17.11.10
12:17 Uhr

Liebe Unternehmen, warum liked Ihr Eure Mitarbeiter nicht ein wenig mehr?

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Letzte Woche schrieb ich „Hyperlocal als Hebel von Marken wie vodafone, H&M, McDonald’s, Edeka“. Interessanterweise drehte sich die anschließende kleine Diskussion neben dem Hyperlocal-Aspekt hauptsächlich um die Mitarbeiter-Qualität der erwähnten Unternehmen.

Ein interessanter Gedanke, denn abstrakter formuliert stellte man damit die Eignung des einzelnen Mitarbeiters infrage, Botschafter der Marke und des Unternehmens sein zu können.

Eine Beobachtung übrigens, die ich nur unterstreichen und unterschreiben kann: In 50-75% der Fälle trifft man in den großen Filialunternehmen (und wir wollen dabei nicht nur an die obigen denken, ihre Wettbewerber et al. sind da keinen Deut besser) auf Inkompetenz, Desinteresse, offenen Widerstand oder größte, schauspielerische Leistungen, die einen dann aber auch nicht weiterbringen. Wie gesagt, nicht immer, aber in der Hälfte der Kontakte(!).

Eine Beobachtung, die einen sich fragen läßt, ob die Unternehmen, die da draussen in der rauhen Konsumentenwelt so verzweifelt um jeden Fan kämpfen, ihm Rabatte, Warenproben, und andere Mätzchen hinterherwerfen, damit er/sie die Marke liket, auch genauso hart um die Gunst ihrer Mitarbeiter kämpfen!?

Wollen die Unternehmen eigentlich, daß die eigenen Mitarbeiter sie liken? Oder sollen die gefälligst nur arbeiten? Schließlich untersagt auch heute noch das ein oder andere Unternehmen oder die ein oder andere Agentur den Mitarbeitern die sozialen Kontakte und das mobile Telephon während der Arbeitszeit.

Was ist der Unterschied zwischen einem Mitarbeiter und einem Konsumenten? Der Mitarbeiter gehört uns schon? Der kauft eh nix? Der kriegt eh Rabatt? Der bekommt doch ein Gehalt!? Vielleicht ein wenig zu kurz gedacht.

Wieviel motivierter wäre wohl ein Mitarbeiter hinter der vodafone-Theke in irgendeinem Kaff (oder einem entsprechenden großstädtischen Vorort), wüßte er, daß sein Unternehmen und sein Brandmanager ihn genauso liken wie er die Marke und das Unternehmen liken soll?

Wieviel mehr würde er sich für die Details seiner Produkte interessieren, wenn er so respektiert, ernstgenommen und gefördert würde, wie es sich für DEN Kontakt zum potentiellen Konsumenten gehört?

Wieviel engagierter würde er auf diese Konsumenten zugehen, wenn er vom Unternehmen als die Person anerkannt würde, die das Marken- und Service-Versprechen aus der Reklame jeden Tag und bei jedem Kontakt auf’s Neue zum Leben erweckt? Der Marke ein Gesicht, einen Charakter, eine Haltung gibt?

Liebe Unternehmen: Ein bißchen mehr liken, ein bißchen mehr Interesse, ein bißchen mehr Fan der eigenen Mitarbeiter sein, das könnte Euch allen so richtig guttun. Ich mag diese Kulturen, in denen die Mitarbeiter stolz sind, dazuzugehören. Ich mag es, wenn ich dieses Glänzen in den Augen der Mitarbeiter sehe. Irgendwie gibt mir das ein besseres Gefühl der Marke und dem Unternehmen gegenüber – als wenn sich diese ganze Social Media Maschinerie doch wieder nur als reine Verkaufsmasch(in)e outet.

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7 Kommentare

  1. Malik

    Das ist schon ein schwieriges Thema. In vielen Unternehmen herrscht halt auch die Mentalität der Wegwerfgesellschaft. Ein Verkäufer bei H&M kann von heute auf morgen ersetzt werden. Das merek ich doch sehr gut in den (wenigen) Geschäften, in denen ich imer einkaufe. Der Verkaufleiter/Abteilungsleiter ist immer der selbe, aber alle paar Monate stehen dort neue Damen an seiner Seite. einige sieht man länger dort andere nicht. Mir ist es auch ehrlich gesagt egal. Keiner von denen musste ich eine Träne nachweinen. Nur den Verkaufsleiter würde ich vermissen. Der ist immer nett und zuvorkommend und ich habe auch das Gefühl, dass er ehrlich zu mir ist.

    Ich weiss nicht, ob diese Angestellten sich mehr engagieren würden, wenn sie stärker in das tägliche Geschäft integriert wären.
    Dem Angestellten mehr Anerkunnung geben; das würde viele Unternehmen schon damit tun, wenn sie den Angestellten pünktlich das gehalt überwiesen würden, ihnen die gesetzliche Mittagspause einräumen und flexibelere Arbeitszeiten erlauben.
    Einige Unternehmen müssen erst mal diesen Schritt bewältigen bevor es dort überhaupt Sinn macht über die o.g. Ideen zu diskutieren.

  2. ralf schwartz

    @malik Guter Punkt! Genau da geht für mich der Respekt vor dem Mitarbeiter los. Was soll ich von einem Unternehmen halten, bei dem die Mitarbeiter so behandelt werden? Wenn Unternehmen so mit ihren Mitarbeitern umgehen, wie werden sie dann erst mit mir als Kunden umgehen? Bleibe ich dann loyaler Kunde? Nein, ich entwickle auch eine Ex- und Hopp-Mentalität, etc. pp.
    Diesen Kreislauf muß das Unternehmen durchbrechen, indem es in Vorleistung geht. Die Schlauen, und deshalb kurz darauf erfolgreicheren, machen es ja vor – auch wenn da noch viel mehr passieren könnte.

  3. Andreas 3D

    Statt Dissens also mal würdigen !!! Ich verfolge auch das Modell ein zufriedener Kollege ist ein treuer Kollege. Bei uns darf jeder mal ins Netz und auch SMS schreiben.

  4. ralf schwartz

    Nun, Andreas 3D, das liest sich ein wenig so als gäbe es bei Euch 1 zentrales Firmenhandy, von dem jeder zwischen 07:30 und 08:00 1 SMS absenden dürfe, und „das Netz“ ist das ‚ohne … und doppelten Boden‘ …

  5. Timajojo

    Hallo,
    Muss nicht auch ein MA mal in Vorlage gehen.Ist immer das Unternehmen schuld, wenn
    Das Betriebsklima schlecht ist oder kann es auch an den Einstellungen der MA liegen?
    Meiner Meinung nach gibt es eine Zweiteilung in den Belegschaften: Zum einen Kollegen
    Mit einer hohen Motivation und Identifikation, zum anderen Kollegen mit der Einstellung-
    8 Stunden Dienst, ansonsten „nach mir die Sintflut“ Ich denke alle Beteiligten tragen hier
    Verantwortung.

  6. ralf schwartz

    @timajojo Richtig, aber schwierig – gerade in diesem Falle. Es gibt bestimmt weitaus mehr Mitarbeiter die ihre Vorgesetzten oder Unternehmen ermuntern, zu bloggen, fben, oder twittern als umgekehrt.
    Ich dene auch, daß viele Unternehmen froh wären, ein tragfähiges Konzept dazu von ihren Mitarbeitern zu bekommen, dieses aber dann nicht bewerten können, und dgenau dieses nicht zugeben wollen …

    Genau: „Alle Beteiligten tragen hier Verantwortung“ – und sollten einfach mal aufeinander zugehen und miteinander reden. Dies wäre der Anfang von allem.

  7. Die Social-Media-Strategie fängt beim Mitarbeiter an

    […] Der Beitrag spricht mir also aus der Seele. Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Work and tagged Facebook, Marketing, Social Media fängt beim Mitarbeiter an, Werbeblogger. Bookmark the permalink. Hinterlasse einen Kommentar oder hinterlasse einen Trackback: Trackback URL. « Alles Gute im neuen Jahr […]

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