05.07.11
14:43 Uhr

McDonalds & ElitePartner: Eine Lüge sagt mehr als 1000 Worte?

Michael kommentierte vorgestern: “… es ist eine Werbekampagne und da werden natürlich schöne (geschönte) Photos verwendet. Wie heisst es doch so schön: Das Auge isst mit”.

Die Selbstverständlichkeit mit der er das ‘natürlich’ setzte, machte mich schon ein wenig nachdenklich. Sind wir inzwischen allgemein soweit, daß man der Werbung nicht mehr glauben kann? Daß die Werbung es endgültig geschafft hat, das Vertrauen der Menschen zu verspielen?

“… erwarte ich an dieser Stelle keine realen Personen aus dem beworbenen Portal. … Man glaubt halt nichts mehr”.

Und was ist die Rolle der Agenturen bei dieser Rumlügerei? Sie finden es nichtmal mehr abstoßend? Für sie ist es tägliche Normalität? Tagesgeschäft sozusagen? Und bloß nicht mehr drüber reden? Totschweigen? Stattdessen lieber die ‘Nestbeschmutzer’ beschimpfen?

“Puh… das Niveau sinkt… ein Hamburger von McD sieht nicht so aus wie in der Werbung: Zeit für einen Artikel bei Werbeblogger!!!!!!!!!! omg”.

“Da verschwendet aber einer unglaublich viel Zeit für totalen Schwachsinn!!!
Hast Du schon jemals in irgendeinem Restaurant oder Imbiss oder was auch immer ein Essen bekommen, das so aussah wie auf den Werbephotos?
Nein? Hmm, vielleicht liegt das ja daran, dass das eine Werbung ist und das andere die Realität?”

“Sorry aber ich finde ihr macht euch hier echt lächerlich…
Wem das Aussehen des Essens wichtig ist, der geht nicht zu McDonalds sondern ins 5-Sterne Restaurant.
Niemand wird gezwungen diesen Burger zu kaufen/essen”
.

In diesem Zusammenhang solltet Ihr auch nochmal in diese Diskussion unter Rolands “Suggestion, Illusion, Irreführung, Täuschung. Muss Werbung so sein?” hineinschauen.

Ist also die Lüge Realität in deutschen Agenturen und Marketingabteilungen? Oder sind das hier die Ausreisser? Nicht repräsentativ für das wahre Geschehen dort draussen? Was denkt Ihr? Wo stehen wir? Ein wenig nervös macht mich das schon. Wird alles immer schlimmer – ohne daß die Agenturen gegensteuern?

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55 Kommentare

  1. Dagger

    Werbung ist immer geschönt. Wie sehr und ob zu sehr mag unterschiedlich sein. Aber die Realität bildet sie selten ab.

    Den Fernseher habe ich unter anderem deswegen schon lange abegschafft.

  2. Gudrun

    Sorry, aber ist für mich keine Diskussion wert, denn Werbung ist nun mal Werbung. “Dinge schön präsentieren, anbieten”. Zum Vorstellungsgespräch zieht man sich in der Regel auch besser an, als dann im Büroalltag. Man möchte sich von der Schokoladenseite zeigen. Was hat das mit Lügen zu tun? Und Burger sehen doch aus wie auf Bildern, dass bei einer Partnervermittlung keine echten Karteimitglieder gezeigt werden ist doch eigentlich auch klar oder? Also ich möchte da nicht meine Nase in der Werbung sehen!

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Naja, es geht auch anders. Echte Werbebilder als Gegenkonzept und Aufmerksamkeitshebel in einer von Food-Fakes zugepflasterten Werbewelt:
    werbeblogger.de/2010...

  4. drikkes

    Noch bevor Werbung neue Kunden ansprechen soll, ist sie zuallererst Selbstdarstellung des Unternehmens. Und die meisten Firmen lügen sich hier und an diesem Punkt bereits selbst in die Tasche. Nein, noch früher. Das fängt schon beim geschönten Briefing an die Agentur an.

  5. ralf schwartz

    @Gudrun “Werbung ist nun mal Werbung” – die berühmten letzten Worte einer ganzen Branche?

  6. Robert Schmelzer

    Dieses Vorgehen in der Werbung bietet aber auch Chancen für andere. So hat eDarling eine große Werbekampagne mit echten Paaren gemacht. Auf mich wirkt das sehr sympathisch: https://www.edarling...

    Disclaimer: Ich bin in keiner Weise bei eDarling involviert.

  7. Ben

    @Gudrund und Ralf: Werbung ist nicht Werbung. Natürlich nicht. Anderes Marketing und andere Werbung sind möglich. Wir werden sie spätestens dann vermehrt wahrnehmen, wenn sich die Werber und Marketer bewusst werden, dass sie sich schon vor geraumer Zeit in eine Parellelwelt verabschiedet haben, die mit der Welt der Menschen und Konsumenten nichts mehr gemein hat. Und in dieser kleinen Parellelwelt ist nicht die Lüge das Gesetz, sondern ganz einfach der Bullshit: Sch…., Blödsinn und Humbug. Die Lüge erkennt die Wahrheit als Tatsache an, indem sie jene leugnet. Im Gegensatz dazu sieht Bullshit über die Wirklichkeit hinweg. Bullshit vermeidet die Wahrheit und erkennt so nicht einmal ihr Dasein an. Der Lügner behauptet absichtlich Unwahres und kennt die Wahrheit daher, während sich der „Bullshitter“ gar nicht für die Wahrheit interessiert. Es geht ihm nur darum, andere über seine Absichten und Vorhaben zu täuschen und deswegen hat die Wahrheit für ihn keinerlei Wichtigkeit.
    Der größte Humbug der Bullshit-Werber ist, dass sie die Ergebnisse ihres Bullshitting auch noch ernst nehmen und als Erfolg sehen und verkaufen, während sich die Adressaten, die Menschen, häufig angewidert von der Werbung abwenden und sie vermeiden, wann, wo und wie es nur geht. Wer Bullshit-Werbung und Marketing ernst nimmt, ist entweder ein ganz armes Würstchen oder gehört der Kaste der Werber und Marketer an.
    Wie ich eingangs gesagt habe. Werbung ist nicht Werbung. Anderes Marketing und andere Werbung sind möglich. Und auch nötig. Daher mache ich selbst bei diesem Bullshit nicht mehr mit, sondern versuche andere Konzepte zu entwickeln, die sich an die Wirklichkeit der Menschen annähern.

  8. ralf schwartz

    Danke @Ben. Habe Dich direkt mal hier verlinkt: ralfschwartz.typepad...

  9. Jan Richter

    Dass es anders geht, zeigt die Werbung von eDarling. Die Online-Partnervermittlung verwendet in der Werbung erstmalig echte Paare. Hier geht es nicht um den schönen Schein, sondern echte Liebe zu zeigen. Wir glauben, das ist uns gelungen. edarling.de/echte-pa...

  10. AndreasK

    Partnerwerbung mit echten Mitgliederfotos strahlen mich jeden Tag auf der Website meiner Tageszeitung an: nw-news.de (recht weitunten,”Erwin’s Date”). Facebook zeigt mir auch, wer von meinen echten Freuden eine Seite gut findet. Es geht also auch anders.

  11. Kerstin Mihaschka

    @Robert, @ Jan: Glaubt ihr das wirklich. eDarling zeigt echte Paare. Das ich nicht lache. Was macht diese Darsteller echt? Sie sind genauso künstlich und werbegerecht in Szene gesetzt, wie es bei jedem Schauspieler für diese Rolle auch gemacht worden wäre. Für mich besteht da gar kein Unterschied. Da kommt keine Authentizität rüber.

  12. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Jan ist es für die Menschen irgendwie nachvollziehbar, dass die abgebildeten Personen tatsächlich reale Paare sind? Könnte man diese Personen ggf. kontaktieren und nach ihren Erfahrungen bei edarling befragen?

  13. Jan Richter

    @Roland die TV-Paare sind teilweise Fans auf den Facebookseiten von eDarling (in Deutschland, Frankreich und Spanien) und sie klinken sich auch gelegentlich mit Kommentaren ein. Wir sind dabei, noch mehr eDarling-Paare hiervon zu begeistern, aber sie müssen natürlich darauf Lust haben, denn sie machen alles freiwillig.
    Ein direkter Kontakt für jeden Interessenten ist für die Paare nicht machbar, sie haben auch Jobs und Privatleben. Das sollte man verstehen.
    @ Kerstin: Hast Du auch das Making of angeschaut? Das ist der Blick hinter die Kulissen: youtube.de/edarling

  14. JMK

    Ist der Artikel ironisch gemeint? War Werbung jemals an der Realität angelehnt? Im besten und weitesten Sinne vielleicht, gab es früher bessere, sprich Werbung die das Produkt realistisch(er) abbildete? Nicht wirklich.

  15. ralf schwartz

    @JMK Früher waren zumindest die Produkte von besserer Qualität, so daß die ‘Werbelüge’ nicht so verbreitet war. Der Ramsch, der mancherorten nur noch durch Werbung differenziert, nicht aber wohlgemerkt durch gute Werbung, spricht halt Bände.
    Das Marketing lacht sich kaputt, daß es der Werbeindustrie den Schwarzen Peter zuschieben konnte.

  16. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @JMK Das Thema ist superernst gemeint. Natürlich wird Werbung immer die Schokoladenseite des Produktes zeigen, schon klar. Und völlig nachvollziehbar. Wenn aber Werbung komplett an der Produktrealität vorbeischießt, dann passiert über Jahre das, was wir hier auch feststellen: Menschen glauben und vertrauen der Werbung im Besonderen und der Unternehmenskommunikation im Weiteren nichts mehr. Das kann nicht im Interesse der Branche sein. Zitat aus einem meiner Statements dazu:

    “In Summe interessiert mich die Frage, was eben diese beim Verbraucher regelmäßig durch Werbung ausgelösten “Double-Bind”-Effekte mittel- und langfristig bewirken. Wollen wir, dass die Menschen uns zunehmend und im wörtlichen Sinn “nichts mehr abnehmen”? Was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation insgesamt?”

  17. JMK

    @Roland
    @Ralf
    Werbung hat ja nur ein Ziel: ein Produkt/Dienstleistung zu verkaufen. Das wird durchaus auch erweitert, wenn neue Produkte erst einmal eingeführt werden, steht natürlich die Information, die Bekanntmachung im Vordergrund. Das war doch schon immer so, daher versteh ich das nicht, mal völlig unabhängig von der Qualität der Produkte. Ein wunderbares Beispiel ist doch Waschmittelwerbung. Die ist seit doch 50 Jahren komplett unverändert. Die Produkte eigentlich auch, nur dass es heute Perlen statt Pulver sind. Die Aussagekraft tendiert ebenso gegen Null, wie auch: Wäsche wird eben nicht weißer als weiß. Ich denke Werbung wird und soll einfach amüsant über Produkte unterhalten. Da spielt das Produkt eine untergeordnete Rolle, vermittelt wird eben ein Lifestyle. Siehe Apple oder inzwischen Adidas oder Nike.
    Die Werbeindustrie hat sich halt selbst, wie schon gesagt, selbst ins Abseits gestellt.Durch massenhaft schlechte Werbung für schlechte Produkte, Awareness wird ja nur noch durch Masse erzielt. Wenn Media Markt mit ihrer Krawallwerbung die TV-Sender und Städte überschütten, glaubt man eben, dass die auch die billigsten sind, auch wenn es nie stimmte. Und Neuschöpfungen wie “Premium” sind eben diese leeren Worthülsen die nichts bedeutet außer dass ein Produkte massiv überteuert ist.

  18. AndreasK

    Ich denke nicht, dass sich eine Marketingabteilung kaputt lacht, die etwas weiter als bis zur eigenen Nasenspitze denkt.

    Langfristig sind nämlich die Ausgaben höher, wenn immer mehr in Glaubwürdikeitskampagnen investiert werden muss. Es ist nur ein Gefühl, aber setzen viele TV-Kampagnen der letzten Zeit nicht stärker auf die Themen Authentizität und Ehrlichkeit? Vielleicht ist das schon der erste Schub in Richtung offene Kommunikation? Weil auch die Kunden merken, dass Werbung weniger wirkt?

    Ich finde allerdings, dass Ralf eine zu starke Definition von Lüge benutzt. Wenn ich meinem Kunden nicht erzähle, wie hoch mein Ertrag beim Kauf eines Burgers ist, ist das nicht schon gelogen. Ich werde im Gegenteil eher versuchen, im den Geschmack zu vermitteln und erzähle ihm, welche guten Zutaten drin stecken, wasauchimmer. Und das ergänze ich nicht mit einem Bild, das der Praktikant mit der Kompaktkamera im McDonalds Wanneeickel nachts um halb eins gemacht hat, weil’s so schön real ist. Sondern mit einem Foto, das den optimalen Burger zeigt. Vielleicht mit einer Attrappe des optimalen Burgers …

    Die Linie zwischen gelogen und geschönt mag dünn sein. Das ändert nichts daran, dass ich als Burgerhersteller das schönstmögliche Bild meines Produktes zeigen will. Oder daran, dass der Kunde weiß, dass der “Serviervorschlag” aus dem Studio und die Realität in Wanneeickel auseinander gehen.

    Nostalgie hilft da meines Erachtens auch wenig. Qualitätsprodukte wie Ramsch wurden schon immer mit dem bestmöglichen Marketingaufwand verkauft. Es gab damals keine Shoppinsgender, aber das ändert nichts an den grundlegenden Absichten.

  19. ralf schwartz

    @AndreasK “Das ändert nichts daran, dass ich als Burgerhersteller das schönstmögliche Bild meines Produktes zeigen will.”
    Das verstehe ich. Näher am Konsumenten und nachhaltiger in der Wirkung wäre aber – statt des schönsten Bildes – einfach ein gutes Produkt zu produzieren!

  20. AndreasK

    @Ralf Schwarz: Einverstanden! Das Produkt kann aber gut sein und trotzdem nicht schön aussehen. Was macht jetzt der arme Werber, wenn das Produkt des Kunden eher schnell als schön hergestellt wird? Es heißt ja Fast Food, nicht Beauty Food ;o) Ist die Antwort darauf wirklich, das Ding so zu zeigen, wie ich es beim Drive In in die Hand bekomme?

  21. Philipp Sulk

    @AndreasK Es ist eben doch ein Unterschied, ob ich den perfekten Burger oder eine Attrappe des perfekten Burgers abbilde, denn den perfekten Burger gibt es eben nicht und das Fleisch leuchtet auch nicht immer so wunderbar saftig.

    Ich bin mir sicher, dass der erste Burger-Brater, der sich traut, diesen Schritt zu gehen, bis auf weiteres einen großen Vorsprung beim Kundenvertrauen hätte. Nur trauen die Agenturen und Marketingabteilungen der Burger-Brater den Konsumenten das offenbar leider noch nicht zu.

  22. tim

    “bessere” produkte werden entwickelt, wenn die menschen bereit sind für den dafür notwendigen mehraufwand zu bezahlen.
    zudem wäre zu klären was “besser” überhaupt bedeutet. denn qualität ist eine subjektive und damit individuelle einschätzung des konsumenten. und damit wird auch das image eines produktes zu einem wichtigen punkt der produktqualität.

    es gibt ja aber auch genug gegenbeispiele für “gute/ehrliche” werbung für “gute/ehrliche” produkte (stichwort: fairtrade/bio/etc.). bloß sieht man doch auch hier wieder, dass viele menschen (leider) noch nicht bereit sind dafür auch mehr auf den tresen zu blättern und damit die höheren entwicklungskosten mit zu tragen.

    zu dem thema auch ein schöner ted-beitrag, den sicher schon der ein oder andere kennt:
    ted.com/talks/lang/e...

  23. Ben

    @Philipp Sulk sehe ich genauso, das Menschenbild der Agenturen und Marketer scheint noch aus der Mitte des letzten Jahrhunderts zu stammen.
    @AndreasK Warum sollte sich die Werbung nicht der Wirklichkeit annähern, authentischer werden? Seit Jahrzehnten setzt sie auf Humbug und macht Heilsversprechen, die in Wirklichkeit nie einzulösen sind. Die Menschen, die sogenannten Zielgruppen, sind doch keine Idioten, sie wissen das doch ganz genau und nehmen Werbung häufig entweder als Verarschung wahr oder sie ignorieren sie. Mir ist es unverständlich, warum Marketing und Werbung von der Branche selbst größtenteils immer noch als Beeinflussungstechnik gehandhabt und gesehen werden. Das hat vielleicht vor einigen Jahrzehnten noch glänzend funktioniert, als wir noch nicht mit den Problemen der Reizüberflutung zu kämpfen hatten (u.a. einzelne Werbebotschaften konnten wesentlich einfacher dominieren und durchdringen). Jetzt laufen die Kampagnen aber Reihenweise ins Leere.
    Natürlich sehen Burger nicht toll aus. Sie sind aber billig, schnell zu kaufen und zu essen und normalerweise schmecken sie.
    Warum also nicht z.B. Konsumenten zeigen, wie sie abgehetzt ins Burger-Restaurant stürzen, zufrieden sind, ihr Essen innerhalb kürzester Zeit zu bekommen und freudestrahlende Gesichter machen, wenn sie ihre mittelmäßigen und ganz normal aussehenden Burger verschlingen?

  24. AndreasK

    @Ben: Klingt super. Ich könnte mir vorstellen, das noch mehr auf’s Produkt auszurichten: Die Bestellung kommt, der Burger durchläuft alle Stationen, nur kurz unterbrochen von einigen Fakten (zb Qualität, Menge, Herkunft der Zutaten und der Verpackung), um dann mit einem Biss des zufriedenen Kunden zu enden.

    Ich fänd’s klasse. Ich denke, das Thema “Authentizität” wird in den Marketingabteilungen schon sehr wohl diskutiert. Warum es nicht (oder selten, siehe die Pizza-Firma, die allerdings ein wenig unter Zugzwang war) gemacht wird, hat sicherlich viele Gründe.

  25. Vroni

    Lieber AndreasK,
    wenn ein Konsumenten-Produkt nicht “schön” aussieht, taugt es nichts, ganz einfach. Keiner kauft eckige, raffelige Smart-Phones, wo die Schrauben rausstehen, keiner kauft verschrumpelte Mohrüben, keiner kauft Hemden, bei denen die Nähte ausgefranst sind, nicht einmal Billighemden dürfen das … .

    Aber für die Werbung soll gelten, “machma das Hässliche halt künstlich schön, geht doch”? Spätestens am Point of Sale (welcher dann meistens der Point of no Return ist) kommt das dann doch eh raus. Sehr kontraproduktiv das.

    Ausnahme: Essen. Und ganz besondere Ausnahme: Essen in Deutschland. Da klappt das merkwürdigerweise mit dem kontraproduktivem Fake, stört fast keinen.

    Während das Auto daneben steht und frisch gewienert glänzt, darf Essen hingeklatscht und matschig aussehen, obwohl die Werbung es doch knackig gemalt hat. Es wird verziehen, aber nur bei Essen. Guten Appetetit! Nicht einmal ein windiger Gebrauchtwagenhändler würde das bei seinen echten Autos auf dem Kiesplatz durchgehen lassen, was bei Essen anscheinend im Volksbewusstsein verankert ist. Frei nach einem Szenedialog bei Asterix: “DAs Essen muss schlecht schmecken, sonst kämpfen die Römer nicht gut!” – “Ich wusste nicht, dass sie soo gute Kämpfer sind…!”

  26. AndreasK

    @Vroni: Deutschland und Lebensmittel sind meiner Meinung nach nicht so eine Ausnahme, wie du hier Glauben machen willst. Wenn beim Telefon die Schrauben rausstehen, könnte es kaputt sein – also seine Funktion nicht erfüllen. Wenn der Salat nicht im Burger steckt, sondern leicht daneben hängt, ist das nicht dasselbe.

    Die Frage ist in diesem Zusammenhang eher: Würde sich Apple dazu reizen lassen eine Werbung zu drehen, in der sein iPhone vorne und hinten voll mit Patschefingerfett ist?

    Handys, Autos, Immobilien, Kleidung – alles wird in der Werbung geschönt dargestellt. Und das ist nicht nur in Deutschland so. Oder zeigen amerikanische und koreanische Biermarken dicke kotzende Männer, die sich prügeln? Selbst Astra zeigt nicht die Realität, sondern spielt mit Stereotypen. Werbung zeigt überall das ideale Produkt oder die ideale Dienstleistung. Die umworbenen Vorteile einer Versicherung sind in der Realität auch an Konditionen gebunden, die die Werbung nicht nennt.

    Cooles Zitat! Muss ich mir merken.

  27. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Ist doch unumstritten, dass Werbung das Produkt ins rechte Licht rückt. Wäre auch dämlich, wenn nicht. Also konkret z.B.: Wenn die Paare von edarling tatsächlich echt sind, werden auch die vorher Zähne putzen, Haare waschen, ein freundliches Setting für die Aufnahme finden, vielleicht ein bisschen Nasenpuder (drauf- nicht drin ;-)) oder weiteres Makeup, Licht etc.
    Wenn aber das beworbene Produkt so gar nichts mehr mit der Realität zu tun hat, dann gibt es zwei Möglichkeiten für die Verbraucher:
    1. Enttäuschung, wenn das reale Produkt im Laden nach Lieferung so wenig mit der Werbung gemein hat
    2. wachsender Vertrauensverlust gegenüber Werbung etc. (s.o.) insgesamt und zynische Werber, die alle für komplett dämlich halten, die noch daran glauben, dass Werbung etwas mit dem tatsächlichen Produkt zu tun hat.

  28. TollOll

    Bin selbst viel Jahre Mitarbeiter einer Werbeagentur gewesen. Leider joblos geworden, weil die eigenen nach aussen per durchgestyltem und teuren CD und CI transportierten und den Kunden so vermittelteten Ansprüche und Werte nicht mit der Realität übereinstimmten.

    Ich weiß nicht ob ich dafür kompetent genug bin dies zu beurteilen, aber ich glaube ein nicht minderer Teil an Werbern nimmt sich selbstverliebt zu wichtig. Hinzu kommt andererseits der Kunde, der ein von vornherein minderwertig konzipiertes Produkt mit großem Tamtam und Action, schnell und möglichst in großen Stückzahlen an den Mann bringen will. Ich will hier gar nicht über unsere “Marktwirtschaft”, diesem Gefasel nach ständigem Wachstum, Shareholdervalue oder “Marketingsprech” anfangen. Die Zusammenhänge dürften zumindest ansatzweise nicht gänzlich unbekannt sein.
    Ich würde mir wünschen, hätten Agenturen oftmals einfach mehr Eier in der Hose um einen Kunden wirklich zu beraten und ihn nicht nur bedenkenlos in seinem gewünschten Aberwitz zu unterstützen. Viele Agenturen haben sich selbst schon solcher Möglichkeiten beraubt, da viel Kapital eben bei ihnen auch nicht mehr selbst, sondern an Shareholder verteilt werden müßen.
    Selber anfangen, nicht nur mit mehr Selbstreflexion in der eigenen Werber-Firmenkultur, auch in der Werbung einen Trend zu setzen, hin zu einer “Entschleunigung”, hin zu wieder mehr Glaubwürdigkeit und Wirkung von gut gemachter Werbung. Auch das könnte zur Reduzierung von Mitteln führen, die so aber dem eigentlichen Produkt und vor allem wieder dem Kunden bzw. Endkunden im Glauben an das Produkt und seinen hochwertigen Nutzen zugute kommt.

    Ich bin da mittlerweile sehr skeptisch der “eigenen” Branche gegenüber geworden. Patentrezepte habe ich allerdings auch nicht auf Lager, aber träumen darf man ja noch, oder?-)

  29. Vroni

    AndreasK,
    hihi, Patschfingerfett.

    Und nicht will ich irgendwas “Glauben machen”.

    Es ist so. In Sachen Essen sind wir Entwicklungsland. Und laut UNO neuerdings in noch ganz anderen Dingen …

    Wir haben einfach keine Ahnung vom Fressen^^ und lassen uns jeden Mist andrehen wie diesen Kunstkäse zum Beispiel, der fast überall in den Pizzen drin ist. Plötzlich ist es nur das Salatblatt, das aus dem matschigen fadblassen Burger hängt, ne ne Meister…

    Roland
    Die Bandbreite von “die Sachen ins rechte Licht rücken” bis “lügen” (die andere Seite der Fahnestange) ist groß und dunkelgrau. Das interpretiert doch jeder, wie es ihm passt.

  30. Vroni

    TOIIOII

    Ich würde mir wünschen, hätten Agenturen oftmals einfach mehr Eier in der Hose um einen Kunden wirklich zu beraten und ihn nicht nur bedenkenlos in seinem gewünschten Aberwitz zu unterstützen.

    Das mit den Eiern unterstütze ich. Die fehlen häufig.
    Komme auch aus einer Werbeagentur ursprünglich. Der einzige der Eier gegnüber den Auftraggebern hatte, war mein Urgestein-Chef. Die jungen Chefs/Chefinnen, die danach kamen? Fehlanzeige.

    Nicht alles war früher besser, Werber waren früher in den 7oern, 8oern jedoch noch nicht mit dem Rücken zur Wand, sondern entweder freiwilig zynisch oder hatten eine Meinung. Die sie dem Auftraggeber auch sagten. Das scheint es nicht mehr in dem Maße zu geben oder vorbei zu sein oder findet nur auf Blogs statt. Ist aber nur meine persönliche Wahrnehmung. Es gibt sicher auch Agenturen, die das löblicherweise anders machen, doch im öffentlichen Bewusstsein kommen immer nur diese anderen vor.

  31. drikkes

    Ach, was tut ihr alle so abgeklärt und gleichzeitig realitätsnah. Als ob hier noch niemand über die unmöglichen selbstgeschossenen Pizza- und Dönerbilder über der Imbißtheke gelächelt hätte. Ich kenne jedenfalls keinen noch so großen Verfechter von Social Media, dem angeschichts solcher Schnapsschüsse das Wasser im Mund zusammenläuft. Niemand spricht da von einer “mutigen Kampagne”.

    Erinnert mich alles an Grundschulkinder, die mir zwischen den Zeichentrickserien auf SuperRTL genau erklären können, daß die Werbung sie beeinflussen und ihnen etwas verkaufen will. Die Immunität gegenüber Reklame wissen heutzutage schon Sechsjährige vermeintlich abgeklärt vorzubeten. Aber ihr weihnachtlicher Wunschtettel spricht dann doch eine ganz andere Sprache.

  32. Ben

    @Vroni Einspruch zu Deiner These, wir seien Entwicklungsland in Sachen Essen. Bei uns bekommt man fast alles zum Essen, was man sich nur vorstellen kann. Das hängt damit zusammen, dass wir ein Einwanderungsland sind und uns die internationalen Einflüsse diesbezüglich ziemlich kultiviert haben. Auch in mittelgroßen Städten findest Du fast alle Küchen der Welt, eine Bandbreite und Vielfalt, die vom Burger-Restaurant und Imbiß bis zum Sterne-Restaurant geht (und die Dichte der Sternerestos ist eine der höchsten der Welt). Selbst in Discount-Supermärkten kannst Du Dinge wie Kokosmilch kaufen. Letztendlich kann jeder Einzelne entscheiden, was er aus dem Angebot macht. Einige Deutsche entscheiden sich für den barbarischen Essensansatz, ihre Sache… Das Essensangebot in Entwicklungsländern fällt dann doch etwas spärlicher aus, die haben keine Wahl.

    @TollOll Auch ich komme aus dem Agenturbereich, und freiwillig gehe ich da nicht zurück! Meiner Meinung nach hilft nur Eigenintiative und selbst etwas zu beginnen.

  33. Vroni

    Ach drigges.
    Zynismus ist übrigens ein Berufsrisiko.
    Und soll laut denn, die es wissen müssen, sogar eisn der vielen Zeichen für einen beginnenden Burnout sein …

    Es geht darum, dass dem werbetreibenden Profi-Auftraggeber (nicht der Dönerbude) mal gesagt wird, dass keine noch so tolle Kreativität und Umsetzungskunst seine Produkte, wenn sie nichts taugen, in den Himmel heben kann. Der Anteil des realen Produkts selbst ist ein nicht zu unterschätzender. Wenn auf Flirtforen nur Spackos verkehren, nützen die tollste Divenbilder nichts, irgendwann wird es sich rumsprechen. Eher früher als später…

    Der weihnachtliche Wunschzettel von Kindern:
    Beruht auf kindlicher Begehrlichkeit und oftmals Nichtwissen, dass das Plunder ist.
    Bei Erwachsenen, falls sich ihr innerer weihnachtlicher Wunschzettel nicht groß geändert hat, ist er eher ein Zeichen von Unreife und Indolenz (Schmerzfreiheit).

  34. Vroni

    Einige Deutsche entscheiden sich für den barbarischen Essensansatz, ihre Sache…

    Weiß ich nicht.
    Junge Frauen und Männer können kaum mehr selbst kochen.
    Sie wissen nichts um das Essen und wie es zubereitet wird.
    Bin mir nicht sicher, ob das immer ihre eigene Entscheidung war und ist, keine Ahnung zu haben. Kochkurse für Kinder können Wunder bewirken und bewirken Wunder. Danach entscheiden sie sich meist für vernünftiges Essen.

    Werber sollte bitte nicht so tun, als wenn die Dinge immer eigene Entscheidung der Leute wäre. Es hat oft andere Gründe außer Wurschtigkeit, wenn sich Leute sich so und nicht so “entscheiden”. Werbung ist Manipulation. Ansage Ende
    Der eigene Wille ist noch gar nicht klar, ob es ihn überhaupt gibt.

    Es geht um ein Quantum mehr Ehrlichkeit.
    Das würde mich schon trösten

  35. Vroni

    Und dann gibt es noch das hier:
    freitag.de/wissen/11...

    Wie gesagt, auch ich bin aus den Werbeagenturen raus und entscheide mitterweile selbst, soweit es in meiner Macht und Kraft liegt, für welchen Auftraggeber ich arbeiten möchte. Hatte auch da ab und an Bauchschmerzen, oft innnerer Reichsparteitag.

    Love it, leave or change it. So banal wie einfach.

  36. Ben

    @Vroni klar sind Entscheidungen nicht immer rational und oft v.a. sozialisationsbedingt (hier spielen u.a. Medien und Werbung neben dem Elternhaus dann auch eine Rolle).
    Dass junge Frauen und Männer heute kaum mehr selbst kochen können und sie nichts mehr um das Essen wissen und wie es zubereitet wird, das halte ich für eine übertriebene Verallgemeinerung, für ein Vorurteil. Vielleicht ist das zufällig in Deinem Bekanntenkreis so. Küchen-, Essens- und Kochmedien, die sich eher an ein jüngeres Publikum richten, erfreuen sich riesiger Beliebtheit und sagen da etwas anderes. Nimm nur mal z.B. die folgenden Medien: Beef (Zielgruppe junge Männer!), Lecker, die vielen Onlineportale und Rezeptdatenbanken (die eher von jungen Leuten genutzt werden)etc.

    Werbung ist Manipulation? Ich sehe das eher als Wunschdenken vieler Werber und Marketer, die Kunden und Interessenten nicht als Austausch- und Gesprächspartner sehen, sondern als eine dumme Masse, die es zu manipulieren gilt, um den Absatz zu steigern. Die Einstellung ist ein Fehler und der Grund, warum soviele Kampagnen scheitern. Die Leute sind längst nicht so dumm und beeinflussbar, wie viele sie immer sehen.

  37. RCB

    Auch wenn ich ein wenig krass formulieren werde, meine Antwort ist so ernst gemeint wie die Frage:

    Ja, Werbung ist im Bewusstsein der Allgemeinheit:

    - Psychoterror
    - Unglaubwürdig
    - Bewusst irreführend

    Salopp gesagt: Es wird so weit und so dreist gelogen und betrogen wie die Polizei gerade noch erlaubt.

    Im Übrigen gilt diese Wahrnehmung zumindest in meinem Bekanntenkreis nicht nur abstrakt für Werbung, sondern auch konkret für Werber. Kommen in der Imageskala geschätzt irgendwo zwischen Boulevardjournalisten und Politikern raus.

    Davon wegzukommen wird für die Branche eine Herausforderung.

  38. Vroni

    Lieber Ben,
    Manipulation ist Teil unseres Alltag. Nicht nur Domäne von Werbern. Sogar wer “nur den Austausch” sucht, manipuliert. Jeder manipuliert.
    Sogar meine Katze manipuliert: Sie will Futter, also setzt sie einen besonders kläglichen Maunzton an. Und funktioniert.

  39. Vroni

    Davon wegzukommen wird für die Branche eine Herausforderung.

    Prognose ungünstig.

    Aber ich bin nicht House MD und damit kein zynisch-genialer Differentialdiagnostiker. Das nicht.

  40. Ben

    @Vroni Die Argumentation, Manipulation sei ein natürliches menschliches Verhalten, ist sehr beliebt bei den Freunden manipulativer Praktiken, darunter vielen Werbern – verständlicherweise, man muss sich ja rechtfertigen, auch vor sich selbst.

    Was Manipulation ist, das ist Definitionssache. Ich habe damit sicherlich nicht den Maunzton einer Katze gemeint. Zwischen Manipulation und zielgerichtetem Handeln und Kommunizieren besteht ein großer Unterschied. Manipulation beinhaltet für mich nicht die Tatsache, dass jeder mit jeder noch so kleinen Handlung und Kommunikation sicherlich auch eine Absicht verbinden kann, auch wenn es z.B. nur bedeutet, jemanden zum Zuhören zu bewegen. Wenn für Dich schon zielgerichtetes Handeln Manipulation ist, dann sprechen wir hier von verschiedenen Dingen. Für mich bedeutet Manipulation v.a. verdeckt zu beeinflussen, gezielt zu täuschen, auch mittels Machtmißbrauch und unfairer und intransparenter Mittel, und v.a. auch wenn es für den anderen von Nachteil ist. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Deiner Katze und Marketingleuten, die Werbung ausschließlich als Beeinflussungstechnik sehen und praktizieren, aber nicht raffen, dass sich die Leute eben nicht so einfach manipulieren lassen und diese Art von Werbung satt haben, weil sie die Werbung, wie RCB es passennd formuliert, nur noch als Psychoterror, unglaubwürdig uns bewusst irreführend empfinden und nicht nur als niedlichen Maunzton einer Katze.

  41. Vroni

    Ja, wir sollten definieren, was wir hier eigentlich unter Manipulation genau verstehen.

    Ben, du meinst vor allem die negative Konnotation des unfairen Missbrauchs und das ist auch in Ordnung. Ich halte beide Interpretationen für statthaft.

    Mißbrauch und unfair:
    Wieviel Missbrauch- und Unfairness-Anteil hat es, wenn man Partnerline-Fotos nicht nur schönt, sondern als Steigerung auch noch falsche nimmt, die da nie und nimmer registriert sind.
    Es könnte sogar der Fall sein, dass es faktisch bereits eine rechtlich unwahre Darstellung ist, die man verfolgen könnte, wenn man wollte. So wie Lockvogelangebote verboten sind. Bin aber kein Jurist.
    Unfair und unwahr könnte es auch sein, wenn Oliver Bierhoff für ein Shampoo wirbt, welches er zuhause aber nie und nimmer benutzt.

    Man muss ich aber auch die Frage stellen, wo tritt ein Schaden auf, wenn eine Tussi aus Fotostocks einen auf eine Partnerline lockt. Oder man auf Bierhoff reingefallen ist und das Shampoo doch nicht sooo toll war oder die eigene Mähne beim Amateurkicken gar in sich zusammenfällt wie nasses Heu.

    Nicht falsch verstehen, ich bin vollkommen gegen diese Praktiken in allen ihren Details und bediene auch keine Auftraggeber, die so tricksen wollen. Verabschiede mich von solchen.

    Die absolute Obergrenze des Schmus sind unwahre udn irreführende Werbebehauptungen. die Partnerline-Fotos haben diese Grenze für mich druchstoßen. Genauso wie falsche, nicht nur geschönte, Darstellungen des realen Essens. (Frühers half sich der Fraß-Werber mit der Floskel “Nur Serviervorschlag” in 4 Punkt Perl, haha, um sich rechtlich aus der Bredouille zu ziehen und abzusichern…)

    Den eigentlichen Schaden hat die Branche selbst samt tricksender werbetreibenden Auftraggeberschaft. Und den haben sie ungefähr schon so lange, wie diese Trickser-Alliancen existieren. Ich war übrigens bei der McCann. Deren Claim war “Truth Well Told”. Honni soit

    _____________________
    Ach und meine Katze. Du hast ihr Spezial-Miauen noch nicht gehört, das ist nicht normales Maunzen, das ist unfairer Missbrauch meiner Nerven.

    Sie hat den Bogen raus, wie man meine Knöpfe drückt, um Zusatz-Knuspertaschen zu ergattern. (Nein, ich lasse sie nicht verhungern, auch bekommt sie genug Aufmerksamkeit und Durchflausch, offensichtlich liegt aber ein Erziehungsfehler vor… so wie ich auch glaube, die Jungs und Mädls aus der Werbebranche bräuchten eine solide Ethik-Auffrischung. Es wird aber nicht viel nützen, das Kind ist schon lange in den Brunnen gefallen.)

  42. Vroni

    Es wird so weit und so dreist gelogen und betrogen wie die Polizei gerade noch erlaubt.

    Genau, so lange es keine Kläger gibt, wird weiterhantiert.
    Diese Weiterhantieren entspricht ungefähr dem Ethik-Modell und Rechtsverständnis von Vierjährigen.

    Ein Vierähriger sagt, das und das darf man nicht tun, sonst kommt die Polizei. Ein 17jähriger in normaler Entwicklung ist meist schon etwas weiter und sagt immerhin, das und das sollte man nicht tun, weil man nicht möchte, das mit einem das auch so gemacht wird.

    Schließe daraus, dass Werber und manch andere Klientel (Berlusconi) den Verstand haben von Vierjährigen. Und wenn ich mich so umschau, kommt es hin. Sie sind durch die Bank kindlich bis kindisch. Kindisch, bis die Polizei kommt…

    Was mich jetzt noch interessieren würde, ist die Geistesverfssung solcher werbetreibender Unternehmen. Aber da möchte ich meinem Mann argumentativ folgen, der sagt: “Man muss nicht mehr alles verstehen.”

  43. Ben

    @Vroni Ethik ist ein (zu) großes Wort für die Werbung. Damit es in Marketingabteilungen und Agenturen verstanden wird, muss da schon eine neue Bullshit-Formel geschaffen werden, wie z.B.: Corporate Responsibility + Ad Truthfulness = ROI²

    Vielleicht habe ich es in meinen obigen Kommentaren nicht verständlich genug auf den Punkt gebracht. Mir geht es nicht um Gut und Böse und darum festzustellen, wie schlecht und unmoralisch die Werbepraxis doch ist etc. und zu fordern, dass Werbung jetzt bitte ethisch ganz einwandfrei zu sein hat, damit wir uns alle ganz lieb haben können. Wir wissen alle, was herkömmliche Werbung ist und macht. Das müssen wir nicht mehr diskutieren. Es geht darum, ob die gängige Werbung so noch wirkt, ob sie so noch verkauft, auf Bullshit-Deutsch: Generiert diese Werbepraxis noch einen ROI, ist sie noch effektiv und effizient genug? Meine Antwort ist nein:

    1. Nicht die Lüge ist die treibende Kraft der Werbebranche, sondern größtenteils Bullshit, neben Sch…. und Blödsinn ist es Humbug. Das habe ich in meinem ersten Kommentar ausgeführt. Bullshit vermeidet die Wahrheit und erkennt so nicht einmal ihr Dasein an. Der Lügner behauptet absichtlich Unwahres und kennt die Wahrheit daher, während sich der „Bullshitter“ gar nicht für die Wahrheit interessiert. Es geht ihm nur darum, andere über seine Absichten und Vorhaben zu täuschen und deswegen hat die Wahrheit für ihn keinerlei Wichtigkeit. Ergebnis der Bullshit-getriebenen Werbebranche sind Kampagnen, in denen die beworbenen Produkte nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben.

    2. Wenn jemand solche Werbung noch ernst nimmt, dann reagiert er spätestens nach dem Kauf mit Enttäuschung. Ansonsten nehmen die Menschen Werbung zunehmend nicht mehr ernst. Sie wissen ganz genau, dass sie es mit Bullshit zu tun haben oder, wie RCB es ausgedrückt hat, sie sehen Werbung nur noch als „Psychoterror, unglaubwürdig und bewusst irreführend“. Die Leute wenden sich häufig angewidert von der Werbung ab und vermeiden sie, wann, wo und wie es nur geht. Sie haben diese Werbung satt. Die Werbebranche hat einen schlechten Ruf, das Image der Werber ist unter aller Sau.

    3. Die Werbebranche scheint sich in eine Parallelwelt verabschiedet zu haben, die mit der Realwelt nichts mehr gemein hat. Die Werber und Marketer scheinen weder wahrzunehmen, dass sie Bullshit produzieren, noch dass die Adressaten, die Menschen und Konsumenten, ganz genau um diesen Bullshit wissen und davon angewidert sind. Marketing und Werbung verstehen die Konsumenten immer noch als eine dumme Masse, die es zu manipulieren gilt, um den Absatz zu steigern. Und dann spielt man weiterhin ausgiebig, leidenschaftlich und voll überzeugt Bullshit-Bingo, feiert sich selbstverliebt auf Branchenveranstaltungen und wird in den führenden Branchenmedien beweihräuchert. Alles ist gut in dieser Parallelwelt. Bis irgendwann mal der Druck von Außen zu groß wird.

    Wie Roland gefragt hat: „Wollen wir, dass die Menschen uns zunehmend und im wörtlichen Sinn “nichts mehr abnehmen”? Was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation insgesamt?” Vielleicht beginnt man sich mal diese Fragen zu stellen. Denn sie sind durchaus „ROI-relevant“. Oder – um Ralfs Frage zu wiederholen: „Wird alles immer schlimmer – ohne daß die Agenturen gegensteuern?“

    Jede Kommunikation ist nur etwas wert, wenn der Adressat sie ernst nimmt, wenn Vertrauen vorhanden ist und aufgebaut wird. Ist Werbung noch irgendetwas wert, wenn sie von den Menschen gar nicht mehr ernst genommen wird? Abgesehen davon, dass sie kaum noch wahrgenommen wird, denn weitere Variablen wie die zunehmende Reizüberflutung und die damit verbundene Tatsache, dass es für die einzelne Werbebotschaft und -Kampagne immer schwerer wird zur Zielgruppe durchzudringen (mit Bullshit gelingt das sicherlich nicht einfacher) möchte ich dabei mal ganz außen vor lassen. Und eines ist klar: Wenn jemand, was Media angeht, die Dominanzstrategie (wie z.B. die P&Gs, Ferreros, Danones dieser Welt) verwirklichen kann, d.h. ausreichende Werbemillionen verpulvert, um seine Kunden- und Marktsegmente kommunikativ und werblich zu dominieren, dann kann er auch mit und trotz Bullshit Wirkung erzielen. Sobald es aber nicht zur Dominanz reicht – und das ist bei der Mehrzahl aller Werbetreibenden so – kann die gängige Werbepraxis nicht mehr die Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sein. So wirkt und verkauft Werbung immer weniger und nicht mehr ausreichend.

    Miau

    PS: @Vroni ich bin mir sicher, dass das Spezial-Miauen Deiner Katze wesentlich überzeugender ist als Burger-Werbung.

  44. Vroni

    Nicht die Lüge ist die treibende Kraft der Werbebranche, sondern größtenteils Bullshit,…

    Ach, die wollen nur spielen?
    (Werbung soll angeblich unterhalten.)
    Glaub ich nicht, dazu sind die Fakes zu öd.

    Wer “bullshittet” (neuer Bingo-Sprech?)
    ist jedenoch ebenfalls auf der Stufe von Vierjährigen.
    Passt doch.

    Agenturen, wo solche drin sind, sind doch dann die letzten, die gegen irgendetwas “gegensteuern” könnten. Find es immer putzig, vom Bullshit-Ksaper, vom Belzebub, zu verlangen, dass ER den Garten besser bestellt und “ernsthaft” wird.

    Wäre es nicht besser, die werbetreibenden Unternehmen anzusprechen, wenn man Änderung will und aufruft zur neuen Ernsthaftigkeit. Sollen sie andere Agenturen reinholen. Besser ist das dann.

    (Wobei ich glaube, dass “ernsthafte” Werbung ganz schön langweilig ist. Wobei ich nicht behaupte, das Fakes sonderlich spannend und unerhaltsam sind, das Gegenteil ist der Fall. Die Jungs haben also so oder so ein Problem.
    Wo ist der Spaß hin, den man z. B. hatte mit der LEVIS-TV-Spot Mr Boombastic? Ernsthafte Jeanswerbung, oje, das wird öd.)

  45. Ben

    @Vroni Es geht nicht um ernsthafte Werbung, sondern um Werbung, die sich der Wirklichkeit annähert, die authentischer und wahrhaftiger ist. Und nicht nur Humbug, Bullshit. Damit Werbung beim Konsumenten wieder wirkt und sich so auszahlt.

    Natürlich kann und soll Werbung unterhalten. Und wo ist denn der Widerspruch zwischen Wahrhaftigkeit und Humor? Der besteht wohl nur in Deutschland. Denn – um nochmal auf das Thema Deutschland als Entwicklungsland zurückzukommen – wenn wir Deutschen irgendwo Entwicklungsbedarf haben, dann beim Humor, der bei uns eine ganz ernste Sache ist. Wie Walter Rothschild mal sagte: “Vor einigen Jahren wurde ich gefragt, was den englischen vom deutschen Humor unterscheide. Meine Antwort lautete: „Den englischen Humor gibt es.“ Nichts kann witziger sein als die Realität und nichts kann trister sein als der Fake. Das sieht man doch gerade auch der gängigen (fast humorfreien) Bullshit-Werbung an. Diese Regel sollten sich die “Bullshitter” mal hinter die Ohren schreiben. Aber Du hast Recht: Leute, die auf der Stufe von 4-jährigen sind, sind da anscheinend noch nicht soweit.

    Ich denke schon, dass man von Agenturen, die für ihre Arbeit Honorare kassieren und die sich selbst als Kommunikationsdienstleister, -berater und -strategen bezeichnen, auch Beratung und Strategie erwarten kann und nicht nur Bullshit. Oder sind Beratung und Strategie am Ende nur ein Fake?

  46. Vroni

    Ben,
    du weißt doch selber, wie solche sind.
    Und kannst dir die Antwort drauf geben.

    Und da es unterschiedliche Humorauffassungen auch bei Kunden gibt, wird es immer die Diskussion geben, was ist grottiger Humbug (Bullshit), was ist albern-doof, was ist Satire, was ist “echter authentischer Spitzenhumor”. Letzteres ist ja mal ein richtiger Hattrick, den auch gute Texter nur ab und an spitze hinkriegen, echt jetzt, “authentischer Humor”, das sind Maximalforderungen.

    Hat viel mit kreativer Umsetzung zu tun. Strategie- und Beratung in allen Ehren, auch wenn sie in Ordnung ist mit ihren eventuell hehren Zielsetzungen (z. B. die Kundschaft ernstnehmen): Wenn es ans kreative Umsetzen geht, fehlts doch überall, dann kommmt nix. Außer ein Essen oder eine “Alte” hübsch hinbügeln.

  47. Vroni

    Der “englische Humor” ist übrigens sehr derb, abstrus überzeichnet, gewalttätig und extrem. Guggsdu Monty Python etc.

    Nix mit feiner englischer Humor. Der ist eine deutsche Erfindung.

  48. teo

    “Wird alles immer schlimmer – ohne daß die Agenturen gegensteuern?”
    -> Nein, es wird immer besser!!!

    Gerade jetzt, dank der neuen Medien, wird die Werbung immer realitätsnäher, weil es im dierekten Dialog mit den Kunden steht. Werbung ist heutzutage keine Aushängeschild mehr, sondern ein Statement, das direkt von den Kunden auf Wahrheit geprüft wird und wenn etwas nicht stimmt, wird es auch direkt zurückgemeldet.

    Meiner Meinung und Erfahrung nach WAR Werbung immer eine Täuschung, aber jetzt wird sie immer mehr zu einer respektvollen Präsentation des Produkts. Natürlich gibt es Leute, die sich von der Täuschung schon immer ferngehaltet haben, diese waren aber meiner Meinung nach nicht in der Mehrheit.

  49. Vroni

    Gerade jetzt, dank der neuen Medien, wird die Werbung immer realitätsnäher, weil sie im direkten Dialog mit den Kunden steht.

    So dachte ich auch am Anfang.
    Was ist mit gekauften fb-Anhängern oder Tweet-Followern. Was ist mit dem ganzen Astroturfing, das sie in den Blogs abgezogen haben?
    Ich weiß nicht.

  50. teo

    “Was ist mit gekauften fb-Anhängern oder Tweet-Followern. Was ist mit dem ganzen Astroturfing, das sie in den Blogs abgezogen haben?”

    Gekaufte Followers, Click-Farms u.ä. sind am Aussterben. Viele haben schon erkannt, dass das natürlich mehr Schein als Sein ist. Es ist viel sinnvoller 300 echte FB-Fans zu haben, die auch Interesse an den Produkten haben, als 30000 statische Fans, die einfach nichts machen, als zu spamen und damit dem Image des Unternehmens eigentlich zu schaden. Daher bleibe ich in der Hinsicht noch optimistisch :)

  51. Ben

    @teo es ist mir ein Rätsel, wo sich der direkte Dialog bei den meisten Display-Kampagnen versteckt. In der Klickrate? Ein paar Millionen PIs einkaufen, um dann Klickraten von 0,3% als Erfolg zu feiern, naja. Dialog kommt dann vielleicht bei 0,001% der Leute zu Stande. Zumindest Displaykampagnen sind reine Massenkommunikation. Auf der Seite der Agenturen gibt es da sicherlich keinen Dialog mit den Kunden. Und beim werbetreibenden Unternehmen? Klicken, dann ein bißchen auf der Seite surfen (durchschnittliche Verweildauer oft nur ein paar Sekunden), vielleicht etwas bestellen. Auch nicht so der riesige Dialog.
    Realitätsnähe? Da reicht es sich die Werbemittel zu betrachten. Das kann jeder für sich beantworten. Heute sehen wir ein Wallpaper von ERGO auf SPON. Versichern heißt verstehen. Ganz besonders realitätsnah. So sehr, dass sie gleich für den Effie nominiert werden. Wofür eigentlich? Als Kampagne mit der widersprüchlichsten Wirkung des Jahres?

  52. ralf schwartz

    @teo Ich wünschte, ich könnte Deinen Optimismus teilen. Aber eine Branche (Agenturen und Marketing-/Media-Verantwortliche in Unternehmen), die seit Jahrzehnten in Reichweiten, in Wahrscheinlichkeiten und Hoffnungen denken, die gehen nicht so schnell weg vom Liebgewonnenen. Die klammern sich an die Tradition, so unbewußt das auch sein mag.

    Sie werden sich weiterhin selbst etwas vormachen – wie auch ihren Kunden (als Agentur) und ihren Bossen (im Unternehmen), um mit den höheren Zahlen auch höhere Boni zu kassieren, Ruhm und Ehre zu ernten.

    Nur allzu selten geht es um das Produkt, die Marke oder gar den Konsumenten!

  53. teo

    @ralf von schnell war ja auch nicht die Rede. Leute, die an der Traditionen klammern, werden das auch weiterhin tun. Es gibt aber auch Kunden, die das auch so weiterhin akzeptieren werden. Ein großes Teil der jungen Erwachsenen (und nicht nur) wird das aber nicht akzeptieren und daher wird sich die Werbung auch anpassen müssen, einige machen das schon. Es ist unvermeidlich meiner Meinung nach, weil:

    @Ben heutzutage (fast) jeder die Möglichkeit hat, seine Eindrücke über ein Produkt anderen mitzuteilen hat. Viele machen das auch. In meinen Augen besteht der Dialog zwischen Unternehmen und Kunde darin, dass wenn etwas nicht der Versprechungen in der Werbung entspricht, kann ich da direkt anderen und oft auch dem Unternehmen selber mitteilen. Wenn die Unternehmer vernünftig sind, werden die auch zuhören und nicht nur Klickraten hinterherrennen.

  54. ralf schwartz

    @teo Yep – und: Sag das denen mal:
    werbeblogger.de/?s=e...
    werbeblogger.de/2011...
    Die könnten echte Fans haben, wollen aber anscheinend nicht.
    Ansonsten hoffe ich, geht es schneller als wir beide vermuten.

  55. Sinas Creativ

    Man gewöhnt sich wohl fast an alles, was man passiv konsumiert!? Wie in der Politik…und irgendwann schaltet man ab und “toleriert” was da einem vorgesetzt wird mit dem Maximalgedanken: “Man kann ja sowieso nix ändern!” Irgendwie eine gruselige Vorstellung…

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
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  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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