02.08.11
14:54 Uhr

Ist die Werbung schuld an allem?

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Am Wochenende diskutierte ich mit 2 Psychologen/Psychotherapeuten – ja, ich hatte es nötig.

Thema: Der negative Einfluß der Werbung auf alles. Puh, das war starker Tobak:

Die Werbung ist an allem schuld, denn
- sie verzerrt die Wirklichkeit, photoshopped und leugnet sie gar.

- Sie beschleunigt die Wirklichkeit, so daß wir älteren – also diese Psychologen in ihren späten Zwanzigern – ihr nicht mehr folgen können.

- Sie überflutet uns mit Reizen, denen wir weder gewachsen sind, noch so recht ausweichen können.

- Facebook tötet die zwischenmenschliche Kommunikation. Genauso wie im Grund Telephon, Fax, Handy, eMail, SMS zuvor die zwischenmenschliche Kommunikation töteten.

- Wir alle sind längst autistisch dahinvegetierende, in die Bildschirme starrende Kommunikationsmutanten, die jede menschliche Regung verloren haben.

- Wenn wir auf Menschen treffen, töten wir sie.

- Die, die überleben, werden immer dümmer, weil Werbung, Wirtschaft und Politik uns so – und nicht anders – haben wollen.

Na, so ist das Gespräch natürlich nicht gelaufen, aber es dauerte 2 Stunden, und manchmal kam es mir genauso vor.

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29 Kommentare

  1. Ronny Winkler

    Hm, diese Form der Dualität ist ja nicht neu – man kann dieses Phänomen auch “radikalen Konstruktivismus” nennen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass wir uns der beschriebenen Mechanik durchaus bewußt sind. Und dieser Umstand lässt mich dieses Treiben mit einer großen Portion Entspanntheit betrachten.

  2. ralf schwartz

    @ronny Das Treiben der Werbung oder das der Psychologen?

  3. ralf schwartz

    Ja, genau, darauf lief es hinaus. Alles, was zwischen zwei Menschen an Technik steht, schien automatisch Teufelswerk.
    Und dann noch dieser Typ, also ich, der mal in der Werbung war.

  4. Ben

    Werbung schuld an allem? Natürlich ist sie wirklichkeitsverzerrend, trägt bei zur Reizüberflutung etc. Aber schuld an allem? Man sollte die Bedeutung der Werbung auch nicht überbewerten. Werbung ist nur Teil eines größeren Ganzen.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang aus „Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“ zitieren, was ein Kapitel aus der „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno ist. Vollständig kann man mit Horkheimer und Adorno nicht d’accord gehen und einiges an ihrer Analyse ist widerlegbar. Und die Erstausgabe erschien 1944… Damals sprach man im Deutschen noch nicht von Werbung, sondern von Reklame.

    “Heute, da der freie Markt zu Ende geht, verschanzt sich in ihr (der Werbung) die Herrschaft des Systems. Sie verfestigt das Band, das die Konsumenten an die großen Konzerne schmiedet. Nur wer die exorbitanten Gebühren, welche die Reklameagenturen, allen voran das Radio selbst (zur Zeit der Publikation war TV noch im Geburtsstadium), erheben, laufend bezahlen kann, also wer schon dazu gehört oder auf Grund des Beschlusses von Bank- und Industriekapital kooptiert wird, darf überhaupt den Pseudomarkt als Verkäufer betreten. Die Reklamekosten, die schließlich in die Taschen der Konzerne zurückfließen, ersparen das umständliche Niederkonkurrieren unliebsamer Außenseiter; sie garantieren, dass die Maßgebenden unter sich bleiben; [...] Reklame ist heute ein negatives Prinzip, eine Sperrvorrichtung: alles was nicht ihren Stempel an sich trägt, ist wirtschaftlich anrüchig. Die allumfassende Reklame ist keineswegs notwendig, damit die Menschen die Sorten kennenlernen, auf die das Angebot sowieso beschränkt ist. Sie dient dem Absatz nur indirekt. Der Abbau einer gängigen Reklamepraxis durch eine einzelne Firma bedeutet einen Prestigeverlust, in Wahrheit einen Verstoß gegen die Disziplin, welche die maßgebende Clique den Ihren auferlegt. [...] Wichtiger als die Wiederholung des Namens ist dann die Subvention der ideologischen Medien. Indem unterm Zwang des Systems jedes Produkt Reklametechnik verwendet, ist diese ins Idiom, den Stil der Kulturindustrie einmarschiert.”

    Technischer Fortschritt ist nicht negativ oder positiv per se. Das Internet gibt uns eine Chance, wir könnten sie nützen.
    Klar ermöglicht das Internet auch zahlreiche Möglichkeiten für kleinere Produzenten und Geschäftstätige. Bei näherer Betrachtung zeichnet sich aber bereits ganz präzise ab, in welche Richtung es geht. Es wird zwischen ein paar Großkonzernen aufgeteilt sein bzw. ist es schon und funktioniert besonders aus ökonom. Perspektive nach den gleichen Mechanismen wie alle anderen Medien. Nur dass die Inhalte noch billiger zu produzieren sind, nämlich größtenteils gratis von den Konsumenten selbst erstellt werden.

  5. Vroni

    Wir alle sind längst autistisch dahinvegetierende, in die Bildschirme starrende Kommunikationsmutanten, die jede menschliche Regung verloren haben.

    Den Eindruck hatte ich zwar neulich im Biergarten nicht, aber was weiß man schon.

    (Finde witzig, dass sie Werbung und Facebook und Töten in eine Tonne kloppen. Wer war das noch mal? Psychologen? Und warum war das nötig?

  6. ralf schwartz

    @ben Ein schönes Zitat. Danke.

    Das Netz wird nur in die Hände des Establishments fallen, wenn wir es zulassen. Ich bin gespannt.

  7. ralf schwartz

    @vroni Den Eindruck hatte ich auch nicht.

    Nötig war es, da ich nichts trinken durfte und mich also auf diese Art berauschen mußte.

  8. Vroni

    Da fallen mir aber ganz andere Räusche ein als bei Psychologen nix zu trinken zu kriegen. Nochmal ein Lob auf den Biergarten, wenns nix ausmacht…

    Aber nochmal:
    Warum hauten die alles durcheinander? Werbung, Facebook, Töten, Autismus.
    Was soll das? Sehr unsortiert und unfair.
    Oder was das eher dein Trockenheitsrausch, der das generiert hat.
    gnigger

  9. ralf schwartz

    @vroni Das 1. Töten im Sinne von Absterben, eingehen lassen. Das 2.: im Kriege.

  10. Vroni

    Echt jetzt?

    Wenn wir auf Menschen treffen, töten wir sie.

  11. Vroni

    Leute, ich bins ja gewohnt, kryptische Textvorlagen zu analysieren (Z.. Briefings …), weil ich muss.

    Diese Textvorlage klingt mir jedoch arg nach einem etwas schlechteren magic-mushrooms-Trip. Was habt ihr geraucht?

  12. ralf schwartz

    @vroni 1. Sag ich doch. 2. Nichts. Vielleicht war das das Problem!? Kann da nicht mitreden.

  13. Vroni

    Ich auch nicht.

  14. Ben

    @Vroni
    Wir alle sind längst autistisch dahinvegetierende, in die Bildschirme starrende Kommunikationsmutanten, die jede menschliche Regung verloren haben.

    Den Eindruck hatte ich zwar neulich im Biergarten nicht, aber was weiß man schon.

  15. Ben

    @Vroni Hoppla, zu früh abgeschickt….

    wollte schreiben: aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich nach einigen Maß im Biergarten durchaus autistisch dahinvegetieren und zum Kommunikationsmutanten werden kann, was auch nicht notwendigerweise unangenehm sein muss….

  16. Vroni

    … nach einigen Maß im Biergarten durchaus autistisch dahinvegetieren und zum Kommunikationsmutanten werden kann,…

    :-)

    Dass ist eher ein klassisches Thekenwolf-Syndrom.
    :-)

    Halte ich bei Frauen in öffentlichen Biergärten für bis zu 95% ausgeschlossen. (Sie sind eher Spezialisten für Tablettenweit-, ähm -einwurf und heimliches Saufen).

    Aber was weiß man schon.

  17. Ben

    @Vroni von der “schlimmen” Werbung über die Biergärten bis hin zu den gender studies
    Ok, ich gebe Dir Recht. Aber auf der Theresienwiese sollen auch schon Mädels gesehen worden sein, die mehr als eine Maß tranken…

  18. Vroni

    Ja, das sind die modernen Koma-Mädlz.
    :-)

  19. Ben

    @vroni womit wir wieder am Ausgangspunkt angelangt wären und sich nun die Frage stellt: Ist die Werbung (+Facebook) schuld am Koma-Mädlz-Phänomen?

  20. Vroni

    Ja freili.
    Die Werbung ist schuld an ALLEM.

    Sie ist sogar daran schuld, dass es Werbetreibende gibt, die privat und überhaupt, der Werbung die Schuld an allem geben und sie ganzganzpöse finden, jedoch beim Auftrag an die Agentur ein Lügenszenario entwickelt sehen wollen ohne jede Substanz, dass sogar der ausgschamteste Werber rot in der Birne wird.
    Kein Witz und kein Einzelfall, so erlebt.
    Wo und wer sog i net. Der ganz normale schizzo-shizzl-Wahnsinn.

  21. Ben

    @vroni Do schaust her! Kimmt mia fei bekannt voa.
    Wo und wer sog i ned.

  22. Vroni

    Und über de komischn Psycholong sog i jetzt a amol nix.

  23. KM

    Ähm mal im Ernst, wer solchen Thesen Gehör verschafft und mit Zustimmung verbreitet, … nein das sag ich jetzt besser nicht.

  24. Arne

    “Vernunft, das ist wie ansteckende Gesundheit”

  25. Elga

    Werbung und Tinnitus haben große Gemeinsamkeiten. Bei beiden ist ignorieren die vernünftige menschliche Reaktion.

  26. Vroni

    Sag nicht sowas. Ich habe Tinnitus seit ich 12 bin.
    Nur wenn ich ihn ignoriere, geht es mir gut. Aber nach einem Konzert pfeift die Kiste, ähm das Innenohr, tagelang.

    Ähnliches bei Werbung.

  27. Elga

    Da hilft als Selbstschutz nur eine Vermeidungsstrategie. Die ist Regel Nummer 1 im gesamten Tierreich. So sollte es auch beim Menschen zur Abwehr bekannter, vermeidbarer Gefahren sein.

  28. Massenwerbung als negatives Prinzip < werbesprech

    [...] diesen Ausszug zitierte ich bereits an anderer Stelle in einer Blogdiskussion. Da es eines meiner Lieblingszitate im Zusammenhang mit Werbung ist, zitiere und thematisiere ich [...]

  29. Christian Stümpfig

    Werbung trägt mit Sicherheit dazu bei, dass die Wirklichkeit verzerrt wird und Menschen falschen Idealvorstellungen hinterherrennen. Doch das ist schon seit Anbeginn der Zeit so. Menschen haben immer dem nachgeeifert, was ständig präsent und begehrt war. Das ist normales menschliches Verhalten.

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