22.10.10
11:03 Uhr

Feuchte Träume ade: Vogue-App ab 17 Jahre

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Das macht Sinn in den Zeiten dieses rechtsfreien Raumes Internet, der nur noch mit RTL2 in den Griff zu bekommen ist: die Vogue-iPad-App zum eigenen 90sten Geburtstag ist erst ab 17 Jahren zum Verzehr freigegeben!

Und warum das? Nun, im App(le)-Store wird das so beschrieben: „Sexuelle Inhalte oder Nackheit“ sind „selten/schwach ausgeprägt“, „Szenen mit erotischen Anspielungen“ aber sind „häufig/stark ausgeprägt“, und das geht natürlich gar nicht mit 16! Das geht erst mit 17!

Wir nähern uns den Zeiten, in denen Jugendliche nicht mehr dem Führerscheinalter, sondern dem Vogue-iPad-App-Alter entgegenfiebern.

Ich frage mich nur, wie die gedruckte Vogue es schaffen konnte, über all die Jahre frei im Handel verfügbar zu sein, wenn sie anscheinend in ihrer App-Form derart jugendgefährdend ist!? Ein Skandal, oder? Diese Schweinereien in jedem Kiosk frei einsehbar, an jedem Bahnhof goutierbar, in jeder guten Buchhandlung kaufbar.

Fragen muß man sich natürlich, was wohl einen 16-jährigen Menschen zB an diesem Cover erschüttern könnte?

Vogue01
Courtesy of Vogue.fr

Etwa diese natürliche Schönheit, die einem in ihrer ganzen Pracht auch von unserer Kanzlerin und von Stephanie zu Guttenberg entgegengeworfen wird?

Da sieht er oder sie doch in jedem Museum, für das er oder sie sich den Eintritt noch leisten kann ‚Schlimmeres‘:

Vogue02
Found at wikipedia.

Vielleicht haben Vogue/Apple aber nur Angst, daß Jugendliche direkt wieder an


Via cracksinourheartsandheads.

denken – oder gar an:


Via ellephanta.

Nur gut, daß sich die (Deutsche Vogue (rechts) da eindeutig distanziert – nicht nur von der App zum 90sten Geburtstag (ich zumindest konnte sie auf der klar strukturierten Site nicht entdecken), sondern direkt vom gesamten Vogue.fr-Auftritt (links):

Vogue03
Click image for a larger version.

Denn: Was kann es Schöneres für eine 90-jährige Marke geben als den Verlust ihrer Identität zugunsten von ein wenig Werbung? Die Reduktion von Erhabenheit zugunsten der Annäherung an die konsumerischen Massen? Den Verzicht auf ein klares, klassisches Vogue-Layout zugunsten eines weihnachtlichen Versand-Shop-ähnlichen Bauchladens?

Während weder Apple, noch die Vogue selbst verstanden haben, daß Mode immer Erotik pur ist, und auch zu nichts anderem dient (auch wenn der deutsche Gummisohlen-zum-Anzug-Träger, etc. das noch nicht verinnerlicht haben mag), und das auch nicht verwerflich ist, wie jede Frau weiß, so scheint die Deutsche Vogue das Konzept ihrer französischen Mutter erst gar nicht verstanden zu haben. Aber geht es nicht den meisten deutschen Töchtern so?

Statt zur App also geht es für die Jugend wieder an den Kiosk … hat auch sein Gutes.

Nun, zum Glück gibt es auch einen rationalen, seriösen (was immer Ihr braucht) Grund, warum man sich die Vogue-App ansehen sollte: „The tablets are the perfect medium for every visual element to tell a mini story, and Vogue has done it superbly well. Each unit on the screen is self sufficient: the eye, the brain and the finger are all stimulated simultaneously. This is what it is all about.“

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16 Kommentare

  1. ramses101

    Apple hat halt keine Lust mehr, cool zu sein. Anders kann ich mir das nicht erklären. Wie man trotz App-Zensur noch auf Apple zurückgreifen kann, wenn es ums Mobile-Web geht, ist mir ein Rätsel. Design. Ok. Vorgekaute Usability. Ok. Für alle anderen gibt es Android.

  2. Felix

    Zum Glück weiß Apple ja, was gut für uns ist. Wie wärs mit einem Maximalalter, um den Blutdruck älterer Menschen beim Anblick von nackter Haut nicht zu gefährden?

    Das passiert halt, wenn man die Zensur den Unternehmen überlässt. Eine staatliche Regulierung würde solche Willkür ausschließen.

  3. ralf schwartz

    @felix
    Ohne ihn in Schutz nehmen zu wollen, scheint er zu Teilen die staatliche Willkür nur vorwegzunehmen.
    Und meine Erfahrung (der letzten 30 Jahre) sagt mir, vor der (staatlichen) muß man sich mehr in Acht nehmen.

  4. Lesetipps für den 25. Oktober | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

    […] & APPLE Feuchte Träume ade: Vogue-App ab 17 Jahre: Das macht Sinn in den Zeiten dieses rechtsfreien Raumes Internet, der nur noch mit RTL2 in den […]

  5. ramses101

    @Ralf: Apple zensiert hier einen Inhalt, der offline nicht zensiert wird. Wenn auch die gedruckte Vogue für unter 17-jährige nicht erhältlich wäre, würde ich das zwar auch schwachsinnig finden, aber meine Güte. Das wären dann eben die Regeln, die ein (immer noch) demokratisch legitimierter Staat festgsetzt hätte.

    Das ist mir 100 Mal lieber, als eine von einem Wirtschaftsunternehmen festgesetzte Regel. Wenn Apple etwas sexuell anstößig findet, ist das ja schön und gut. Aber dann sollen sie es halt nicht anbieten, fertig aus. Apple bestimmt hier die Regeln neu, was zumutbar ist und was nicht.

    Aber das ist vermutlich eh nur eine Momentaufnahme. Über kurz oder lang wird auch Apple seine App-Politik der Realität anpassen müssen. Oder halt bockig bleiben und dafür auf Marktanteile verzichten. Würde mich auch nicht wundern.

  6. ralf schwartz

    @ramses101
    Vollkommen richtig. Und bei Apple hat man immer noch die Chance, einfach NICHT zu kaufen.

    Hier ein guter Post zum Thema > Dictatorship vs Democracy: fastcompany.com/1697...

  7. App 17 « 21st Century Cat

    […] Sie dazu Ralf Schwartz im Werbeblogger. ▶ Keine Antworten /* 0) { jQuery('#comments').show('', change_location()); […]

  8. ramses101

    Mir ging es jetzt weniger um wirtschaftliche Diktatur vs. wirtschaftliche Demokratie, sondern um staatliche Willkür vs. wirtschaftliche Willkür. Ich bin durchaus der Meinung, dass es in der Erotik Altersgrenzen geben sollte. In Deutschland darf man sich PrOn anschauen, sobald man erwachsen ist. Natürlich ist das auch eine willkürliche Grenze, aber irgendwo muss sie gezogen werden und der Eintritt ins Erwachsenendasein leuchtet mir ein.

    Mit dieser Festlegung wird genau die Willkür, vor der man sich deiner Meinung nach mehr in Acht nehmen müsste, komplett ausgeschaltet. Es kann kein Gericht mal so, mal so urteilen.

    Wenn jetzt ein Unternehmen ankommt und seine eigene Grenze zieht, ist das natürlich nicht sonderlich gefährlich, sondern eher putzig bzw. nervig, je nachdem ob man Zuschauer oder User ist.

    Aber auch nur so lange, wie sich Unternehmen zumindest in der oberen Grenze an die staatliche „Willkür“ halten müssen. Ein PrOn-Produzent darf ja im umgekehrten Fall die Altersgrenze nicht auf 16 senken. Das fände ICH wesentlich bedenklicher. Anders wäre es natürlich, wenn der Staat tatsächlich willkürlich entscheiden würde, was gerade die genehme Grenze ist.

    Dass ich bei zensierenden Unternehmen die Möglichkeit des Verweigerns habe, ist ja völlig klar.

    (Übrigens stelle man sich mal kurz vor, Zensor wäre hier nicht Apple, sondern Vodafone. Was dann los wäre, kann ich mir gut vorstellen.)

  9. ralf schwartz

    @ramses101
    Verstehe.

    „(Übrigens stelle man sich mal kurz vor, Zensor wäre hier nicht Apple, sondern Vodafone. Was dann los wäre, kann ich mir gut vorstellen.)“
    Wohl war. Schon interessant, welche Unterschiede da mancher macht.

  10. Martin

    @ralf
    Ich kann dieses App/Apple Bashing nicht bzw. nur teilweise nachvollziehen.
    Niemand fragt nach dem wirklichen Grund für diese durch Apple umgesetzten Restriktionen, sondern alle vermuten bloß dass Apple (oder noch besser: Steve Jobs persönlich) sich zur moralischen Instanz aufschwingt.
    Den einzigen „Vorwurf“ den man IMHO Apple machen kann, ist, dass Apple sich nach dem weltweit schärfsten Jugendschutz richtet und nicht die gesetzlichen Vorschriften für jedes Land dieser Erde separat auslotet und die App jeweils anpasst.
    Und, Ralf, es gibt in vielen Länder (gesetzliche) Unterschiede für den Jugendschutz bei Online- und Print-Produkten.

  11. ralf schwartz

    @martin
    Das ist kein Bashing, ich drücke nur meine Verwunderung aus.
    Und der „weltweit schärfste Jugendschutz“ würde höchstwahrscheinlich selbst dieses Cover (siehe oben, Lara Stone) nicht erlauben …

  12. ramses101

    @Martin: Wenn sich Apple nach dem „weltweit schärfsten Jugendschutz“ richtet – welcher soll das denn sein? Und wo gibt es Unterschiede zwischen off- und online? Das mein ich übrigens nicht patzig oder so, ich würde das wirklich gerne wissen.

    Und mal angenommen, Apple orientiert sich tatsächlich am strengsten Jugendschutz der Welt: Was wäre dann mit eine App der Jugendzeitschrift BRAVO? Die müsste dann ja ab 21 oder so sein. Und warum gilt das alles nicht für sexistische Rap-Mucke?

    Der tatsächliche Grund würde mich also wirklich interessieren. Die Theorie „mit dem strengsten Schutz sind alle anderen abgedeckt“ überzeugt mich jedenfalls nicht. Regionale Unterschiede sind online eigentlich kein Problem, siehe Sony/Youtube.

  13. Martin

    Die App-Store Richtlinien zum Nachlesen:
    stadium.weblogsinc.c...

    Zum Thema Unterschied online/offline z.B. hier:
    forum-jugendschutz.d...
    (Beachte das „darüber hinaus…“)
    Das betrifft jetzt nur die BRD, in anderen (auch europäischen Ländern) gibt es noch schärfere Regulierungen (auf die ich, des Umfanges wegen, nicht näher eingehe. Ihr könnt das selbst recherchieren ;-))

    @Ramses101: Ich stimme dir zu, dass regionale Regulierungen tatsächlich kein Problem wären, wenn Apple sie denn wollte. DIESEN Vorwurf erhebe ich ja eben auch….

  14. ramses101

    Vielen Dank. Aber der zwote Link untermauert nicht das Argument, etwas, das offline ohne Altersbeschränkung zu haben ist, müsse online auf irgend einen Index. Wo sollte der denn auch herkommen?

    Und was den App-Store angeht: „I’ll know it when I see it“. So in etwa hab ich mir das schon gedacht. Und es ist ja auch völlig ok. Das sind eben die Rahmenbedingungen, die ich entweder akzeptiere oder eben nicht.

    Ich glaube, Apple verrennt sich da. Das Werbekonzept „I’m a mac – I’m a PC“. Passt da zum Beispiel überhaupt nicht mehr rein. Apple war immer cooler. Und ich war immer gerne Apple-Fanboy. Bis mir Apple vorschreiben wollte, welchen Mobilfunkanbieter ich wählen soll, wenn ich Apples Hardware haben will. Und seitdem ist es nicht besser geworden. Im Gegenteil.

  15. Ich breche: Eine Lanze für vodafone! | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] Aber wen hätte es interessiert? Warum hätte man den ganzen Aufwand wagen sollen? Nur um sich selbst zu beweisen, was man selbst längst weiß? Das hat vodafone nicht nötig. Vodafone und Gregor Gründgens müssen niemandem mehr etwas beweisen. Vodafone ist ganz oben angekommen – und wird inzwischen in einem Atemzug mit Apple genannt (“Übrigens stelle man sich mal kurz vor, Zensor wäre hier nicht Apple, sondern Vodafo…). […]

  16. oli

    Apple und seine Richtlinien passen sich anscheinend einer völlig ausufernden political-correctness an, die inzwischen auch die zu den akten gelegte Sexualmoral zurückkommen lässt.

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