18.10.11
09:10 Uhr

Montagspredigt: Ist das gut oder schlecht, wenn @MediaCom_de 76 Follower hat?

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(Anmerkung: Der geneigte Leser möge im Geiste in den folgenden Zeilen ‚MediaCom‘ durch die eigene Agentur, das eigene Unternehmen ersetzen, sich dann – bitte wertfrei – an die eigene Nase fassen.)

76 Follower, hm, das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass mit MediaCom hier „Deutschlands größte Media-Agentur“ twittert.

Sieht man sich jedoch die Tweets an, die dort in den Äther gesandt werden, muss man sagen, 76 Follower sind eine ganze Menge – für diesen Inhalt, der im Grunde gegen Null geht, qualitativ und quantitativ.

Aber Qualität, ebenso wie Schönheit, das wissen wir, liegt im Auge des Betrachters.

„Deutschlands größte Media-Agentur“ hat nach eigenen Twitter-Bio-Angaben 720 Mitarbeiter. Und dann nur 76 Follower!?

Interessieren sich MediaCom-Leute nicht für Neue Medien, das Netz, Social Media?
Interessieren sich MediaCom-Leute nicht für die Verlautbarungen, Ankündigungen, weltweiten News des eigenen Unternehmens, der eigenen Gruppe?

Interessieren sich MediaCom-Kunden nicht für ihre Agentur?

Gibt es bei MediaCom nur 76 Personen, die sich mit Neuen Medien, dem Netz, Social Media identifizieren können?
Oder gar: Gibt es bei MediaCom nur 76 Personen, die sich mit dem eigenen Unternehmen identifizieren können?

Auf der anderen Seite hat MediaCom nur 25 Personen nahegelegt, MediaCom zu folgen – denn sovielen Accounts folgt MediaCom selbst.
Da ist es eine Leistung, 3mal mehr Follower zu mobilisieren, oder? Mancher, der mal eben 2.500-25.000 Leuten folgt, wäre glücklich, er hätte Follower von einem Drittel dieser Zahl gewonnen, geschweige gar eine Balance erreicht.

Ist nur 25 Accounts zu folgen eigentlich Bescheidenheit oder Faulheit?

Trotzdem gibt es – ob der Größe MediaComs – zu denken, dass weder aus der MediaCom selbst, noch aus der Kreativschwester Grey, noch aus der Gruppe, noch aus dem Markt relevante Follower-Zahlen zusammenkommen.

MediaCom ist am Ende eine normale Network-Agentur. Ein Konzern. Ein gutes Beispiel dafür, daß man engagierte und kompetente Menschen braucht, um Dinge zum Leben zu erwecken, um zB Social Media zu leben. Das ist weder gut, noch schlecht. Das ist einfach so. Und hängt mit den eigenen Zielen, den eigenen Prioritäten, dem eigenen Kontext, den eigenen Ansprüchen zusammen.

Hängt damit zusammen, ob man neugierig, vielfältig, kreativ, innovativ und wertschöpfend ist – oder ob man das – völlig wertfrei – nicht mehr nötig hat, da man eh der Größte ist!?

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18 Kommentare

  1. Kai Thrun

    Wie viele Mitarbeiter einer Network-Agentur halten sich denn in den Social Networks auf? Die meisten wissen doch gar nicht, was Twitter überhaupt ist. Willkommen in der Realität.

    just my 2cents

  2. ralf schwartz

    Sach ich doch ;)
    Danke für die Bestätigung.

  3. Ben

    Tja, deswegen heißt ihr Planungstool jetzt nicht mehr Real World Communication, da sich sich wohl eingestanden haben keine Werbung für die echte Welt zu machen.

    Interessant ist auch folgender Auszug der Mediacom-Homepage:

    „Echte Social Media. Werbung muss deshalb Gesprächsanlässe schaffen. Und Marken müssen einen besseren Gesprächsstoff bieten. Off- und Online. MediaCom bietet dafür mit dem größten Digital- und Onlinemedia-Department Deutschlands die nötige Expertise.[…]Social-Media-Kampagnen werden hier entwickelt, neue virale Überraschungen ausgeklügelt.“

    Anspruch und Wirklichkeit.

    Das größte Onlinemedia-Department Deutschlands reicht wohl nicht aus, besseren Gesprächsstoff für die Kunden, Dienstleister und Interessenten der Agentur zu bieten.

    Aber es gibt ja auch Mediaagenturen, die nicht mal über eine richtige Homepage verfügen…

    Vielleicht sollten die Werbekunden auch mal zum Denken anfangen, wem sie ihre Werbemillionen anvertrauen.

  4. Peter

    Die „Größe“, „Social Media“ und Agenturverständnis.
    Aus meiner Erfahrung heraus haben 90% der Agenturen nur wenig Verständnis von Web 2.0 Begriffe wie Influencer, Sentiments etc. dienen nur der Konversation, da diese Tools wie Radian 6 oder Sysomos Heartbeat / Map nicht vernünftig einsetzen – noch entsprechend geschult sind. Ich erlebe entsprechende Marketing Katastrophen wöchentlich, bei denen sich die Hausagenturen über „gelungene“ Web 2.0 Kampagnen freuen ohne überhaupt den Erfolg geprüft zu haben. Noch schlimmer kommt es dann, wenn eine externe Agentur mit einer entsprechenden Marktanalyse im Web beauftragt wird und die Zielgruppe den Social Media Profilen der Mitbewerber folgt. Manchmal hilft dann auch das gute Verhältnis von Marketingleiter und Agenturinhaber nicht mehr, wenn man sich für die verschleuderten Etas rechtfertigen muss. Von diesem Standpunkt aus betrachtet: Ganz normale deutsche Agenturlandschaft – aber zum Glück nicht immer.

  5. ralf schwartz

    @Ben @Peter „Anspruch und Wirklichkeit.“ – „Ganz normale deutsche Agenturlandschaft…“

    Aber wann werden die denn wach? Was muß denn noch (nicht) passieren, damit die Herren in den einsamen Top-Etagen fliegen (lernen), aus ihren Elfenbeintürmen die Rapunzel-Zöpfe herunterwerfen und das Wissen langsam hochsteigen lassen?

  6. Ben

    @Ralf „Aber wann werden die denn wach? Was muß denn noch (nicht) passieren, damit die Herren in den einsamen Top-Etagen fliegen (lernen), aus ihren Elfenbeintürmen die Rapunzel-Zöpfe herunterwerfen und das Wissen langsam hochsteigen lassen?“

    Solange das Geschäftsmodell funktioniert und die Renditen stimmen, wird sich nichts ändern.
    Solange nur Einkaufseffizienz und quantitative Media- und Werbekennzahlen für den Werbeerfolg als ausschlaggebend gelten, nicht aber nachgefragt und geprüft wird, ob Werbung für die Menschen tatsächlich sinngebend, unterhaltend und wahrhaftig ist, ob die Werbung ihnen Antworten gibt, Geschichten erzählt und Gesprächsanlässe liefert, wird sich nichts ändern.
    Solange (große) Kunden ihre Mediaagenturen lediglich durch die gängigen Mediaaudits bewerten und prüfen lassen, ob die Kennzahlen und die Einkaufseffizienz stimmt und nicht noch etwas besser sein könnten, nicht aber ob Werbung tatsächlich bei den Menschen ankommt, wird sich nichts ändern.
    Solange Werbekunden nicht aufwachen, umdenken und Druck auf ihre Agenturen ausüben, wird sich nichts ändern.
    Solange es keinen gibt, der es anders und besser (vor)macht, wird sich nichts ändern.

  7. ralf schwartz

    Hm, der Kernsatz scheint zu sein: „Solange Werbekunden nicht aufwachen, umdenken und Druck auf ihre Agenturen ausüben, wird sich nichts ändern.“

  8. ramses101

    Wobei ich die Cases auf der Mediacom-Homepage schon überzeugend finde. Vielleicht ist der Agentur Twitter einfach nicht so wichtig? Dass sie Social-Media-Zeug können, haben sie ja gezeigt. Und Coca-Cola und die Telekom sind jetzt auch keine Frittenbuden.

    Grundsätzlich bin ich aber natürlich auch der Meinung, dass man als Vorturner nicht die schlechteste Haltungsnote haben sollte. Was jetzt aber nicht auf die Werbung beschränkt ist, wie ja auch das vielzitierte Bild vom Schuster mit den schlechten Schuhen zeigt.

  9. Peter

    @Ralf
    „Aber wann werden die denn wach?“
    Also, in 90% der Fälle ist das so: Der Inhaber will und kann sich nicht mit dem Marketing befassen. Internet ist eben Internet und Werbung ist eben Sender zu Empfänger Prinzip. Aus dem Grund wir der angestellte Marketingleiter/in mit seinem/ihrem Team schon genau wissen, wie das funktioniert. Das Team des/der Marketingleiter/in ist in 75% der Fälle vollkommen mit dem Thema Web 2.0 überfordert. Man schmeisst mit holen Worthülsen um sich und versteht überhaupt nicht, dass die Dampfhammermethode (Viel tut viel Wirkung mit viel Budget und gut) nicht im Web 2.0 laboriert. Wenn nicht kann man ja die beauftragte Agentur für den Fehlschlag verantwortlich machen und beauftragt eine weitere. Die erste Agentur erscheint, eine aus der Ecke Sushi Häppchen, viel Glanz und Gloria incl. Zaubershow in Form einer Power Point Präsentation. Hier wird dann mit viel Web 2.0 Fachbegriffen um sich geworfen, viel Erzählt über die üblichen Verdächtigen wie Facebook, Twitter, Google Plus und Co. um zu zeigen, dass man selbst nicht so genau weis, wie das Web 2.0 eigentlich funktioniert. Facebook klingt ja gut, Twitter auch und wenn für den Preis noch eine App für das iPhone vom Cheff drin ist – ist doch alle Gutti :-). Jetzt noch die Geschichte lostreten und an andere Agenturen auslagern, die Fanpage, iPhone App und Design erstellen. Das Seeding übernimmt dann der oder die FH Praktikanten in deren Freundschaftsnetzwerken. Wenn man dann feststellt, das es noch nicht so ganz passt, kann man ja noch eine kleine Anzeigenkampagne in FB starten. Nach dem ca. 300 Fans generiert wurden, war die Kampagne ein voller Erfolg. Jetzt noch einen Artikel an die Horizon schreiben und hoffen, dass dieser abgedruckt wird – naja, zumindest für die iPhone App. Jeder bekommt dann das was er wollte, alle sind zufrieden und die Etas für nächstes Jahr sind auch schon gesichert. Komisch nur, das niemand die Aktion wirklich wahrgenommen hat.

    Nach einiger Zeit erhält der Cheff des Unternehmens einen Anruf von einem Freund. Der weist diesen darauf hin, dass es dieser eine Agentur hat, die die Sichtbarkeit seiner Marke, seines Brands und die Kundenbindung erhöhen konnte. Und das Beste an der Sache, es gibt Reportings, Analysen, Alerts und auf die Finger der Mitbewerber kann man auch schauen. Es kommt wie es kommen muss, es erfolgt im ersten Schritt eine Analyse des bestehenden Marketings. Mit entsprechenden Datenclustern werden Blogs, Foren, Kommentare, Twitter, Facebook, Myspace, Buy & Sell, Micromedia etc. etc. erfasst. Schon nach wenigen Stunden ist klar, das die Mitbewerber weit die Nase vorn haben. Ein paar Analysen später kann man die Aufstellung der Medientypen der Mitbewerber, Channels, Influencer und Kampagnen erkennen. Nun wird klar, das alles was sin den letzen Jahren gemacht wurde, überhaupt keine Wirkung zeigt, denn die Wordclouds der Menschen sprechen nicht über die Produkte oder Marken für die viel Geld ausgegeben wurde. Sie sprechen über die Mitbewerber. Eine Sentimentanalyse fördert zu Tage, dass die Kunden die Marken der Mitbewerber besser betrachten und bewerten. Ja die gehen sogar soweit, diese zu taggen und zu sharen. Und weiter gehts… usw. usw.

    Am Schluss stellt man fest, es gibt sehr, sehr, sehr wenig Agenturen – die über fundiertes Know How im Web 2.0 und SMM verfügen. Aber so ist das eben…

    Peter

  10. Patrick

    Ich muss Ralf Schwarz recht geben.
    Aber es wird noch dauern, bis sich etwas ändert..

    Aber man weiß ja auch, dass die Onlinewelt so schnell im Wandel ist, wie keine andere…

  11. Florian

    Es könnte natürlich auch sein, dass Firmenaccounts auf twitter einfach nicht wirklich relevant sind. Dass es erst dann interessant wird, wenn dort Menschen twittern, was sie als Personen spannend finden, erleben, reagieren. Und dann ist ja nicht gesagt, dass man das unter einem Account mit Mitarbeiterkürzeln lösen muss – mann kann seinen Mitarbeitern ja auch ermöglichen als Personen mit individuellen Accounts sich dort zu tummeln. Und wenn man dann diese persönlichen Accounts noch mit einem kleinen unaufdringlichen Branding versieht wird vielleicht was draus. auch wenn auf @meinefirma nichts los ist.

    Der Grundannahme des Artikels stimme ich aber dennoch zu. Ich frage heute bei Vorstellungsgesprächen immer nach einem Twitter-Account. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass jemand, der sich professionell mit Kommunikation beschäftigen will, keine fundierte Meinung pro/contra und erste-hand-erfahrung hat.
    Meine Mitarbeiter in den Agenturen haben auch immer große Augen gemacht, wenn ich Ihnen zur Hausaufgabe gemacht habe, sich einen Account anzulegen. Selbst wenn es nicht für jeden funktioniert/nicht jedem Spaß macht: Ich muss darauf vorbereitet sein, dass mein Kunde mich darauf anspricht. Und da reicht es nicht, zu sagen: Ach, da nehmen wir beim nächsten Meeting mal die verrückten Onliner mit.

  12. ralf schwartz

    Schön gesagt, Florian!

  13. Matthias

    Auch wenn der Friseur ’ne Glatze hat – kann er trotzdem ganz passabel Haare schneiden können.

    Dass es in der deutschen Agenturlandschaft beim Thema Social Media Licht und Schatten gibt ist keine Frage. Ob man als Referenz für die Social Media Kompetenz einer Agentur, aber unbedingt die Anzahl der Follower ihres Corporate Accounts heranziehen sollte, halte ich doch für fraglich – obwohl das im Fall von MediaCom schon in etwa so ist, als ob man sich als Friseur die Haar froschgrün färbt. Naja…

    Und dann bleibt da noch – ganz quantitativ – die Frage: Ist es, insb. für eine Media Agentur die mit der Schaltung eines einzelnen TV-Spots X Milionen Menschen erreicht, wirklich relevant ob auf Twitter nun 76 oder 7.600 Leute folgen?

  14. Karsten

    1. Finde ich es nicht schlimm, wenn man (Agentur, Einzelunternehmen, Privatperson) nicht in allen Disziplinen gleich „gut“ ist. Solange man auf einem Kanal guten Content bietet und somit Interaktion erzeugt, kann man auch über einen „einseitigen“ Twitterkanal hinwegsehen.
    2. Ist die Followerzahl allein natürlich kein Maßstab. Ich kann auch mit „nur“ 76 Followern wunderbar angeregten Dialog pflegen. Vielleicht sogar besser als mit 7600.

    Nichtsdestotrotz ist das hier natürlich ein schönes Beispiel für… ja wofür denn? „Interessiert mich nicht“? oder „Angst dann doch ZU transparent zu werden“? oder „Bitte nicht zu außergewöhnlich“?
    Spielt auch keine Rolle. Der Kanal allein macht keinen guten Eindruck. Sollte man es dann lieber gleich sein lassen?

  15. ralf schwartz

    In dem Extrem zwischen „größte Mediaagentur“ und „76 Follower“ würde ich empfehlen, es lieber sein zu lassen ;)

  16. eAwardBlogger

    Ob dieser Post hier schon Wirkung gezeigt hat? Wir sehen bereits 96 Follower. Ich sehe das ähnlich wie Karsten. Vielleicht testen Sie auch noch oder haben halt nur eine Stelle hierfür geschaffen. Die Frage ist doch, was sie mit den 76 Followern anfangen.

  17. ralf schwartz

    @eAward… Kann sein, testen seit 6. April. Probezeit ist rum. Na, es gibt auch Wichtigeres. Ernsthaft. Oder?

  18. Montagspredigt: Ist das gut oder schlecht, wenn @MediaCom_de 76 Follower hat? | Testblog

    […] Montagspredigt: Ist das gut oder schlecht, wenn @MediaCom_de 76 Follower hat? Okt 18, 2011 by roland    No Comments    Posted under: Allgemein Tweet […]

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