23.02.11
23:43 Uhr

Dragon Dictation: ‘CrowdSourced Product Development’ oder nur Dreister Daten-Diebstahl?

Es las sich so gut …

Dragon Dictation ist eine Spracherkennungssoftware auf der Basis von Dragon NaturallySpeaking(R), mit der Sie einfach per Sprache SMS oder eMails diktieren. Der Text erscheint innerhalb von Sekunden auf Ihrem iPhone und kann sofort …” (Apple App Store)

… bis ich die AGB las:

“As part of the Service, Nuance can collect and use the contact names that appear in your address book (and no other information that appears in your address book) in order to tune, enhance and improve the speech recognition and other components of the Service.You allow Nuance to do so by enabling the Service.”

Alle Namen aus meinem Adressbuch, um den Service zu verbessern?

Hm. Vielleicht nicht so schlau, meine kompletten Freunde, Geschäftskontakte an Fremde weiterzureichen (wohlwissend, daß das für viele – und gerade via Facebook (inkl. Telefonnummern!)) kein Problem zu sein scheint.

Natürlich sagen sie zu, die Daten, sobald man es verlangt, zu löschen – wer aber liest heute noch AGB? Wer also würde davon erfahren, daß er gerade alle Namen weitergegeben hat?

Nett. Und weil Dragon gerade dabei ist:

“As part of the Service, Nuance also collects and uses Speech Data, as defined below, to tune, enhance and improve the speech recognition and other components of the Service, and other Nuance services and products.  In accepting the terms and conditions of this Agreement, you acknowledge, consent and agree that Nuance may collect the Speech Data as part of the Service and that such information shall only be used by Nuance or third parties acting under the direction of Nuance, pursuant to confidentiality agreements, to tune, enhance and improve the speech recognition and other components of the Service, and other Nuance services and products.”

Hier geht es dann plötzlich auch darum, diese Informationen an Dritte weiterzuleiten und nicht nur das vorliegende Produkt, sondern auch andere Services des Unternehmens mit den Speech Data zu tunen, anzureichern(?) und zu verbessern.

Alternativlos ist das Ganze, da ich erst zustimmen muß, um das Tool zu nutzen, mir alle Namen rausgesaugt werden, und ich erst die nachträgliche Löschung verlangen kann, wenn ich das Tool gestartet habe. Und alle meine ‘Diktate’ werden gespeichert?

Hinterläßt bei mir das Gefühl, daß ich um diesen Preis Dragon Dictation nicht benutzen möchte, und in Zukunft immer alle AGB lesen werde!

(Wer immer noch nicht geheilt ist: Alle gespeicherten Daten bleiben vertraulich – bis Nuance von wem auch immer gekauft wird > “will remain confidential and may be disclosed by Nuance … in the event of a sale, merger or acquisition to another entity”.)

Keine Tags vorhanden

6 Kommentare

  1. Stefanie

    Vielen Dank für’s AGB lesen und aufbereiten! Das ist ja mal wieder unfassbar!

  2. Genauleser

    Wer genau liest ist im Vorteil: “Nuance can collect”. “Kann”, nicht “muß” oder “wird”.
    Ich selber habe Dragon dicate installiert, weil ich es ausprobieren wollte.
    Am Anfang der Installation fragt die App, ob es die Namen (nur die Namen)übernehmen _darf. Man kann dies ablehnen, es ist keine Voraussetzung für die Installation, anders als bei Spyware wie z.B. WhatsApp, sondern dient (nach Aussagen des Install-Screens) dazu, Namen wie z.B. “Hurzlmeier” die im normalen Wörterbuch wahrscheinlich nicht vorkommen, besser in Schrift umwandeln zu können.

    Den Rest der AGB kann man sicherlich mit Qualitätssicherung und Optimierung im Sinne der Funktionalität (speziell in Bezug Dialekte, Sprachfehler, Slang etc) erklären.

    Bin selber sehr vorsichtig mit meinen Daten, aber ich denke hier ist der WB etwas über das Ziel hinausgeschossen.

  3. ralf schwartz

    @Genauleser Gut, daß Du das mitteilst. Ich stand vor dem Satz (siehe oben): “You allow Nuance to do so by enabling the Service” und wollte damit natürlich nicht die AGB akzeptieren – und dann geht es ja nicht weiter. Und auf Experimente lasse ich mich auch nicht ein, wenn davon die Leute in meinem Adressbuch betroffen wären.

    Wie ist die App sonst? Läuft sie so gut wie beschrieben? Oder würdest Du sagen, es lohnt nicht den Aufwand des Ladens, etc.?

  4. Armin

    Ich kann es im Moment leider nicht finden, aber ich meine etwas zumindest in den Grundzuegen aehnliches bei der Google Voice Search/Actions fuer Android auch gesehen zu haben. Ob da Namen dabei waren weiss ich nicht (allerdings haben sie die bei Android im Normalfall ja sowieso schon ueber Google Contacts), aber irgendwas mit Speech Data in general war da auf jeden Fall. Third parties weiss ich leider auch nicht mehr.

    Falls ich das noch wiederfinde melde ich mich noch mal.

  5. ralf schwartz

    @Armin Das wäre interessant. Danke.

  6. amarushaya

    Trotz Genehmigung, ist diese App nicht in der Lage die diktierten Namen aufzuschreiben. Zudem, ich bin mit dieser App nicht zufrieden, es ist mir zu anstrengend eine SMS, bevor ich sie abschicke, zu korrigieren. dann schreibe ich sie doch lieber selbst.

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop