18.03.11
01:38 Uhr

Bullshit-Bingo – Der Network-Mediaagentur liebstes Spiel

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Walter Litterscheidt, Sprecher der Carat-Gruppe, (ich darf ihn hier einfach mal als pars pro toto seiner Branche mißbrauchen) antwortet auf die Frage von Horizont „Welche Optionen und Möglichkeiten bietet die Digitalisierung, um Ihr Geschäft zu expandieren und zu diversifizieren?“:

„Die Digitalisierung verändert Beratungsinhalte, Gestaltungsspielräume und Innovationsausrichtungen.
Insofern eröffnen die Entwicklungsgeschwindigkeit und der Bedarf an Nachhaltigkeit aus einer integrierten Sichtweise heraus Expansionspotenziale in der Content-Entwicklung, der Kreation, Performance, Medieninnovationen und professionelles Datenmanagement.“

Da kann man nur leise kopfschüttelnd zustimmen, denn allein mit viel Phantasie sagt das alles, tatsächlich aber nichts.
Sprecher von Geschäftsführungen sind Regierungssprechern ähnlich. Die Top-Ten Agenturen sind große, politische Konzerne, ferngesteuert aus ihren Zentralen am ein oder anderen Ende der westlichen Welt.

Was waren das alles für gute Männer als sie noch wirklich an der Kundenfront unterwegs waren, damals, und nicht 3 Etagen zwischen sich und dem Teppich, und damit die pragmatische Bodenhaftung auf immer verloren hatten.

Dabei will der Kunde auch heute einfach nur Lösungen für seine Probleme einkaufen, nicht primär Produkte einer smarten Agentur. Er will verstanden werden, er will ernstgenommen werden. Er braucht kein Bullshit-Bingo und keine Bullshit-Tools.

Er braucht Antworten auf die neue Individualität, Unabhängigkeit und Ungeduld seiner Konsumenten. Er braucht Agenturen, die Kommunikation aus der Lebenswirklichkeit der Menschen kreieren, nicht aus Tools, Tabellen, Hörensagen, oder Managementleitfäden. Nicht Labern! – Machen!

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27 Kommentare

  1. Vroni

    Wenn so dünn und theoretisch gefragt wird (und dazu mit einem ordentlichen Schlag Bingo-Wörtern drin):“Welche Optionen und Möglichkeiten bietet die Digitalisierung, um Ihr Geschäft zu expandieren und zu diversifizieren?”
    kann es nicht wirklich wundern, wenn die Antwort dünn und theoretisch ausfällt.

    Gegenteil von Bullshitbingo: die volksnahe Binse?

    Die Aufforderung, nicht zu quatschen, sondern zu machen (nämlich Lösungen) ist mir zu binsenweisheitig.

  2. ralf schwartz

    @vroni Qualitativ schlechte Fragen muß man auch qualitativ schlecht beantworten? Ganz im Gegenteil, oder? Man bedenke nur all die hervorragenden Re-Briefings, die aufgrund schlechter Briefings erst ihre ganze Qualität entfalten.
    Da geht mehr, oder?

  3. Vroni

    Müssen tut man gar nix.
    Ein Interview dient erstmal der Darstellung und nicht dem Re-Brief.

    Was kann man denn erwarten von Interviews in Horizont und W&V, den PR-Branchenblättern für Selbstdarstellugnskünstler. Ich lese diese Blätter seit Jahren nicht mehr (weder Print noch Online. Dafür anderes im Netz, das sich damit befasst, wie das direkt beim Kunden aussieht.

  4. ralf schwartz

    @vroni „Ein Interview dient erstmal der Darstellung und nicht dem Re-Brief.“

    Ich meinte damit das Grundsätzliche Frage- und Antwortspiel in allen Bereichen. Und ein schlechtes Briefing – ebenso wie eine schlechte Frage – kann man trotzdem qualitativ hochwertig beantworten.

    Ja, das ist schon traurig mit den ‚Selbstdarstellungskünstlern‘. Aber wie wird man dazu, wenn man doch früher einen guten Job an der Kundenfront gemacht hat (wie ich ja oben zB für Walter andeute)?

    Irgendwie ist das für mich auch immer eine Art Verrat an den eigenen Wurzeln, dem eigenen Markenkern, Authentizität und Persönlichkeit, oder?

    Und der Positionierung der Agentur hilft es überhaupt nicht.

  5. Vroni

    Dieser Aatz (aus eben diesem Inteview) ist auch nicht schlecht:

    „… aber währenddessen alle nur darüber reden, habe wir diesen Ansatz nicht nur in den Köpfen verankert, sondern auch in physische Strukturen und eine entsprechende Matrix-Struktur übersetzt, um den jeweiligen Kundenanforderungen gerecht zu werden und deren Markenkommunikation entscheidend weiterzuentwickeln.“

    Andere redeten nur, und jetzt ammers: die Matrix isses!! Die Übersetzung der „Matrix-Struktur“ ist das Kundennahe!! Ganz doll.

    Nach den ersten Lachanfall habe ich mich wieder beruhigt. Ganz ernst jetzt: Müssen wir wirklich über solche Interviews reden…?

  6. ralf schwartz

    @vroni Leider ja, denn immer wieder werden nur die Größten, nicht aber die Besten befragt. Erstere dürfen dann inhaltsleeren Müll absondern.
    Dies formt das Image der ganzen Branche – kontraproduktiv für alle, aber tödlich für die kleinen, mittelgroßen und guten Agenturen da draussen, die nicht eine solche Fläche zur Selbstdarstellung bekommen.

    Vielleicht ist das auch der Trick der Großen.
    Denn schließlich kommt man zu ihnen ja nur wegen der Rabatte und Einkaufsvorteile.
    Hervorragende Kreation aber gibt es an (nur) an anderer Stelle.

    Deshalb möchte ich zumindest darauf hinweisen, der Finger in der Wunde sein, wie man so schön sagt.

  7. Vroni

    Liegt doch auch an Horizont und deren „Qualitätsjournalismus“.
    Sie könnten doch auch die von dir erwähnten Kleineren, Besseren befragen. Was hält ab?

    Aber halt ne. Es läuft ja so, dass wer zahlt (off- und online-Insertionen, Mediabuchungen), im Heft anschafft (und tendenziell eher befragt wird).

  8. ralf schwartz

    @vroni Dabei könnte man von den aufstrebenden, das Establishment aufrüttelnden Newcomern mehr lernen als von den satten und matten Größten, die nur noch mit Unlust ihre Position verteidigen, aber meinen, es gäbe nichts mehr zu gewinnen.
    Dabei könnten gerade sie alles verlieren – und in diesen Zeiten schneller als sie denken.

  9. Vroni

    Glaub ich nicht.
    So schnell gehen Dickschiffe nicht unter.

    Was aber „Kleinere“ machen können:
    Sich geschickt unzufrieden gewordene Auftraggeber von denen holen.

    Selber tun

    Was hältst du von einer Interview-Runde (oder Podcast) hier mit diesen „Kleineren“? [Podcasts sind hier auch schon ziemlich eingeschlafen, mecker]

  10. ralf schwartz

    @vroni „Was aber “Kleinere” machen können:
    Sich geschickt unzufrieden gewordene Auftraggeber von denen holen.“

    Det mein ich doch!

    Und: Ich erinnere mich noch an CARAT, als der CEO bei 700 Millionen Vorsprung zu Mediacom meinte, er könne sich zurücklehnen. Bei 70 Millionen Abstand war er immer noch der Meinung, Marktführer zu sein und sich entsprechend (tatenlos) verhalten zu können. Berühmte letzte Worte, sag ich da nur.

    Podcast-Runde dazu würde ich spannend finden. Müssen wir mal Roland fragen …

  11. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Hier bin ich :-).
    Ja, gute Idee, die großen „Kleinen“ mal zu Wort kommen zu lassen in einem Podcast. Vor allem auch, wie sie selbst die Darstellung ihrer Branche (medial repräsentiert durch die „Großen“) wahrnehmen.
    Wie immer im Moment das Problem der Zeit. Aber ich nehme es gerne mal auf und du, Vroni, bist schonmal als Gesprächsteilnehmerin herzlich dazu eingeladen. Ich schau mich mal um, wer noch dazu passen könnte.

  12. Vroni

    Mich als kleine mephistophelische Corporate Butze würde nicht nur interessieren, welche Antworten und Lösungen Mediaagenturen (egal welcher Größe) zum digitalen „unruhigen“, „unabhängigen“ und „individuellen“ Konsumenten haben. :-) (Fürchte, man hat als Reichweiterich und als Gießkannerich nicht allzuviel überzeugende Antworten, denn genau so ein Konsument braucht eher pull und nicht push).

    Sondern wie sie sich vor ihren Auftraggebern und im Wettbewerb dazu aktiv positionieren.^^

  13. ralf schwartz

    Ungeduldig, nicht unruhig. ;)
    Die Agenturen sind unruhig, im Sinne hyperaktiv, da sie unter Konzentrationsschwäche leiden – und impulsiv werden, weist man sie darauf hin.

  14. Michael Ziesmann

    Qualitätsjournalismus, Horizont und Elke Jacob in einem Satz zu nennen halte ich für gewagt bis originell ;)) Bei den Antworten aller sechs Befragten (aber auch den frageähnlichen Zeichenfolgen) habe ich alle 25 Felder meines Bullshit-Bingo voll. Passt eh…

  15. Vroni

    „Qualitätsjournalismus“ egal woher kann man nicht anders als ironisch verwenden.

  16. mark793

    Bei diesem Thema sitze ich nun wirklich zwischen allen Stühlen, beruflich wie familiär, von daher enthalte ich mich da mal besser. Lasst Euch nicht stören, ich hör nur weiter zu. ;-)

  17. marketingberatung.de

    Aus meiner Sicht steckt hinter solchen Aussagen die Strategie „Tarnen & Täuschen“ – nötig bei Unwissenheit. Wer inhaltlich aber fit ist, findet leicht den Realitätsbezug und kann sich sich präzise formulieren.

  18. ralf schwartz

    Die Richtigkeit dieser Aussage hängt stark von der Definition des ‚inhaltlich fit‘ und der ‚Realität‘ ab.

  19. Vroni

    @marketingberatung.de
    „Tarnen & Täuschen“ ist nicht nur bei Unwissenheit die Methode der Wahl. Sondern auch, wenn man nicht will, dass hart erarbeitetes Praxiswissen öffentlich an Konkurrenz verschleudert wird.
    Was bei den 6 Interviews jetzt zutrifft, keine Ahnung … :-)

  20. Ben

    Häufig wird die Unterscheidung Network und Non-Network (vermeintlich unabhängig) mit dem Unterschied böse-gut gleichgesetzt. Die guten Inhaberagenturen müssen sich gegen die bösen, ferngesteuerten Networks behaupten. Auch so eine Unterscheidung ist Bullshit-Bingo.

    Ich würde keinen Unterschied zwischen Network- und Inhabergeführten Media-Agenturen machen. Beide beherrschen das Spiel des Bullshit-Bingo perfekt und lieben es. Nicht nur in den Außenbeziehungen ist Bullshit-Bingo angesagt, wie man auch an den Antworten des Online-GFs einer Non-Network-Mediaagentur (=pilot) erkennen kann, sondern auch im täglichen Arbeitsalltag. Zumindest ist dies meine Erfahrung nach einigen Mediajahren in Network- und Non-Network-Agenturen.

    Bullshit-Bingo und Werbung sind unzertrennlich, besonders dann, wenn es darum geht Werbung selbst zu rechtfertigen und zu verkaufen. Ansonsten müsste man einigen Kunden häufiger mal reinen Wein einschenken, nämlich: Schmeiß Dein Geld sinnvoller aus dem Fenster als mit den von uns vorgeschlagenen Werbemaßnahmen – denn diese Werbung wird den reizüberfluteten Konsumenten höchstwahrscheinlich nie richtig erreichen.

  21. ralf schwartz

    @Ben Und wäre das (Dein letzter Absatz) nicht der perfekte erste Schritt in eine neue Agentur-Philosophie? Also mir würde das gut gefallen.
    (Leider sagen das ja auch schon (zu) viele und lassen dann keine Taten folgen (ua. weil die Kunden sie nicht wirklich lassen).)

  22. Ben

    @Ralf Sollte halt mal wirklich einer durchziehen.
    Warum macht es keiner? Ich weiß gar nicht mal, ob es wirklich die Kunden sind, das ist oft auch eine Ausrede. Es sind letztendlich die bewährten Erlösmodelle der Agenturen, die zu den gängigen Mediamixes und -plänen führen und nicht wirklich die Kundeninteressen. Aber Du hast Recht, einige sagen recht viel…und zu sehen ist dann gar nichts. Und da verhalten sich meiner Meinung nach gerade die 3,4 ernstzunehmenden, unabhängigen Mediaagenturen grob fahrlässig. Sie positionieren sich als besonders innovativ und kreativ und ziehen auf diese Weise die ganzen mittelständischen Etats an Land mit dem Argument “man mache ganz andere Media als die Networks“. In der Regel versagen sie dann vollkommen und ihre Media ist nur ein ganz müder Abklatsch der P&Gs dieser Welt, den sie dann mit Hilfe des „Bullshit-Bingos“ schön reden. Und genau da liegt das Problem: Was für die P&Gs dieser Welt wirklich gut funktioniert, weil sie die Masse mit Masse ansprechen (müssen) und Dank Ihres gewaltigen Geldeinsatzes die anderen dominieren können, das haut nun mal für die anderen überhaupt nicht hin. Dafür funktioniert dann das „Bullshit-Bingo“ der Agenturen…

  23. ralf schwartz

    @Ben Der Kunde ist schon meist braver als die Agentur.

    Aber die Agentur verdient lieber kurzfristig am Kunden als sich mittelfristig am Markt distinktiv zu positionieren – was langfristig das Ende bzw. das nie wirklich beginnende Durchstarten bedeutet.

  24. ralf schwartz

    Hier noch ein paar weiterführende Gedanken zum Thema: ralfschwartz.typepad...

  25. Vroni

    Die Lösung ist nah. Etzt gibbet es den BlablaMeter:
    blablameter.de/index...

    Einfach Text eingeben (c+v wie Mr zu Guttenberg tat)und Bullshitfaktor messen.

    Der Faktor dieses eingestellten Blogartikels und Bewertung:

    Ihr Text: 1817 Zeichen, 239 Wörter
    Bullshit-Index :0.8
    Es stinkt gewaltig nach heißer Luft! Auch wenn Sie PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sind – beim Eindruck schinden sollten Sie Ihre Aussage nicht vergessen.

  26. ralf schwartz

    @vroni ;)

  27. Die Sprachlosigkeit der Agenturen – am Beispiel JvM | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

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