26.10.11
13:49 Uhr

Montagspredigt: ‘Binsen-Gebinde’ haben Revolutions-Potential!

Ich habe mich total verliebt in dieses Wort ‘Binsen-Gebinde’ von AvLBerlin, aus deren Tweet “Werbung ist eintönig: Koch und Schwartz in der Wirtschaftswoche – knackige Kritik oder Binsen-Gebinde? http://j.mp/rbEeus” – und habe in der Folge ein wenig reflektiert, wiedergekäut und philosophiert. (Dank gebührt, ohne Ironie, AvL, die mich auf diese Spur brachten.) 

Binsen-Gebinde: eine Strauß von Binsenweisheiten und Binsenwahrheiten. Binsenweisheit/-wahrheit: eine allgemein bekannte Tatsache, die keiner weiteren Verbreitung bedarf.

UND GENAU DA WIRD ES SPANNEND!

Manchmal denke ich, es ist viel sinnvoller in Binsenweisheiten zu sprechen, damit aus der Weisheit endlich die Tat wird, als in Innovationen sich zu verlieren, die erst langsam durch die Trendsetter-Hirne tröpfeln müssen, durch die Early-Adopter-Adern fließen müssen, ehe sie in relevanten Mengen auftreten und die Massem bewegen können.

Binsenweisheiten dagegen sind allgemein bekannt, allein der letzte Schritt fehlt: die Umsetzung. Schwatzen können wir alle. Vor allem, wenn die Tage nie vergehen, wir auf die Uhr starren oder in den Untiefen des Tagesgeschäftes langsam versacken, uns verstecken gar, damit neue Horizonte uns nicht entdecken, uns nicht rufen, uns nicht locken mit Sonne, güldenen Verheißungen und Zukünften und uns nur noch frustrierter am Abend nach Hause schleichen lassen würden.

Nein, das einzige Contra der Binsenweisheit ist ihre theoretische Konsistenz.

INNOVATION im binsenweisheitlichen Sinne und Kontext könnte man definieren als:
ES ZUM ALLERERSTEN MALE RICHTIG MACHEN!

Das große Pro der Binsenweisheit ist ihre Ubiquität. Jeder könnte morgen sofort Konsequenzen ziehen. Jeder wartet nur – ohne es zu wissen – auf den Initialfunken. Die Muskeln sind längst angespannt. Man ist bereit zum Sprung in diese neue Welt jenseits der Binse.

Allein, man will nicht der Erste sein, nicht der Nagel sein, der herausragt, plötzlich. Denn der herausragende, oder besser: hervorragende, Nagel wird vom japanischen Sprichworte sofort (wieder) eingeschlagen.

Die Binsenweisheit könnte gar den Rand zur Revolution markieren. Eine reine Frustrationsgrad-Erwägung. Eine Wasserstandsmeldung am bald überlaufenden Fasse.

Die Binsenweisheit – ein Mem, das sich in die Herzen der Menschen brennt, den Widerstand misst, die Toleranz, die Schmerzschwelle auslotet, die Ungeduld der Jugend auf die Probe stellt.

Denn, und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Je mehr Binse, desto mehr Wahrheit. Je mehr Binse, desto schlimmer. Je mehr Binse, desto eher – verdammt nochmal – muss sich endlich etwas ändern! Alle wissen es, keiner tut etwas.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – genau! UMSO SCHLIMMER!

Die Binsenweisheit – auch ein Gradmesser der Gleichgültigkeit der Betroffenen. Ein Gradmesser ihrer Ohnmacht und Lustlosigkeit, den Wandel zu wagen.

Wir sollten uns alle gemeinsam der Binsenweisheiten in Werbung, Kommunikation, Marketing annehmen!

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2 Kommentare

  1. Matthias Maschmann

    @Ralf Schwartz: Vielen Dank, sehr schön formuliert! Besonders mein Lieblingssatz in dieser Montagspredigt:

    “INNOVATION im binsenweisheitlichen Sinne und Kontext könnte man definieren als:
    ES ZUM ALLERERSTEN MALE RICHTIG MACHEN!”

  2. ralf schwartz

    @Matthias Danke, das hört man gerne. Hier gibt es übrigens noch mehr Binsen: wiwo.de/unternehmen-...

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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