11:16 Uhr
Alles Werbung für Jung und Matt
Da galoppiert es wieder, das Hamburger Holzpferd, gebastelt aus den Planken, die die Jungs dort vor dem Kopfe haben:
“JvM sucht Kreative. Also, so richtig, richtig Kreative. (Oder rothaarige, bisexuelle Praktikantinnen.) bit.ly/q7fyzU #JvM“

Daß sie selbst keine haben (Kreative), sondern nur noch ‘jung und matt’ sind, belegen sie dann auch direkt eindrucksvoll hinter obigem Link.
Reason why. Reason for being. Reason for crying.
Dafür kennt man Jung und Matt: immer wieder auf den eigenen, feuchten Träumen ausrutschen.
Schade, Intelligenz könnte soviel Sinnvolles bewegen. Wenn man sie denn hätte. Warum muß man stattdessen die wenigen Frauen in der Branche auch noch verschrecken? Oder ist das besonders cool in diesen Kreisen 33-jähriger Agentur-GFs, sich zu gerieren wie 16-Jährige, die weder fühlen können noch bisher durften, was eine wahre Frau ausmacht, was Respekt bedeutet, und Stil?
Stimmt, kann man alles nicht mehr erwarten, in diesen Zeiten, da diese Schnösel die Agenturvorstandsebenen überfluten und sich mehr auf ihre Felgen und schlechten Manieren einbilden als auf Ungeschriebene Gesetze, relevante Tugenden und kaufmännisch-hamburgische Ehre.
Oder müssen gar die Frauen dies nun toll und cool und modern finden, um nicht nochmehr an den Rand gedrängt zu werden? Sich selbst verleugnen, die Faust in der Tasche machen, statt sie dem Holzpferd entgegenzustrecken, wo sie hingehört und es am meisten schmerzt?
Schämen sich da die Restkreativen nicht? Verlassen sie nicht wutentbrannt die hölzerne Ethikbaracke? Oder ist das alles gar nicht so schlimm?
@Sixtus wird nicht der Einzige sein, der da denkt, was er twittert:
“Warum ich Werber hasse? (Grund 973) Weil sie so was lustig finden: http://bit.ly/rnz669“
Und auch ich mußte mich (wie oben) äußern:
“@raphaelbrinkert Daß Ihr bisher keine habt, sieht man ja: http://bit.ly/rnz669 (“JvM sucht Kreative.”) cc @sixtus“
Das Einzige, was Herrn Brinkert dazu einfällt: die reflexhafte Reaktion, mit der er auch seine Kunden immer wieder beruhigt, wenn deren Kampagnen durch das hohle Holzpferd hindurch rumpelnd den Weg alles Schwerverdaulichen den Bach heruntergehen:
“@mediaclinique @sixtus Danke für die kostenlose Werbung.”
Und bitte, jetzt kommt mir nicht damit, daß das Karen Heumann geschrieben habe, denn wie sagt beichstaedt so schön:
“@BendlerBlogger @sixtus @ufomedia das macht es ja nicht besser, dass das Karen Heumann getextet hat.”
In diesem Sinne: Werbung auch dies hier für Jung und Matt. Genießet sie, solange es Euch noch gibt!
34 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 21. Juli 2011 um 12:59 Uhr
Heut morgen zu viel Östrogen getrunken?
Am 21. Juli 2011 um 14:18 Uhr
Versteh’ auch nicht, wieso sie keinen rothaarigen bisexuellen Praktikanterich suchen. Sind die auf Quote?
Am 21. Juli 2011 um 16:13 Uhr
Das trojanische Pferd als Symbol des eigenen Wirkens sagt für mich sowieso schon alles. Es veranschaulicht die Werberdenke des letzten Jahrhunderts. Von den Hamburger “Kreativen” wird es zwar als Geschenk an den Konsumenten verkauft. Dennoch wissen die meisten von uns ganz genau, dass es sich dabei um alles andere als ein Geschenk handelt. In der Mythologie steht das trojanische Pferd für eine Kriegslist der Griechen, um ihren Gegner blutrünstig abzuschlachten. Das Pferd steht für die Werbung im Gesamten, die Werbeidee, das Konzept und die Strategie. Die mordenden Soldaten, die sich im Bauch des Pferdes verstecken, stellen die einzelnen Werbemaßnahmen dar, können aber auch die jungen, sich häufig Nachts und am Wochenende zum Hungerlohn aufopfernden Werbesöldner sein. Die Agentur ist der Kriegsherr, der von der List profitiert. Troja und seine Bewohner stehen für die naive und leichtgläubige Zielgruppe, die das Pferd für ein Geschenk, ein Gottesopfer, einen schönen Fetisch halten und dann grausam niedergemetzelt werden.
Das hölzerne Pferd ist eines der “großen” Symbole der deutschen Werbebranche. Natürlich ist fraglich, ob JvM bei der Wahl des Firmensymbols die Saga Homers ganz bewusst war (zumal die Griechen im weiteren Verlauf noch ganz schön leiden durften…). Wie dem auch sei, das trojanische Pferd zeigt in perfekter Art und Weise, was Werbung nach altem Verständnis ist: List, Kriegsführung und aus der Sicht der Menschen ein Heilsversprechen, das in Wirklichkeit nie eingelöst wird, sondern im Gegenteil nur Enttäuschung bringt. Werbung verspricht, aber wer der Werbung wirklich Glauben schenkt, wird getäuscht, enttäuscht und unglücklich sein. Auch wenn es sich bei vielen Werbern noch nicht herumgesprochen zu haben scheint: Die meisten Menschen wissen das und ertragen herkömmliche Werbung allenfalls als notwendiges Übel.
Anstatt den Konsumenten mit trojanischen Pferden zu überlisten (was der nicht mehr so einfach mit sich machen lässt), könnte man als Werber auch mal das Bemühen um die Gunst der Menschen in den Mittelpunkt stellen. “Schade, Intelligenz könnte soviel Sinnvolles bewegen. Wenn man sie denn hätte”(ralf). Scheint eben wesentlich einfacher zu sein die Leute zu verarschen. Das zeigt auch diese Art der Personalsuche.
Am 21. Juli 2011 um 16:41 Uhr
Hier hat aber jemand einen gaaanz alten Hund hinter dem Ofen hervorgeholt. Die Anzeige ist doch mit Sicherheit schon mehr als zwei Jahre alt. Komisch eigentlich, dass sich nicht damals schon alle darüber aufgeregt haben…
Am 21. Juli 2011 um 17:08 Uhr
Hoch, jetzt regt ihr euch wieder alle auf? Wie damals bei den Klowänden? Wem hat es geschadet, wem hat es genutzt?
Und w.t.F. ist eigentlich dieser Sixtus?
Am 21. Juli 2011 um 19:17 Uhr
@Ben “Scheint eben wesentlich einfacher zu sein die Leute zu verarschen.” > Zumindest billiger.
Ich denke schon, daß JuM die Sage kennt, sie nur nicht verstanden hat, und deshalb das Ganze für einen coolen Coup hielt.
Am 22. Juli 2011 um 08:53 Uhr
Chacun à son goût.
Am 22. Juli 2011 um 08:55 Uhr
nein, ich bin nicht rothaarig!
Am 22. Juli 2011 um 08:56 Uhr
Aber Praktikantin im Pferde?
Am 22. Juli 2011 um 10:06 Uhr
@anne “Chacun à son goût” -> bien sûr !
Man kann sich aber schon fragen, ob Werbung, die nur dem Werber und Sender gefällt, nicht aber den Empfängern, wirklich gute Werbung ist. Soll Werbung selbstbezogen und narzistisch sein oder jemanden ansprechen?
Am 22. Juli 2011 um 10:13 Uhr
Also ich muss jetzt mal ne Lanze brechen für Jung von Matt. Ohne die Jungs und Mädels aus der Glashüttenstraße hätten wir bei den meisten Award-Shows nix zu melden (ja, ich weiß, Award-Shows sind nicht alles). Vor allem machen die auch Werbung, über die man spricht (“Talk of the town”) und die auch funktiniert (seht euch mal die Effie-Liste an). Klar, vergreifen die sich auch mal im Ton – ich selbst finde obige Recruitement-Maßnahme auch nicht prickelnd, das kann JvM besser. Aber lieber einmal über die Strenge schlagen, als immer nur Mainstream-Müll zu produzieren.
Generell: Ich versteh nicht die verbissene Polemik in dem Artikel. Man muss JvM nicht mögen, aber ihre Verdienste um bessere Werbung in Deutschland ist nun wirklich unumstritten. Klar, ich bin auch mehr für feinsinnigere Sachen wie von GGK (kennt wahrscheinlich die Mehrzahl der hier vertretenen Poster nicht), aber die Zeiten ändern sich halt. Oder hat Dir Jean-Remy nur Deinen Parkplatz ind er Parkallee (kein Wortwitz!) weggeschnappt?
Am 22. Juli 2011 um 12:26 Uhr
wo liegt das problem? die werbung erzeugt aufmerksamkeit: ziel erreicht. und nebenbei bewerben sich nur die herren mit humor und die damen mit ausreichend selbstwertgefühl. wer mit verstand und ego lässt sich bitte von einer offensichtlich spaßig gemeinten provokation verschrecken?
Am 22. Juli 2011 um 13:02 Uhr
Eher Burning Man als Trojanisches Pferd.
Am 22. Juli 2011 um 13:53 Uhr
Einfach nur peinlich, abgehoben und ekelerregend! Da muss man sich ja als selbständiger Grafiker aus Hamburg kommend schon vor Beginn eines Kundengesprächs für diese Branche entschuldigen!
Am 22. Juli 2011 um 14:08 Uhr
das ding ist schon alt… letztes jahr schon mal auf englisch irgendwo gesehen… – kommt aber an, da wo es soll!
Am 22. Juli 2011 um 23:30 Uhr
So Anzeigen sind es, die meiner Meinung nach ein gewisses “schmieriges Image” aller Werbeagenturen begründen…. Ganz ehrlich, ich bin derzeit am Gründen einer Firma,männlich,weiss (und daher nicht direkt von so einem Mist betroffen) … aber mich kotzt so Sexistensch*****e echt nur an… Sollte ich jemals die Möglichkeit haben, einen nennenswerten Werbeetat vergeben zu haben, wüsste ich nach so einer Anzeige definitiv, wer den Etat nicht bekommen würde.
Da Jung von Matt meiner Meinung nach durch so eine Anzeige auch ganz klar zeigt, dass sie keinen Wert auf kompetente Leute legen….gutes Aussehen reicht ja….Nur mal so, mir als “potentiellem Kunden” sind potthässliche dafür aber kompetente Werber allemal lieber als “rothaarige bisexuelle Praktikantinnnen”
Am 23. Juli 2011 um 01:54 Uhr
Als weder JvM Fanboy oder Hater zwei Dinge von meiner Seite dazu:
1. Die Personalanzeige-Text ist schlecht, leidet unter kreativer Wiederkäuung und erinnert an schwülstige Wannabe-Kreativität.
2. Pauschal den Hammer auf rund 1000 Werber zu dreschen, erscheint mir auch deutlich zu scharf.
Am Ende gibt uns doch der Affe Futter ;-)
Am 24. Juli 2011 um 21:06 Uhr
Okay, auf 1000 werber einzuprügeln, nur weil sich eine Agentur daneben benimmt ist nicht fair, nur, muss ich ehrlich zugeben, dass ich Werbeagenturen und der Marketingbranche im allgemeinen ungefähr so viele positive Gefühle entgegenbringe wie Kakerlaken…. ( Sorry, wenn dass hart klingt, aber Werbeagenturen wie auch Kakerlaken haben sicher einen notwendigen Platz in ihrer “ökologischen Nische” nur, ich möchte mit ihnen nichts zu tun haben, und die reine Anwesenheit stört mich….) Daher gebe ich offen zu, dass ich hier weder neutral noch sachlich reagiere und mich so Artikel nur in meinen negativen Vorurteilen bestätigen.
Am 25. Juli 2011 um 03:34 Uhr
[...] probably was award bait, and doomed to be a lone installation, according to copyranter. The current recruitment effort, I came across via an entry by Roland Kühl v.Puttkamer on Werbeblogger, is likely to upset [...]
Am 25. Juli 2011 um 14:34 Uhr
Also… Alles das, was hier und in anderen Foren zu dem Thema passiert… ist doch das eigentliche Ziel… negativ, positiv… egal… aber JVM ist schon lange nicht mehr “DAS” kreative Pferd der Branche und jede, wirklich jede Stimme, die sich äußert richtet sich an jemanden – Somit, Botschaft verbreitet, Werbung gemacht!… Auch mein Eintrag… Jaa jaaa;-))
Am 25. Juli 2011 um 19:06 Uhr
JvM ist schwach, die Lady Gagas der Werbe-pop-Kultur. Komm wir sind alle Kreativ.
Am 26. Juli 2011 um 10:07 Uhr
»Honey, I can’t come to bed, there’s someone wrong on the internet!«
Lächerlich sich derart über Schnee von gestern aufzuregen.
Am 26. Juli 2011 um 20:17 Uhr
“Aber lieber einmal über die Strenge schlagen, als immer nur Mainstream-Müll zu produzieren.”
EXAKT! Finde es gibt ohnehin zu wenig Popularisierung in der Werbung. Alles zu weichgespühlt und beliebig, damit es auch ja politisch korrekt und kuschlig bleibt. Sollten sich mal ein Beispiel am amerikanischen Wahlkampf nehmen.
Am 26. Juli 2011 um 21:26 Uhr
Es heißt immer noch “Stränge” (von “Strang”), ihr Superwerber! Wenigstens schreiben können sie bei JvM meist schon noch, selbst wenn die Aussagen bescheuert sind!
Am 27. Juli 2011 um 11:39 Uhr
Polarisierung ist wohl der Zweck der Anzeige. Insofern haben die Werber Ihr Ziel erreicht. Und in der Tat freu mich mich persönlich mehr über Werbung, die mal bewusst an die Grenzen geht. Alle anderen können sich ja weiter an der Calgon und Pringles Werbung erfreuen.
Am 27. Juli 2011 um 15:48 Uhr
Sind das da oben eigentlich die Eier unter dem Gaul?
Am 28. Juli 2011 um 03:48 Uhr
@1: lol, mir noch nie aufgefallen, aber jetzt, wo du´s sagst… Naja, als Markenzeichen ist der Hengst sicher besser als der Wallach, frei nach Torwart-Titan Kahn: Wir brauchen Eier…
Am 28. Juli 2011 um 09:43 Uhr
@1/roland Jetzt wissen wir wenigstens, wo die der Kreativen abgeblieben sind …
Am 28. Juli 2011 um 14:36 Uhr
@Roland: Die Eier können Dir auch nicht aufgefallen sein, da sie nicht auf den “normalen” Logos zu sehen sind. Ist wohl ein zusätzlicher Gag.
Am 28. Juli 2011 um 14:36 Uhr
Irgendwie funktionieren die Links nicht mehr, was hat man(n) denn da überhaupt gesehen?
Am 28. Juli 2011 um 15:17 Uhr
Ach, jetzt hab ich´s gesehen, diese total unlustige Anzeige. Da lohnt sich doch die Aufregung nicht.
Am 29. Juli 2011 um 15:15 Uhr
Eine noch nie sympathische Agentur stemmt sich gegen den schon längst bestehendes Mitschwimmen im Mainstream. Verdienen sehr viel Geld und können nur noch durch Murks (Goldideen oder Kupfern) oben bleiben. Das sagt leider auch was über die sonstige Agenturlandschaft und über den Status Quo beim ADC.
Man kann der Agenturlandschaft nur eines wünschen: das JvM einem ähnlichen Schicksal erliegt wie S&J. Dann ist auch Schluß mit dem Spuck in den Vorstandsetagen, die ganz erfürchtig nach Hamburg gucken, obwohl da meist mit Arroganz zurückgelächelt wird und von Service wenig Rede ist.
Am 4. August 2011 um 10:37 Uhr
Die Hirnforscherin Susan Greenfield aus Oxford stellt in einer Studie fest, dass die sog. sozialen Netzwerke einer zunehmenden Infantilisierung der Nutzer Vorschub leisten. So ließe sich diese Anzeige erklären. Den Link zur Pressemeldung gibt’s hier: reklamekasper.de/int...
Am 10. August 2011 um 23:57 Uhr
[...] ich zugeben muß, daß ich diese Werbung noch mehr zum Fürchten [...]