06.09.10
13:29 Uhr

Google Gardenview. Ich fang dann mal an…

Streeview Gardenview

Eigentlich sind wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen, was die Digitalisierung unseres realen Lebensumfeldes betrifft. Google Maps, Google Earth, Google Streetview, Standort-Ortung und das ganze Geolocation Marketing, was nun überhaupt nicht erst mit Google Einzug gehalten hat, ist erst der Anfang. “Gardenview” oder “Backstreet-View” könnte bald folgen.

Sind wir konsequent und überzeugt, dass die vollständige Abbildung der Welt auf die digitale Ebene ein natürlicher und faktisch unaufhaltsamer Evolutionsprozess ist, dann sollten wir aber aufhören, wie die Datenschützer von vorgestern zu jammern und zu zetern. Der Drops ist schon längst gelutscht, auch wenn uns Google mit Streetview so etwas wie eine öffentlichkeitswirksame Metapher für Fragen der Privatsphäre und Anonymität vor die Nase setzt.

Zu spät kommen die politischen Bedenkenträger und werfen ihre PR-Nebelkerzen alleine gegen Google, ohne darauf hinzuweisen, dass Geomarketing schon längst von einer Vielzahl von Banken, Versicherungen und anderen “Volkstaxierern” aktiv genutzt wird. Aber mit diesem Hinweis würde man auch die eigene Versäumnisse deutlich machen.

Das Netz und vor allem die darin aktiven Menschen und Unternehmen schaffen eben schneller Fakten, als es bestimmte “Internet-Ausdrucker” in politischer Verantwortung verstehen können. Ordnungspolitik im Netz und in der digitalen Welt insgesamt ist nun einmal ein Unterfangen, welches nur ganz zeitnah mit gutem Gespür für Trends und Bewegungen funktioniert. Wer zu spät kommt, den bestraft das Netzvolk mit Hähme, Spott und Unverständnis, zumal erkennbar ist, dass häufig fehlende Fachkompetenz oder schlicht Ignoranz der Grund für die verzögerten Reaktionen zu sein scheint.

Dabei wäre ein breiter gesellschaftlicher Diskurs über das Wesen von Privatsphäre im digitalen Zeitalter, über Medienkompetenz in der Bildung, über digitales Profiling im Marketing etc. mehr als notwendig, allerdings ohne die medial verzerrten, pawlowschen Aufgeregtheiten rund um Google Streetview oder die immer wieder aufschlagenden Totschlagargumente der “German Angst“.

Mag ja sein, dass viele Deutsche ein “besonderes” Verhältnis zu Datenschutz und Privatsphäre haben, aber im Ergebnis bin ich grundsätzlich eher froh, dass die hinreichend schlechten Erfahrungen aus der jüngeren deutschen Geschichte bei bestimmten Menschen noch in Erinnerung sind und sie zögern lässt. Was hilft, ist sachliche Aufklärung und die konstruktive Abwägung von Chancen und Risiken, nicht die mediale Panikmache, die populistisch noch schnell als Agendapunkt für die eigene Profilierung aufgenommen oder in Parteiprogramme gegossen wird.

Google Streetview ist grundsätzlich ein nützliches Tool und wird seinen Teil dazu beitragen, die “Spiegelung” des öffentlichen Raums im Netz zu realisieren. Wie ein weiterer Layer wird neben den Menschen dann auch das “Gegenständliche” der realen Welt digital archiviert sein, was überhaupt nicht schlecht sein muss. Eine Frage stelle ich mir dabei allerdings auch immer:

Sind wir uns wirklich alle im Klaren darüber, dass Unternehmen (nicht nur Google) mit diesen Daten ihr Geld verdienen müssen? Haben wir diesen “Deal” für uns alle verinnerlicht?

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4 Kommentare

  1. Maik B.

    Bist aber anscheinend nicht der Erste.
    Torben Friedrich hat angefangen seinen ganze Ort zu digitalisieren und bei einigen soll er sogar den Garten fotografieren oder in den Laden gehen: fritten.cc/das-digit...

  2. BrothelPianist

    das thema ist anscheinend zu komplex um selbst hier viele kommentare loszutreten… bin allerdings auch immer wieder mächtig erstaunt, mit wieviel ahnungslosigkeit in bezug auf die zu adressierenden kunden in agenturen “kreativ” drauflosgehumpelt wird.

  3. Buugle – Doppelzüngiges einer Streetview-Debatte | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    [...] Beine stellen. Im sanften Erklär-Bär-Stil wird satirisch eine Wahrheit deutlich, die ich ganz ähnlich sehe: Zu spät kommen die politischen Bedenkenträger und werfen ihre PR-Nebelkerzen alleine [...]

  4. Kundendaten sind unverzichtbar für passende Werbung und Produkte | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    [...] ist viel los zur Zeit bei der (Google)-Datenschutzdebatte, angefangen bei solchen absurden “Platzhaltern” wie Streetview über das IP-Tracking von Google Analytics bis hin zu Fragen, die sich aus dem unglaublichen [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
  • InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
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