13.09.11
12:02 Uhr

Achtung Werbeagenturkunden: Würgt eure Dienstleister nicht zu Tode!

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Ja, es ist Aufmerksamkeit in eigener Sache, wenn Mirko Kaminski, Chef von achtung! GmbH in Hamburg, seine Branchengedanken in Videoclips über die digitale Landschaft gießt. Macht aber auch nichts, wenn er dann Themen anspricht, die die Probleme eines ganzen Wirtschaftzweiges spiegeln und zum Nachdenken anregen.

Agenturen haben es zunehmend schwer, zu überleben, denn oft genug, so Kaminski, sorgen die Kunden der Werbeagenturen selbst dafür, dass ihre Dienstleister wegsterben. Das ist natürlich aus Sicht der betroffenen Agenturen tragisch, andererseits finden sich eben im Meer der Anbieter ständig neue Marktteilnehmer, die Aufträge einsammeln, die andere nicht mehr leisten wollen oder können.

Im Fall der im Video angesprochenen Reverse-Auctions gibt es also immer (mindestens) zwei Seiten, die so ein “Unterbieter”-System überhaupt vital halten können. Nicht nur die ausschreibenden Unternehmen sondern auch die sich gegenseitig unterbietenden Agenturen tragen zum Erhalt bei, von ggf. exisitierenden Auftragsmittlern oder Portalbetreibern einmal abgesehen.

Aus meiner Sicht kann man der Kundenseite ohnehin nur den kleineren schwarzen Peter in diesem Spiel zuschieben. Den weitaus größeren Teil der Misere hat die Kommunikationsbranche selbst verzapft, indem sie zwar eifrig für ihre Kunden Marken- und Kundenbindungseffekte entwickelt, sich selbst dabei aber allzu oft vergessen hat. Wenn die Auftraggeber vermeintlich oder berechtigt glauben, dass Dienstleister und ihre Produkte (Kreation, Beratung, Service…) austauschbar seien wie ein paar Quartettkarten auf dem Grabbeltisch oder Flohmarkt, dann sollte das vor allem den Anbietern selbst sehr zu denken geben.

Wie sagte es noch Amir Kassaei sinngemäß: die Agenturen werden heute wie die Papierlieferanten durch den Hintereingang geschleust um ihre “Waren” abzuladen, während sie früher einmal in den Chefetagen als strategische Partner auf und ab gingen.

Diese Entwicklung liegen natürlich einerseits darin begründet, dass der Wettbewerb sich in der Breite spürbar verschärft hat. Vielmehr aber haben es viele Agenturen über Jahre versäumt, ihr Profil zu schärfen, um weniger austauschbar zu werden. Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel.

Es ist schon äußerst irritierend, dass ausgerechnet die Kommunikationsbranche es lange Zeit fahrlässig zugelassen hat, ihre orginären kreativen Produkte und Leistungen auf dem Basar so sezieren zu lassen, dass sie nun als Stückgut und Schleuder-Service ohne Markenbindung unter den Hammer kommen.

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43 Kommentare

  1. Vroni

    Welche Portale meint er, der Gudste? (Nicht, dass ich da hinwollte, grusel).

    Eigenwerbung sei ihm gegönnt, aber er bleibt unklar.
    Unbezahlte Pitches bei jedem Mini-Projektlein sind m. E. die schlimmste Geisel, aber ich lasse mich gerne eines anderen belehren.

    Ich kenne gar keine Reverse-Aktionen zwischen ernstzunehmenden werbetreibenden Kunden und ernstzunehmende Werbedienstleistern. Also zwischen Profis.

    Er meint ja hoffentlich nicht blau.de oder myhammer. (Laienmärkte)

  2. Mirko Lange

    “Vielmehr aber haben es viele Agenturen über Jahre versäumt, ihr Profil zu schärfen, um weniger austauschbar zu werden. Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel.”

    Ja, so wird es wohl sein. Jede Agentur kann sich ihre Kunden schließlich aussuchen.

  3. Mirko Kaminski

    Hallo Vroni,

    vielleicht fehlt gar nicht viel und Unternehmen loben Aufgabenpakete tatsächlich bei myhammer.de aus. ;-) Viel fehlt da nicht mehr.

    Reverse Auctions werden gern mal von Großunternehmen mit standardisierten Einkaufsprozessen genutzt. Das sind dann keine breit bekannten bzw. öffentlichen “Portale”, sondern Online-Plattformen, die nur von dem Unternehmen selbst oder einigen wenigen genutzt werden. Zuweilen mit geschütztem Zugang.

    Da werden Agenturen eben behandelt wie Büroklammer-Lieferanten: Um den Preis gehts: Eine rückwärts drehende Auktion eben! 1 Stunde Beratung? 90 EUR, 85 EUR, 80 EUR, 70 EUR, 65 EUR, 60 EUR … . Chemie, Miteinander, Qualität, Kreativität … werden gemeinhin nicht berücksichtigt.

    Liebe Grüße

    Mirko Kaminski

  4. Mirko Lange

    Komm, Mirko, nun mal Butter bei die Fische,

    ich kenne auch Reverse Auctions, die sind aber deutlich differenzierter abgelaufen, als Du es hier beschreibst. z.B. Steria Mummert. Da haben auch alle in der GPRA aufgeschrien, und mussten dann nachher doch zugeben, dass das Verfahren gar nicht so schlecht war. Denn der Preis war da nur *ein* Kritierium, mit dem man sich zusätzliche “Punkte” erwerben konnte, die einem in der qualitativen und formalen (also z.B. Größe der Agentur) gefehlt haben.

    Ansonsten: Wen juckt’s? Sollen doch andere Unternehmen ihre Beratung für 60 EUR einkaufen. Wenn die dann mit der (schlechten) Qualiät zufrieden sind, wären die ohnehin kein Kunde für uns, und wenn eine andere Agentur für das Geld Qualität liefern kann, dann müssen wir uns auch Gedanken machen.

    Also warum die Beschwerde? Und ich mache in Gegenteil immer mehr die Erfahrung, dass viele Kunden sehr fair sind – auch dann, wenn ich mit dem Einkauf zu tun habe.

  5. Mirko Kaminski

    Hallo Mirko,

    von der einen auf viele oder alle zu schließen, das funktioniert nur bedingt. Und in dem einen von Dir skizzierten Fall mag es so gewesen sein wie Du sagst. Aber da gibts ganz andere Fälle.

    Aber generell gilt: Die gesamte Branche könnte ihrem Ende entgegenlaufen.

    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “Reverse Auction”.
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “kostenloser Pitch”.
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “Preiserosion”.
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “Rechteabtretung beim Pitch”.
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “Pitchatomisierung” (Ausschreibung immer kleinteiligerer Aufgaben).
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “Einzelprojekte statt andauernde Beziehung”.
    Und das liegt nicht an dem einen Phänomen “Überlastung der MA”.
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “demografische Entwicklung”.
    Und das liegt nicht an dem EINEN Phänomen “Agentur-Aversion bei Talenten”.

    … (Kann man weiter und weiter ausführen.)

    Das sind alles nur viele, viele kleine Mosaiksteinchen, die sich aber insgesamt zu einem düsteren Bild fügen, an dem das Gros der Agenturen selbst und aktiv mitgewirkt hat, ja weiter mitwirkt.

    Eigentlich hätte ich augenblicklich gar keinen Grund, mich damit zu beschäftigen. Läuft ja alles. So aber wirds nicht weitergehen. Noch wärmt uns die Sonne, aber nicht nur ich erahne da eine große Agenturendämmerung.

    Mirko

  6. Christian Henne

    Ich denke, man muss ein wenig differenzieren. Es gibt zumeist einen Unterschied zwischen Agenturen von Großunternehmen – oftmals Netzwerke mit globalen Verträgen – die über den Einkauf bestimmt werden. Dies sind ja fast ausgelagerte Marketingabteilungen, bei denen eben der Preis dann wichtig ist.

    Dagegen arbeiten selbst große Brands auch mit kleinen Spezialagenturen zusammen. Und genau dort herrscht ein ganz anderes Klima. Letztlich weil man weiß, dass der kleine Laden im Notfall abspringt, wenn es zu rau wird.

    Zum Thema Pitches und Auctions kann ich nur sagen: Jede Agentur muss selbst wissen, woran sie sich beteiligt. Die Netzwerk-Agenturen haben aufgrund des Drucks der Holdung oftmals wenig Wahl. Die inhabergeführte Agentur aber schon, denke ich.

  7. Matthias Maschmann

    Das gegenseitige Gewürge und Gepresse, insbesondere auch durch fachfremde Beteiligte (Einkauf, Controlling & Co., aber auch Agenturmanagement ohne Interesse an kreativem Output) ist aus meiner Sicht ein weiterer Baustein zu fortschreitender Standardisierung des (zunehmend Schweinebauch-) Produkts Kommunikation. Wer sich da raushalten kann, hat nicht nur Glück, sondern bestimmt auf lange Sicht auch die Nase vorn. Kreativ und wahrscheinlich auch ökonomisch. Leider gilt zunehmend die Einsicht “in the long run we’re all dead” von John Maynard Keynes… Wer sich aber mit den vielfältigen Gründen der Agenturerosion intensiv beschäftigt, hat vielleicht und hoffentlich am Ende den längsten Atem!
    Lieber Gruß
    Matthias Maschmann

  8. Vroni

    Hallo Mirko (Kaminski),
    danke für die Aufklärung. Die war wohl nötig.
    Ein Glück, dass ich als kleiner Krauter vor dem Herrn noch nicht in den “Genuss” eines solchen Großmotz-Bieterverfahrens kam, da viel zu kleine Klitsche für Beschaffung und Einkauf*. Aber selbst bei Beratung von KMU verlange ich mehr als 60,00 EUR. (Kinners!)
    Hab ich mich also als unwissend und Mini-Klops geoutet. :-)

    Meine unmaßgebliche Meinung und Deinung über zu oberflächlich geführte Agenturscreenings von Netz-Portalen und über Pitches allgemein habe ich vor wenigen Wochen hier dargelegt:
    the-missinglink.de/d...

    Für Agenturen: einfach nicht mehr mitmachen bei dem Pitch-Gewürge.
    Erik Spiekermann und seine Agentur haben sich schon länger davon verabschiedet. Und sich ein Gegenkonzept überlegt: Sie machen gratis nur eins: Debriefings. Find ich klasse.

    Auch ein Kleiner kann sich das jetzt endlich wirtschaftlich leisten, weil es gerade bei ihm einfach nur alle seine Ressourcen frisst und kaum mehr etwas einbringt: Lieber die damit gesparte Zeit nutzen, die Agentur sauber zu positionieren und zu etablieren.

    *Kenne aber Kleine, die sich als Strategie dann eben größer aufplustern, als sie sind um in die Lieferantenlsite von BMW, etc. aufgenommen zu werden.
    Mir wäre das nicht allzu nachhaltig.

  9. Vroni

    “Reverse Auction”.
    „kostenloser Pitch”.
    „Preiserosion”.
    „Rechteabtretung beim Pitch”.
    „Pitchatomisierung”
    „Einzelprojekte statt andauernde Beziehung”.
    „demografische Entwicklung”.
    „Agentur-Aversion bei Talenten”.

    Bis auf einen einzigen in der Aufzählung nur ein einziger deutlich Agentur-interner Grund: „Agentur-Aversion bei Talenten”.
    Gibt es nicht mehr Agentur-interne davon?

    Ich weiß, es ist ein Käufermarkt und damit eine, vorsichtig gesagt, sehr bedauerliche Marktposition. Haben jedoch nicht mehr hausgemachte Gründe zu all den als extern empfundenen Gründen geführt?

    (Habe mich als Agenur-Kreative schon immer arg über die Art aufgeregt, wie Agenturkunden geführt werden, nämlich mit Blondies (böser: männliche und weibliche Zigarettenpromotion-Schlampen in der Kundenberatung) und mich vor 10 Jahren selbständig gemacht.
    Um zu erfahren, dass KMU ebendfalls ein hartes Pflaster sind. Nur anders hart.)

  10. Mirko Kaminski

    Vroni,

    agentur-interne gibt es haufenweise: “Effizienzmängel”, “Prozessunsicherheiten”,”Qualifizierungsstau”, “Managemtschwächen”, “Volumenjagd statt Margenorientierung”…

    Das Vorhandesein und die Ausprägung hängen – natürlich – von der jeweiligen Agentur ab.

    Herzlich

    Mirko

  11. macmat

    Hallo, zusammen, ich arbeite seit zwanzig Jahren als Kreativer in großen und mittleren Agenturen – und kenne noch die goldenen Zeiten mit 15% Agenturprovision. Das haben die Agenturen selbst aufgeweicht (Bernd M. Michael hat da mal einen Artikel in wuv geschrieben, der eben das Aufweichen anprangerte). So ist das leider eben, wenn man keinen “Ehrenkodex” hat (zumindest für die Honorierung). Das machen andere freie Branchen besser: der Arzt rechnet nach Gebührenordnung ab, der Anwalt auch und der Steuerberater erst recht. Aber Gebührenordnungen sind ja so spießig und uncool für Agenturen. Dann lieber den Billigheimer mimen. Traurig, aber wahr. Nur, wie können wir diesen Negativtrend noch stoppen, besser noch umdrehen? Fürchte, das wird schwierig werden. Aber die Hoffnung wollen wir trotzdem nicht aufgeben, gelle?

    Gruß
    Matthias

  12. Michael

    Ich kann hier nur für die Online-Agenturen sprechen, der Trend ist aber gleich. Einerseits steigt die Erwartungshaltung auf Kundenseite immens, andererseits sinkt die Bereitschaft für gute Arbeit gutes Geld zu bezahlen.

    Fakt ist aber, dass auch hier viele der Probleme der Agenturszene hausgemacht sind. Selbst wenn der Brand des Kunden noch so groß ist, werde ich es nie nachvollziehen können wie manche (auch große) Online-Agenturen allen Ernstes für ca. 1% des Media-Budgets arbeiten können.

    Die Folge sind erhöhter Druck durch mehr Kunden pro Agenturmitarbeiter und eine sich daraus ergebende schlechtere Qualität der Arbeit. Auf Nachhaltigkeit angelegte Kundenbeziehungen und Agentursteuerung sehen anders aus.

  13. eddi hat Taschentücher dabei

    Menschen-Märkte-Moral

    Eines von den Dreien muss immer weg, damit es funktioniert.

  14. Oliver

    Dazu passt wohl ganz gut, was ich woanders gefunden habe:

    Wie soll es denn auch anders sein; wenn zum Beispiel ein Grafiker – hier meine ich einen speziellen Fall aus Klagenfurt – bei der Ausschreibung um die Gestaltung einer Broschüre mitmacht, in der Preisgestaltung unterboten wird, darüber zu Recht jammert, aber andererseits beim Unterricht am WIFI erzählt, dass er gerade einen Auftrag an Land gezogen habe, bei dem er dem Auftraggeber die gleiche Druck- und Papierqualität zum halben Preis angeboten habe, da er den Druckauftrag in die Ukraine ausgelagert habe, wo es eine neue Druckerei gebe, die moderner sei als alle Druckereien in den alten Industrieländern zusammen?

    Zuerst das Gejammere über die Preise, die für einen selbst nicht mehr zu erzielen sind und danach eine Outsourcing- Maßnahme, die auch noch den eigenen Druckereien die Preise zerstört; bei solcherlei Ignoranz den eigenen Firmen gegenüber braucht sich niemand darüber wundern, wenn die Lohn-Tendenz überall nach unten zeigt!

  15. Oliver

    @ Mirko Kaminski

    Jetzt dämmert’s mir: Wir sind alle am Ende

    gar nicht so schlecht, wie wir alle denken! ;D

  16. Erstaunter

    “Ich kenne gar keine Reverse-Aktionen zwischen ernstzunehmenden werbetreibenden Kunden und ernstzunehmende Werbedienstleistern. Also zwischen Profis.”

    Ich bin jedes Mal aufs Neue verblüfft, manchmal sogar etwas neidisch, wie sich Menschen mit einer solchen Pippi-Langstrumpf-Geisteshaltung durchs Werber-Leben bummeln.

  17. Vroni

    @ du Erstaunter ohne offenes Visier (= für Klarnamen nicht die Eier?)

    Oh, jetzt kommen die großen Praktiker. Endlich, immerhin, freut mich. Aber leider nicht mit konstruktiven Beiträgen, sondern um jemandem mal polemisch zu zeigen, wo der Hammer hängt. Weiter so.

    Sorry, sehr wohl weiß ich um das Einkäufer-Procedere großer Kunden. Traurig genug beim Einkauf von Dienstleistungen, die häufig wie Facility Management oder wie Schrauben gehandelt werden.
    Pippi-Langstrumpfverhalten … kann jedoch nur bedeuten, dass man als kleine Klitsche krampfhaft versucht, da in dieses Listing mit allen Mitteln reinzukommen und sich ab da endgültig zu verbiegen.
    Das ist wahres naives Pippi-Langstrumpfverhalten.

    Dass man sagt, dass man diese intra-nettigen Schraubenhändler-Reverse-Auktionen nicht kennt, ist ja ganz schlecht fürs Geschäft, das geht ja gar nicht. Etwas zugeben überhaupt. Fragen? Warum, zeigt man doch nur, dass man in unserem Zackzack-Deutschland der Perfektis keine Ahnung hat und das Parkett sofort von seiner Wenigkeit säubern sollte. Sofort ist man als Wolkenkuckucksheimer entlarvt. Au weia :-)

    Schönen Tag noch!

  18. Ulli

    Wenn ich hier mir so die Diskussionsentwicklung anschaue und mit dem Thema des Beitrages vergleiche so zeigt sich mir eine Gemeinsamkeit und zwar das zu viele verschiedene Charaktere einfach nicht mit einander Harmonisieren was meiner Meinung ein Grundzug des Menschlichen Seins darstellt.
    Es ergibt sich das daraus keine weitere Zukunft ersichtlich ist weil die Zeile im besten Fall zwar gleich sind doch jeder eine Andere Lösungstrucktur vorschlägt.
    Wenn man sich umschaut so erkennt man schnell das der Mensch im Bezug auf Entscheidungen zu 99% ein Einzelgänger ist und sich nur Unterordnet wenn Respekt und Generalisierung im großen maß Vorausgesetzt wird.
    Grund dieser Annahme ist natürlich eine Betrachtung von aussen.
    Steckt man in dem Prozedere so scheint es das NAtürlichste sich selbst stets als benachteiligtes und geschlagens Individuum zu sehen.
    Gruß Ulli

  19. ramses101

    (Ich mag Pippi Langstrumpf.)

  20. Einkäufer

    Ich bin als Einkäufer durch Zufall auf diese Seite gestoßen.Interessant, wie wenig über die Rolle des Einkäufers bekannt zu sein scheint und über Auktionen. Wegen hoher Softwarekosten sind diese aber insgesamt eher bei Großunternehmen verbreitet.

    Zur Rolle des Einkäufers: Der Einkäufer ist das Pendant zum Verkäufer. Zum Pitch oder zur Angebotspräsentation kommen ja nicht nur Fachseite und Projektteam, sondern auch der Vertrieb bzw. Geschäftsführer der Agentur.

    Der Einkäufer objektiviert den Prozess und sorgt für Chancengleichheit. Sind in einem Pitch drei Agenturen, können zwei eigentlich froh sein, dass es den Einkauf gibt. Fachseiten wollen regelmäßig entweder die alte Agentur unbedingt behalten oder unbedingt loswerden.

    Der Einkauf verhandelt auch nach. Würde das die Fachseite tun, drohte einerseits eine angespannte Zusammenarbeit nach Vertragsschluss, andererseits ist es nicht Kernkompetenz der Fachseite, gut verhandeln zu können. Bei einem verhandelnden Einkauf können Fachseite und Projektteam nach Vertragsschluss auf denselben schimpfen, was kolossal verbindet.

    Verhandlungen könnte man sich sparen, wenn Agenturen, wie sie gerne beteuern, wirklich von Anfang an den besten Preis anbieten würden. Leider lügen Agenturgeschäftsführer dreist, der Preis sei der beste machbare – und dann reduzieren sie ihn in Verhandlungen. Weder das Verhandlungsgeschick des Einkaufs noch Auktionen würden benötigt, wenn Agenturchefs von Anfang an den besten Preis anböten.

    Zum Thema Auktion: Sie automatisiert nur den Verhandlungsprozess. Niemand ist gezwungen, einen niedrigeren Preis anzubieten, als er verantworten kann. Größter Unterschied zu verbalen Verhandlungen: Die Entscheidungsgewalt wird delegiert – vom Auftraggeber zum Auftragnehmer. Ich glaube, dass diese zusätzliche Verantwortung für den Agenturchef das ist, was Angst macht. Er sieht auf einmal, dass es wirklich sein Handeln ist, das den Ausschlag gibt. Er wird in einer Auktion permanent elektronisch gefragt: Willst du lieber 50 Cent runtergehen oder auf das Geschäft verzichten? Da er ja seine Kostenposition kennt, entscheidet er im Zweifel selbst über Nachtarbeit seiner Mitarbeiter. Wir kaufen nicht Stunden, sondern Produkte bei Agenturen ein. Somit entscheidet der Agenturchef bei unseren Verhandlungen auch über Produktivität und nicht nur Nachtschichten. Wenn eine Auktion vorüber ist, kann es der Agenturchef nicht auf den dummen Kunden schieben, dass er nicht gewonnen hat, sondern ist selbst verantwortlich.

    Ich habe einiges über Auktionen gelesen und finde sie spannend.

    Agenturchefs sollten sich auch Gedanken über sie machen und deren Chancen suchen. Ich bin gespannt, wann Auktionen auch den Einkäufer im Mittelstand erreichen. Bei Großunternehmen soll teilweise im Stundentakt verauktioniert werden.

  21. Mirko Kaminski

    Hallo “Einkäufer”,

    ich finde wirklich gut, dass Sie sich die Zeit genommen, Ihre Sicht zu schildern. Habe es mit großem Interesse gelesen und kann weite Teile nachvollziehen. Und in der Tat arbeiten auch wir – als Agentur – mit vielen Einkäufern und Einkaufsabteilungen sehr gut zusammen. Am besten läuft es dann, wenn ein tieferes Verständnis für unsere Leistungen vorhanden ist – also für Werbung, PR, Social Media – halt Kommunikation. Und gerade Großunternehmen halten da ja oft spezialisierte Unterabteilungen wie “Einkauf kommunikationsaffine Dienstleistungen” vor. Schwieriger wird es hingegen dann, wenn der betreffende Einkäufer sonst eher Material eingekauft und dann nur ausnahmsweise mal eine Agenturdienstleistung.

    Und überhaupt gilt generell – wie nahezu überall: Es gibt solche und solche.

  22. Matthias Maschmann

    Hallo Einkäufer,

    ich finde es auch sehr interessant, quasi die “Gegenseite” auch einmal lesen zu dürfen, danke für Ihr Interesse und Ihre Zeit! An ein paar Punkten kann ich mir einen Kommentar nicht verkneifen, deshalb möchte ich ein paar Stellen aus Ihrem Statement zitieren und direkt kommentieren.

    “Zur Rolle des Einkäufers: Der Einkäufer ist das Pendant zum Verkäufer. Zum Pitch oder zur Angebotspräsentation kommen ja nicht nur Fachseite und Projektteam, sondern auch der Vertrieb bzw. Geschäftsführer der Agentur.”

    Aus meiner persönlichen Sicht läuft schon mal grundsätzlich etwas falsch, wenn es sich beim Geschäftsführer der Agentur um einen “Fachfremden” handelt. Geschäftsführer, die nicht an dem Produkt interessiert und beteiligt sind, das sie dem Kunden zu verkaufen versuchen, sollten meiner Meinung nach umsatteln und sich auf Schweinehälften oder ähnliches konzentrieren, denn sie sind in der Kommunikation fehl am Platze. Genauso wie Einkäufer, die fachlich nicht dazu in der Lage sind, das Produkt, das sie einkaufen, zu beurteilen.

    “Der Einkäufer objektiviert den Prozess und sorgt für Chancengleichheit. Sind in einem Pitch drei Agenturen, können zwei eigentlich froh sein, dass es den Einkauf gibt. Fachseiten wollen regelmäßig entweder die alte Agentur unbedingt behalten oder unbedingt loswerden.”

    Hier stimme ich ausdrücklich zu!

    “Verhandlungen könnte man sich sparen, wenn Agenturen, wie sie gerne beteuern, wirklich von Anfang an den besten Preis anbieten würden. Leider lügen Agenturgeschäftsführer dreist, der Preis sei der beste machbare – und dann reduzieren sie ihn in Verhandlungen. Weder das Verhandlungsgeschick des Einkaufs noch Auktionen würden benötigt, wenn Agenturchefs von Anfang an den besten Preis anböten.”

    Wie so oft stellt sich hier die Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Bieten Agenturen ihre Leistungen von vornherein teurer an als nötig, weil sie ja wissen, dass der Einkäufer schon den Bleistift spitzt? Oder ist es tatsächlich gerechtfertigt, eine derartig unreflektierte Pauschalverurteilung auszusprechen? Oder meinten Sie eigentlich “manche Agenturgeschäftsführer” statt nur “Agenturgeschäftsführer”, wenn Sie ihnen dreistes Lügen attestieren? Ich würde da differenzieren wollen.

    “Zum Thema Auktion: Sie automatisiert nur den Verhandlungsprozess. Niemand ist gezwungen, einen niedrigeren Preis anzubieten, als er verantworten kann. Größter Unterschied zu verbalen Verhandlungen: Die Entscheidungsgewalt wird delegiert – vom Auftraggeber zum Auftragnehmer. Ich glaube, dass diese zusätzliche Verantwortung für den Agenturchef das ist, was Angst macht. Er sieht auf einmal, dass es wirklich sein Handeln ist, das den Ausschlag gibt. Er wird in einer Auktion permanent elektronisch gefragt: Willst du lieber 50 Cent runtergehen oder auf das Geschäft verzichten? Da er ja seine Kostenposition kennt, entscheidet er im Zweifel selbst über Nachtarbeit seiner Mitarbeiter. Wir kaufen nicht Stunden, sondern Produkte bei Agenturen ein. Somit entscheidet der Agenturchef bei unseren Verhandlungen auch über Produktivität und nicht nur Nachtschichten. Wenn eine Auktion vorüber ist, kann es der Agenturchef nicht auf den dummen Kunden schieben, dass er nicht gewonnen hat, sondern ist selbst verantwortlich.”

    Die Schwierigkeit ist nur, dass bei einer solchen Auktion eben über den Preis entschieden wird, wer der richtige Kommunikationsdienstleister ist. Und das ist in meinen Augen deutlich zu kurz gehüpft, vielleicht sogar auch ein Grund für so viel schlechte Kommunikation und für miese Arbeitsbedingungen in der einen oder anderen Agentur. In einem persönlichen Gespräch, auch wenn es “auktionsartig” angelegt ist, kann man wenigstens noch die eine oder andere Idee, den Sympathiefaktor oder andere, maschinell nicht messbare Kriterien hinzugeben, statt 50 Cent mit dem Stundensatz herunter zu gehen. Um dem zu folgen, muss man aber damit einverstanden sein, dass Kommunikationsdienstleistungen eben wirklich etwas anderes sind als Schweinehälften. Die kauft man in der Tat wohl am besten nach Preis ein.

    Ansonsten stimme ich Mirko Kaminski zu. Zum Glück sind Einkäufer ja auch nur Menschen. Und wenn man mit diesen partnerschaftlich umgeht, dann kommt man auch schnell zu einem wirklich konstruktiven Zusammenarbeiten. Diese Erfahrung mache ich immer wieder. Wenn aber die Eisenfresser auftauchen und einen auf dicke Hose machen, ist es in der Regel besser, sich andere Schauplätze zu suchen. Egal, auf welcher Seite der Eisenfresser sitzt…

    Freundliche Grüße

    Matthias Maschmann

  23. Vroni

    Schwieriger wird es hingegen dann, wenn der betreffende Einkäufer sonst eher Material eingekauft und dann nur ausnahmsweise mal eine Agenturdienstleistung.

    Und genau da sehe ich ein Problem, wenn KMU auch zukünftig mit Reverse-Auction-Software (Hach, endlich Technik!) Kreativität einkaufen wollten.

    Denn: Großunternehmens-Einkäufern unterstelle ich jetzt mal positiv ein gewisses strategisches Händchen für verschiedene Gewerke, da es dort nicht nur einen gibt. Bei KMU ist das garantiert aber nur einer und dann der KMU-typisch kurzfristig taktisch agierende Schraubeneinkäufer. Dann gute Nacht!

    Ansonsten hat Matthias Maschmann schon alles gesagt. Vor allem dass man doch bitte differenzieren sollte: Nicht alle auf Anbieterseite „lügen” vor Verhandlungsbeginn wie auf dem Bazar.

    Zum Stichwort „Eisenfresser”:
    Die gab es schon vor den großen Zeiten der Agentur-Einkäufer. Es gab auch schon mal der einkaufende Marketingleiter selbst den Eisenfresser.

    Das waren die Stunden, in denen unser Kreativchef im Meeting mit in seinen Augen wohl nicht immer ein sehr glückliches Händchen mit Verhandlung habenden Agenturcheffes herumbrüllte im Skandierton:

    „WIR_SIND_DOCH_KEINE_SCHRAUBENFABRIK!!”

    Da mochte ich ihn diesen brillanten Quälgeist eigentlich am meisten, denn er stellte sich schützend vor seine Kreativen, die eh schon powerten, was das Zeug hielt. Weil dieser einzige Satz sagte: Verdammt noch mal, wie unausgegoren springt ihr mit eingekaufter Denkleistung meiner Leute, vor alle der meiner Texter, um? Wollt ihr Hirnloses, das im Sekundentakt wie Schrauben produziert wird?

    Wenn ich mir die Werbung und vor allem deren dümmliche Textverzapfungen in Bannern, Online, Anzeigen und Broschüren seit den 90ern bis heute so anschaue, seit ich ausgestiegen bin, muss ich sagen: vermutlich ja. Es ist sogar noch schlechter geworden.

  24. Oliver

    @ Einkäufer

    … lügen Agenturgeschäftsführer dreist, der Preis sei der beste machbare – und dann reduzieren sie ihn in Verhandlungen. Weder das Verhandlungsgeschick des Einkaufs noch Auktionen würden benötigt, wenn Agenturchefs von Anfang an den besten Preis anböten …

    Bei Bauträgern (besonders bei öffentlichen Aufträgen!) wird ein niedriger(er) Preis angegeben, um das Geschäft an Land zu ziehen, welches zu guter Letzt oft ein Mehrfaches des ursprünglichen Betrages ausmacht. Hier wird immer munter weitergebaut, ohne dass sich jemand großartig aufregt: Ist eh nur das Geld der Steuerzahler! Da sollte man meinen, dass es nicht illegitim sei, wenn die Anbieter von Werbung den gegenteiligen Weg einschlagen. Es hat auch den Vorteil, den der Verbraucher beim Einkauf von sagen wir einmal Seife anwendet – er nimmt nicht die teuerste, aber auch nicht die günstigste aus dem Regal, was psychologische Gründe hat. Die meisten greifen zur zweitgünstigsten Variante, da die eine zu luxuriös, die andere aber so wirkt, als sei er ein armer Schlucker, was keiner sein mag – Rechtfertigung (auch) vor sich selbst ist hier angesagt. Das bedeutet bezogen auf das diesem Artikel immanente Thema nichts anderes, als dass wer von Anbeginn an zu günstig anbietet, keinen Zuschlag erhält, da seine Arbeit nicht wertgeschätzt würde, was (viele) dazu bewegt, den umgekehrten Weg zu gehen: teuer anzubieten mit der Bereitschaft nach unten zu verhandeln.
    Persönlich kalkuliere ich immer sehr genau mit einer nicht allzu frechen Mehrwerterwartung. Das heißt, ich habe schon sehr viele Jobs verloren, da dieses zu günstige(?!) Angebot kritisch beäugelt worden war – kann ja nichts wert sein, der billige Mist! -, was aber kurioserweise auch gegen Auktionen spricht, da, wenn keiner mehr unterbietet, der günstigste Preis erreicht worden zu sein scheint.
    Deshalb meine ich: Die Auktionen sind für die anderen da! Ich biete an und verhandle nicht.

  25. M.K.

    Hallo Herr Kaminski,

    ich finde, Sie haben einen signifikanten Punkt noch vergessen, was das Sterben von Agenturen noch erleichtert:
    Die seit wenigen Jahren wie aus dem Boden schiessende Pilze und somit starke Zunahme von Online-Werbemittelhändlern und deren Konkurrenz untereinander.
    Von diesen wird nicht unhäufig erwartet, die Leistung einer Werbe-Agentur gleich kostenlos oder zum Schnäppchenpreis mitzuliefern – schließlich kauft man ja schon die Werbeartikel ein.
    Den Preis für diese Produkte kann man zudem auch entsprechend drücken, indem man gleich mal die Angebotsanfrage an 20 Händler schickt.

    Google und Co tragen ihr weiteres dazu bei. Und die allgemeine Geiz-ist-Geil-Mentalität sowieso.

    Weiche Faktoren wie Beratung, Service, Erfahrung, Qualität, Kreativität… waren jedoch schon immer schwierig zu verkaufen, nicht erst seit gestern und auch nicht nur bei Werbe-Agenturen.

    Ja, zum Glück sind jedoch nicht alle Kunden so!

    Viel Erfolg weiterhin! :-)

  26. Mirko Kaminski

    Hallo M.K.,

    da ist was dran. Erinnert indes so ein bisschen an die Zeit vor 60, 70 Jahren in den USA. Da gründeten sich – als Publikumsmagazine populär wurden – Mediaagenturen, kauften “Platz” ein und boten ihren Kunden dann auch gleich an, den zu füllen. Die kreierten also Anzeigen. Nur einfach “drin” zu sein, reichte bald nicht mehr aus. Kreativität musste her. Und es gründeten sich Spezialagenturen: Werbeagenturen. Heute reichte es zunächst ja auch aus, bei facebook präsent zu sein. Da flogen einem in der Anfangszeit bereits die Herzen zu. Der Wettbewerb um Aufmeksamkeit hat aber zugenommen und es braucht jetzt Kreativität und Originalität und Themen, die die Nutzer wirklich “anspringen” (Zielgruppen- / CRM-Know-how).

    Es sollte daher nicht der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen, sondern jener, der die besten Ergebnisse realisiert. Problem: Wer kann schon sichere, quantitativ wie qualitativ exaktfixierte Ergebnisse vertraglich zusagen? Agenturen haben eben – im Unterschied zu einem Bauunternehmer, der einen Hausbau fest anbietet – lange nicht alle bestimmenden Erfolgsfaktoren in der Hand.

    Liebe Grüße

    Mirko Kaminski

  27. M.K.

    Guten Morgen Herr Kaminski,

    >>Es sollte daher nicht der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen, sondern jener, der die besten Ergebnisse realisiert.<>Problem: Wer kann schon sichere, quantitativ wie qualitativ exaktfixierte Ergebnisse vertraglich zusagen?<<

    Ja, da gebe ich Ihnen recht. Aus Kundensicht verstehe ich daher aber auch die Unsicherheit und dadurch die ggf. getroffene Entscheidung, sich entweder für den günstigsten Anbieter oder für einen aus dem Mittelfeld zu entscheiden.
    Allerdings kommen wir damit etwas vom Thema ab. Letztendlich ging es ja darum, dass die Preise von den Kunden im Laufe von Verhandlungen immer mehr gedrückt werden und die Qualität dadurch einfach auf der Strecke bleibt.
    Bis der Kunde das erkennt, können aber auch gern ein paar Jahre vergehen…

    Wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag! :-)

  28. M.K.

    >>Es sollte daher nicht der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen, sondern jener, der die besten Ergebnisse realisiert.

    Sonderzeichen sind wohl nicht so erwünscht… da fehlt ja die Hälfte meiner Antwort…also nochmal zu zuvorstehendem Kommentar:

    Wenn das alle Kunden so sehen würden! :-D
    Wär ja ungefähr so, als würden Sie sich vor Aldi stellen und den Leuten sagen, sie sollen ihr Obst und Gemüse beim Rewe (oder sonst wo) kaufen. Nicht jeder kann oder will das. Und eine Garantie für bessere Qualität ist es leider auch nicht.

  29. Vroni

    Es ist halt auch ein schwieriger Approach, Agenturkunden als Hauptaussage zu sagen: Würgt uns nicht.

    Nach all den Regeln der Kommunikation – ist es nicht besser, als Hauptaussage herauszuarbeiten, was ein werbetreibendes Unternehmen denn für Vorteile hätte, wenn es denn nicht würgte?

    Meine unmaßgebliche Ansicht eines kleinen Designbüros, das aus der BIG Werbung wegen Würgerey am Arbeitsplatz ausgestiegen ist:

    Solange die werbetreibenden Unternehmen ihre Vorteile für sich nicht klar und nachvollziehbar präsentiert bekommen, werden sie ihre Agenturen und mit ihnen deren Mitarbeiter „weiterwürgen“. Weil das für sie halt der für sie vorteilhafte Käufermarkt und der Wettbewerb ist und sie nichts für sie Schlimmes daran erkennen können. Und wenn das für die Agentur schlimm ist, dann sei das halt schlimm für sie, aber nicht zu ändern.

    Klugschietmodus an: Die sich stranguliert fühlenden Werbeagenturen sollten ihre Hausaufgaben machen und in ihrer Eigendarstellung noch besser herausarbeiten, was genau der Vorteil bei genau ihrer Agentur bei Einkaufs-Fairness sein soll. Damit meine ich gar nicht neue flockige Versprechungen. Ich meine eher: Das kann bis in die Ausarbeitung eines modifizierten Agentur-Geschäftsmodells münden, das den damit angesprochenen Unternehmen in Zukunft mehr Sicherheit bietet, das Werbegeld auch genau richtig investiert zu haben.

    Geht in Richtung finanzielle Agenturmitverantwortung für Awareness- und Umsatzsteigerungen. Ich weiß, Modelle dieser Art wurden zigmal diskutiert und zigmal verworfen, weil am Erfolg einer Marke oder eines Produktes einige Stellschrauben hängen, die mit guter oder schlechter Agenturleistung gar nichts zu haben.

    Der Fehler dabei ist für mich, dass dies absolut diskutiert wurde, nur schwarz oder weiß.

    Denn: Ich meine Agenturmitverantwortung. Nicht Agenturhauptverantwortung. Das „mit“ lässt sich sicher mittels einer halbwegs schlauen Formel abbilden, einer elastischen Kennzahl, die die individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens uund seines Marktes berücksichtigt, aber transparent genug ist. Diese Formel ist eine wahre Aufgabe und sogar ein Festessen für Kennzahlen-Liebhaber und Controller.
    (Nein, ich habe nichts gegen Controller, im Gegenteil, einer meiner besten Kunden war einer…)

  30. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Vroni
    Der Verfasser des Blogartikels hat sich einer polarisierenden Titelaussage als Stilmittel bedient, die er im Artikel in die andere Rufrichtung auflöst :-).
    Damit auch mal die Kundenseite aufmerksam wird, verstehst?

  31. Vroni

    Hey Babe, das weiß ich doch.
    Hab ja ganz oben geschreiben: “Eigenwerbung sei ihm gegönnt, aber er bleibt unklar.”

    Astroturfing oder Awarenesshascherey sollte eigentlich niemanden davon abhalten, dennoch das Ding weiterzudenken. Sagtest du selber sogar ganz oben schön brav: “Macht aber auch nichts, wenn er dann Themen anspricht, die die Probleme eines ganzen Wirtschaftzweiges spiegeln und zum Nachdenken anregen.”

    Das vermisse ich kräftig auf Blogs von Werbern und auch von Designern oder Textern: Es wird ausführlich über den Markt geklagt, es wird ausführlich analysiert, aber dem Klagen und Analysieren fehlt der Schritt ins Handelnde, das konsequente Weiterdenken.

    Ein gewisser Kassaei hat sich konsequenterweise nach New York weggemacht, weil er hier nur angeeckt ist mit ADC-Provokationen und neuen Ideen zur Vermarktung.

    Sollte auf dem Werbeblogger jetzt nur gejammert und PR gemacht werden dürfen, werde ich das natürlich in Zukunft berücksichtigen :-). Und auch mal einen würzigen Klage-Rant schreiben und mir Bezahlungsmodell-Ideen verkneifen.

    Ein bisschen Eigenwerbung kann ich schließlich auch gebrauchen.
    :-D Und jetzt Bier und Feierabend.

  32. Vroni

    “Damit die Kundenseite aufmerksam wird”:
    Ob da der Vorwurf “Ihr würgt uns!” da genau das Richtige ist, muss er selber wissen.

  33. Oliver

    Das vermisse ich kräftig auf Blogs von Werbern und auch von Designern oder Textern: Es wird ausführlich über den Markt geklagt, es wird ausführlich analysiert, aber dem Klagen und Analysieren fehlt der Schritt ins Handelnde, das konsequente Weiterdenken.

    @ Vroni

    Dem Zitat deines Textes kann ich mit den untenstehenden Zitaten entgegenwirken: Es gibt sie noch, die Denker!

    … nicht in der Werbung, wie Jaguar mit “UNWIDERSTEHLICH EFFIZIENT” eben wieder bewiesen hat …

    Mir wäre da wohl eher folgendes Verbrechen passiert (zumindest, wenn die Firma inhaltlich damit werben will!):

    Muss ein Jaguar wirtschaftlich sein?

    - Aber er ist es!

    Na, hat wenigstens Humor, der Satz! – Man sieht: Ein bisschen länger und knallt schon.
    Kommt dann nur noch auf die richtige Verteilung im Layout an.

  34. Norbet

    Vroni hat Recht (oben im ersten Kommentar v. 13.9.), Agenturen pitchen lassen bis der Arzt kommt wegen lächerlichen Miniprojekten (z.B. bedruckte Kulis, kein Witz!) ist eines der größten Probleme; vgl. auch: reklamekasper.de/all...
    Im Übrigen sind die allermeisten Vorstände, die sich noch für das werte Befinden ihrer Agenturpartner interessiert haben, längst in Pension. Die Restlichen fragen allenfalls regelmäßig im Marketing und im Einkauf nach, ob man den diesen Werbefuzzis in Sachen Agenturhonorar nicht die Hosen noch weiter runterlassen kann. Schließlich fahren die alle schwarze Porsches, tragen schwarze Rollis und trinken schwarzen Fairtrade-Bio-Espresso aus dem äthiopischen Hochland. „Da muss doch noch was gehen, 20 Prozent sind immer drin, gell?”

  35. Oliver

    Nee, Norbet, nicht ein einziges Prozent ist drin für Gierige; die sollen bei jemand anders nach Nachlässen betteln, sollen’s mal bei Apple versuchen! ;D

  36. Vroni

    Man kann noch viel mehr in diesem leicht witzigen Ton klagen, Norbet. Hülfet aber nichts.

    Deswegen wird die Lage nicht besser. Man kann den Kreativen auch pauschal vorwerfen, sie hätten sich ihren Markt selbst vernuttet. Haben sie auch. Hilft auch nichts, sie nutten dennoch weiter.

    Daneben gibt es halt ganz einfach die Tatsache, dass es sich schlicht und ergreifend um einen Käufermarkt handelt. Das wird sich nicht ändern, solange jeder in die Werbung will und dann bei dem großen Verdrägnungswettbewerb das fast zwangsläufige Genutte losgeht. Deswegen vernehme ich eigentlich mit großem Vergnügen, dass das angeblich nachlassen soll, weil der gut ausgebildete Nachwuchs anspruchsvoller wird und in attraktivere Branchen geht. Find ich toll. Dass in 5 Jahren 50% aller Werbeagenturen angeblich dicht machen sollen, weil es sich nicht mehr rechnet, ist ebenfalls ein Gedanke, dem ich nicht nur Schlechtes entnehmen kann. Ganz Schlaue nennen das Marktbereinigung.

    Auf Käufermärkten gibt es immer solche Erscheinungen. Völlig normal am Schluss der Zyklen. Auch bei den gerne und viel verglichenen Frisören in der City ist es nicht anders, da wird auch schon mal eine Aktion gefahren, die sich nicht rechnet, oder/und der Kunde wird zumindest extrem gepampert (Nochn Espresso, nochn Sekt?).

    Bei Kreativen ist es nur deswegen noch schlimmer, weil die meisten im Unterschied zum Frisörmeister nicht einmal die einfachsten betriebswirtschaftlichen Kalkulationen beherrschen: Kreative können einfach nicht rechnen. Nein, es liegt nicht hauptsächlich an ihren Kunden, diese nutzen das lediglich nur aus. Völlig normal auf einem Käufermarkt.

    Was tun?
    Das was der Werber eigentlich am besten kann: sich neue Märkte und neue Dienstleistungen ausdenken. Statt auf die manchmal schon recht absurden Pitch- und Reverse-Ideen elastischer Einkäuferseelen zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange.

    Denn: Den Unternehmen erzählen, wie sie ihr Geschäft zu führen hätte, diese zweischneidige Begabung sollte er mal für sich nutzen. O.k. das war jetzt böse. (Ist mir aber an einigen Werbern aufgefallen: sie diskutieren ewig herum bis in ihre Freizeit hinein, ne abschalten is nich, was ihr werbetreibender Kunde denn alles für Ideen hätten haben könnte, wie sie selbst das besser machen würden…).

    Bis hin zu selbst ein ganz anderes Unternehmen aufziehen. Das Schöne daran: Für Werbung muss ein Werber niemanden Fremdes einkaufen (nicht einmal pitchen lassen, hust). Das hat er selbst drauf. Diese Investitionskosten bleiben schoma im Haus. Ich verstehe nicht, was Werbeagenturen davon abhält, sie sind doch die Profis.

  37. Oliver

    Vroni, du bist wirklich gut: Dich kauf ich ein! ;D

  38. Vroni

    :-)

    Kauf lieber einen Business-Angel und einen Excel-Tänzer ein.

  39. Oliver

    :-)
    Die habe ich zum Glück nicht nötig!

  40. Waas

    Ich frage mich, ob gewisse Kostendrücker-Helden beispielsweise Rechtsberatung auf die gleiche Art einkaufen, wenn ihnen wegen eines wichtigen Prozesses der A… auf Grundeis geht.Wenn nicht, könnte es sich möglicherweise lohnen, den Wert der eigenen Dienstleistung für die Entwicklung des Kundenunternehmens noch deutlicher zu erläutern. (Die richtigen Gesprächspartner natürlich vorausgesetzt).

  41. Norbert Kraas

    Die Kreishandwerkerschaft Tübingen verzichtet zukünftig ganz aufs Preisdrücken und nimmt das Thema Grafik selbst in die Hand, wie man der Zeitung entnehmen konnte: reklamekasper.de/wer...

  42. DESIGNLOVR.NET » Achtung Werbeagenturkunden: So funktioniert Kreativität!

    [...] „Achtung Werbeagenturkunden: Würgt eure Dienstleister nicht zu Tode!“, mit dieser Headline entfachte der Spezialist für Sound Branding „Roland Kühl-v.Puttkamer“ [...]

  43. Mario Burgard

    Das endlose Lied des Dienstleisters zu seinem Kunden. Oder vielleicht besser umgekehrt.
    Es ist leider wirklich für uns Agenturen ein hartes Brett.
    Aber auch innnerhalb von Agenturen ist es nicht besser. Der, meiner Meinung nach natürlich, wichtigste Faktor für eine Werbung die verkauft, ist der Werbetexter.

    Er ist aber innerhalb der Agentur das letzte Glied in der Nahrungskette. Die Welt steht Kopf und sehr viele Werbeagenturen versuchen sich in Style und Kreativität zu überbieten und verlieren dabei aus den Augen, was für den Kunden wichtig ist…

    Was auch für ein Wunder. Woher soll sonst die Anerkennung kommen, als aus dem eigenen Kreise.

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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