12.09.11
17:41 Uhr

Montagspredigt: „Gib uns ein BWRBNG – UND GIB DIR SELBST DIE SPANNENDSTE BRANCHE DER WELT!“

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„Die Resonanz war groß: 39 kreative Einzelkämpfer und Teams, Freelancer wie Agenturmitarbeiter, haben bei der Aktion „Komm in die Werbung“ mitgemacht. W&V hatte Leser aufgefordert, Ideen und Kampagnen zu entwickeln, mit denen junge Leute für einen Beruf in der Werbung gewonnen werden können“, schreibt die W&V.

39 Teilnehmer? „Die Resonanz war groß“??? Bei knapp 12.000 Agenturen in Deutschland? Bei fast 30.000 Likes auf der W&V-Facebook-Seite? Bei der Förderung dieses Wettbewerbs durch ZAW, VDZ und GWA? 39 Teilnehmer?
Und die Initiatoren sind verzweifelt genug, diese Blamage auch noch zu feiern? In einen Erfolg umzudeuten? Ohne Worte!

Vor allem aber ohne Worte ist die Ignoranz und Arroganz der W&V, ZAW, GWA gegenüber der Situation der eigenen Branche.

Wieviel Gesunden Menschenverstand braucht man, um zu erkennen, daß die Branche am Boden liegt?
– Daß sie nicht über den Nachwuchs zu retten ist, sondern über das Niederreißen der aktuellen Denkstrukturen?
– Daß sie nicht durch den Nachwuchs wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen kann, sondern nur durch Selbsterkenntnis und konsequentes Neuerfinden?
– Daß sie nicht durch Nachwuchs wiederzubeleben ist, sondern nur durch frisches, sauerstoffreiches Blut in den Köpfen der Top-Management-Etagen der Agenturen, Verbände und werbungtreibenden Unternehmen?

Wie verzweifelt soll der Nachwuchs sein, der noch freiwillig in diese Branche sich begibt, die seit Jahren nichts für ihren Nachwuchs tut, die seit Jahren nicht handelt, um ihr Image durch Taten zu verändern?

Das Nachwuchsproblem ist nur Symptom einer Branche, die anscheinend immer noch nicht aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist. Einer Branche, die die neue Individualität, Unabhängigkeit und Ungeduld der Menschen verschlafen hat. Einer Branche, die mit Anzeigen die Marke Kommunikation in bessere Zeiten führen möchte?

Mit Anzeigen auf dem Niveau dieser Anzeige?

Mit Anzeigen auf dem Niveau der Überschrift? „Gib uns ein BWRBNG – UND GIB DIR SELBST DIE SPANNENDSTE BRANCHE DER WELT!“

Na, dann Gute Nacht, Kommunikation.

Am schlimmsten aber: „Die beste Arbeit wird geschaltet – in Print oder online (Bewegtbild)“. Damit noch mehr Menschen erkennen müssen, wie sehr diese Branche am Ende ist. Eine Branche, die einst Motor von Kreativität und Innovation war – vor Ende des letzten Jahrtausends, ehe das Web so recht seinen Siegeszug um die Welt antrat.
Hm, also eigentlich in Zeiten, an die sich der Nachwuchs nichtmal mehr erinnern kann!

(Nichtsdestotrotz solltet Ihr natürlich alle an der Bewertung der Motive mitwirken, und bitte jedes einzelne Motiv benoten, damit das mit den wenigsten schlechten Noten geschaltet werden kann.)

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43 Kommentare

  1. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Pöse, pöse…
    kommindiewerbung.tum...

  2. ralf schwartz

    @Roland Die machen sich in DIE AGENTUR doch wohl nicht über die Kommunikationsindustrie lustig? Da hört der Spaß auf.

    Vielleicht ist der ganze Wettbewerb eine satirisch angelegte Kampagne, um zu zeigen, daß sich die Branche noch auf die Schippe nehmen kann…

  3. ultimata

    Ähm, ich bin zwar kein Werber, aber bitte bitte sagt mir dass das „Super“ Video dass mich stark an ein Powerpointmachwerk diverser Theater AGs zwecks Eigenwerbung erinnert, Satire ist. Bitte…..
    Mal überlegen, ich bin derzeit 25 Jahre alt, ich weiss noch wie es war frisch aus der Schule zu sein, und damit teil der genannten Zielgruppe..und ein solches Video hätte mich definitv nur dazu gereizt, zukünftig alle weiteren Videos der Macher zu meiden…

    Peinlich, dass so was von den Bracnhenverbänden, bzw. Branchenpresseorganen kommt.

  4. ralf schwartz

    LIebe ultimata, nein, ich glaube nicht, daß das Satire ist. Das ist das, womit sich Menschen in dieser Industrie vorstellen können, die Zielgruppe – also junge Menschen wie Dich – nicht nur zu erreichen, sondern auch zu begeistern.
    Du merkst, wie ernst es ist. Wie verzweifelt die Branche ist.
    Ich bin gespannt, ob sich die Macher dieser kreativen Meisterleistungen noch outen werden – zumindest die Sieger werden es wohl müssen.

  5. ultimata

    Ja, die „Sieger “ werden sich wohl outen müssen. Nur, leider wird sich meiner Meinung nach auch durch solche berechtigte Kritik nichts in der Branche ändern. Letzendlich wird es meiner Meinung nach erst zu einer Änderung beziehungsweise zu einem Umdenken kommen, wenn es „brennt“ ( Kenne ich von Exarbeitgebern) Nur, bis dahin rangiert die Werbebranche höchstwahrscheinlich nicht mehr auf Platz 18 der GFK Studie angesehenste Berufe ( 2010) sondern irgendwo unter ferner liefen…. Werbung im Allgemeinen hat ja schon heute nicht den besten Ruf und in manchen Kreisen ist „was mit Werbung“ schon fast ein Schimpfwort.Und wenn man dann in 10-15 Jahren feststellt, dass solche Videos, oder auch die eingereichten Vorschläge von wegen „high“ schizophren“oder geborener Werber“ bzw, der „wunderbare“ Entwurf Du suchst ein „fair bezahltes“ Praktikum Leute meiner Altersgruppe (meiner Meinung nach)
    einfach nur abschrecken, ist es Essig mit gutem Nachwuchs.
    Dann ist die Frage eine andere, nämlich woher irgendeinen Nachwuchs nehmen? Und ich nehme nicht an, dass die Werbebranche einfach so Experten importieren könnte, wie es beispielsweise in der IT-Branche teilweise möglich ist. Alles in allem, denke ich, dass auf die Werbebranche wirklich interessante Zeiten zukommen.

  6. Vroni

    Um da mal Butter bei die Fisch zu geben:
    Nachwuchsstudie
    horizontjobs.de/bewe...

    Auszüge

    Die meisten Agenturen sind bei Studenten unbekannt.

    Die jungen Absolventen halten Familie und Freizeit für wichtig. Sie lassen sich nicht mehr verheizen:

    Beim Vergleich der Ansprüche, die die Befragten an ihren künftigen Arbeitsplatz formulieren, mit ihrem Bild von Kommunikationsdienstleistern, sinken die Rekrutierungs-Chancen der Agenturen deutlich: Denn die wichtigsten Kriterien der Befragten bei der Wahl eines Arbeitgebers sind nach einem freundschaftlichen Arbeitsklima die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitsplatzsicherheit, Qualität des Managements, Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten – für jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten sind diese Kriterien „sehr wichtig“ beziehungsweise „wichtig“.

  7. ralf schwartz

    @ultimata „Alles in allem, denke ich, dass auf die Werbebranche wirklich interessante Zeiten zukommen.“

    Schön gesagt und wohl wahr. Eigentlich schon seit vielen Jahren – und genauso lange tut sich nichts.

    Hier noch eine andere Facette: ralfschwartz.typepad...

  8. J. Martin

    Und ich dachte, der Charme von Ergo-Werbung wäre das Ende der Fahnenstange.

  9. ralf schwartz

    @vroni Spannend, danke. @j. Qed. ;)

  10. Thies

    Ich hab’s nicht bis zum Ende durchgehalten. So gesehen, waren es Gott sei Dank nur 39 Teilnehmer.

  11. Vroni

    Vor allem aber ohne Worte ist die Ignoranz und Arroganz der W&V, ZAW, GWA gegenüber der Situation der eigenen Branche.

    W&V sehe ich schon immer eher als PR-Tröte, denn als Fachblatt.

    Von einigen Diskurs-Ausreißern abgesehen in den 90ern, wo das Blatt auch noch deutlich dicker war. (Ob wegen Inhalt oder wegen Anzeigenwerbung, kann ich rückwirkend nicht mehr sagen.)

    Das Problem vieler Blätter, die von und über Werbung und Design handeln, ist, dass sie ihrer zahlenden Anzeigenkundschaft (Verlage, Media-Unternehmen, Druck und Werbe- und Designagenturen) nicht richtig weh tun wollen/können/dürfen.

    Und falls sie doch einen Artikel mit Interviews drüber planen sollten, es sich kaum eine Agentur finden dürfte, die sagt: Ja, da haben wir ein Nachwuchs-Problem, und bekannt* sind wir auch nicht, Mist!
    [*Die Absolventen kennen fast nur die Großen von Namen her, von Grey bis TBWA. Was extrem schade ist, denn Network Agencies sind halt Network-Agencies mit relativ brutalen Hierarchien…, aus meiner Sicht eher schlecht für kreatives Einbringen von Newbies, sondern nur gut für Karriere-Heinis.]

    Ich habe noch nie sowohl einen einzelnen Kreativen als auch eine Agentur gesehen/gelesen/wahrgenommen, die ehrlich zugibt, mit irgend etwas Probleme zu haben. Außer im letzten jahr im Fontblog eine Debatte über sinkende Designer-Gehälter, ausgelöst von einem schlampigen Gehaltsreport des Stern glaube ich, der verbreitete, dass man in der Werbung wahre Wundergehälter bekäme.

    Sich in die Tasche lügen ist in der Werbebranche kein Bug, sondern ein festes Feature. Designagenturen sind da nur einen Hauch ehrlicher.

    Ein fetter Nachteil halt: Wer öffentlich zugibt, etwa Nachwuchsprobleme zu haben, muss sich sofort Fragen gefallen lassen, warum keiner kommt. Ein gefundenes Fressen in einem umkämpften Markt, in dem es fast nur den Interaktives gut geht.

  12. ramses101

    Tja, über die Bänker kann man sich natürlich lustig machen: „Wir machen das mit den Fähnchen“. Blöd nur, wenn einem statt zeitgemäßen Arbeitszeitmodellen, vernünftigen Einstiegsgehältern etc. selbst nur wieder die Fähnchen einfallen.

    Mal abgesehen davon, dass ich tausendmal sagen kann: „Werbung ist voll cool! Da kannst du voll crazy Sachen machen!“

    Jeder Werbeblock, jede Tageszeitung, jede Homepage hält dagegen und sagt ergänzend: „Gut, die coolen Sachen machst du dann nach Feierabend. Der Tag ist für Tagesgeschäft, deshalb heißt es doch auch so, Dummerchen.“

  13. Vroni

    @ramses101

    Aber nicht doch.^^
    Mit Tagesgeschäft fängt man klar keine Mäuse.

  14. Thies

    Du schreibst gleich zu Beginn des Posts: 39 Teilnehmer? “Die Resonanz war groß”??? Bei knapp 12.000 Agenturen in Deutschland? Bei fast 30.000 Likes auf der W&V-Facebook-Seite? Bei der Förderung dieses Wettbewerbs durch ZAW, VDZ und GWA? 39 Teilnehmer?

    Was wudert Dich? Es zeigt nur, WIE DESINTERESSIERT Wreber und ihre Firmen am Thema Ausbildung sind. Alle paar Jahre wird gequäkt, es gäbe keinen Nachwuchs, und dann werden neue Praktikanten gesucht. Oder she ich das zu schwarz? Ich glaube nicht.

  15. Vroni

    Man muss sich das mal vorstellen:

    Interessanterweise reden Branchen, denen angeblich die Ingenieure ausgehen,
    1. präpotent und ungeniert bereits jahrelang in den großen Tageszeitungen von ihrem echten oder eingebildeten Nachwuchsproblem. Und schlagen die Trommel vom Ingenieuersmangel. Sie haben anscheinend keine Angst davor, dass man ihnen das so auslegen würde, dass sie einfach als Arbeitgeber unattraktiv sind oder/und selber schlecht ausbildeteten.

    2. Delegieren diese Lobbygruppen das Nachwuchsproblem ihrer Klientel (wenn es denn eins ist) platt und ungeniert zurück an Staat, Universitäten und Studenten. Sie müssten einfach mehr Leute in den Ingenieursberuf bringen, es müssten nur mehr Leute Maschinenbau studieren … (dabei fehlen ihnen lediglich einige seltene Spezialisten).

    Auf deutsch: sich da selbstquälerisch mittels Nabelschau/Selbstkritik öffentlich zu gerieren oder das zu verlangen (Werbeblogger) könnte ebenfalls ein Feature der Werbebranche sein und kein Bug. Warum kann die Werbebranche ihr Nachwuchsproblem nicht ebenso (fast) dreist an die große Glocke hängen?
    Die Barrieren dafür liegen vermutlich an der wachsenden Unbeliebtheit von Werbung einerseits und am Sadomasochismus (in dem Fall mehr macho- als sado-) der Werbeagagenturen und ihrer Blogger selbst.

  16. Achtung Werbeagenturkunden: Würgt eure Dienstleister nicht zu Tode! | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] indem sie zwar eifrig für ihre Kunden Marken- und Kundenbindungseffekte entwickelt, sich selbst dabei aber allzu oft vergessen hat. Wenn die Auftraggeber vermeintlich oder berechtigt glauben, dass Dienstleister und ihre Produkte […]

  17. ceteno

    Ich habe die Erfahrung gemacht, das bei Werbeagenturen das Preis-/ Leistungsverhältnis überhaupt nicht stimmt. So oft wie die Rückfragen haben und mich von meiner eigentlichen Arbeit abhalten, da kann ich meine Werbung auch selbst machen. Mit ein wenig Schule über das Netz ist das heutzutage nicht mehr unmöglich

  18. Vroni

    So oft wie die Rückfragen haben …

    Gut, dass Sie das ansprechen.

    Ein Trend ist aber leider auch, dass viele Auftraggeber ihr Projekt nicht mehr klar genug beschreiben.

    Wie das bei Ihnen ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Jeder Fall ist ein bisschen anders.

    Agenturen spüren diesen Trend und merken an, dass sie mittlerweile mit ihren Auftrags-Kunden wesentlich mehr Zeit mit Auftragsklärung und Re-Brief verbringen müssen als früher.

    Mit dazu beigetragen haben natürlich auch neue Medienkanale und damit deutlich mehr Möglichkeiten, Ziele zu erreichen. So etwas muss geklärt werden, bevor man loslegt.
    Und da hätte ich an Ihrer Stelle lieber eine Agentur, die „tausend Zoich“ und nach den Zielen fragt, als eine, die stumpf ausführt und sich kaum rückmeldet.

    Mit ein wenig Schule über das Netz ist das heutzutage nicht mehr unmöglich

    Möglich.
    Risiko: Damit laufen Sie Gefahr, dass sie nur Kreuz-und Quer-Halbwissen aufschnappen. Denn kein Designer, kein SEO und keine Werbeagentur erzählen im Netz alles, was sie wissen. Dann wären sie dumm. Das ist nur Köder-Wissen, um Traffic und Conversion zu bekommen, mehr nicht. Marketing halt :-)

    Justmy2c

  19. Lorenz Langgartner

    hm.

    Also für mich als <25jährigen Texter mit guter Ausbildung(=Top3Agentur, Förderung&Verantwortung), feiner Mappe und div. Awards hört sich das alles super an.
    Angebot/Nachfrage und so…:)

    Das Ergebnis des Wettbewerbs hat mich allerdings auch schockiert…
    Ich hatte überlegt mitzumachen, aber:

    # Kurzfristige Ankündigung.
    Die erste Anmeldefrist – vor Verlängerung – betrug nur wenige Wochen, noch dazu mitten in der Urlaubszeit: Ankündigung am 17.08., Deadline am 01.09.

    # Lieblose Ankündigung.
    Pressemeldung auf wuv.de, keine Kampagnenseite… Es muss ja nicht gleich Young Guns Format haben, aber so geht's auch nicht.

    # Geringe Motivation.
    Vorstellung/Schaltung der Gewinnerarbeiten in wuv, wuv.de und Handelsblatt – zur Relevanz dieser Blätter sagt @Vroni alles: "PR-Tröte".
    Teilnahme an einem ADC-Seminar/"Meetnight": nicht mehr als "nice to have".
    Der Wert der Eigenwerbung korreliert mit der vermittelten Wertigkeit/Prestige des Wettbewerbs – siehe oben.

    Der ganze Punkt spiegelt auch irgendwie die von Achtung! angeprangerte Freibiermentalität wieder… Nach dem Motto "Mach uns mal ne Kampagne. Umsonst. Aber flott."

    Abgesehen davon stellt sich natürlich die Frage, warum ich als Jungkreativer daran interessiert sein sollte, meinen Marktwert zu drücken – siehe oben. (Natürlich: Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber die Nachwuchs-/Strukturprobleme der "Branche" tangieren mich (noch) nur periphär.)

    [Man sollte vom desolaten Ergebnis des Wettbewerbs nicht auf den Ist-Zustand des Nachwuchses schließen. Da will ich meine "Generation" doch in Schutz nehmen.:)]

    Viel wichtiger wäre, bei der Nachwuchsförderung weiter oben – und wesentlich engagierter – anzusetzen und die Nachwuchsförderung branchenintern stärker anzuerkennen, z.B. mit einer Auszeichnung der nachwuchsorientiertestesn Agenturen.

  20. ralf schwartz

    @Lorenz „Man sollte vom desolaten Ergebnis des Wettbewerbs nicht auf den Ist-Zustand des Nachwuchses schließen“

    Würde ich auch nie tun. Denn dann wäre alles noch schlimmer. Dann hätten die Agenturen ihren Nachwuchs ins offene Messer laufen lassen. Ich glaube, daß dies oft gar nicht der Nachwuchs gewesen ist ;)

    Ansonsten herzlichen Dank für die Chronologie der Ereignsisse. Das ist ja eine schallende Ohrfeige!
    Da sieht man, wie ernst der Wettbewerb von den Initiatoren und Sponsoren genommen wurde.

  21. Martin

    @ Lorenz

    Vollkommen richtig. Als jemand, der trotzdem am Wettbewerb teilgenommen hat, möchte ich deine Liste noch um einen Punkt ergänzen:
    Die indiskutable Präsentation der Ergebnisse zur Online-Abstimmung.

    Da kann man Texte nicht oder nur schlecht lesen.

    Da werden Bilder, die ganz offensichtlich zu einer Einsendung/Kampagne gehören und sich z.T. auch gar nicht allein erklären, einfach mal auseinandergerissen und einzeln zum Voting gestellt.

    Und bei einem Beschwerdeanruf reagiert der Veranstalter erst mit Unverständnis . Und bekennt im weiteren Gespräch dann freimütig, dass man die Einsendungen, da es so viele gewesen seien (!) auch hatte entschlacken müssen. Und deswegen z.B. bei einigen Ideen aus Gründen der Vereinfachung überflüssigen modernen Kram wie „Verlängerung auf Facebook“ rausgeschmissen habe.

    Aber die Motivation der w&w bei dieser Trauerveranstaltung ist ja auch eine ganz einfache:
    Man möchte ein bisschen Content. Klar, man kann ja nicht immer nur PR-Gesülze von Agenturen („Schmidt & Partner verstärkt sich mit neuer Kontaktprakitkantin“) 1:1 abdrucken und „Topmeldung“ drüber schreiben. Aber mehr Arbeit machen soll’s natürlich auch nicht.

    Jetzt haben sie den Content, den sie verdienen. Denn eins ist klar: Das ist zum großen Teil wirklich Scheiße.
    Es spiegelt aber in der Tat zum Glück nicht das Niveau der Kreativen in (anständigen) Werbeaagenturen wieder. Ich war in einigen und da hätte sich niemand getraut, so was auf den Tisch zu legen.Und wenn doch, dann hätte man ihn oder sie wenigstens daran gehindert, das allen Ernstes einzuschicken.

    Der Schluss, dass es der Werbebranche ja noch viel schlimmer gehen muss als gedacht, wenn man schon mit so hilflos um Nachwuchs werben muss, trifft also so nicht zu. Glaube ich. Hoffe ich. Ich bin übrigens seit zehn Jahren dabei und mir macht’s immer noch Spaß.

    Obwohl die Luft dünner wird. Und der Nachwuchs spärlicher. Insofern: Komm in die Werbung, haha.

  22. de_signer

    Es kommt schon genug Praktikanten jedes Jahr auf den Markt, dank Pop Akademie, Macromedia und wie Sie alle heissen mögen. Jedoch wissen die gar nicht wie der Markt wirklich ausschaut. Bei der Arbeitsagentur gibts ein internes Programm wo man sehen kann welche Jobs grade gefragt sind und welche in Zukunft gefragt sind. Werbejobs schauen da sehr sehr schlecht aus. Daran wird sich wohl auch in den nächten Jahren nichts ändern. Die goldenen Zeiten sind vorbei weil die Medienbranche nie Lobbyarbeit gemacht hat wie andere Branchen die schön durchgefüttert lassen und der Politik diktieren was Sie gerne für Gesetze, Gehälter, Löhne etc haben wollen. Wir können noch so innovativ, up to date sein und am Puls der Zeit kleben, es bringt nichts wenn man sich in der Wirtschaft nicht durch setzt und einer Lebenslüge hinterher läuft das es reichen würde sich ausbeuten zu lassen.
    Mit der WuV Aktion wird eher gezeit wie kaputt die Branchen grade ist.

  23. Lorenz

    @Martin:
    Stimmt, die Online-Präsentation ist auch übel. Da gehen dann selbst die wenigen guten Ideen (bzw. das, was davon nach der von dir beschriebenen „Selektion“ übriggeblieben ist) sang und klanglos unter.

    Alles in allem ein Armutszeugnis – mit Stern.

    Die anderen beteiligten, namhaften Partner sollten sich jetzt überlegen, ob man sich davon nicht lieber rechtzeitig und deutlich distanziert bzw. Klarheit schafft. i smell a shitstorm…

    Höchste Zeit, eine neue (bzw. überhaupt mal eine) Plattform für Werber in Deutschland zu gründen. Wer ist dabei?

    ps.:
    Eine richtig gute Maßnahme, für Werbung zu begeistern, finde ich übrigens dise erst neulich entdeckte TV-Serie aus Australien – immerhin schon in der vierten Staffel:
    abc.net.au/tv/gruent...

  24. ralf schwartz

    @Lorenz „Die anderen beteiligten, namhaften Partner sollten sich jetzt überlegen, ob man sich davon nicht lieber rechtzeitig und deutlich distanziert bzw. Klarheit schafft. i smell a shitstorm…“

    Welche namhaften Teilnehmer? ;)

  25. Branchenmedien für die reale Welt < werbesprache

    […] wie der von der wuv mitinitiierte Wettbewerb „Komm in die Werbung“. Ralf Schwartz hat das im werbeblogger passend kommentiert und eine rege Diskussion […]

  26. Vroni

    Lieber de_signer,
    beim dringend benötigten Nachwuchs für Agenturen geht es nicht nur um Grafik- oder Jungtext-Praktikanten mit digitaler Schulung. Da sorgen die Pop oder Macromedia noch eine Zeitlang für bequemen „Nachschub“, ohne dass Agenturen etwas groß dafür tun müssen.

    Wichtig ist, dass die Agenturen als attraktive Arbeitgeber Hochqualifizierte, Hochschul-Absolventen anziehen. Denker, Unruhige, die etwas bewegen wollen, die etwas auf dem Kasten haben. Aus allen denkbaren Bereichen: IT, BWL, Psychologie, Medienwissenschaften.
    Bevor sie anderswohin in beliebtere Branchen mit mehr Potenzial verschwinden.

    Das schimpft sich Employer Branding. Wer aber als Agentur mit „normalem“ Branding Probleme hat …

    [Disclosure: Bin nur eine kleine Klitsche. Bis jetzt klopfen bei mir Praktikanten von alleine an, obwohl ich mich nicht mit Service Plan oder Heye messen kann, im Leben nicht. Bei diesen Anklopfern muss ich jedoch sagen, dass kaum High Potentials dabei sind, eher junge verträumte, kreative Leute, die den Betrieb in große Agenturen fürchten und etwas Kuscheligeres suchen, statt sich im harten Umfeld beweisen zu müssen. Da ich eh keine Praktikanten nehme, hatte wohl in meiner alten Agentur einen Overload davon und jetzt keine Zeit mehr für sie, brauche auch keine, erübrigt sich das natürlich, Jung-Kuscheltrainies einzustellen. Wollte damit nur sagen, dass ich bestätigen kann, dass ein gewisser „Nachschub“ schon noch da ist. Vielleicht macht genau das die Agenturen nicht hellhörig genug.]

  27. ralf schwartz

    @vroni Ein interessanter Gedanke Vroni, denn ‚eigentlich läuft’s ja‘. Kann gut sein.
    Zumal viele große Agenturen gar nicht so recht wissen, wen genau sie denn jetzt grundsätzlich suchen sollen, wenn sie nicht die punktgenaue Anforderung aus dem Tagesgeschäft heraus vorliegen haben.

  28. Vroni

    Die sollen bitte keine Stellenangebote verzapfen, wo jede Abteilung ihre Weihnachtswünsche reinschreibt, damit sie voll wird. Und die dann klingen, wie wenn ein hartleibiges Gremium ein Wundertier sucht, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Sie vergessen, dass, falls es doppelt- und dreifach begabte Wundertiere gibt, sie garantiert nicht bei Agenturen anklopfen werden, die nichts bieten außer: „Beweise dich!“ „Schuften ist geil!“ „Du darfst Doppelseiten machen, wenn du 5 Jahre bei uns geschuftet hast!“

    Sondern sie sollen sich überlegen, wie sie als Arbeitgeber für diese hochintelligten wild ducks attraktiv werden. Das ist ein Pull-Prozess, kein top down Suchprozess.

    Es ist auch die Frage, wer sich allmählich beweisen muss.

  29. Oliver

    Es gibt ja auch ständig das Gemotze darüber, dass es keine guten Texter gebe. Persönlich ist mir aber aufgefallen, dass viele Agenturen nicht fähig sind, gute Texte zu erkennen. Sie bemotzen etwas, was sie nicht verstehen. So kommt es auch dazu, dass Agenturen der Meinung sind, wenn sie sich einen Germanisten oder einen Psychologen oder einen Philosophen ins Vorzimmer holen, sei der Text schon geschrieben. Leider ist ein getexteter Text etwas ganz anderes als ein nur geschriebener! – Man arbeitet geistesstrategisch daran und arbeitet und arbeitet. Das hier ist allerdings nur eine Fünf-Sekunden-Schreibe.

  30. Oliver

    Oh Mann, das klingt hart:

    Pöse, pöse…

  31. ralf schwartz

    @Vroni Bei Grey/MediaCom stand damals – 1987 – auch über der Anzeige: „Für alle, für die der Tag mehr als 8 Stunden hat.“
    (Siehe auch: ralfschwartz.typepad...)

  32. Frank

    Sorry, ich bin Teil der Branche, ein kleiner, aber ich liege nicht am Boden und muss gewöhnlich auch nicht über liegende Mitbewerber steigen um zur Arbeit zu kommen.

  33. Vroni

    Hey Frank,
    um über liegende Mitarbeiter nicht mehr steigen zu müssen (und manchmal war ich der liegende = Tag und Nacht an Pitches gearbeitet und das heimatliche Bett kaum gesehen) bin ich aus dem Stress-Schaugeschäft raus. Und zwar schon vor 10 Jahren.

    Dass die Branche, entgegen deiner Aussage, die für dich individuell stimmen mag, aber wirklich darniedersinkt, sehe ich wie durch ein Brennglas an den manchmal krassen Erlebnissen (und manchmal auch krassem, unverständlichen Eigenverhalten) von freiberuflichen Kollegen. Selbstverständlich habe ich auch eigene Erlebnisse, die mich gelegentlich schwer darüber nachdenken lassen, ob es nicht doch besser ist, einen Schraubenladen aufzumachen. Irgendwie ist das alles nicht mehr normal.

    Das Highlight war ein Kunde, der sich darüber aufregte, dass ich mich wegen fehlenden Grund-Matchings, des fehlenden Feedbacks und wegen der in meinem Augen doch unkoordinierten Hauruck-Aufträge von ihm gütlich und für ihn in sanften Übergabe-Schritten trennen wollte: „Was glauben Sie! Dass wir Ihr Dienstleister sind!“ Dieser Anschiss per E-Mail und sein sofortiges Canceln aller laufenden Projekte sagt eigentlich alles. Augenhöhe? Vergessen wir das mal und diskutieren das lieber gemeinsam im Garten des nächsten ZEN-Klosters für Ausgebrannte. :-)

  34. Oliver

    Vroni gefällt mir, lässt sich doch die Aufträge canceln! Ich neige dazu, Kunden in ihrer Aggression früh zu erkennen und cancele die Aufträge lieber meinerseits, was mir den Ruf verschafft, nicht für jeden zu arbeiten. Aufgrund verschiedener Unzulänglichkeiten und der oft frechen Nachforderungen kostenloser Änderungswünsche bezogen auf fertige Arbeiten ist es sogar schon zu nachträglichen Nutzungsverboten meinerseits gekommen und der Auftraggeber hat nach einem anderen Verfertiger suchen müssen. ;-)

    Beiß dir selbst in den Arsch, wenn du nicht ständiger Verlierer bleiben willst! Würden das alle beherzigen, gäbe es diese unedle Gegeneinander-Ausspiel-Manier erst gar nicht.

  35. Vroni

    Du hast ja recht, Oliver.

    Ich wollt mich halt mal sanfter zurückziehen als ich es sonst von mir gewohnt bin :-) , dafür bin ich zur Strafe gekickt worden :-(

    Ansonsten handhabe ich es genau wie du. Ich bin doch nicht aus der Stress-Werbung raus und den ganzen Gruppendynamikern, um später wieder nicht in Ruhe arbeiten zu können. Ich arbeite nämlich gern.

  36. Oliver

    Da verhalten wir uns vermutlich ein bisschen japanisch: Hauptsache nicht das Gesicht verlieren – und das ist gut so!

    Manchmal ist es besser, man lässt sich kicken. ;-)

  37. Montagspredigt: Regierung trocknet Agentur-Nachwuchs aus. Wen juckt’s? | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] Und wo sind w&v, VDZ, GWA, ZAW bei diesem Thema? Unsichtbar! Lieber prokrastinieren sie mit hiermit: Montagspredigt: “Gib uns ein BWRBNG – UND GIB DIR SELBST DIE SPANNENDSTE BRANCHE DER WELT!”. […]

  38. Frank

    @Vroni: Sorry, das ist aber wohl mehr ein gesellschaftliches denn ein branchenspezifisches Problem. Oder glaubst du, dass es der Versicherungshansel, der Steuerberater … es da leichter haben?
    Ich glaubs nicht.

  39. Vroni

    Lieber Frank,
    was meinst du genau, was soll ein gesellschaftliches Problem sein? Die verbreitete zackzack-Auffassung, wie ein Dienstleister zu sein hat?

    Wenn du das meinst:
    Ich denke schon, dass bei der Mehrheit der Auftraggeber gegenüber einem zahlenkundigen Steuerberater geringfügig mehr Augenhöhe stattfindet als gegenüber einem oft doch etwas wirr wirkenden Werber.

    Vom Grafikdesigner, dem noch mehr als dem Werber gegenüber vorsorglich der Künstler-Diva-Generalverdacht gehegt wird und dem von Anfang an statt mit Augenhöhe mit „der festen Hand gegenüber Spinnern“ begegnet wird, nicht zu reden.

    Man könnte da glatt eine kleine niedliche Hierarchie anlegen.
    Ganz ganz unten ist vermutlich zur Zeit der Banker (wg. Finanzkrise und überhaupt)und der Finanz-/Versicherungsberater.
    Sie wechseln sich mit dem Werber permanent die rote Laterne. Der Journalist aka im Slang Gossenschreiber rutscht auch dauernd tiefer im Ansehen.

    Am besten hat es vermutlich der Coach/Psychologe.

    Doch da ist es coachingbedingt: Falls da einer einem Coach gegenüber knallharte „Dienstleister-müssen …!“-Sprüche krachen lässt, ist ein Coaching mit ihm von Anfang an schwer möglich.

    Ich denke, es ist nicht in einen pauschalen Gesellschaftstopf zu hauen, das Volk hat da seine feinen Abstufungen.

    Es liegt sehr wohl
    a) an der Art der Branche selbst (immer noch Respekt gegenüber Arzt, mehr Augenhöhe gegenüber Coach/Psychologe, kurzfristiger und begründeter Respekt vor dem Wasserinstallateur, wenn man gerade einen Wasserrohrbruch hat und man es sich nicht mit ihm verderben kann, wenig bis keinen Respekt vor Werbern)
    b) und zusätzlich daran, wie die Branche sich in der Gesamtsicht aufführt.

    Da sind viele Faktoren in der jüngsten Vergangenheit:
    Weder der Frédéric-Beigbeder-Film 39,90 war mords imageverbessernd, noch das JvM-Gebashe, noch die wilden Kassaei-ADC-Debatten. Branchenfremde betrachten Werber seitdem noch mehr als Wahnsinnige und auch als Nestbeschmutzer. Und nehmen sie noch weniger ernst.

  40. Komm in die Werbung *UPDATE* | Wirsing Maracuja

    […] haben gewonnen! Auch, wenn es nicht nur positive Stimmen zum w&v-Wettbewerb gab: Wir freuen uns sehr über den ersten Platz. Vielen Dank für eure Votes […]

  41. Martin

    The next Rohkrepierer?
    Den Einsendeschluss haben sie jedenfalls schon mal verlängert … immer ein Zeichen dafür, dass die Resonanz so dolle noch nicht ist.

    wuv.de/nachrichten/a...

  42. ralf schwartz

    Danke für den Hinweis, Martin.

  43. Arne

    Warum steht in der Printanzeige eigentlich: Entweder du bist völlig high, hast eine schizophrene Wahrnehmungsstörung ODER Du bist der geborene Werber? Ich fühle mich diskriminiert…

Eure Kommentare

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