25.08.10
15:05 Uhr

ARAL. Alles super? – Ist Duck & Cover heute noch eine probate Strategie für die Marke in der Krise?

Nachdem nun anscheinend Gras über die ARAL/BP-Ölpest im Golf von Mexiko gewachsen ist, möchte ich Euch eine Frage stellen, auf die ich selbst so keine rechte Antwort weiß:

ARAL. Alles super. – Ist Duck & Cover auch heute noch eine probate Strategie für die Marke in der Krise?

Hätte ARAL im Rahmen der Ölpest-Berichterstattung Farbe bekennen müssen? Nein, sie haben nicht – aber hätten sie? Was hätte das gebracht? Einen Boykott? Verständnis? Unruhe? Die rationale Erkenntnis, daß ARAL nichts für die Schlamperei seiner Mutter kann? Ich weiß es nicht. Zumindest ist mir verdammt wenig untergekommen.

Warum eigentlich hat niemand etwas bemerkt? War es so ruhig um ARAL? Warum hat niemand im Netz voller Empörung zum Boykott aufgerufen? Mir ist nichts untergekommen.

Horizont vom 25. Juni:

“Mehr als jeder zweite Deutsche boykottiert BP. Ebenfalls betroffen ist Aral, bereits 44 Prozent der Bundesbürger vermeiden es, bei der BP-Tochter zu tanken. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Toluna.”

Und weiter:

“Das wird sich auch so schnell nicht ändern: Zwei Drittel der Befragten geben an, BP auch in Zukunft boykottieren zu wollen. Die blaue Tochter
meiden künftig immerhin 55 Prozent.”

Nun, lange scheinen diese Vorsätze nicht gehalten zu haben – zumindest, wenn man der absatzwirtschaft noch glaubt, denn die schreibt einen Monat später, “dass BP im Vergleich zu den Wettbewerbern Shell, Agip und Jet beim Markenimage deutlich verliert, während Aral auf demselben Niveau rangiert wie der stärkste Konkurrent Shell.” Also nichts gewesen? Oder ist dies wiedermal solch ein PR-Aufbau-Artikel der absatzwirtschaft!? Man weiß es nicht.

Ich habe keine Mahnwache gesehen, keine gehalten oder einberufen. Ich habe nur Business as Usual an den Tankstellen der Stadt oder der Autobahn bemerkt.

Warum kam es nicht zu einem virtuellen Social Media Taifun, der ARAL hinwegfegte von der Landkarte der Ölgesellschaften? Warum standen nicht reale Mahnwachen vor den “ARAL. Alles super.”-Tankstellen? Warum übernahmen nicht wie sonst Spiegel und Handelsblatt die Rückführung in die Holzmedien?

Hat ARAL also alles richtig gemacht? Vor allem aber: kann das auch einer anderen Marke gelingen? Duck & Cover? Was sind die Gründe dafür, daß ARAL so glimpflich (die vergleichsweise wenigen Einträge in der relevanten Phase sprechen eine deutliche Sprache) davonkam?

Fragen über Fragen! Habt Ihr ein paar Ideen und Insights zum Thema?

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5 Kommentare

  1. magnus

    ich denke mal der bei vielen menschen im kopf fehlende link zwischen beiden marken ist der hauptgrund.

    on top: es ist bei tankstellen so ähnlich wie bei apotheken – ich kaufe bei der, die mir bei bedarf gerade unter die augen kommt. deinen altruismus in ehren, aber ich glaube dafür sind menschen auf einer alltäglichen basis einfach einen tick zu faul.

  2. ralf schwartz

    Tja, wenn sie aber einen Cent/L sparen können, machen sie 3km Umweg und stellen sich eine halbe Stunde an …

  3. Perry Krell

    Das wundert Euch wirklich?
    Ich habe mit vielen “Nicht-Kommunikationsexperten” (Freunde und Bekannte) gesprochen. Einstimmiger Tenor: ja, ist alles super mies. Aber Shell und die anderen sind doch sicher auch nicht besser, nur wissen wir nix davon.
    Zweiter Tenor: was kann denn mein Tankstellen-Pächter dafür?! (Und nur für eine BiFi, Schachtel Zigaretten, eine TZ und ne Cola halte ich nicht an – wo er (der Pächter) auch wirklich verdient. Dann tanke ich auch.)
    Dritter Tenor (ernsthaft): wenn wir nicht mehr da hin gehen, können die vielleicht nicht mehr die Strafe bezahlen bzw. die Rettungsaktion.

    Denke, der Schuld-Transfer von international auf regional ist wohl zu “lang” um nachhaltig zu wirken.

    PS: Ach ja, obiger Comment bezieht sich auf Aral. BP-Tankstellen gibt es hier (5-Seen-Gebiet unter München) zu wenig.

  4. Erich

    Wahrscheinlich weil Aral Schlafmittel ins Benzin mischt. Wir müssen endlich aufwachen und handeln. Ich werde sofort eine Ketten-Email an alle meine Freunde schicken! Was soll denn ein Boykott bringen? Als ob das ein Markenthema wäre. Snickers fressen statt Mars? Vielleicht einfach die Ernährung umstellen.

    Für jede explodierte Ölplattform die Heizung zwei Grad runter drehen. Mal wieder zu Fuß ins Pornokino gehen. Nie davon sprechen. Immer daran denken. Heißt zuerst: keine Wattsekunde kostbarer Energie für Hysterie und Egorubbelei in den Sozialmedien verplempern. So bleibt nicht nur das Meer sauber. Sondern auch der Kopf.

  5. Dr.-Schiwago-Mutter

    Erich, you made my day!

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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