09.11.10
09:52 Uhr

Du, nun hab ich sie wohl, die Datensammelwut-Intoleranz!

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Allergien werden immer häufiger, soviel wissen wir. Selbst im hohen Alter bleiben wir nicht mehr von einem Ausbruch verschont.

Unsere Körper machen das einfach nicht mehr mit, was uns so zugemutet wird im Namen des Fortschritts und im Rahmen der chemisch-artifiziellen Möglichkeiten der Industrie.
Das letzte, prominente Opfer ist Sachar (Lactose-Intoleranz).

Meine eigene Intoleranz ist da zum Glück weniger schmerzhaft, ein Verzicht auf die allergie-auslösenden Objekte aber ähnlich unumgänglich – auch wenn ich derzeit noch keine offensichtlichen Symptome zeige, allein mein Geist sich echauffiert.

Das letzte, prominente Opfer meiner Datensammelwut-Intoleranz ist die Zeitschrift ‚Du‘: Im Perlentaucher/Medienticker erblickte ich ein Banner, das mich – zum 3. oder 4. Male in meinem Leben – e(ine)s freiwillig klicken ließ.

Eine immens hohe Hürde, die die Zeitschrift ‚Du‘ da bei mir schaffte. Glückwunsch. Ein bißchen browste ich dann herum auf der Site des Magazins bis ich mir – in Abwesenheit eines RSS-Feeds – den Newsletter abonnieren wollte.

Eine unüberwindbare Hürde, die die Zeitschrift ‚Du‘ mir da schuf, denn man beachte die Häufigkeit des bedrohlichen, die Intoleranz erhöhenden Sternchens:

Adresstyp*:
Anrede*:
eMail*:
Vorname*:
Nachname*:
Titel/Funktion:
Firma:
Abteilung:
Strasse*:
Postfach:
PLZ*:
Ort*:
Land*:
Tel.:

Adresstyp*, Anrede*, Vorname*, Nachname*, Strasse*, PLZ*, Ort*, Land* für einen Newsletter? Hm. „Er ist kostenlos“, steht dann noch über der Datensammelwutstelle. Kostenlos, denn meine Adresse ist nichts wert? Ich finde, er ist teuer, denn meine Adresse ist wertvoll, oder? Denn sonst wollte ‚Du‘ sie doch gar nicht haben, oder?

‚Du‘ muß nun auf mich als Newsletter-Leser verzichten. Es wird also höchstwahrscheinlich keinen Kontakt mehr geben. Wie kann mich ‚Du‘ nun noch als Käufer gewinnen? Da muß ‚Du‘ mich wohl am nächsten Kiosk selbstbewußt ansprechen. Berühmte letzte Worte.

Sind wir in den letzten Jahren immer empfindlicher, immer intoleranter geworden gegenüber der Datensammelwut, daß ich schon auf solche kleinen Geschichten allergisch reagiere?

Oder sind wir alle im Gegenteil immer weniger empfindlich geworden? Geben wir alles gedankenlos preis und wollen von der Politik und dem schlechten Gewissen der Industrie vor dem Schlimmsten gerettet werden?

Ist unser Vertrauen größer und unsere Empfindlichkeit geringer geworden? Sind wir inzwischen entweder gar bedenken-intolerant oder ein bißchen gesund-mißtrauisch oder – wie ich – übertrieben kritisch? Was denkt Ihr? Juckt es Euch auch (noch – oder schon) manchmal?

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10 Kommentare

  1. mark793

    Tja, gute Frage. Ich selber würde mich tendenziell als „datenschutztechnisch sensibilisiert“ bezeichnen, böswilliger ausgedrückt könnte man es auch „berufsparanoid“ nennen. Aus solchen überneugierigen Formularen steige ich auch immer öfter aus, wenn der Preisgabe meiner Daten nicht ein erheblicher Nutzen gegenübersteht. Du bist mit Deinem Juckreiz also nicht alleine.

    Ach ja, über Targeting (und den Mythos, dass diese Methode dafür sorge, dass man nur noch oder zumindest verstärkt Werbung zu sehen bekäme, die einen auch interessiert) müsste man in der ausführlichen Anamnese vielleicht auch mal reden.

  2. ralf schwartz

    @mark793
    Ich denke, die Treffgenauigkeit ist in etwa so hoch, wie die der @laktasekampgane, die mir jetzt via Twitter folgt, weil ich das Wort Lactoseintoleranz in den Mund genommen habe :)

    Und da sind sie wieder meine 3 Allergien:
    01 – Datensammelwut-Intoleranz,
    02 – SPAM/Kampagnen-Follower-Allergie,
    03 – Ungenügende-Orthographie-Intoleranz
    (wobei letztere auch schonmal gegen mich selbst ausschlägt).

    Warum letztere? Darum: Die Twitter-Bio der @laktasekampagne > „Hier gibt es die günstige und clevere Lösung bei Laktoseintolleranz!!!“

  3. mark793

    Das siehste mal, wie sich kleine Fehler rächen können. Ich hatte neulich bei Ebay auf der Suche nach einer älteren Rennrad-Schaltung ein mir völlig unbekanntes Shimano-Teil angeklickt, das sich dann als Angelrolle entpuppte. Jetzt denken die ernsthaft, ich würde mich für Equipment interessieren, mit dem ich eigenhändig Fische aus dem Wasser ziehen kann. Wenn ich demnächst einen Probeabo-Gutschein für „Blinker“ oder „Fisch & Fang“ im Briefkasten oder Mailfach finde, weiß ich Bescheid.

    Und zum Thema „Tolleranz“ möchte ich den zeitgenössischen Philosophen Heinz Becker zitieren: „Isch bin jo wirklisch net tolerant – aber alles hot sei Grenze.“ ;-)

  4. max

    Ich finde diese Empfindlichkeit absolut nachvollziehbar. Warum sollten diese Daten angegeben werden? Sie sind absolut nicht notwendig.
    Ich steig bei solchen Sachen auch immer aus – oder man gibt falsche Daten an.

    kleine Anekdote am Rande:
    Ich habe vor kurzem an einem Gewinnspiel teilgenommen (es ging um zwei Konzertkarten). Und da man, wie hier, viele persönliche Daten angeben musste, habe ich als Mailadresse eine meiner Zweit- oder Drittadressen angegeben. Was allerdings den Nachteil hat, dass ich dort nicht täglich ins Postfach schaue. …überflüssig zu erwähnen, dass ich zwei Tickets gewonnen habe, dies allerdings zu spät realisiert habe ;)

  5. Der Alex

    Ich kann das auch absolut nachvollziehen. Meine Adresse geschweige denn Arbeits-E-Mail-Adresse geht nur an potentielle Kunden bzw. Zulieferer. Alles andere ist Zeitverschwendung – man muss den Spam ja wieder aussortieren.

    Meine kleine Anekdote:
    Ich habe bei einer polnischen Firma was angefragt – kurzer E-Mail-Austausch mit der Verkaufsabteilung… passt nicht und Ende. Ein paar Tage später bekomme ich plötzlich polnische Facebook-Anfragen (ich MEIDE Facebook) ob ich nicht besagte Person kenne…?
    Da hat die Gute doch wirklich meine E-Mail-Adresse in ihr Adressbuch aufgenommen und wahrscheinlich noch irgendwie bei Facebook freigegeben… wo gibt‘s denn sowas?

  6. ralf schwartz

    Ja, diese fb-Kiste macht mich auch nervös. Mals ehen, was da noch auf uns zukommt.
    Interessanterweise sind die meisten ja anscheinend bei ihrer eigenen Adresse vorsichtiger als bei allen anderen in ihrem Adressbuch.

  7. mark793

    Ich habe meinen Facebook-Kontakten eingeschärft: Jedesmal, wenn jemand den automatischen Freundefinder benutzt, stirbt irgendwo ein kleines, süßes Kätzchen.

  8. ralf schwartz

    Nutzt höchstwahrscheinlich wenig, denn wie hat es mir @paracuda so schön rübergetwittert? > „Du wirst es nicht erfahren. Irgend einer deiner Freunde wird es gemacht haben.“

  9. paracuda

    Rundmails, ohne BCC zu nutzen – ein Freundschaftskündigungsgrund für mich. Habe auch schon mal als Antwort die Mobilnummer des Betroffenen an all meine Kontakte geschickt, einfach so. Denn wer meine E-Mail ungefragt an andere schickt, der braucht sich nicht über ungebetene Anrufe wundern.

    Um aber wieder aufs Thema zu kommen: Wer sich hier mit seinen richtigen Daten zum Newsletter anmeldet, hat mit Sicherheit sein Haus verpixeln lassen und kennt den Begriff „Datenschutz“ nur von SpOn und glaubt zu wissen, dass nur Facebook und Google da die bösen sind.

    Menschen, die genau das tun, wundern sich auch, warum immer nur sie immer wieder Opfer von dubiosen ec-Abbuchungen sind, warum immer nur sie ihr Mobiltelefon verlieren und warum nie bei den anderen eingebrochen wird. Wahrscheinlich weil nicht jeder seinen Aufenthaltsort im Internet preisgibt.

    Ich hab da mal was vorbereitet: paracuda.com/2010/11...

  10. ralf schwartz

    @paracuda
    „Wer sich hier mit seinen richtigen Daten zum Newsletter anmeldet,…“
    Was diese ganze Sammelwut noch ein wenig stärker ad absurdum führt, aber es gibt halt immer noch Leut, die drauf reinfallen.

    Ein wenig mag ich dieses Urvertrauen ja auch, aber Du hast recht: „Eigenverantwortung rettet Leben. Und Daten.“, wie Du in Deinem Post schreibst.

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