08.11.10
12:25 Uhr

Google ist keine Öffentlichkeit sondern Veröffentlichung.

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Es geht wieder hoch her in der Diskussion über Google Streetview bzw. die implizite Meta-Diskussion über öffentliche Räume, womit nicht etwa Toiletten in  Bahnhöfen gemeint sind. Mitten im Zentrum: Jens Best, Netzaktivist und „Fassaden-Robin Hood“, der selbsternannt gegen vermeintliche „Entöffentlichungen“ des öffentlichen Raums zu Felde zieht.

Wie sehr er diese Aufgabe bereits als eigene Mission verinnerlicht hat, macht er im Blogartikel von Benedikt (Köhler) in den Kommentaren deutlich und stellt nach meiner persönlichen Einschätzung gleichzeitig heraus, was er von Skeptikern einer kommerziell durchdigitalisierten Öffentlichkeit hält:

Vor diesem Panorama der Irrationalität und Unaufgeklärtheit ist die “Provokation” durch die Fotografie der Verschollenen Häuser ein notwendiger Akt, um das soziale Krebsgeschwür der Verachtung der Veränderungen des menschlichen Zusammenlebens im Informationszeitalter an seiner Ausbruchsstelle zu stoppen.

Mittelbare Unterstützung in der Debatte bekommt Best von nicht ganz unbekannter Seite. Jeff Jarvis hat sich u.a. das Thema der „German Angst“ bzw. des „Deutschen Paradoxons“ auf die neue Bücherfahne geschrieben und setzt in einem aktuellen Artikel in der Zeit noch einiges „obendrauf“.

[…] gerade die Stasi wäre besonders eifrig darin gewesen, ihr Verpixelungsrecht auszuüben, um ihre Gebäude und ihre Taten vor den Blicken der Öffentlichkeit zu verbergen. Gern hätte sie sich der Geheimniskrämerei bedient, die die Idee eines Verpixelungsrechts beinhaltet. Hier wird ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen.[…]

Was für ein absurder Argumentationsbogen! Da kommt ein US-amerikanischer Publizist und College-Professor und erklärt einer deutschen Öffentlichkeit, dass man sich mit der Inanspruchnahme des Verpixelungsrechts bei Google Streetview in die Nähe potenzieller Stasi oder Nazi-Datenschutz-Methoden begäbe…

Gerade als Autor von „What would Google do?“ wäre Jarvis gut beraten, in seinem Fachumfeld zu bleiben, denn dort kann er weiterhin nachvollziehbar ableiten, wie kommerzielle (Medien)-Unternehmen erfolgreich „Share Economy“ zum eigenen wirtschaftlichen Nutzen einsetzen. Alternativ könnte er auch seine gereiften Erkenntnisse aus der Facebook-Debatte vertiefen und auf die eigenen Landsleute schauen, die das Thema „Privacy“ vs „Public Sphere“ auch ohne „German Angst“ kritisch begleiten.

Einigermaßen sauer reagiert auch Don Alphonso auf Jarvis aktuelle Ausführungen und schiebt seinerseits einen eigenen Artikel in der FAZ nach.

Meine Meinung zur Streetview-Debatte habe ich selbst ja bereits geäußert. In den Tiefen der Kommentare vom Slow-Media-Blog hat Benedikt Köhler eine weitere Zusammenfassung formuliert, die den Nagel schön auf den Kopf trifft.

[…]Öffentlichkeit ist nichts, was Wirtschaftsunternehmen uns bereitstellen. Google StreetView ist keine Öffentlichkeit, sondern eine private und nach vielen Seiten geschlossene Datenbank. Das ist der alte Fehler, frei wie Freibier mit frei wie in freier Rede zu verwechseln. Es geht uns gar nicht darum, Google in irgendeiner Form schlecht zu machen. Für ein Wirtschaftsunternehmen investieren sie viel in Frei-wie-in-freier-Rede-Projekte, da könnten sich viele deutsche Unternehmen eine Scheibe abschneiden. Dennoch geht es letztlich um die Unternehmensbilanz, alles andere wäre für ein Unternehmen auch seltsam (und gefährlich).[…]

Ich kann es nur wiederholen. Google Streetview ist keine „Öffentlichkeit“. Google handelt (völlig legitim) nach wirtschaftlichen Interessen, ist aber nichts anderes als ein kommerzieller Internet-Dienstleister, der (überwiegend) von Werbeplätzen lebt und von Nutzern, die Daten zur Verfügung stellen. Als Referenzmodell für eine wie auch immer ausgestaltete „Freiheit des digitalen öffentlichen Raums“ ist Google allerdings denkbar ungeeignet.

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15 Kommentare

  1. ralf schwartz

    Yes!
    Ich hatte zum Wochenend-Theater auch schon was auf der Zunge …:)

  2. Dave Gööck

    hi roland,

    deine feststellung, dass google streetview keine „öffentlichkeit“ ist, teile ich. – allerdings denke ich nicht, dass es den argumentativen kern der debatte trifft.

    es geht in meinen augen nämlich durchaus um öffentlichkeit und freiheit. klar ist streetview selbst nicht öffentlich, allerdings bedient sich streetview daten und informationen die von vielen befürwortern als öffentliches gemeingut eingestuft werden, wärend gegner anführen, diese daten wären nicht öffentlich. – die konkreten argumente (pro/contra streetview) kennen wir alle, so dass ich sie hier außen vor lasse…

    du kannst bspw. mit deinem auto öffentliche straßen unabhängig des zwecks benutzen. sowohl für berufliche (kommerzielle) wie auch private fahrten. – es geht also darum, was alles öffentlich ist und wofür öffentliches benutzt werden darf.

    dabei geht es noch nicht einmal darum, ob die kameras nun 2 oder 3 meter hoch hingen (auch wenn das eines der formalen argumente ist), da sich die menschen sicher auch aufgeregt hätten, wenn die kameras nur 2m hoch gehangen hätten. es geht viel mehr darum zu reflektieren, was für unsere gesellschaft öffentlich ist, wie wir die freiheit definieren, öffentliches gut zu nutzen und welche konsequenzen änderungen hier haben können.

    diese fragen sind ein wichtiger aspekt unserer freiheitlich demokratischen grundordnung und darum halte ich es für ein zentral wichtiges thema für die nächsten jahre. – google streetview ist aktuell ein konkretes thema, dass diese fragen tangiert. doch wird es weitere unternehmungen geben, die diese fragen aufwerfen.

    ich persönlich halte es für fatal, wenn hier kurzsichtige entscheidungen und forderungen in den raum gestellt werden. schon das ausgehandelte recht auf verpixelung der häuser halte ich für ein problem, da eben konsequenzen nicht hinreichend bedacht werden. – so wie die einführung von netzsperren gegen kinderpornographie als türöffner für netzsperren im allgemeinen dienen könnte (eines der gegenargumente), können hier vorschnelle entscheidungen an wichtigen pfeilern unserer demokratischen freiheit und an unserem verständnis von öffentlichkeit rütteln, ohne dass wir es so richtig mitbekommen.

    plötzlich stehen wir in einer ganz anderen situation dumm da, nur weil wir nicht hinreichend daran gedacht haben. nur weil wir eben nur auf google streetview geschaut haben, statt die dinge im gesamtkontext zu betrachten. streetview wird IMHO deutlich überbewertet, was zu überreaktion und einem antihype führt.

    grüße,
    dave

  3. gsohn

    Ob Street View nun Öffentlichkeit ist oder nicht, scheint mir nebensächlich. Es geht um die fotografische Abbildung des öffentlichen Raumes. Wenn Du Dir die Bonner Satzung zur „Sondernutzung“ öffentlicher Straßen mal genauer anschaust, wirst Du sehen, wohin eine „Lex Google“ führen kann. Sie beschränkt auch meine Tätigkeit als Journalist. Zitat aus der Satzung: “An § 2 der Satzung der Bundesstadt Bonn über Erlaubnisse und Gebühren für Sondernutzungen an öffentlichen Straßen wird folgender Satz 3 angehangen:
    Der Erlaubnis bedarf es auch für jede Nutzung der Straße zu dem Zweck, eine umfassende fotografische oder digitale Darstellung des Gemeindegebietes oder eines zusammenhängenden Teils dieses Gebietes oder einzelner Straßenzüge aufzunehmen oder grafisch oder digital weiter zu verwenden.“

    Siehe auch: gunnarsohn.wordpress...

  4. Jens Best

    Hallo Roland,

    Hassblogger wie der Fonzi wollen die eigentliche Debatte ja nicht voranbringen, denen geht es nur darum sich an irgendein Thema dranzuhängen. Das sollte man nie vergessen, wenn man den Psychopaten von der FAZ zitiert.

    Deswegen nochmals zur Klarstellung: Die “Totale Erfassung” der Gebäude in Deutschland ist nicht der Beweggrund für die Aktion “Verschollene Häuser”. Ebenso nicht ein Verteidigungstellungskampf für/gegen Google, den sich anscheinend einige einbilden.

    Es geht lediglich darum festzustellen, dass eine Absprache zwischen einem Konzern und einem Ministerium über einen “Verpixelungsvorgang” nicht die moralische oder gar rechtliche neue Realität hierzulande definiert.

    Nachwievor gilt, das es Herausforderungen der digitalen Entwicklung gibt, denen wir uns gesellschaftlich stellen müsssen. Ob reaktionär oder verantwortlich-positiv wird sich zeigen. Ebenso gilt nach wie vor in Deutschland, dass man Fotografieren und Veröffentlichen darf und eine Häuserfassade nicht per se ein Bestandteil des informationellen Selbstbestimmungsrechtes ist. Meine Befürchtung war lediglich, dass hier bei diesem Google-Bashing das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.

    PS: irgendwie war mir beim Schreiben schon klar, dass der absatz mit dem „Krebsgeschwür“ meinen ersten Kommentar drüben bei Benedikt versauen wird, weil es, wie erwartet, die einzige Stelle ist, die die Geier sich rausgreifen.
    Ich muss sagen, dass ich die offlinigen Diskussionen mit Fachleuten und Menschen auf der Strasse über das Thema Streetview in den letzten Monaten mehr schätzen konnte, als die letzten Tage, in denen die Hassblogger sich mal wieder mit ihrer üblichen unkonstruktiven, gift- und gallespritzenden Art über ein thema hermachen ohne auch nur einen Funken Anspruch für eine ernsthafte nachhaltige gesamtgesellschaftliche Gestaltung an den Tag zu legen.
    Enttäuschend.

  5. Jens Best

    Desweiteren würde ich dich bitten deine faslche Aussage im zweiten Absatz zu korrigieren.

    Du schreibst: „was er von Skeptikern einer kommerziell durchdigitalisierten Öffentlichkeit hält“

    Dies ist inhaltlich falsch und persönlich diskretierend. Einem armen Geist wie Alphonso muss man soetwas durchgehen lassen, denn er kann nunmal, wie wir nach all den Jahren wissen, nicht anders. Von dir aber würde ich schon erwarten, einen Text und seine Bezugsquellen inhaltlich zu prüfen, bevor man ihn „copypastet“

    Die zitierte Stelle spricht weder von Personen, sondern von einem sozialen Phänomen, noch geht es um die Förderung kommerzieller Abbildung öffentlicher Räume im Netz (z.B. durch Google), sondern um die Möglichkeit den öffentlichen Raum in form von Häuserfassaden abbilden zu können ohne in Zukunft irgenjemand dafür fragen zu müssen oder gar bestraft zu werden.

    Wie du sicherlich als Kenner der Materie weisst, gibt es den Änderungsentwurf für das BDSG (§34), der versucht genau dies (und nicht nur für Google) unter Strafe zustellen. Es sollen hier also rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, bevor es eine moralische Übereinkunft zu diesem Thema in der Bevölkerung gibt.

    Ich erwarte von den Hassbloggern nicht differenzieren zu können, aber von dir erwarte ich das in dieser nicht gerade neuen Debatte dann schon.

    Beste Grüsse nochmals

    Jens

  6. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Hallo Jens, zu der von dir beanstandeten Passage und der Annahme, ich würde deine Aussage nicht „prüfen“, soviel:

    1.“Soziale Phänomene“, wie du sie nennst und ebenso exisitierende „Irrationalität“ und „Unaufgeklärtheit“ sind allesamt menschlichen bzw. zwischenmenschlichen Ursprungs. Insoweit kann sich am Ende ein bestimmtes „soziales Phänomen“ eben nur auf Menschen beziehen.
    2. Deine guerilla-artigen Initiativen sind nun einmal (und sicher nicht zufällig) im Kontext von Google Streetview gestartet und wahrgenommen worden und haben erst dadurch zu der entsprechenden (medialen) Aufmerksamkeit geführt. Insoweit musst du wohl damit leben, dass ich (und ggf. auch andere) den edelmütig aufklärenden, informativen Erklärbär-Charakter deiner Aktionen nur schwer erkennen können.

    Wie auch immer, da es meine persönliche Wahrnehmung zu deinem Kommentar ist, ergänze ich meinen Beitrag im Kontext deines Zitats entsprechend.

    Schönen Abend und Gruß
    Roland

  7. Jens Best

    Der zitierte Absatz ist aus meinem ersten Kommentar herausgerissen, somit dient er hier der Förderung der falschen Auslegung meines Kommentars sowie der gesamten Aktion, die zwar im Nachgang zur Streetview-Debatte entstanden ist, aber im Kern um das Recht auf Fotografieren und digitales Veröffentlichen geht.

    Wenn du dir also nicht die Mühe machst einen Text zulesen bevor du aus ihm zitierst, offenbart dies, das es dir nicht um den Diskurs geht, sondern lediglich Klichzahlen zu produzieren, indem du dich an die unqualifizierte Hetzkampagne der Hassblogger dranhängst.

    Das billige „dann deklariere ich es halt als meine persönliche Meinung“ zeigt, dass es dir nicht um Erkenntnis und Fortgang der Diskussion geht, sondern lediglich ums Recht behalten. Ein weiterer Dialog mit dir auf dieser Basis erübrigt sich dann erstmal.

    Mein ganzer Kommentar drüben bei Benedikt handelt weder von irgendeiner Kommerzkiste, sondern es geht um die gesellschaftliche Balance von Erkenntnis, Wissen und Geheimnis. Aber mittlerweile gehe ich davon aus, dass du den Kommentar nicht gelesen hast. Geile dich also weiter auf an was du willst. I pity you.

  8. saizew

    … die „schönsten“ Zitate aus dem unsäglichen Kommentar hat Roland doch gar nicht gebracht. Manche Sätze muss man sich einfach auf der Zunge zegehen lassen:

    „(…)Aber nur weil ich den Befürchtungen der Menschen zuhöre, muss ich nicht in Rücksicht auf diese mein Handeln einschränken. Wenn wir auf jedes Wehwehchen des DAU gehört hätten, würden wir heute noch auf den Bäumen sitzen.
    (…)Der Deutsche Michel, der die öffentliche Fassade seines Hauses mit einer digitalen Burka zuwerfen möchte (…)“

    Wer eine solche unerträgliche Arroganz und Menschenverachtung zur Schau stellt, sollte nicht davon faseln, dass die anderer Seite den Diskurs verweigert.

  9. Jens Best

    @saizew

    Wenn ich dir morgen sage, dass es mich stört, dass du z.B. rote Pullover in der Öffentlichkeit trägst – wirst du dann aufhören diese zu tragen?

    Wenn ich morgen sage, dass die mit einer individuellen Seriennummer versehenen Gullideckel vor meinem Haus einen personenbeziehbaren Zustand darstellen und somit zu meiner informationellen Selbstbestimmung gehören, wirst du dann auch akzeptieren, dass es verboten wird, Gullideckel zu fotografieren?

    Du bist ein wenig schnell mit den Wort „Arroganz“ und „Menschenverachtung“, mein lieber anonymer Kommentator, dein unreflektierter Hass verhindert jedes Argument. Das reine Wiederholen meiner Worte mit einigen deutlichen Worten zu versehen ist kein Beweis für irgendetwas – außer für deine eigene emotionale Aufgewühltheit. Komm erstmal runter. Denke nach. Dann kannst du ja unter einem anderen Pseudonym nochmal versuchen an der Diskussion ernsthaft teilzunehmen.

    PS: Genau solche Kommentare sind es, die mir zeigen, dass das wilde Nerdistan weit davon entfernt ist an einer gesamtgesellschaftlichen Debatte teilzunehmen.

  10. Jens Best

    Weil es inhaltich passt, crossposte ich meinen letzten Kommentar bei slow media nochmal hier:

    “Öffentlichkeit ist nichts, was Wirtschaftsunternehmen uns bereitstellen. ” Dr. Benedikt Köhler

    Was Benedikt sagt stimmt zwar so, bringt aber die Diskussion nicht weiter.

    Wirtschaftsunternehmen bestimmen die Wahrnehmnung unseres öffentlichen Raumes mit. Ebensowenig wie es unbedingt demokratie-förderlich ist, dass Medien wie BILD die Selektion über die Wahrnehmung der Geschehnisse im Öffentlichen Raum stark bestimmen, kann es uns gefallen, dass ein Web-Konzern wie Google eine zukünftig machtvolle Abbildung des öffentlichen Raums im Netz installiert – ohne Alternativen.

    Ich wäre der erste, der über sich über eine solche Diskussion freuen würde. Leider wird in der deutschen Diskussion um Streetview das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.
    Es geht also nicht um Google, sondern es muss gleich ein Gesetz her, dass dieses böse Fotografieren und im-Internet-Abbilden unter Strafe stellt. (Neufassung BDSG §34)

    Gleichzeitig schafft man mal eben so ein bisher unzweifelhaft dem öffentlichen Raum zugehöriges Element (die Häuserfassade) rüber in den privaten Raum. Einige Deutsche, denen Fremde auf der eigenen Strasse eh immer suspekt vorkamen, freuen sich, denn es wäre ja noch schöner, wenn jetzt jeder hier ferngucken könnte.

    Nicht um die kommerzielle Auswertung des öffentlichen Raumes sondern um die Sicherstellung der Möglichkeit diesen Raum auch digital abzubilden, kämpft die Aktion “Verschollene Häuser” – im Endeffekt geht es um ein wenig mehr Differenziertheit beim Einführen einer digitalen Ebene in der Öffentlichkeit. Differenziertheit – eine Eigenschaft, die es schon immer schwer hatte in Deutschland.

    Hauptsache dagegen, Hauptsache dafür – warum, wieso, weshalb – who cares….

    Auf einen guten ausgeglichenen Artikel von Simon Bieling sei noch hingewiesen:
    “Google Streetview – Über ein Bildlexikon und seinen Alleingeltungs-anspruch” neuegegenwart.de/aus...

  11. saizew

    @Jens Best

    Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, schon gar nicht wenn Du ständig versuchst, Deinen Widerpart in’s lächerliche zu ziehen oder eine Hass-Attitüde zu unterstellen.

    Wenn mich z.B. jemand, mit guten Gründen, darum bittet, bei einem Besuch keinen Hund mitzubringen, so kann (sollte) ich dies respektieren…
    Wenn ich jemanden an der Supermarktkette darum bitte, mir nicht mit dem Einkaufswagen zu nah‘ auf die Pelle zu rücken, so kann (sollte) er dies respektieren…
    Das ganze nennt sich Empathie.

    Wer sich auf die Fahnen geschrieben hat, ein (egal aus welchem Gründen) über 240 000x geäussertes Bedürfnis ausdrücklich zu ignorieren, der zeigt deutlich, dass es ihm an dieser Empathie mangelt und der braucht sich über entsprechenden Gegenwind nicht zu echauffieren.

    Und es geht ja auch gar nicht um die „harmlosen“ Hausfassaden. Niemand kann und wird Dich in Zukunft daran hindern, Gullideckel oder Hausfassaden von öffentlich zugänglichen Orten aus zu fotografieren.
    Wenn aber diese Bilder einer erweiterten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und mit weiteren Daten verknüpft werden bzw. verknüpft werden können, so wird genau hier eine Grenze überschritten, die viele Menschen nicht bereit sind hinzunehmen.

    Du willst bewusst diese Grenze nicht erkennen und respektieren, aber ich bin zuversichtlich dass Deine Robin-Hood-Attitüde keinen Bestand haben wird, wenn Dir und Deinen Mitstreitern von denjenigen, deren Wünsche und Bedürfnisse Du bewusst missachtest, ja quasi mit Füssen trittst, juristisch das Handwerk gelegt wird.

    „Unreflektierten Hass“ respektive „emotionale Aufgewühltheit“ zeigen vielmehr diejenigen, die vom Berauben fabulieren, vom Bombadieren der digitalen Öffentlichkeit,
    vom sozialen Krebsgeschwür, das es zu stoppen gilt; die Bedenken und (ja, leider auch unreflektierte) Ängste als Wehwehchen verniedlichen und der Lächerlichkeit preisgeben wollen,
    die Andersdenkende als Einfaltspinsel und Tore stigmatisieren wollen (Stichworte: DAU und Deutscher Michel) und die sich nicht zu schade dafür sind, dabei sogar Anleihen bei der grassierenden Islamophobie zu machen.

    Für solche Menschen wie Dich brauch‘ ich gar kein neues Pseudonym, mit solchen Menschen diskutiere ich gar nicht ernsthaft, solche Menschen diskreditieren und entlarven sich zum Glück selbst und stellen sich abseits jeder ernsthaften gesamtgesellschaftlichen Debatte, von der sie sich einbilden sie wären ein relevanter Teil davon, wie man schön an Deinem „Ausrasten“ auf slow-media beobachten konnte, wie man ja auch schön an Deiner Antwort auf Roland sehen konnte, den Du verunglimpfst und gleich niedere Motive unterstellst, weil er es wagt, eine andere, eigenständige Meinung zu haben, weil er nicht bereit war, sich Deinen Ansichten und Bedürfnissen ohne hinreichenden Grund zu beugen. Ein weiteres deutliches Zeichen für mangelhafte Empathie.

    Ich empfinde für Dich weder Hass, noch bin ich emotional aufgewühlt. Das einzige, was ich für Dich empfinde ist Mitleid, oder um es mit Deinen eigenen Worten zu schreiben: I pity you.

  12. the_stephan

    huch!

  13. Jens Best

    @saizew

    Da ist schon noch einige Aufgeregtheit bei dir und ich verstehe das.

    Zur Empathie: Ich habe im April (oder Mai?), also als die ganze Idee losging in einem DLF Interview gesagt, dass ich normalerweise jemand bin, dem Respekt vor Recht geht, wenn es um den höflichen Umgang miteinander geht. Auch was Empathie ist, brauche ich mir nicht erklären zu lassen (im Gegenteil ich habe es sie als wichtiges Element des gemeinschaftlichen Zusammenlebens in meinem ersten Kommentar drüben bei slow media angeführt, falls du ihn nicht gelesen haben solltest).

    Es mag also Menschen geben, die nicht möchten, dass ihr Haus fotografiert wird. Emotionale, psychische, familiäre Gründe – was auch immer, es geht mich nichts an, ich kann es einfach akzeptieren.

    Leider waren wir über diesen sehr wichtigen zwischenmenschlichen Stand der Diskussion im April weit hinaus. Streetview wurde medial und politisch missbraucht. Ich erinnere nur an Aigner oder die BILD-Artikel, in denen Passanten und irgendwelche C-Promis ihre Senf dazugeben durften, der oftmals auf grober Uninformiertheit und der Missachtung des öffentlichen Raumes beruhte – nix von wegen persönlicher Betroffenheit. Der Deutsche Michel war von der Leine gelassen und er durfte sich mal wieder so richtig aufregen.

    Nochmal, nur weil man Empathie empfindet, muss man nicht auf alles verzichten, was in einer Gemeinschaft erlaubt ist. Man sollte aber das Gespräch suchen, mit denen die in ihrer Irrationalität wichtige und richtige Punkte wie z.B. Datenmissbrauch mit gröbstem Blödsinn (Einbruch, Jobverlust…) verbinden.

    Statt aufzuklären und in der Differenziertheit die digitale Zivilgesellschaft zu stärken (und von mir aus auch parallel der digitalen Wirtschaft größere Riegel vorzuschieben) wurden medial und politisch die Irrationalitäten verstärkt. Der übereifrige Justizsenator aus Hamburg brachte gleich noch einen Änderungsentwurf in den Bundesrat erfolgreich ein, der sowohl von Vertretern der Wissenschaft als auch der Journalistenverbände als grober Eingriff in den öffentlichen Raum verurteilt wurde. – aber immer noch in der Luft hängt.

    Ich, und die teilnehmenden Fotografen, können nun nicht bei jedem Haus klingeln, das sie fotografieren werden. Trotzdem empfehle ich jedem das Gespräch zu suchen. Leider ist davon auszugehen, dass einige Bürger (nicht die mit echten Vorbehalten, die man respektieren kann) sehr unzivilisiert darauf reagieren werden. Dies zeigt, dass hier also auch mehrfach das „Recht“ auf Verpixelung bei der Google-Streeview-Version als allgemeingültiges Recht missverstanden wird. („Der darf das nicht, das ist verboten.“) Dies ist nicht der Fall, im Gegenteil gibt es genügend Urteile über Häuserfotografie und Veröffentlichung durch das BGH die in einem Abwägungsprozeß den Fotografen schützen.

    Auch beim Datenverknüpfen wäre ich mit dem Verdammen vorsichtig. Ersteinmal ist dies ein guter Vorgang, die Nutzung der Daten durch den Menschen ist es, die zu unberechtigten Benachteiligungen führen können. Aber der Mensch wird lernen, dass es mit dem größeren Teilen von Daten auch zu einer größeren Verantwortung kommt. Datenschutz ist nur eine Seite der Medaille, die andere heisst Informationsfreiheit – und die sollte man genau so verteidigen und fördern wie den Schutz der persönlichen Kerndaten. und insgesamt die breitere Nutzung des Web.

    Oh, und zu der Islamophopie fällt mir noch der „tolle“ Artikel in der Hamburger
    Morgenpost ein, in der der „Journalist“ über Streetview titelte „Auch in Burkina Faso kann man jetzt in Hamburger Vorgärten schauen“ ….Warum nur hat er Burkina Faso genommen? warum nicht Schweden, Canada oder Japan?…könnte man sich fragen. Es sind Ressentiments vorhanden die den öffentlichen Raum und seine Abbildung im Netz grundweg ablehnen – diese werde ich als Begründung nicht respektieren, weil es eine Missachtung des gemeinsamen Raumes an sich ist.
    Ein Raum, in dem nicht der Einzelne willkürlich bestimmt, was man darf und was nicht, sondern in dem es Absprachen gibt. Wenn diese sich ändern sollen, wird das nicht übers Knie gebrochen, weil irgendein Konzern irgendeinen Deal macht. Die Zivilgesellschaft muss sich ihren Aufgaben und Chancen im web klarer werden – das sollte von der Politik gefördert werden, nicht die Ängste und die Unüberlegheit.

    Es ist also eine Gemengelage. Ich hätte auch dazu aufrufen können, eine zivilgesellschaftliche Foto-Bildband-Alternative zu Streetview zu schaffen. Bei 5 Millionen Gebäuden brauchen 50.000 Leute nicht sooo lange dafür und mit openstreetmap.org gibt es auch eine freie Kartengrundlage dafür.

    Wie gesagt, ich bedauere es, dass ich dazu gezwungen bin den öffentlichen Raum zu verteidigen, weil, wie du richtig sagst, sicher auch der ein oder andere wirklich zu respektierende Wunsch eines Hausbesitzers vorliegt. Der mediale und politische Missbrauch der Debatte und die leider teilweise heftige Bestätigung meiner Befürchtungen (Unreflektiertheit, Hauptsache-Dagegen-Haltung etc.) lassen mir keine andere Wahl, es wenigsten symbolisch zu beginnen.

  14. Der Giza

    Ich wohne an einer stark befahrenen Berliner Hauptstraße. Darf ich jetzt allen verbieten, mein Wohnhaus anzusehen? Wo kann ich es pixeln lassen?

  15. Jogga

    Dave Gööcks Kommentar trifft den Kern des Themas in meinen Augen am besten.

    Google ist keine Öffentlichkeit. Das mag sein. Aber Google nutzt bzw. sammelt frei zugängliche Daten und veröffentlicht diese. Wenn wir das Google verbieten, verbieten wir es zugleich uns selbst.

    Dass das auf den Einzelnen zurückfällt vergessen wir vor dem Hintergrund, dass Google ein riesiger Konzern ist, der noch dazu in Deutschland bereits vor der Streetviewdebatte als Bedrohung wahrgenommen wurde (aktion-laeuft.de/VEG... Das müsste vor der Debatte gewesen sein!?)

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