22.09.10
14:31 Uhr

Das Ende von SEO, wie wir es kennen, in drei einfachen Schritten

Anläßlich der Einführung von Google Instant Search prophezeite Steven Rubel letzte Woche in seinem Beitrag “Google Instant Makes SEO Irrelevant” den Niedergang von SEO. Sein Argument setzt darauf auf, daß durch Google Instant jeder Mensch andere Suchergebnisse sehen wird, da Echtzeit-Feedback das Suchverhalten verändert und damit auch die Suchergebnisse und so fort. Traditionelle Strategien, um Websites in Trefferlisten nach oben zu bringen, die für die Allgemeinheit ausgeliefert werden, würden damit obsolet. Diese These blieb in den Kommentaren nicht unwidersprochen, und einige Aspekte sind sicherlich überdenkenswert. Kritik jedoch, die darauf abzielt, den Effekt herunterzuspielen, berücksichtigt nicht den Kontext. Innerhalb des Kontextes bedeutet Google Instant nur einen zweiten Schritt: Der erste Schritt war Google Social Search, eine Entwicklung, über die ich im Kielwasser von Rubels Blogpost mit etwas mehr Gas in “‘SEO’s dead, baby, SEO’s dead’: Content, Conversation und True SEO” schrieb. Zur Zeit sind die Effekte auf die Suchergebnisse sicher noch überschaubar, aber der Trend geht eindeutig in Richtung personalisierter Trefferlisten, und das ist Gift für SEO, wie wir es kennen.

“Content, Quality, Conversation”: Dies sind die wichtigsten Parameter für die Plazierung in personalisierten Trefferlisten. Zum dritten Parameter kann ich Cory Doctorow gar nicht oft genug zitieren:

Content isn’t king. If I sent you to a desert island and gave you the choice of taking your friends or your movies, you’d choose your friends—if you chose the movies, we’d call you a sociopath. Conversation is king. Content is just something to talk about.

Dazu gibt es eine weitere erfreuliche Meldung, ausführlich kommentiert von Nick Usborne in “3 Reasons why writing more articles may not be your best web content strategy”: Die Auswirkungen von Googles letztem Mayday-Update als längst überfällige Maßnahme, um Content-Farmen das Wasser abzugraben. Für tatsächlich inhalts- und qualitätsorientierte SEO-Strategien waren Content-Farmen generell ein Problem, für die übliche SEO-Meute und deren Kunden im Traffic/Anzeigen-Geschäft jedoch ein lukratives Feld.

Dies hat begonnen, sich zu ändern:

The scale of the article-writing craze has reached a level where Google is taking notice, and taking steps to place those low-quality articles where they belong—on page 20 of the results. […] In the words of Google spokesman Matt Cutts, “This is an algorithmic change in Google, looking for higher quality sites to surface for long tail queries. It went through vigorous testing and isn’t going to be rolled back.”

Put simply, Google is working to identify all those low-quality, 350-word, highly optimized articles, and dump them.

Dieses Google Update ist aber nur einer von drei Sargnägeln für Content-Farmen. Der erste Sargnagel war die selbstgestrickte Überflutung (“The web is being flooded with short, low-quality, optimized articles”), der zweite Sargnagel die Entwicklung von Social Media und das veränderte Webverhalten. Denn dadurch können Content-Farmen mittlerweile nur noch einen von drei wichtigen Parametern bedienen, nämlich Content. Neben Quality bleibt nun auch Conversation außen vor.

Hinsichtlich der Implikationen für SEO halte ich dies insgesamt für eine gute Entwicklung. Auf einem anderen Gebiet birgt sie Gefahren. Während eine von Social Search, Instant Feedback und ähnlichen Technologien geprägte Suche auf der einen Seite spektakuläre Mengen an stinkendem Sondermüll aus den Suchergebnissen herausfiltern kann, konfrontiert sie uns auf der anderen Seite zunehmend mit Inhalten und Konversationen aus unserem Umfeld — mit Meinungen, die wir bereits teilen, von Menschen, die wir bereits kennen. Und könnte damit unsere menschliche Tendenz fördern, nur das zu hören, was wir hören wollen.

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17 Kommentare

  1. Rike

    Ein interessanter Artikel, der viele wichtige Punkte anspricht. Zum Fazit möchte ich ergänzen, dass die Überflutung an Meinungen (“x empfiehlt dies”, “y findet das gut”, “z liest gerade…”) für alle Teilnehmer des Web 2.0 sowieso schon längst Realität ist. Daher meine Frage: Ist es nicht nur konsequent, wenn diese Überflutung auch in den SERPs abgebildet wird?

  2. Manuel

    Die gleiche These gab es in letzter Zeit im direkten SEO Umfeld häufig zu lesen.
    Erst gab es die Aussage, dass SEO generell tot ist. Die Diskussion endet dann im Blog von Marcus Tandler => mediadonis.net/seo-i... (da dürften auch alle übrigen relevanten Beiträge verlinkt sein)

    Und als dann Google Instant gelauncht wurde ging die Diskussion wieder von vorne los ;)
    Allerdings darf man nicht vergessen, dass Google Instant nur den Leuten zur Verfügung steht, die aktiv mit einem Google Account angemeldet sind und suchen. Das dürfte ein sehr sehr kleiner Prozentsatz aller Google Nutzer sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Google Instant für alle Benutzer freigeschalten wird, ist meiner Meinung noch auch sehr gering.
    Denn ein 0815 User ist wahrscheinlich hoffnungslos damit überfordert wenn sich Suchergebnisse ständig ändern und er bei jedem Buchstaben den er tippt neue Ergebnisse bekommt.
    Leider ist dieser 0815 User nicht unbedingt kompetent im Umgang mit dem Internet.
    Die meisten User im Internet würden wahrscheinlich ihre eigene Mutter darauf verwetten, dass alles was blau und unterstichen ist auch angeklickt werden kann.

    Gestern wurden bei SEOmoz (seomoz.org/blog/goog...) ein paar Zahlen zum Thema Instant veröffentlicht. Da sieht man aktuell noch keinen großen Unterschied zu früher.

    Alles in allem glaube ich, dass sich für SEO nicht viel ändern wird. Die Branche muss sich wie jede andere Branche im Internet auch an die Zeiten anpassen, aber solange der größte Teil der User den Weg über Suchmaschinen zum Ziel geht wird es auch noch Platz für SEO geben.

    LG Manuel

  3. Markus Bauer

    Feedback in 3 einfachen Statements: logisch und nachvollziehbar argumentiert, sehr ansprechend formuliert, bitte weiter so

  4. Maxim

    Ein echt guter Artikel zum Thema

    @ Manuel
    Sicherlich sind jetzt erstmal die angemeldeten drann, was bei der personalisierten Suche aber auch der Fall war. Es wid wohl auch nicht so schnell public gehen wie das Webprotokol, dennoch sind die User mit Google Account nur Beta-Tester, bis Google genügend Daten hat um eine Entscheidung zu treffen.

    Natürlich wäre eine Gruppe von Usern mit Instant erstmal überfordert, um diese nicht abzuschrecken ist aber nur eine auffälligere Gestaltung, des “Abschalten” Buttons, erforderlich und irgendwann finden auch diese sich damit zurecht. Sie haben schließlich kaum eine Wahl.

    Daher denke ich schon, dass Instant irgendwann public gehen wird.

    Für SEO ansich wird sich wohl kaum etwas ändern, man muss sich nur fragen für welche Art Projekt man SEO einsätzt, ist es eine Contentschleuder zum Links vermieten, eine Presellpage, oder ein Highquality Projekt mit irgendeiner Art von Mehrwert ect.
    Das letztere gewinnt sowohl in der personalisierten Suche als, auch bei Instant.

    Bei den ganzen Posts darüber das SEO tot sei oder am sterben ist wird immer eines außen vor gelassen, nämlich der Bezug auf das Projekt. Webprotokol und Instant machen SEO für einige Projektgruppen schwieriger, am SEO ansich ändern beide aber kaum etwas.
    Wichtiges bleibt immernoch wichtig und bisher unwichtiges wird etwas wichtiger, mehr ist es auch nicht.

    Grüße

    Maxim

  5. Manuel

    Viel problematischer ist doch, dass bei bestimmten Begriffen die umherspringenden Webseiten unter dem Schlitz ausbleiben. Da gab es vor ein paar Tagen eine heiße Diskussion im englischsprachigen Web – ging um “gay” und “lesbian”.
    z.B.: huffingtonpost.com/2...
    Sprich: Zu etlichen Begriffen wird nix ausgespuckt. Das gilt nicht nur für “pr0n” oder hate-speech (für den deutschen Index: AchGut und PI werden übrigens nicht gefiltert), sondern für alle Suchbegriffe, zu denen Google (noch) keine Vorschläge hat.
    In SEO-Kreisen heißt es jetzt schon: Oh Gott – bloß nix mehr optimieren, was nicht eine “Suggestion” hat.
    Dadurch wird das Wissen auf Dauer immer kleiner.

    Denn ich wette mit euch, dass es nur einige Zeit dauert, bis Google die Leute dahin “erzogen” hat, anders zu suchen – und bei “leeren Feldern” neu zu suchen, statt einfach ENTER zu drücken und die gefilterten Ergebnisse auf normalem Weg zu erhalten.

    Alles Quatsch? Ich finde, das ist genau so “absurd” wie die Tatsache, dass unglaubliche viele Leute auf den “nullten” Eintrag in der Suche klicken (sprich: die Google Anzeigen ÜBER den Ergebnissen). Weil sie es nicht merken, dass das Anzeigen sind. Auch wenns da steht.

    Traurig aber wahr.

  6. Gretus

    Hallo,

    SEO bedeutet Webseiten für Suchmaschinen zu optimieren. Wenn sich Suchmaschinen ändern, bedeutet dieses nicht dass SEO tot ist, sondern dass sich SEOs den Veränderungen anpassen müssen.

    Wenn SEO irgendwann bedeutet, eine Webseite in den Einzugsbereich personalisierter Ergebnisse zu bringen und fortlaufend auf deren individuelle Akzeptanz zu überprüfen, wird die Optimierung von Webseiten wichtiger als jemals zuvor.

    Grüße

    Gretus

  7. Manuel

    @Maxim:
    “bis Google genügend Daten hat” ist ein gutes Stichwort. Mit Google Instant hat es Google jetzt fertig gebracht, dass bei jedem Tasten Anschlag Google Daten sammelt und nicht mehr wie gehabt erst beim Drücken der Enter Taste.
    Bei jedem Tasten Anschlag (sogar wenn man auf Backspace drückt) fängt Google jetzt 20 Parameter ab. Zusätzlich werden auch noch Parameter zur Coursor Position abgefragt. Alles in allem werden jetzt ca. 30 Paramter zur User Interaktion abgerufen. Früher als nur Suggest aktiv war, waren es ca. 10 Paramter ;)

    Also Google hat es nicht nur geschafft eine (tolle) neue Funktion freizuschalten, sondern sammelt jetzt im gleichen Zug auch noch 3x so viel Daten wie vorher.

    Allgemein bin ich trotzdem der Meinung, dass es entweder noch sehr lange dauert bis alle User Google Instant nutzen können, oder es im Zweifel gar nicht public geschalten wird.

    Schlaue SEOs können aus Google Instant auch noch einen kleinen Vorteil ziehen, der bei Suggest schon teilweise vorhanden war. In Zukunft muss man nicht mehr raten welche Keywords der User evtl. sucht, sondern diese Keywords werden präzise von Google vorgegeben und jeder kann sie ganz einfach abfragen.

    Ein weiterer Vorteil/Nachteil von Google Instant ist, dass man Google Suggest nicht mehr so leicht manipulieren kann.

    Alles in allem warte ich jetzt nur noch darauf, dass ich einfach Google öffne und schon erste Suchergebnisse geliefert bekomme ohne auch nur einen Buchstaben einzutippen.

    LG Manu

  8. Thomas Thaler

    @Manuel Hab im ersten Moment auch gedacht “Irrelevant, wie viele User haben da draussen denn einen Google Analytics, Adsense, Adwords oder Webmaster-Account? 0,1%?” Ein Buddy neben mir gab mir dann das Stichwort GMail – da schaut die Sache schon mal ein wenig anders aus.

    Mittelfristig denke ich, wird Instant Search ganz normal in *jeder* Googlesuche aktiviert sein. So wie wir das von Facebook und Konsorten in Wahrheit ja schon längst gewohnt sind.

  9. a

    Ha.

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  11. AndreasK

    Ein kurzer, optimierter Artikel, aber mit hoher Qualität :o)

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  14. Werbemittel Seo

    Hallo,
    die Ansätze sind sicher richtig. Es wird aber nach wie vor nicht bei Google registrierte Nutzer geben, die sich mit Themen bescäftigen, die vielleicht vorher irrelevant waren.
    Interessen ändern sich so schnell wie das Leben……
    Was heute ist, wird morgen anders sein…

  15. Google Instant’s finanzielle Auswirkungen | Mein Marketing-Blog. | Ispey Seo Expert

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  16. Mark aus Hamburg

    Ein wichtiges Thema, dass uns in nächster Zeit begleiten wird.

    Übrigens: Das Buch und die Zeitung wurden auch schon für tot erklärt.

  17. Leo

    Ein wahrlich interessanter Artikel, der viele wichtige Punkte anspricht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in 10 bis 20 Jahren SEO betrieben wird. Google ist auf dem besten Weg es den SEos immer schwieriger zu machen… Eines Tages kommt der Zeitpunkt, an dem SEO und das Bemühen um Backlinks zuviel Aufwand kostet.

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