13:00 Uhr
Montagspredigt: Das beste …Blabla… aller Zeiten
Liebe Werbe-Gemeinde, habt Ihr das auch bemerkt? Den Werbungtreibenden, Markenproduzenten, Kreativ-Königen dort draussen gehen langsam aber sicher die Argumente aus! Natürlich habt Ihr das bemerkt. Das Wochenende war voll davon:
Jetzt mit dem besten Motor aller Zeiten. – Jetzt neu: Verbesserte Formel. – Noch bessere Haftung. – Der beste Reifen aller Zeiten. – Feel the Difference – Das Beste oder Nichts. – Besser denn je. – Der beste Geschmack aller Zeiten. – Unser bestes Persil. – Wir lieben es. – Wir lieben Autos. – Testsieger 2007 …
So oder so ähnlich werden wir tagtäglich zugemüllt, müssen unsere Augen und Ohren die beste Generik aller Zeiten ertragen. Und keiner schämt sich!
Freunde! Werbegläubige! Setzen, Sechs! Das kann doch nicht alles gewesen sein!? Wofür zahlen wir die Millionengehälter und Honorare von Top Management und Agenturen über den Markenobulus? Für das Beste und sonst nichts? Für nur ein Wort? Eine leere Worthülse, die längst zur Unkenntlichkeit verstümmelt, da in Unendlichkeit wiedergekäut, wurde?
Da fällt auch mir nur ein Wort ein: Amen! Das kann doch nicht alles gewesen sein!? Gehet zurück in Eure Ideenkrippen und Kreativitätsschmieden und schärft Eure Sinne. Schärft Eure Produkte. Setzet sie ab vom Wettbewerbe. Seiet Eurer Zeit voraus. Antizipiert. Investiert Gehirnschmalz. Inhaliert etwas (erlaubtes) und begebet Euch auf usp-liche Höhenflüge!
Gehet in Euch und kommt erhobenen Hauptes wieder hinaus: Wo bleiben die individuellen USPs, wo die Argumente, Reason Whys, wo bleibt das Produkt, die Innovation, die Problemlösung, die Sehnsuchts-Befriedigung?
Stattdessen nur die verzweifelte Selbstbefriedigung frustrierter Manager in Agenturen und Marketing: das Beste, das Beste, das Beste … das beste Goldene Kalb aller Zeiten!?
Werdet wach, liebe an die Allmacht der Werbung Glaubenden! Die Werbung und das Beste alleine kann Euer Einkommen nicht sichern. Die Produkte, die Lösungen sind der Quell aller Viefalt, der Quell des Erfolges und sprudelnder Boni. Ohne Produkt seid Ihr gar nichts – nur ein Staubkorn in der ätherischen Wüste des medialen Grundrauschens.
Gehet hin und verlangt Einzigartigkeit, verlangt Differenzierung, Distinktion. Verlangt das Unmögliche. Kämpft gegen Euren Inneren Schweinehund. Sagt ab der Durchschnittlichkeit und Generik. Sagt ab der einfachen Worte und des frühen Feierabends. Kämpft für Lösungen, die die Menschen wieder inspirieren und für die Marke engagieren. Kämpft für Euren Seelenfrieden, Euer Ansehen in der Bevölkerung. Kämpft, um wieder in den Spiegel an Eurer Badezimmerwand schauen zu können …
14 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 22. November 2010 um 13:39 Uhr
ja die heizungsluft macht ganz schön rammdösig… nicht immer nur werbung glotzen. auch mal spazieren gehen.
Am 22. November 2010 um 14:23 Uhr
Eine Predigt halt. Aber selig macht die auch nicht.
Am 22. November 2010 um 17:14 Uhr
Predigt ist gut^^
Zum Thema: Wir bezahlen nicht haushohe Managergehälter, damit sich Manager einen tollen Werbeslogan ausdenken, dafür haben diese schon ihre Mannen. Die Angestellten sind die, die sich die Sprüche ausdenken müssen und da wundert’s mich nicht, wenn sie bei einem Bruchteil des Gehalts unkreativ bleiben. Müssten die Manager wohl mal ein bisschen mehr von ihrem Geld abgeben, um tolle, lustige oder ansprechende Werbung produzieren zu lassen.
Am 22. November 2010 um 17:57 Uhr
@frank Welche Predigt macht seelig? Seelig macht das Reflektieren derselben, das Konsequenzen ziehen und die konsequente Tat im Anschluß.
@ruben
… oder selbst wissen, wohin die Reise geht, um die richtigen Strategen, Visionäre, Kreativen und schließlich Macher einzustellen …
Am 22. November 2010 um 18:19 Uhr
Ja, Ralf. Reflektieren kann nicht schaden.
Aber nehmen wir mal einen der von dir zitierten Sprüche: “Unser bestes Persil” – heißt eigentlich: “Unser Bestes von Persil”.
Das gibt der Aussage ansich schon eine andere Wertigkeit.
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann wohnst du ja direkt um die Ecke von Henkel und ha´st mit 74,3prozentiger Wahrscheinlichkeit sogar Verwandte da, hast zudem sicher auch schon mal eine Waschmaschine bedient und müsstest somit eigentlich wissen, dass es tatsächlich kein besseres Waschmittel gibt. Warum also nicht diese Tatsache kommunizieren?
Ich zum Beispiel betreibe das beste Blog rund um Marketing und Werbung. Und ich scheue mich nicht, das auch auszusprechen.
Am 22. November 2010 um 18:26 Uhr
@frank … und lustigerweise ist genau das der Grund, warum ich es nicht lese. No hard feelings.
Aber ernsthaft: Wenn Persil wirklich sagen wollte, was Du unterstellst, würden sie ihre gesamte restliche Range damit diskriminieren. Schwer denkbar, oder?
Tatsächlich drücken sich alle um den direkten Vergleich mit dem Wettbewerb, und Alleinstellung (Bester, etc.) ohne Beweis ist nicht erlaubt, oder? Man geht den Kompromiß über die eigene Marke und hofft die Leute behalten nur ‘das Beste’. Das Problem wird natürlich nur verlagert, wenn plötzlich alle nur noch vom Besten reden … bald kommt also das Allerbeste etc. pp.
Am 22. November 2010 um 19:05 Uhr
Ich stelle fest: Du hast doch noch nie eine Waschmaschine bedient.
Nachhilfe gibt es hier: marketing-blog.biz/b...
Den Link kannst du gerne rausnehmen bzw. ersetzen. Wenn ich mich richtig erinnere hattet ihr den Spot auch (positiv besprochen).
“Man geht den Kompromiß über die eigene Marke und hofft die Leute behalten nur ‘das Beste’.”
Schön, dass du genau diesen Punkt ansprichst.
Ich bin ja nicht nur Blogger, ich pflege und betreue ja auch meine demenzkranke Mutter (PS III). Gerade habe ich sie gefragt, was das beste Waschmittel ist. Jetzt weiß sie zwar mitunter nicht genau wer ich bin, ihre Antwort aber – PERSIL – kam wie aus der Pistole geschossen. Das ist der Beweis, oder? (OK, ich geb zu, sie hat ihr ganzes Leben lang bei dem Verein gearbeitet.)
Am 22. November 2010 um 23:24 Uhr
Die beste Predigt seit langem.
Aber klar: “Das Beste” ist ein sehr relatives Lob, jeder Einsatzzweck kennt ein anderes Bestes. Mag das allerbeste Persil weiße Wäsche schön weiß bleichen, für schwarze Wäsche ist das völlig ungeeignet.
Am 22. November 2010 um 23:52 Uhr
@friedrich
01 Finde ich auch ;)
02 Das scheint das Problem: die, die es sich einfach machen, sind begeistert, und für die anderen ist es halt generisch – und damit redundant und überflüssig …
Am 23. November 2010 um 02:53 Uhr
@ralf:
Wundert mich eigentlich, daß das überhaupt zu Widerspruch führt. Das Wort ist doch gefürchtet wie sonst nur noch “anders” – denn “anders” ist ja weder besser noch sonst irgendwie ein Kaufargument.
War das “Beste” nicht lange Zeit verboten in D wg. vergleichener Werbung etc.? Dann sind das jetzt vielleicht Nachholstrategien…
Am 23. November 2010 um 07:29 Uhr
@friedrich
Wundert mich auch.
‘Das beste Auto’ darf man nicht sagen (Alleinstellung), also sagt man ‘das Auto’ oder ‘Der beste VW aller Zeiten’ oder ‘Das Beste oder nichts’ …
Am 23. November 2010 um 10:11 Uhr
‘Montagspredigt’ beim werbeblogger…
Am gestrigen Montag habe ich der Werbegemeinde eine Predigt zum Thema Das beste …Blabla… aller Zeiten gehalten. Im Zweifel merken Agenturen und Werbungtreibende überhaupt nicht mehr, wie sie langsam immer tiefer in der eigenen Beliebigkeitssauce unterg…
Am 24. November 2010 um 01:11 Uhr
Na eine Werbung in Gebetsform wäre doch mal was.
Ich erinnere mich noch an die Schlagzeilen wie teuer die Namensfindung von Evonik war lag bei über einer Million. Wahnsinn!!!
Am 25. November 2010 um 18:04 Uhr
Na also, jetzt auch das “beste Weihnachten aller Zeiten”! > “We believe it will be our biggest Christmas yet.” > brandrepublic.com/go...