14.04.11
13:49 Uhr

ADC/DB: Fehlleistung aus Leidenschaft

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Wow, das war nicht einfach. Aber dem ADC ist es geglückt. Fehlleistung aus Leidenschaft eben.

Was ist passiert? Der ADC macht ein ‚Projekt‘. So wie Hornbach. Das ist hip, das ist kreativ – denkt der ADC.

Das ‚Projekt‘ heißt „Zwei Minuten Leidenschaft“. Warum? Nun, hauptsächlich weil es von der Deutschen Bank gesponsort wird. Warum Deutsche Bank? Na, die stand doch schon immer für überragende Kreativität, oder? Der ideale Partner des ADC.

Wie sehr das ‚Projekt‘ an den Haaren herbeigezogen ist, und wieviel wie wenig Kreativ- und Kommunikationskompetenz dort eingeflossen ist, sieht man an der flotten Umsetzung:

Aber eins nach dem anderen:
00 – Na, ist der Clip kreativ? Der kommt vom ADC! Die Hälfte hätte man sich sparen können, wenn die Türe nicht jedesmal zugehen würde. Die andere Hälfte übrigens auch, da der Clip nichts kommuniziert, was mit dem ‚Projekt‘ zu tun hat. Er erzeugt erst Langeweile. Eine Frau, die Blockflöte spielt? Schnick, Schnack, Schnuck?? Kopfstand macht??? Was hat das alles mit Leistung, Leidenschaft, oder gar der Aufgabenstellung zu tun? Soll dieser Clip Begeisterung für das ‚Projekt‘ wecken? Viral werden?

01 – Die Deutsche Bank als ADC-Sponsor? Hat da wer den Knall nicht gehört? Die DB, deren Chef Ackermann heute in der taz mit „Ackermann ist gefährlich“ glänzt?
(Auszug: „Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen. Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt…“)
Keine schlechte Wahl, lieber ADC!

02 – Ein Elevator-Pitch, der zwei(!) Minuten dauert? Wohin soll der Aufzug fahren? Was soll das für eine Challenge sein? Jeder normale TV-Spot dauert 30Sek(!), in die man alle Emotion, Information, Leidenschaft packen muß! Hier hat man viermal mehr Zeit?

03 – Ganz wie man Werbung (und auch die Deutsche Bank) kennt, zählt natürlich auch bei diesem ADC-Projekt nicht der Inhalt oder Nutzen („Dein Projekt ist gemeinnützig. Egal, ob es nun Deine Idee ist, ein eigenes Projekt „für die gute Sache“ ins Leben zu rufen, oder Du eine bestehende Non-Profit-Organisation mit Deiner Idee unterstützen willst.“), sondern nur die größte Dampfplauderei, die dem Publikum am überzeugendsten weismachen kann, man sei leidenschaftlich: „Nicht das schlauste, nicht das witzigste Projekt, sondern derjenige, der es am erfolgreichsten schafft, die Leidenschaft für sein Projekt weiterzugeben und Jury und Publikum für seine Sache zu begeistern, wird gewinnen.“

04 – Die Jury besteht aus drei Namen, die man sich nicht merken muß. Sie machen mit dem ‚Projekt‘ Reklame für ihre Unternehmen. Mehr nicht. Und auch bestimmt keine Positive. Fremdschämen für den ADC-Vorstand, den Saatchi-CCO und den Marketer der Deutschen Bank ist angesagt.

05 – Hatte ich schon erwähnt, daß man den Clip nicht so einfach einbinden kann? Das ist disabled. Auch auf der YouTube-Seite. Da nutzt es auch nichts, 123 andere Möglichkeiten des Sharens zu offerieren, lieber ADC!

Wenn das die ‚Leidenschaft für Leistung‘ des ART DIRECTORS CLUB FÜR DEUTSCHLAND (ADC) E.V. ist, dann ‚Gute Nacht, Deutschland‘!

Hätte uns Amir Kassaei doch nur vor diesem ADC retten dürfen.

(Nachtrag: Hier noch ein spannendes ADC-Projekt, analysiert vom Spießer. Enjoy!)

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24 Kommentare

  1. Heiko

    Ganz großartig. Der ADC klaut Gags von Didi Hallervorden. Es handelt sich hier doch um einen gespielten Witz, oder?

  2. Heiko

    Die Vertipper bitte ich zu entschuldigen bzw. zu korrigieren. Danke, Admin

  3. Kali

    Im Ernst?! „Schnick, schnack, schnuck…“

    Sind wir hier beim Gipfel der Kreativität oder beim Aldi des Klamauk? Ich fände es gut, wenn der ADC bei sich dieselben Maßstäbe ansetzen würde, wie bei den bewerteten Arbeiten.

  4. Miriam

    Sorry, was soll denn dieser Spot?
    Ich versuche noch immer das Fragezeichen aus meinem Gesicht zu bekommen. Was will mit dieser Spot sagen?
    Hat der ADC keine Ideen? Sind so wenig Kreative in seinem Verein?
    ADC sah es nicht für nötig, Schauspieler zu engagieren?

    Die Idee, Szenen in einem Aufzug spielen zu lassen, die ist ja ganz nett. Aber die Umsetzung, sorry, neee. Da hätte ich vom ADC wirklich mehr erwartet. Viel mehr.
    Dieser Spot ist in meinen Augen ein Grund dem Verein nicht beizutreten.

  5. ralf schwartz

    Ah, über ’nen Umweg kann man es bei YouTube dann doch einbinden. Warum nicht mit einem einzigen Click auf der Leidenschafts-Site selbst?

  6. Besserwerberblog • Marketing für Besserwerber

    ADC – oh weh, oh weh…

    Jeder sollte ja für sich zumindest „MaD“ sein. Nein, nicht „verrückt“, „militärisch abgeschirmt diensttuend“ (obwohl das gewiss viele sehr schätzen würden), sondern einfach das „Maß aller Dinge“. Das ist sehr kantianisch. Entspreche deinen eige…

  7. oliver

    und warum schaut man dann nicht wenigstens bei einer gut vorgemachten version wie youtube.com/sinnersc... ab?

  8. ralf schwartz

    @oliver Sehr schön! Danke für den Hinweis!

  9. Frank

    Also ich frage ernsthaft: sind die nicht ganz dicht?

  10. ralf schwartz

    @Frank Ernsthafte Antwort: Ich bin mir nicht mehr sicher beim ADC. Höchstwahrscheinlich haben sie selbst im Prozess nicht mehr gemerkt, daß da die DB die Oberhand gewinnt – was keine Entschuldigung sein soll bei einem Verein (im besten Sinne des Wortes), der Vorbild sein sollte für alle Agenturen in D.

  11. Jakob Springer

    Die kreative Tafelrunde Deutschlands produziert einen Spot, der junge Kreative davon überzeugen soll, bei einer Aktion mitzumachen, bei der man im Fahrstuhl metaphorisch Blockflöte spielt, Kaffee trinkt und sich zum Affen macht. Umgesetzt im Stile einer 5. Klasse Werken (heute drehen wir mal einen Film).

    Ich kann den ADC nicht mehr ernst nehmen. Die überteuerten Kurse sind Onanie. Die Preisvergabe seit Jahren sich wiederholende Amigoaffären. Der ADC stagniert seit Jahren und wird von Mitgliedern als Mitarbeiterincentivefestival gemolken. Im Sinne von günstige Gehälter gegen Nägel.
    Ach ja, und es gibt ja auch noch Punkte für die Agentur… der ADC ist reiner Mittel zum Zweck geworden.

  12. Steffen

    Das erhoffte Ergebnis soll dann wohl so aussehen wie beim französischen aktionskünstler Rémi Gaillard:

    nimportequi.com/de/v...

  13. ralf schwartz

    @Jakob Interessant finde ich auch, daß man so gar nichts rumoren hört. Für die Mitglieder scheint alles rund zu laufen, oder?
    Daß da keiner offen muckt ist schon seltsam.

  14. Christiane

    Auch jemand, der gerade ganz kräftig über Passion spricht … das trifft das Gefühl schon eher.

    facebook.com/adidas#...

    Spannend finde ich aber auch, dass das Start-up Ideen-Pitchen gerade zum Event Must-Have geworden ist. Bei der Next wurden übrigens gerade die Teilnahmebedingungen etwas gelockert.

  15. Kali

    @Jakob: Sehr schön zusammengefasst.

  16. Elke

    Und ich dachte wir wären ein kreatives Völkchen.
    Ich muss glaube ich völlig umdenken…

  17. Anja Möbius

    Genial, einfach spitzenmässige Seite, da schaut man gern wieder vorbei :)

  18. Fred

    Werbung für sich selbst ist eben das Schwerste.

  19. Jakob Springer

    @Ralf: In der neuen new business wurde Dein Posting aufgegriffen.

    Wobei ich Rädeker als Designer mit Evolution zwar Ernsthaftigkeit unterstelle, aber nichts erwarte. Es ist und bleibt ein Club. Der ist per se inzüchtig.

  20. ralf schwartz

    @Jakob Hast Du einen Link zum newbusiness-Artikel? Neugier!

  21. Jakob Springer

    @Ralf Die Printausgabe lässt sich nicht ohne enormen Aufwand verlinken.

  22. ralf schwartz

    @Jakob Ja, verstehe. Danke.

  23. ralf schwartz

    @Jakob So, habe nun mal nachgefragt. nb hat ein pdf zur Verfügung gestellt. Habe etwas drumherum geschrieben: ralfschwartz.typepad...

  24. Investimania! « Musiol Munzinger Sasserath

    […] Beispiel die Deutsche Bank, die kürzlich für den „Elevator Pitch“ in Kooperation mit dem ADC mit Häme überschüttet wurde. Einfach einen Businesswettbewerb ausrufen reicht also nicht – ein guter Fit mit der […]

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