sage auch wer viel arbeitet sollte viel verdienen aber ist auch wieder abhängig von dem wert der erarbeiteten sache
- Martina: Vielen dank! :D
- Mama2012: Meine Krabbelgruppe fällt schon längst nicht mehr auf Pampers herein, um ehrlich zu sein, wir benutzen die Windeln von Aldi, Rossmann...
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- Cihan: Hi! Ich bin der Meinung, dass Durchschnittsgehälter nicht die Grundlage für Diskussionen sein sollte. Designer zu sein ist sicherlich nicht...

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Am 4. November 2011 um 12:28 Uhr
Das gibt es eigentlich immer mal wieder, dass Bands einzelne Lieder vom neuen Album gratis anbieten. Warum auch nicht? Ist ja im prinzip nichts anderes als das Spielen der Single im Radio. CD-Singles kauf ich mir, wenn überhaupt, eh nur um die Sammlung auf zack zu halten.
Aber das sind nach meiner Erfahrung halt immer die Bands selber, und eher Bands bei (halbwegs) Independent-Labels. Die großen glauben halt immer noch, alles irgendwie deckeln zu können.
Dass der Richter in einer Sache Recht hat, seh ich aber auch: Keiner kann beziffern, wie letztlich die Bilanz der Gewinne und Verluste aussieht.
Wenn ich einen Song runterlade, ihn höre, doof finde und dann nicht kaufe, ist die Sache eigentlich klar: Kein Verlust fürs Label, denn ich hätte ja eh nicht bezahlt. (Wieder vergleichbar mit dem Hören im Radio.)
Wenn ich was runterlade, gut finde und es dann nicht kaufe? Da ist es schon schwieriger. Das ist zwar kein Verlust, aber definitiv entgangener Gewinn. Kann man blöd von mir finden, würde ich sogar einsehen.
Aber wie oft bin ich schon bei Youtube über einzelne Lieder gestolpert und hab mir dann bei iTunes (oder gar im Laden) das ganze Album gekauft. Ich weiß es nicht, aber es sind definitiv eine Menge.
Ist Youtube jetzt genau so zu werten wie ein illegaler Download? Streng genommen, ja. Und dan muss man auch die Gewinne berechnen, die sich daraus ergeben. Und wenn wir schon dabei sind: Auch die GEMA-bedingten Verluste (oder entgangenen Verkäufe) sollte vielleicht mal jemand ausrechnen. Das sind nämlich die eigentlichen Absatzbremsen.
Am 4. November 2011 um 14:29 Uhr
Der Mann hat garantiert Recht!
Mach ich auch so. Ich kaufe alles was man umsonst bekommt. Machen auch meine Freunde… Ich bin ja ehrlich- Sollte man bei Aldi auch machen- Zuerst umsonst essen dürfen, dann bezahlen was geschmeckt hat. Funzt super!
Am 5. November 2011 um 11:01 Uhr
[...] zum Artikel bei TorrentFreak (mit Quellen) via PPV Diverse – Musikrecht – Die [...]
Am 5. November 2011 um 20:30 Uhr
Bemerkenswert. Der Herr Richter hat irgendwie Recht – ich konnte genau dieses Verhalten auch bei mir und Freunden beobachten. erst runterladen, dann kaufen..der Lauf der Dinge.
Am 19. November 2011 um 14:41 Uhr
[...] kurbeln das Geschäft an. Der Werbeblogger zitiert einen spanischen Richter zum Thema “Raubkopien und Musik”. Endlich mal ein [...]
Am 20. November 2011 um 20:14 Uhr
[...] [...]
Am 29. November 2011 um 17:32 Uhr
Eigentlich spannend, dass die Meinungen auseinander gehen. Ich find es aber immer wieder bedauernswert, wenn DeeJay’s die Songs nicht zahlen, die sie abspielen. Mit der Begründung, dass Sie in der Schweiz schon für jede öffentliche Darbietung schon genug Suisa-Gebühren bezahlen müssten… *kopfschuettel*
Am 30. November 2011 um 03:26 Uhr
ich finde auch das der richter recht hat. gerade was unbekanntere bands angeht kaufe ich mir doch keine cd auf “gut glück”. wenn ich es aus dem netz ziehe kann ich sie mir ordentlich anhören und was gefällt wird gekauft, das andere verworfen. und ich bin selbst musiker, den keiner kennt,,
lg.
Am 30. November 2011 um 12:15 Uhr
Man muss sich vor Augen führen, daß die Musikindustrie den Umschwung ins digitale Zeitalter nicht geschafft hat. Bezeichnend ist dabei daß die ” halbe Rettung” durch Computerfirmen (Apple) und Digitaltrader (z.B.Amazon) erfolgt ist. Wer so leichtfertig auf dem hohen Roß sitzend mit seiner Kernkompetenz umgeht und Filesharer als Grund allen Übels klassifiziert ist einfach selbst schuld.Warum haben die Musikfirmen keine Flatrates von dem Backprogramm eingeführt(je Neuer desto Teurer) z.B bis 1970 10€ monatlich.- bis 1980 20€ usw… ? Da hätte sich das Problem mit Raubkopien nie entwickelt und alle wären zufrieden,denn gerade Indies könnten hier kostengünstig neue Künstler aufbauen. Erst hören, dann kaufen oder runterladen. Durch die Einstellung der Cd´s in Kürze sind die Rec-companies sowieso im Hintertreffen mit eigenen Vertriebswegen…. Es mutet geredezu unterirdisch an das z.B.Mariah Carey nach diversen Flops 20 Millionen von der Rec. Company bezahlt bekommen hat, damit Sie ihren Vertrag für 10 Lp´s nicht mehr erfüllt…..
Am 7. Januar 2012 um 14:39 Uhr
Spanien: Kurbeln illegale Downloads das Musikgeschäft an?…
Das Thema Filesharing wird aus rechtlicher Sicht bisweilen sehr emotional diskutiert – denn die Gemengelage ist unübersichtlich. Da ist zunächst die Musik- und Filmindustrie, die auf ihre Rechte pocht und sich dazu einer Heerschaar von Anwälten bedient…
Am 27. Mai 2012 um 21:10 Uhr
welcher spanischer Richter verlautet sowas? Das ist doch wieder so eine Zeitungsente