10.03.11
11:47 Uhr

Liebe Facebook-Apostel, ich habe im Bus jemanden “geliked”!

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Ich habe im Bus jemanden “geliked”. “Oh mein Gott”, hätte meine Mutter gesagt, “Du kannst doch nicht einfach jemandem schöne Augen machen, in der Öffentlichkeit! Was sollen denn die Nachbarn denken?”.

Für einen guten Freund aus Gymnasialtagen wäre dieses “liken” jene Daumen-Zeigefinger-Pistolen-Haltung in Richtung einer Schönheit auf dem Schulhofe gewesen, “I see you, Baby”. Angesprochen hätte er sie nie. Und niemand wußte sicher, ob er diesen “Schuß” positiv oder negativ verstanden haben wollte.

“Like” ist nur die Voraussetzung, irgendwo eine Meinung kundtun zu können. Ob positiv oder grotten-negativ. Nicht mehr. Ein Schultertippen, ich sag jetzt mal was. Ob da in China ein Sack Reis umfällt. Ein Klick, eine zufällige Zuckung, ein Reflex. Eine Berührung im Bus. Ein Augenblick – im nächsten Moment vergessen und für immer vorbei.

“Like” ist ein Marketing-Euphemismus zur Verschleierung der Realität. Quasi ihre teilweise Umkehrung, die brutale Negierung, ein verzweifeltes Sich-selbst-was-Vormachen.

“Like” ist der Strohhalm, an den sich das durchschnittliche Marketing, die durchschnittliche Agentur klammert, da vor langer Zeit Ideen und Innovationen, Inhalte und Inspirationen ausgegangen sind, da Leistung einfach in “Likes”, nicht in Zufriedenheit, Treue, Relevanz und wahrem Engagement gemessen wird. In Quantitäten, statt Qualitäten.

“Like”: das heißt “gerne haben” – aber manchmal eben auch: “Du kannst mich mal gerne haben!”.

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25 Kommentare

  1. P. Figge

    In China ist ein Sack Werbeblogger umgefallen.

  2. ralf schwartz

    @P.Figge Heißt das jetzt, daß Du werbeblogger ‘likes’?

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @P.Figge: da du ja nun schon öfter kurze “Rotz”-Kommentare hier ablaichst, biete ich dir alternativ an, im Werbeblogger einen Gastbeitrag zu schreiben, der dein Interessensgebiet hinreichend umfasst. Lust, Zeit?
    Gruß Roland

  4. Stefan Ellenberger

    Ich würde eine größere fünf-stellige Summe wetten, daß da nicht der JvM-Chef dahinter steckt. Insofern wäre ich mit dem Angebot etwas vorsichtig. Lieber kurzer Rotz, als langer Rotz.

  5. P. Figge

    Roland, danke für das Angebot: Lust ja, Zeit weniger.

    Ihr seid doch prima. Aber kümmert Euch doch etwas mehr um Werbe, als ums Blogger. Das war Euer USP.

  6. Jo

    Lustig.

    Aber im Ernst lieber Ralf, du weißt ja sicher auch was nach dem “like” passiert, oder? Der Ge”like”te bzw. die gelikete Marke wird damit zum akzeptierten Sender und bekommt die Möglichkeit wann immer er mag in deinen Newsfeed zwischen die “human-genereated” Posts deines sozialen Graphen zu posten, also in ein extrem lukratives Umfeld hinein.

    Gruß Jo

  7. ralf schwartz

    Stimmt. Zwischen den anderen 1500 Freunden und wichtigen 700 Likes … die alle Nachricht um Nachricht posten.

  8. BobHope

    vielleicht liegt es auch einfach an dem eigenen “like”-verhalten… wer immer und alles liked, kann ja auch nicht erwarten, eine für ihn relevante themenauswahl auf seinem stream zu bekommen……
    aber die wenigsten leute (klickwütige 13-jährige ausgenommen) verhalten sich so…..

    das ganze relevanz-gefasel nervt allmählich eh nur noch…. das facebook oder ein like-button keine allroundlösung für marketingprobleme ist, sollte jedem halbwegs normal denkenden menschen auch von alleine auffallen….
    genauso wie es kein tv-spot ist, keine print-anzeige, kein 18/1,etc.

    natürlich ist ein formel 1 wagen schnelles präzisionsgefährt, aber deshalb kann hans-meyer-müller damit keine rekorde einfahren.

  9. ralf schwartz

    @bobhope Schonmal in einer durchschnittlichen Marketingabteilung gewesen?

  10. Thomas Matti

    Treue, Relevanz, Engagement und noch viel mehr wird sehr wohl gemessen. Gerade im Bereich Facebookmarketing ist die Differenz von “Agentur-Spreu und Agentur-Weizen” halt noch viel grösser als in anderen Disziplinen des Onlinemarketings und der Werbung. Quantität mit Qualität. Dann klappts schon ;-)

  11. BobHope

    nein, wer gibt sich schon mit durchschnitt zufrieden? ;)

  12. Julia

    “Liken” ist cool. “Liken” ist fur alle. Jeder kann “liken”, egal ob alt, jung, blod, hochinteressant … bald wir unser Leben von einem “Like” abhangen :) Facebook hat zu erst “Like” gesagt und bald hat der Rest der Websites darauf geantwortet. Wie? Mit einem Like, sicher :D

  13. ralf schwartz

    Sachen gibts: 1500 Fans für ein nicht-existentes Produkt – Der Wert des Likens! socialnetworkstrateg...

    Via @markusvonroder.

    Siehe auch: ralfschwartz.typepad...

  14. Christian Neidhardt

    Sehr schöner Artikel. Wenn nichts funtamental Neues kommt, hat Facebook seinen Zinit erreicht. Die nächste Generation Social Networks wird in spätestens zwei Jahren unterwegs sein, wenn sie es nicht jetzt schon ist.

  15. Raoul

    Ein “Like” ist immerhin besser als gar nichts an Auseindersetzung mit einer Seite. Für mich ist das grundsätzliche Problem die rein quantitative Bewertung – “Ich habe schon 7354 Likes” – , die ja in den sozialen Netzenwerken immer schön befeuert wird und in der Darstellung gern als Parameter für Erfolg oder Mißerfolg hergenommen wird.

  16. Benny

    Also meine Eltern können damit auch nichts mehr anfangen mit dem ganzen “Sozialen Medien” ;) haha

  17. Ge Wi

    Eigenartig ist, dass das unweigerlich zum „Gefällt mir“ gehörende „Was denn?“ unbeantwortet bleibt.

    Wenn „Likes“ als Kriterium für Relevanz herangezogen wird, wie ja auch Facebooks Statistiken für Seitenbetreiber nahelegen, dann müsste „Gefällt mir“ im Sinne von „guter Beitrag“, „gutes Foto“ oder „treffender Kommentar“ verstanden werden. Die Nutzer sehen das aber in der Regel völlig anders: sie „liken“ oder (würden gern) „disliken“ die enthaltende Botschaft, Marke, Person oder was auch immer und beziehen sich eben nicht auf den Beitrag selbst. Als Beispiel kann aktuell ich einen guten Artikel über den Internet Explorer 9 anführen – die Nutzer schreien nach einem „Dislike“-Button, weil sie Microsoft nicht mögen.

    Ein Betreiber, der also des öfteren Hiobsbotschaften in hervorragend recherchierten Artikeln veröffentlicht, bekommt keine „Gefällt mir“s, derjenige der haufenweise geklauten Schrott positiven Inhalts rausrotzt, kann sich vor „Likes“ hingegen kaum retten. Die bessere Kommunikationsbindung dürfte allerdings ersterer schaffen – Relevanz geht also anders.

    Ich habe mir mal die Mühe gemacht, zu recherchieren, wie die Bewertung denn nun eigentlich gedacht ist, aber Facebook ist das offensichtlich genauso egal wie den Anwendern der Funktion. Also wird weiterhin sinnfrei durch die Gegend geliket, der Betreiber sieht’s als Relevanz, der Nutzer hingegen als Meinungsäußerung zu einem Schlagwort. Entsprechend reden beide aneinander vorbei.

  18. ralf schwartz

    @GeWi Danke für die Trennung, finde ich gut und richtig – und habe ich mir auch schon oft gewünscht. Ebenso wie den Dislike-Button, das wäre es doch.

  19. Perry

    Nutzer liken/bauen ihr sozial/konsum relevantes nicht-qualifiziertes Universum bei FB.
    Obwohl: Nicht-qualifiziert ist vielleicht nicht ganz richtig, da es bei FB unterschiedliche Nutzercluster gibt.
    Ich behaupte: wer über 500 oder mehr “Freunde” hat, versteht sich nur noch als Sender und als aktiver Trüffelsucher. Er kann die Fülle an Posts nicht verarbeiten, die er über sein Network erhält.
    Wer bei FB selektiert und nur echte bzw. substantielle Sozialkontakte addet (also echte Bekannte, ich rede nicht mal von Freunden) benutzt FB extrem anders. Ich wollte schon sagen, nutzt es so, wie es gedacht ist. Aber da bin ich mir nicht mehr sicher.
    Je mehr/größere Cluster ein User bildet, desto interessanter ist es für Marketingmaschinerie dahinter…

  20. ralf schwartz

    @perry … aber nur für die traditionelle Marketingmaschinerie, die immer noch nicht verstanden hat, daß es nicht auf die Quantität der Kontakte ankommt, sondern auf ihre Qualität, auf die Qualität der Interaktion, nicht auf ein beliebiges Like dann und wann.

  21. C.G. Jung

    Oh ja, ein “Don’t like” Button ist längst überfällig.

    ist doch genauso wie mit dem “gruscheln” auf VZ: Keiner weiß was es eigentlich sein soll, aber jeder macht es. Der Name der Funktion ist nicht entscheidend, Hauptsache es gibt was zum klicken.

  22. Gordon

    Ich finde das auch sehr ungerecht… es gibt ein “I like” aber kein “I don’t like”. Vielleicht dachte sich der Erfinder “Hey, I Like reicht doch. Wenn jemand etwas nicht mag, dann klickt er einfach I Like nicht an.” Aber so einfach ist das nicht, lieber Erfinder.
    Einfach nichts anklicken ist neutral, “I don’t like” ist eine Meinung! :-)

    Ich glaub ich werd mal den “I don’t like” Button erfinden :-)

  23. Oli

    Glaub mit dem I don´t like Button könntest richtig Geld verdienen, das ist ne gute Geschäftsidee… :-)

  24. Aufkleber Freak

    Mitlerweile sollte man auch mal schauen wieviel natürlich und echte Personen hinter den ganzen Like´s stehen ;) Wenn man bedenkt das man die Like´s schon im 1000er Päckchen einkaufen kann :D :D

  25. Patrick Hoffmann

    “Like” bedeutet nicht so viel, also muss man sich doch seine eigene Meinung bilden!

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