08:22 Uhr
Ich breche: Eine Lanze für vodafone!
Jetzt reiten wieder alle auf vodafone herum – nur weil Gregor Gründgens, Director Brand und Marketing Communications bei Vodafone Deutschland, einen Spot freigegeben hat, den er zu Coke-Zeiten nichtmal zu Ende angeschaut hätte. Dabei ist vodafone doch schon gestraft genug, sind sie doch nun auch auf das trojanische Pferd hereingefallen.
Zeit, um mit einigen Vorurteilen gegenüber vodafone aufzuräumen:
Ich will – und ich kann – verdammt!
“Ich will, ich kann” ist nicht von JvM entwickelt, und geht auch nicht auf Udo Jürgens oder Viagra zurück, wie Olaf meint, sondern ist ein Zitat des kleinen (wertfrei, in Abgrenzung zum großen, Gustav) Gründgens, das im Streit mit der Agentur Scholz & Friends fiel: ‘Ich will, und ich kann die Agentur wechseln, wann immer ich will und kann.’ – ‘Das wollen wir doch mal sehen’, wird S&F geantwortet haben. – ‘Ich will, ich kann’, war die finale Antwort des Gründgens. Und jetzt haben wir den Salat – denn welche Agentur könnte je besser sein als die eigentlich von @nico geführte (nein, das weiß selbst er nicht).
Aber ich will nicht!
Und natürlich hätte JvM/vodafone auch diesen Spot (“Watch the Music Video Built By 24,000 Webcam Users“) drehen können, hätte eine komplette Social Media Aktion drumherum gebaut, hätte Deutschland und die Welt in Aufruhr und Verzückung versetzt, hätte für Gesprächsstoff, neue Anhänger und endlich den Beweis gesorgt, daß Taten mehr bewegen als Worte, hätte wirklich interagiert mit seinen Nutzern, Kunden, Fans, und hätte jede Stunde einen aktualisierten Spot zur Verfügung gestellt.
One Frame of Fame from Dom O'Brien on Vimeo.
Aber wen hätte es interessiert? Warum hätte man den ganzen Aufwand wagen sollen? Nur um sich selbst zu beweisen, was man selbst längst weiß? Das hat vodafone nicht nötig. Vodafone und Gregor Gründgens müssen niemandem mehr etwas beweisen. Vodafone ist ganz oben angekommen – und wird inzwischen in einem Atemzug mit Apple genannt (“Übrigens stelle man sich mal kurz vor, Zensor wäre hier nicht Apple, sondern Vodafone. Was dann los wäre, kann ich mir gut vorstellen”).
Aber wenn ich wollte, dann könnte ich – glaube ich. Was weiß ich.
Nein, vodafone ist inzwischen so groß, daß man den Markt macht, daß man mit Generik dafür sorgt, daß der Allergrößte, also man selbst, mit dem Markt wächst, und von allen Marktteilnehmern am meisten von einem Marktwachstum profitiert.
Natürlich wird sich mancher nach dem Sehen des Spots fragen, ob vodafone nun auch T-Shirts produziert, in Reinigungen oder den Modehandel investiert, und was der ganze offline-Quatsch mit der online-Welt zu tun hat, oder gar mit ihrer tatsächlichen Stammkundschaft – aber woher soll vodafone das wissen?
Spot, Slogan, Kampagne jedenfalls haben das Potential, nicht nur im TelCo-Markt abzuräumen, sondern überall. “Ich will die ganze Welt bewegen. Ich will. ich kann. power to you” – das ist Nivea, VW-Bus, RW-E-Strom, fleurop, Merci-Schokolade, Apple, Microsoft, Bauer sucht Frau, Shell, das ist einfach alles. Grandios!
Also laßt endlich vodafone in Ruhe. Sie müssen sich nun ganz auf ihr letztes, größtes Ziel konzentrieren, den Heiligen Gral des Telco-Marketings, den feuchten Traum jedes Marketers: daß der eigene Name vom größten Wettbewerber richtig geschrieben wird!
4 Kommentare
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- Mama2012: Meine Krabbelgruppe fällt schon längst nicht mehr auf Pampers herein, um ehrlich zu sein, wir benutzen die Windeln von Aldi, Rossmann...
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- David: Das Problem bei den Gehältern ist, das die unterschiedlichen Angestellten ganz verschiedene Verantwortungen tragen. Ich glaube wir sind uns...
- Clara: W&V habe ich seit letzten Monat nicht mehr abonniert. Die schreiben mir einfach zu viel Müll.
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Am 28. Oktober 2010 um 09:05 Uhr
Schön ist auch dieser Post! “Jung von Matt lässt Vodafone nicht nur alt, sondern auch wie T-Mobile aussehen” – von Olaf.
off-the-record.de/20...
Am 28. Oktober 2010 um 09:31 Uhr
Vodafone sollte lieber sein von Arcor übernommenes Call-Center-Problem (für Privatkunden, Businesskunden ist ok) in den Griff bekommen und an seiner miserablen Kundenfreundlichkeit arbeiten, anstatt sich nur auf indirekte Marktkommunikation zu konzentrieren. Sobald man mit dem Laden (als Verbraucher) persönlich in Kontakt kommt, führt sich dieses Unternehmen auf wie ein Herrscher im Absolutismus. Man kann mit denen nicht reden.
Am 28. Oktober 2010 um 14:16 Uhr
Du weißt noch nicht mal, wie Recht du wirklich hast. Vodafone sind einfach die Größten. Davor kommt eigentlich nur noch Jesus.
Am 28. Oktober 2010 um 14:20 Uhr
Jesus von Matt?