13.11.10
09:14 Uhr

Eintagsfliege oder Vorbote einer neuen Zeit: Das Self-Repair Manifesto!?

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Unter „Dear Industries, Tough Times Ahead…“ hatte ich kürzlich (und ganz kurz) das Self-Repair Manifest von ifixit im lead/marke-Blog vorgestellt.

Das folgende Bild erklärt den Hintergrund, ein Klick vergrößert es:

Via GOOD.

Könnt Ihr Euch darunter eine sich zügig entwickelnde Bewegung vorstellen?

Ich persönlich finde das Thema sehr spannend, weil es
01. Konsequenz der wachsenden Unabhängigkeit, Individualität und Ungeduld der Menschen bzw. Konsumenten ist,
02. Konsequenz immer ähnlicherer Produkte und Marken, immer schlechterer Qualität, und immer seltener werdender Innovation ist,
03. Konsequenz der Industrie-Weigerung ist, wahrhaft nachhaltig zu denken und zu handeln und in Nährstoff- und Technik-Kreisläufe zu investieren.

Was denkt Ihr? Eintagsfliege oder Vorbote einer Entwicklung, die den Industrien noch Kopfschmerzen bereiten wird?

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12 Kommentare

  1. Jens Arne Männig

    Das Self Repair Manifesto, seine Ähnlichen Ursprungsdokumente und ähnliche Anstöße sind schlicht ein kleiner Schritt zurück in den Normalzustand. Fast belustigend, dass so etwas ausgerechnet aus Amerika kommt. Man müsste doch nur in die ländlichen Räume Mitteleuropas schauen, wo so etwas, zumindest von der älteren Generation, immer noch täglich gelebt wird.

    Immerhin eine sehr begrüßenswerte Initiative. Vermutlich werden schon in nicht allzu ferner Zeit entsprechende Fertigkeiten und ein in diese Richtung orientiertes Kaufverhalten das einigermaßen komfortable Überleben wesentlich einfacher machen.

  2. Werbeagentur Berlin

    Ach das erinnert an die „gute alte Zeit“ in Ostberlin (ich setzt das jetzt mal in Gänsefüßchen um keine Missverständnisse zu verursachen). Es gab sogar eine Puppenwagen-Reparaturwerkstatt. Wenn heute etwas kaputt geht, dass muß man es entweder über mehrere Tage hinweg einschicken oder es schlicht wegwerfen. Und das nicht nur bei hoch komplexen Produkten.

    Das der Trend aus Amerika kommt wundert übrigens nicht – er hat auch seinen Ursprung nicht im linken oder alternativen Spektrum, wie das Design des Werbeplakats (sieht etwas nach sozialistischer Propaganda aus) vermuten ließe sondern in dem „America First Movement“, also „Buy America“. Die Intention dahinter ist also eher wirtschaftlicher Natur – dennoch eine gute Idee und erinnert Ihr Euch, dass früher vielen Produkten noch eine Reparaturanleitung beilag? Das hat dann irgendwann um die 1995 aufgehört, fand ich sehr schade.

    Volker Berlin
    Werbeagentur Berlin

  3. Werbeagentur Blog » Werbekampagne Buy America?

    […] Das Plakat und der komplette Post ist unter folgender URL zu finden: werbeblogger.de/2010...… […]

  4. Elena

    Guten Tag, Ralf!
    Ein interessanter Plakat. Es erinnerst mir an die Plakate der sowetischen Zeiten. Es beachtet auf sich. Eine spannende Bewegung und in der modernen Welt kann sie sehr nützlich sein. Die Entwicklung ist eine, aber Profitjagd, Anwerbung der Konsumenten, Überschwemmung des Markts mit Waren der gleichen niedrigen Qualität und mit gleichen Funktionen ist ganz anders. Viele neue Modelle werden mit unbedeutenden Veränderungen hergestellt. Oft verändert man ihr Äußere. Das ist keine Entwicklung. Menschen reagieren auf alles Glänzend, etwas „Neues“, und so überfluten ihr Leben mit unnötigen Sachen, dann werfen sie, beschmutzen unsere Erde, kaufen etwas Neues und so weiter. Dazu regt Mode, gesellschaftliche Meinungen an.

  5. ralf schwartz

    @jens/volker
    Das war die Zeit als man das Produkt noch ganzheitlich (also in seiner Gänze, nicht das marketing-neumodische ‚holistic‘) verstand – mit der Betonung auf verstand. Das erzeugt ganz andere Bindungen.

    Ich finde das sehr spannend, weil ich so aufwuchs, mein Vater (85) versucht noch heute ersteinmal selbst alles zu reparieren. Sein Vater(!) hatte das erste Radio-Geschäft und das prägt die folgenden Generationen …

  6. ralf schwartz

    Hallo Elena, Du hast die Problematik dieser Art von Konsum kurz und gut zusammengefaßt.
    Müssen sich dann die Menschen oder die Marken weiterentwickeln, um das zu ändern? Oder haben wir das Ganze gut im Griff?

  7. Werbeagentur Berlin

    Von ganz gut im Griff würde ich eher nicht sprechen. Dazu ist noch zuviel „Geiz ist Geil“ in unserer Kommunikation – und natürlich müssen sich den Schuh auf die Werbeagenturen anziehen. Und, angenommen z.B ein MP3 Player wäre reparierbar, würde wohl kaum jemand ein Produkt für 10€ reparieren sondern das ganze wegschmeißen. Anders sieht es übrigens in den Slums dieser Welt aus, wir launchen da im Januar 2011 ein sehr interessantes Projekt, die Menschen dort recyceln und reparieren beinahe alles – selbst komplexe Produkte wie z.B. DigiCams, natürlich nur bwi z.B. mechanischen Defekten. Ich will jetzt diese ungovered Areas nicht zum Vorbild erklären, das sind schlimme Lebensumstände, aber es zeigt doch: es geht – wenn man darauf angewiesen ist.

    Ein anderes ProBeispiel ist evtl. auch der Erfolg von Manufactum „Es gibt sie noch die guten Dinge“ siehe manufactum.de/home.h.... Die Sachen dort sind, ganz klar, höherpreisig aber eben auch wertvoll und werthaltig. Dinge an denen man hängen kann, mit denen man Emotionen verbindet und eben nicht die „das war billig das habe ich gekauft“ 08/15 Ware – und die repariert man dann auch gerne. Denkt nur mal an Euer erstes Auto, wenn Ihr nicht gerade mit dem Silverlöffel aufgewachsen seid waren das ja schon ziemliche Schrottkisten und was haben wir da Zeit und Energie und Geld reingesteckt.

    Langer Rede kurzer Sinn: Die Werbung müsste sich weiterentwickeln, wieder mehr auf emotionalen Inhalt als auf Billig Billig Billig, und damit klappt es dann auch in Köpfen.

    Volker Berlin
    Werbeagentur Berlin
    P.S. klassse Blog – habe den Beitrag auch gerade auf unserem Blog als Grundlage genommen und natürlich auf Dich verlinkt. Danke für die Inspiration.

  8. Elena

    Zuerst müssen natürlich die Menschen entwickeln und ändern, und dann ändert die Marken nach ihnen. Immer wir bestimmen die Marken.

  9. Jens Arne Männig

    @Ralf: Da haben wir wohl einen sehr ähnlichen familiären Hintergrund. Nachdem ich einige Jahre systemkonform gelebt habe, versuche ich heute allerdings auch wieder, erstmal alles selbst zu machen oder zu reparieren — wie daheim gelernt.

    @Elena: Marken erhalten ihre Stärke erst durch die Unselbständigkeit der Menschen. Würden die Menschen über ihr Umfeld wieder zunehmend selbst bestimmen, dann würden die Marken gleichzeitig nachhaltig geschwächt.

  10. ralf schwartz

    @volker/elena/jens
    Ich fasse Euch 3 einfach mal mit Elenas Satz „wir bestimmen die Marken“ zusammen. Daran sollten wir alle weiterhin arbeiten, und Social Media, Digitalisierung und Web bieten dazu heute nie gekannte Möglichkeiten.
    Helfen wir den Marken, sich sozusagen selbst zu reparieren!

  11. Martin

    Weder Vorbote noch Eintagsfliege sondern schlicht weltfremd:
    If you can’t fix you don’t own it?
    Wer sieht denn schon Heere von Hausfrauen beim reparieren der Computerplatinen ihrer Waschmaschinen? Büroangestellte die die Zentralverriegelungen und Airbags ihrer Mittelklassewagen auseinanderschrauben?
    Wir eben in einer spezialisierten Gesellschaft und das hat Gründe.
    Schon seit der Zeit der Römer.

  12. Malik

    Das problem ist leider, dass die Komplexität vieler Produkte die Kompetenzen der Menschen überschreiten.
    Wer von uns wäRe schon fähig ein Fotoapparat, MP3 Spieler, Smartphone zu reparieren. In solchen Fällen muss man es immer professionell repaieren lassen. Wenn früher der Fenseher etwas wackelte, konnte ein Fusstritt schon mal Wunder wirken. Tritt man heute gegen den LDC oder Plasma Schrim aknn man ihn direkt in die Tonen werfen (überspitzt forumuliert)

    In vielen Fällen sind die Reparturkosten fast so hoch wie der aktuelle Werte eines Produktes.

    Die Innovationsgeschwindigkeit der heutigen Zeit führt dazu, dass vieles schnell an Wert verliert und es keinen Sinn macht ein altes Produkt zu hegen und pflegen. Fast niemand läuft mit einem Handy von 1999 umher, weil es nicht mehr angepasst ist an die Umwelt.
    Meine Eltern haben aber seit 30 Jahren das selbe Telefon (Drehscheibe!).

    Zudem ist alles viel billiger als früher – auch wenn viele denen, dass alles teurer wird. Wenn man die Einkommenstruktur der 60er und 70er betrachtet, dann haben die Menschen viel mehr für ebstimmte Produkte zahlen müssen. Ein anständiger Fernseher kostete 3 oder 4 Monatsgehälter. Benzin war (realtiv gesehen)so teuer, dass man es sich 2 und 3 mal überlegt ob man in den Wagen steigt.
    Viele Produkte haben keinen hohen Wert mehr, so dass auch seitens des Konsumenten viele Produkte keinen persönlichen Wert mehr haben. Man benutzt es so lange es seinen Nutzen erfüllt und dann weg damit.

    Ich denke, aber dass diese Einstellung auf die Proukte neuer Technologien reduziert wird. Niemand kauft sich jedes jahr eine neue Kloschüssel. Auch wenn mal ein Riss doer Knacks drin ist erfüllt es dennoch problemlos den Zweck.

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