28.06.11
14:50 Uhr

Huffington Post und das schwindende Blogger-Karma

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Die Huffington Post wird immer wieder einmal zitiert, wenn es um das DauerthemaDoofe Offline-Verlage vs. pfiffiger Online-Journalismus“ geht. Auf der einen Seite die Rechteverwerter und Einkläger der alten Zeit, dort ein zeitgemäßes Vorzeige-Projekt im Online-Publishing-Business. Nur ganz wenige Blogger und freie Publizisten konnten und können sich mit den Ausführungen von Springer Chef Döpfner identifizieren, der auch aktuell wieder an der Klagefront gegen die ARD-Tagesschau-App mit dabei ist.

Das positive Blogger-Karma lag dafür eindeutig bei der Huffington Post, dem (ehemaligen) Underdog, der 2005 fast aus dem Nichts kam und stellvertretend für die Glaubensrichtung einer wie auch immer gearteten Share Economy Pate steht. Neben dieser Idee eines publizistischen Gemeinschaftsprojektes war dann wohl auch die zunehmende Reichweite der Huffington Post ein Grund, warum sich immer wieder Blogger fanden, die ohne Vergütung für die Publikation zu schreiben bereit waren. Die „Win-Win-Situation“ bzw. das „Share-Modell“ bestand mindestens für Herausgeberin Arianna Huffington also darin, Publikationsplatz und damit Aufmerksamkeit für die Autoren und ihre Inhalte zu vergeben und auf der anderen Seite dafür Gratis-Inhalte für ihre Publikation zu erhalten.

So ein Modell funktioniert aber nur so lange, bis richtig Geld im Spiel ist und auf dem Spiel steht. Mit dem Verkauf liegen plötzlich auf einen Schlag über 300 Millionen Dollar auf dem Tisch, im Vergleich zu den zuletzt rund 30 Millionen US-Dollar Jahresumsatz ein Betrag, wo auch der letzte Huffington-Blogger sich fragt, ob er von diesem Kuchen durch seinen redaktionellen Beitrag nicht auch etwas abbekommen sollte.

Auch wenn die Jahresumsätze zuvor durchaus schon beachtlich waren, so verstand sich die Schreibergemeinde bei Huffington offensichtlich bis dahin immer noch irgendwie als Graswurzelbewegung, bereit, auch ohne Honorar Inhalte zu entwickeln. Diese Bereitschaft scheint nun und mit dem Verkauf zu Ende zu sein. Einige Blogger unter der Führung von Jonathan Tasini haben jetzt Klage eingereicht und wollen an den Erlösen des AOL-Deals beteiligt werden. Schließlich lägen Hunderte wenn nicht Tausende ihrer Artikel im Huffingtton-Archiv, welche einen Teil des Verkaufswertes darstellen.

Das sieht Arianna Huffington natürlich ganz anders: ohne Vertrag gäbe es auch keinen Vertragsbruch, den die Blogger einklagen könnten. Spielt die „Share Economy“ den Autoren also hier unfair mit?! Ist die vielgepriesene Share Economy eigentlich nur ein feiner Euphemismus für das“AAL-Prinzip“, also „andere (für sich und seine Interessen) arbeiten zu lassen“?! Und was bedeutet das ggf. auch hier in Deutschland für die vielen Gemeinschaftsblogs bzw. das Archiv, falls doch aus Versehen einmal jemand kommt und die Publikation kaufen will?!

Arianna Huffington zeigt jedenfalls ihr hartes kaufmännisches Kalkül und spricht den Autoren grundsätzlich einen Anspruch ab. Ob diese Haltung auf Dauer zielführend ist, wird sich erst zeigen. Jedenfalls wissen wir spätestens jetzt, warum Deutsche Verlage sich die Verwertungsrechte an den Inhalten ihrer Redakteure vorsorglich immer abtreten lassen. Das ist zwar  sowas von „Oldschool“, aber zumindest weiß der Schreiber von Anfang an, wie der Verlag und „Vertragspartner“ so tickt.

6 Kommentare

  1. Frank

    Und wenn ich jetzt ein Übernahmeangebot abgebe? Wieviel bekommt der Allzeitbeste eurer Blogger, der Rodenheber, von den 50 Euros ab?

  2. Roland

    @Frank: und wieviel bekommst dann du wohl erst mit deinen wertvollen Ablaichungen hier?!

  3. Frank

    Da bin ich generös und möchte nichts.
    Womit du das dann auch schriftlich hättest.
    Und jetzt kannst du was machen aus diesem abgelaichtem Eisegen.
    Ruf einfach an, wir können noch ein bisschen handeln. ;-)

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Nee, passt scho.

  5. Huffington Post an den Grenzen der Share Economy? | Texte + Redaktion

    […] Details im Werbeblogger: Huffington Post und das schwindende Blogger-Karma Dieser Beitrag wurde unter Social Media, Text abgelegt und mit Blog, Honorar verschlagwortet. […]

  6. Raoul

    Wir haben dies als Multiuserblog so gelöst, dass die Rechte beim Urheber verbleiben. Lediglich eine nichtkommerzielle Verwertung der Beiträge ist zulässig, jegliche kommerzielle Nutzung bedarf der Zustimmung.

    So Social ist dann so manches Projekt im Netz doch nicht und ich bin auf den mittelfristigen Effekt gespannt.

Eure Kommentare

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