17.09.10
12:11 Uhr

Das Leben im Flow. Selbstbestimmung statt Körperverletzung.

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Der 15. Deutsche Trendtag, bei dem unter anderen unser damaliger Podiumsteilnehmer der remix09, Prof. Peter Wippermann maßgeblich engagiert ist, hat für das Jahr 2010 den Flow auf die Agenda gesetzt und titelt die diesjährige Veranstaltung: Flow. Control.

Die Veranstaltung will beleuchten, wie die Menschen sich im dauernden Fluß von Informationen und sozialer Interaktionen auf digitaler Ebene bewegen, welche Filterfunktionen dabei hilfreich sind und welches Selbstverständnis im Umgang mit einem potenziellen Informations-Überfluss sich abzeichnet.

Viele Beiträge auch im Werbeblogger haben dieses Thema bereits angeschnitten und zum Teil kontroverse Diskussionen ausgelöst. Vor allem der FAZ-Mitherausgeber und Buchautor Frank Schirrmacher steht mit seinem Titel „Payback“ im Mittelpunkt, eine Gegenthese stellt u.a. Clay Shirky auf und das „Slow Media Manifest“ greift das Thema von der Angebotsseite der Inhalte und ihrer Qualität auf.

In diesem Zusammenhang auch interessant ist der sehr verdichtete, aber ebenso hörenswerte Beitrag von Prof. Peter Kruse auf der republica 2010, der skizziert, warum uns allen gar nichts anderes übrig bleibt, als mit dem System „Internet“ zu lernen und unser Informationsverhalten den neuen Erfordernissen anzupassen.

Allen Thesen ist gemein, dass das „Abschalten“ des Systems an sich nicht funktionieren wird, andererseits aber durchaus Mechanismen für jeden Einzelnen existieren, sich mit der Informationsflut zu arrangieren. Während Frank Schirrmacher -vielleicht auch getrieben durch seine Profession als „Gatekeeper“ der klassischen Nachrichtenwirtschaft“- wieder Herrscher über den Informationsfluß werden will, gibt es andere Strategien, die davon ausgehen, dass die Informationen grundsätzlich gar nicht mehr alleine beherrschbar oder kontrollierbar sind. Diese Haltung führt zu einer gewissen Gelasssenheit im Umgang mit der Flut, die sich dann eher als Flow zeigt, der als Teil des digitalen Lebens ohne pathologische Symptomatik und Web 2.0-Burnout-Syndrome integriert werden kann.

Auch Social Media Scholz&Friends Man Nico Lumma gab dazu in einem Video-Interview seine Einschätzung ab. Angenehm gelassen und ohne die an anderer Stelle gelegentlich spürbaren Erschlaffungserscheinungen bei seinen Podiumspräsenzen hat er zu den aktuellen Themen seine Erfahrungen geschildert, die ich teilen kann.

Interview mit Nico Lumma (Teil 1) Interviewreihe zum 15. Deutschen Trendtag from Trendbuero on Vimeo.

(Teil 2)

Besonders relevant und vermutlich das Schlüsselargument gegen die Angstschürer einer nicht mehr beherrschbaren Netzteilnahme ist die Beschreibung, dass für ihn persönlich wichtige Themen bei ihm ankommen, ohne dass er im Multitasking-Gewitter umkommt. „If the news is important, it will find me.“ ist auch mein Credo. Dabei ist es eben entscheidend, wie man sich zuvor seinen sogenannten „Sozialen Graph“ aufgebaut hat, mit welchen Menschen man Informationen auf welchen Plattformen teilt und welchen Personen man „followed“. Der eigene Filter setzt hier also eigentlich eher bei den Menschen an, nicht bei den Inhalten.

Die große Gefahr ist nur, dass man ausschließlich Menschen in seinem sozialen Graph folgt, die sich allzu oft mit der eigenen Meinung und Haltung vertragen. Wer das tut, wird genau das Problem der „Echochamber“ erfahren, in welchem allzu selbstreferenziell digitales Ping Pong gespielt wird. Die persönliche Herausforderung ist es also, sich auch mit denjenigen Personen auf fachlicher Ebene zu verknüpfen, die eigenen Überzeugungen vielleicht auch kritisch gegenüber stehen. Somit sind die im eigenen „Flow“ aufschlagenden Infos nicht nur relevant sondern für die persönliche Weiterentwicklung durch den sprichwörtlichen Blick über den Tellerand hilfreich.

6 Kommentare

  1. Vroni

    Ohne jetzt auf die einzelnen Beitragsleister einzugehen:
    Der Titel der Veranstaltung
    „Flow. Control.“

    Der Begriff Flow in diesem Kontext kokettiert wohl mit dem FLOW von Mihaly Csikszentmihalyi.
    Haut nicht ganz hin, denn der Flow laut M. C. ist eher als Glückszustand zu betrachten als ein Kommunikationfluss.

  2. Nico

    das mit den spürbaren Erschlaffungserscheinungen weise ich natürlich entrüstet von mir.

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Vroni. Ja, ist mir auch aufgefallen, dass der „Flow“ hier zwei Bedeutungen haben könnte oder sollte -und der Vergleich leicht hinkt. Es sei denn, man versteht den Flow im Netz als hingebende Leidenschaft im Einklang mit sich selbst. Aber das würde zuweit führen ;-)

  4. Trendtage | NeueWerbung

    […] Das Leben im Flow. Selbstbestimmung statt Körperverletzung.—Roland Kühl-v.Puttkamer, werbeblogger […]

  5. Mark

    Selbstbestimmung statt Körperverletzung ist ein schöner Titel und der Beitrag hat mir gut weitergeholfen, Danke.
    Flow Control heisst bei mir Datenflusssteuerung. Ich bin Amerikaner und lasse mich von drei aufeinanderfolgende ’s‘ nicht kirre machen. Datenflusssteuerung ist wirklich auch ein Glückszustand wie Vroni berichtet, nämlich dann, wenn mir relevante Informationen zukommen wie es dem gelegentlich erschlaffenden Nico geschieht. Sonnige Grüße aus Aschaffenburg

  6. Benedikt

    Ich frage mich, ob der Begriff „Flow“ hier so passend ist. Im Kern geht es doch darum, eine neue technologische Landschaft für sich nutzbar zu machen, ohne sich von ihr beherrschen zu lassen. Vielleicht ist dann doch die gute alte Metapher des „Surfens“ gar nicht so schlecht. Ein Surfer, der sich von der Welle treiben lässt, kommt nicht weit, er muss wissen, an welchen Stellen er ihr wie viel Widerstand leisten muss, um oben zu bleiben und nicht im „Flow“ unterzugehen.

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