22:25 Uhr
Die Musikindustrie und die irrationale Logik des Zeitreisens
Ihr kennt das bestimmt: Ihr seht einen Film, in dem Wissenschaftler oder Denzel Washington oder Jean-Claude Van Damme durch die Zeit reisen und alle Logik irgendwie auf den Kopf stellen.
Dies gelingt der Musikindustrie auch öfter mal. Zum Beispiel werden bei 12-Jährigen die Kinderzimmer durchsucht ( “Schlag gegen Raubkopierer: Razzia in 12 Kinderzimmern”, sz-online) als wären sie Gewaltverbrecher und als hätten wir sonst keine Probleme.
Natürlich möchte die Brick&Mortar-Musikindustrie ihr Geschäftsmodell schützen, das ist verständlich. Das ist ja auch einfacher als ein neues, zukunftsfähiges, auf dem Internet aufbauendes Modell zu entwickeln. (Dann muß sie aber auch mit diesen Songs leben können.)
Momentan aber geht sie in ihrer irrationalen Logik ein bißchen zu weit, oder?
Nun hat sie nämlich ein bei der w&v verlinktes Video zum Plagiats- oder Urheberrechts(!)-Case ‘Ergo vs. High Fidelity’ aufgrund ihres eigenen Urheberrechtsanspruches(!) gegen den Schöpfer des Videos löschen lassen. In anderen Worten, und die muß man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Das Video, das Urheberrechtsverletzungen(!) von Ergo gegen die Musikindustrie nachweisen könnte, wurde von dieser Industrie wegen Urheberrechtsverletzung(!) gelöscht!

Mir dreht sich der Kopf. Das verstehe wer will. Eindrucksvoll verdeutlicht wird damit nur die perverse Situation, in die sich die Musikindustrie hineinmanövriert, indem sie per Kahlschlag versucht, ihre Urheberrechte(!) zu wahren. Sie steht sich selbst im Wege! So wie sich die Protagonisten in manchen drittklassigen Movies selbst im Wege stehen und ihr ganzes Universum zum Einsturz bringen.
11 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 30. August 2010 um 22:38 Uhr
Mal angenommen das sind wirklich Urheberrechtsverletzungen durch Ergo bzw deren Agentur, glaubst Du wirklich da braucht EMI dieses Video als “Beweis” fuer? Und wieso Musikindustrie, ich dachte immer “High Fidelity” waere ein Film?
Am 30. August 2010 um 22:46 Uhr
@Armin
Du hättest recht.
Nein, ich meine 2 unterschiedliche Verletzungen:
01 der Schöpfer des Videos versucht, das vermutliche Plagiat Ergos nachzuweisen, also eine Urheberrechtsverletzung.
02 Diesen ‘Beweis’ oder Nachweis läßt EMI wg Urheberrechtsverletzung sperren, welche wissen wir nicht, da wir das Video nicht mehr sehen können.
High Fidelity ist ein Film, ja, aber EMI Music (siehe oben) hat sperren lassen. Vielleicht wegen der Musikuntermalung, ist ja meistens so.
Statt man das erlaubt, und damit die Verbreitung der Musik erhöht, den Song sich wieder in Erinnerung rufen läßt, manch einer ihn dan bei iTunes oder so kauft …
Am 30. August 2010 um 23:13 Uhr
Mit Musikuntermalung ist da aber nicht viel, nur am Ende dudelt da kurz irgendwas rum. Kann sein dass das der “Ergo Jingle” ist, weiss ich nicht, war zumindest nichts was ich erkannt habe.
Am 30. August 2010 um 23:17 Uhr
@Armin
Ich denke, EMIs Problem liegt nicht im Ergo-Spot, sondern in den Takes, die aus ‘High Fidelity’ kommen, und nachweisen sollen, daß Ergo sich zu sehr bei diesem Film anlehnt.
Wie gesagt: hier werden zwei Fälle vermischt. Und wie gesagt: es ist ungefähr so einfach wie der Logik eines Zeitreise-Movies zu folgen.
Am 31. August 2010 um 05:31 Uhr
[...] [...]
Am 31. August 2010 um 10:07 Uhr
Hier könnt Ihr im Addendum das obige (gesperrte) Video (noch) auf Vimeo sehen:
ralfschwartz.typepad...
Am 1. September 2010 um 07:59 Uhr
So schnell kann es gehen. Mein Link im vorigen Kommentar führt nicht mehr weit. Denn:
“Nun also auch bei Vimeo: “Sorry, “Dumm, dreist, ideenlos? ERGO Versicherungen” was deleted at 11:47:24 Tue Aug 31, 2010. We have no more information about it on our mainframe or elsewhere”.”
Am 1. September 2010 um 11:48 Uhr
Man gibt sich seitens ERGO scheinbar Mühe, den Plagiat-Aufklärungs-Spot möglichst schnell verschwinden zu lassen.
Allerdings ist er jetzt wieder auf Youtube:
youtube.com/watch?v=...
Am 1. September 2010 um 12:18 Uhr
Ich vermute, dass es viel einfacher ist. ERGO hat sicherlich für die Nutzung von Norah Jones’ Song Sunrise bezahlt. Der Remixer nicht. Und Norah Jones ist bei welcher Plattenfirma unter Vertrag? Na? Richtig, der EMI ;-)
Am 1. September 2010 um 12:24 Uhr
Interessante Theorie. Finde ich gut.
Am 1. September 2010 um 21:08 Uhr
zum 17. mal: es klagt, löscht, beschwert sich oder heult nicht “die musikindustrie”, sondern in diesem fall die EMI. so viel zeit muss sein.