27.10.10
14:16 Uhr

Zwischen Preis und Leistung. Mischt Smart die Taxitarife auf?

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An einen kompletten Zufall kann ich nicht glauben. Eine der großen Hamburger Taxizentralen möchte im kommenden Jahr 200 Smarts als Taxen genehmigen lassen und zugleich einen speziellen -15% günstigeren- Taxitarif anbieten. Für die Mercedes/Smart Division wäre das ein netter Effekt, wenn neben der „Car2go“-Initiative auch über diesen Weg Smarts einen Absatzweg fänden. Aber zu welchem Preis? Kannibalisieren sich da nicht eher zwei Fahrzeugtypen aus einem „Stall“? Wer als Taxiunternehmer zukünftig ggf. ein (oder zwei, oder drei) Smarttaxen fährt, verzichtet in Zukunft vielleicht auf die klassische Limousine mit Stern auf der Haube…

Die Taxibetriebe in Hamburg jedenfalls sind alarmiert. Während die zuständige Hamburger Behörde das Projekt grundsätzlich wohlwollend betrachtet, drohen die anderen Taxizentralen in Hamburg schon einmal mit juristischen (Gegen-)Mitteln.

Wenn wir aber einmal von der konkreten Frage der eingesetzten Automarken absehen, könnte diese Aktion (endlich) eine Frage in den Mittelpunkt stellen, die mich als Verbraucher und Taxi-Fahrgast schon lange interessiert:

Wie kann es sein, dass ich als Fahrgast immer den gleichen Tarif zahle, egal ob ich in einem komfortablen Auto jüngerer Herstellung sitze oder in einer Chaise, die ausgeleiert, durchgesessen und dröhnend durch die Stadt rumpelt?!

Für diejenigen Taxiunternehmer, die tatsächlich ihre Autos pflegen, in regelmäßigen Zyklen Neuwagen erwerben und für diesen Qualitätsaspekt investieren, ist ein fester Tarif ein wirtschaftlicher Nachteil, denn die Transportqualität schlägt sich nicht im Preis nieder. Auf der anderen Seite belohnt das System Taxiunternehmer, die in kleinere und günstigere Fahrzeuge investieren, ggf. mit einem weniger wachsamen Auge auf Fahrzeugqualität und Pflegezustand.

Nach meinem Verständnis zahle ich als Taxi-Fahrgast nicht nur für den reinen Transport, sondern auch für Komfort, Service und Fahrer/Fahrerinnnen, die kenntnisreich durch die Stadt navigieren können ohnen den Fahrgast als potenziellen Lotsen zu nutzen oder seine iPhone-Navi als Streckenführer „auszuleihen“.

Und auch bei den reinen Fahrzeugklassen muss natürlich ein Preisunterschied exisitieren dürfen. Der  feste Taxitarif ist zwar im Namen des Verbraucherschutzes eingeführt worden und um Preistransparenz sicherzustellen. Letztlich aber ist das Modell ein Planwirtschaftsansatz, der Qualität, Service und Wettbewerb behindert.

Oder bin ich auf dem Holzweg?

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5 Kommentare

  1. Alphager

    taxi-blog.de/wordpre...

  2. eaglejump

    Den „gesunden Wettbewerb“ kann der Fahrgast selbst wieder herstellen, in dem er das Taxi aus der Warteschlange auswählt, dass seinen Vorstellungen z.B. hinsichtlich des Komforts oder des Allgemeinzustands am genehmsten erscheint.
    Es herrscht ja z.T. immer noch der Irrglaube, der Fahrgast sei verpflichtet, stets das erste Taxi in der Reihe zu nehmen.
    Bei telefonischer Beauftragung kann er gezielt den Unternehmer mit der gepflegtesten Fahrzeugflotte anrufen.

    Die erstgenannte Verfahrensweise „funktioniert“ jedenfalls immer, soweit mehrere Taxen zur Auswahl stehen.

  3. Dr.-Schiwago-Mutter

    > Kannibalisieren sich da nicht eher zwei Fahrzeugtypen aus einem “Stall”?

    Naja, kannibalisieren ist in diesem Zusammenhang ein böses Wort. Ich nehme mal an, in der Mehrzahl der städtischen Taxifahrten sitzt hinten rechts ein einsames Menschenkind mit Handköfferchen – und dafür werden dann 1,5 Tonnen mit 120 PS in Bewegung gesetzt. Insofern ist ein Smart hier doch eine smarte Lösung, die über einen billigen Werbeeffekt hinaus ein Weiterdenken („Wir haben verstanden“) zeigt, oder?

  4. ralf schwartz

    Smart könnte natürlich auch den ganzen Schritt gehen > „Electric taxis coming to San Francisco Bay Area“, statt so halbe Sachen wie oben zu machen.
    engadget.com/2010/10...

  5. Arne

    Ich bin selber 2 Jahre lang Taxi gefahren. 12 Stunden bei miesem Gehalt teilweise wochenlang am Stück, ist und war keine Seltenheit. Wenn ich überlege, ich hätte Smart fahren müssen, dann würde ich jetzt wahrscheinlich nicht einmal mehr den Wacom-Stift halten können.

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