24.08.10
14:03 Uhr

Markenkriege, Markenterror, Markenidentifikation: Was wir brauchen, sind Creative Commons-Lizenzen für Brands

Individualisierte Sneakers

Je stärker Marken zur Identitätsbildung beitragen, desto stärker ist der Drang der Menschen, diese Marken nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich und sichtbar mit der eigenen Person zu verknüpfen. Das reicht von Logos historischer Marken, die Menschen an Silberkettchen um den Hals spazieren tragen, bis zu Billig-Teehs vom Trödelmarkt mit Swoosh-Kopien aus China. In den Social Media können wir uns unsere Marken öffentlich elektronisch applizieren, indem wir den “Like”-Button betätigen, und in zahllosen eStores wie Cafe Press können wir uns unsere individualisierten Kaffeetassen, Teehs & Sweat-Shirts, Hüte oder Taschen mit unseren Lieblingslogos verzieren lassen. Oder Sportschuhe, wie in den Beispielen weiter oben, bei Brass Monki Customized Sneakers oder Zazzle Custom Shoes.

Als Appetithappen zum generellen Thema „Marken und Identität“ ein Zitat aus Martin Oettings Ripple Effect:

As marketing experts are reporting on media-empowered consumers who see a brand as an extension of their personality, rather than as an intellectual property owned by a company, they are beginning to recommend fairly radical changes in the way marketing should be organised[.]

Und da treten wir recht schnell in rechtliche Grauzonen ein, denn “Custom-made”-Shops können unmöglich alle Motive lizenziert haben, die sie für ihre Kunden auf ihre Produkte drucken. Und diese „personalisierten“ Designs, wie Zazzle dies tut, auch einstellen und anderen Kunden zum Kauf anbieten. Zumindest nicht in der Nachbarschaft von 60–80 Dollar für ein Paar Schuhe — bei Brass Monki sieht das schon etwas anders aus. Während der Nike-Schuh mit dem Watchmen-Motiv mit 250 Pfund noch recht preiswert daher kommt, müssen für den Schuh mit dem Ironman-Motiv schon schlanke 400 Pfund hingeblättert werden. Für den Schuh mit dem Firefox-Motiv allerdings auch, was es wiederum eher unwahrscheinlich macht, daß hier Lizenzgebühren eine Rolle spielen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, daß die Mozilla-Foundation Lizenzforderungen in gleicher Höhe stellen würde wie Marvel Studios und Walt Disney Company.

Auf der anderen Seite dieser Entwicklung haben wir die Horden korporierter Raubritter, die sich wie aus der „Konsumgesellschaft“ übriggebliebener — und von postmodernen Entwicklungen überrollter — verwilderter Landadel einen Namen als Wegelagerer machen, indem sie ganze Territorien wie Tierpfoten, Farben, Flügel oder Begrüßungen als ihr Eigentum deklarieren und dieses vermeintliche „Recht“ von ihren Schergen blutig durchsetzen lassen. Natürlich nur da, wo sie es können, denn feige sind sie selbstverständlich auch und halten sich kusch zurück, wenn der „Rechtsbrecher“ nur genügend Macht und Einfluß hat.

Und dann ist da natürlich noch China und die enorme Markenplagiatsindustrie, die weder gesund ist für die Firmen noch für die Kunden, und speziell letzteres auch noch auf andere Weise, als wir denken.

Menschen, die sich mit Marken identifizieren, Marken als Teil ihrer Persönlichkeit empfinden und auch gewisse nicht-monetäre „Eigentumsrechte“ an diesen Marken geltend machen, befinden sich zwischen den Fronten inmitten eines schonungslos geführten Krieges zwischen globalen und lokalen Plagiatsindustrien auf der einen Seite und den Markeninhaber-Raubrittern auf der anderen. In diesem Krieg sind Kunden und Markenfans stets die ersten, die verlieren. Zumal Markenterror selten allein kommt und, wenn es auf die politischen Schlachtfelder geht, stets seine großen Geschwister Patentterror und Verwertungsrechteterror mitbringt, um nur zwei zu nennen.

Es wird Zeit, sich zu wehren. Creative Commons-Lizenzen für Marken wäre ein guter Anfang.

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7 Kommentare

  1. Timo

    Vielen Dank für diesen hervorragend auf den Punkt gebrachten Artikel. Ich kann persönlich nicht beurteilen, ob CC-Lizenzen für Marken überhaupt realisierbar wären, ich denke aber eher nicht. So lange sich das Bewusstsein für Konsum bei jedem Einzelnen nicht entscheidend ändert, so lange wird die Macht der eigentlichen Terroristen dieser Welt (ja, ich weiß, plakativ bis zum abwinken) ungebrochen fortbestehen. Ein eigenartiger Gedanke: Wenn wir alle zu verantwortungsvollen Konsumenten werden, verlieren dann nicht die Kinder, die sich selbst und ihre Familien mit Teppichknüpfen, Sportschuhkleben und Prostitution durchbringen auch noch diese letzten Einnahmequellen? Führte bewusste Materialanhäufung, sprich Minimierung der Kaufgeilheit, nicht zu Massenentlassungen, Depression und schließlich in einen Systemzusammenbruch und Krieg? Und das Schlimmste von allem: Heerschaaren von Werbern, PR-Tieren und ganze Marketingabteilungen würden vor dem Nichts stehen. Was sollen wir dann alle machen, wir können doch nichts anderes, wir ham’ doch nichts gelernt! Nein, ich bin gegen CC-Lizenzen für Marken. Ich wäre für CC-Lizenzen für Politiker, damit die wieder allen gehören und nicht nur den Lobbyisten – sorry für soviel Polemik, dein Artikel ist richtig und wichtig!

  2. drikkes

    CC-Lizenzen für Marken halte ich auch nur in absoluten Ausnahmefällen für realisierbar. Es ist doch so: Bis zu einem bestimmten Grad fahren die Marken mit ihren Trittbrettfahrern doch recht gut. Ohne die ganzen Fake-Shirts mit D&G-Aufdruck wären Dolce & Gabbana doch nur halb so bekannt. Soweit ich mich erinnern kann, hat Prada in seinem New Yorker Flagship Store auch mal Rechner aufgestellt, damit die Kundschaft sich die auf ebay gehandelten Kopien des Edelschneiders ansehen konnte.

    Nur was gut ist, wird auch nachgemacht. Und der ständige Anblick dieser Fakes weckt eben auch Begehrlichkeiten nach dem Original. Die Marken sollten es eben nur nicht Überhand nehmen lassen. Insofern diesen liebevoll gestalteten Sneakern oben im Bild keine Klage androhen, sondern zumindest Nike sollte froh sein, daß keine Adidasschuhe als Ausgangsmaterial verwendet worden sind. Es bleibt das Verhältnis von Nischenprodukt und Massenmarkt im Auge zu behalten.

  3. Malik

    Also Creative-Common Rechte und Lizenzen halte ich in dem Bereich für sehr schwer umsetzbar, und dies kann ich sogar sehr gut nachvollziehen. Ich würde als Unternehmen auch nciht direkt woleln, dass andere sich über mein Produkt/Warenzeichen/Idee bereichern.

    Aber, wenn e sich um komplementäre Produkte handelt kann man zu einen nichts dagegen tun udn zum anderen hilft es einem selbst sein eigenes Produkt zu promoten.
    Siehe die vielen Werbeanzeigen von Stereoanlagen, die damit werben, dass sie eine IPod/iPhone Schnittstelle anbieten und teilweise das Foto des IPods grösser dargestellt wird als das eigentlich beworbene Produkt.

    Die Piraterie in der Textilbranche ist ein ganz spezielles Thema. Einerseits kann ich die Perspektive von drikkes verstehen. Man kann sich halt das Original nicht leisten. Dann macht man es eben über den Umweg einer Kopie, um so seine Beziehung zu dem mit dieser Marke verbundenen Lebenstil nach aussen hin zu zeigen.
    Da aber die Fälschungen teilweise so perfekt sind, reicht es vielen Käufern aus, nur diese Prukte zu kaufen. Selbst wenn sie nach ein paar Monaten schon kaputt sind, es billiger sich alle 3 Monate ein neues zu kaufen, statt ein Original, dass dann die nächsten 2 Jahren überleben muss.

    Was ich mir vostellen könnte ist folgendes: dass Unternehmen spezielle Logos als CC Lizenzen definieren. Logos, die andas eigene Logo angelehnt sind, aber doch was eigenes haben. Dies kann dazu dienen, dass Fangruppen diese Logo frei benutzen können und mit dem Benutzen dieses Logos auch zeigen, dass sie teil einer definierten Bewegung oder Gruppe sind, für die dieses spezielle Logo existiert.

    Ganz ehlrihc, wüRde ich jemanden mit dem Firefox Symbol auf den Schuhen irgendwo auf der Strasse begegnen, würde ich eher denken, dass der sich dies selbst in seinem kelelr zusammengebastelt hat.

  4. drikkes

    Ich weiß nicht, ob Du mich richtig verstanden hast, Malik. Natürlich kaufen Leute die Kopien, aber mir ging es ja darum, daß sich die Käufer des Originals auch darüber definieren, sich bewußt von den Nachahmern abzuheben.

    Wie das bei Apple-Produkten läuft, weiß ich nicht. Ich habe allerdings mal eine Zeit lang für einen PC-Hersteller gearbeitet, also die Firma ist Kunde meiner damaligen Agentur gewesen. Hinter solchen “Kooperationen” – nenn’ es Crossmarketing, wenn Du willst – steckt keine Nächstenliebe: Der Chiphersteller Intel zahlt nach einem festgesetzten Schema für die Abbildung seines Logos, Nennung seiner Produkte, usw. Wenn der PC-Hersteller ihm nur genügend Platz einräumt, zahlt Intel ihm bis zu 70% des Anzeigenpreises.

  5. Günter Hogrefe

    alles dekadent…

  6. Ferdinand

    Interessanter Artikel. Wusste bisher gar nicht das es für derartiges einen Markt gibt.

    “Nur was gut ist, wird auch nachgemacht. Und der ständige Anblick dieser Fakes weckt eben auch Begehrlichkeiten nach dem Original.”

    Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

  7. Kyle Absatz

    …”zwischen globalen und lokalen Plagiatsindustrien auf der einen Seite und den Markeninhaber-Raubrittern auf der anderen”. Genaus so sieht das aus. Wenn man heutzutage keine Marken trägt, vor allem in den Schulen, dann gehört man einfach nicht dazu. Klar, das dann eben viele auf Plagiate aus Fernost zurückgreifen.

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  • Brian: Der Titel ist genial. Danke :).
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  • Gerry K.: Der hat sich das nicht beim Sport sondern bei den Call-In Sendungen abgeschaut. Nichts anderes ist das. Schon das Anheizen der...
  • Herr Bergauer: Bei den Problemen, die Mercedes (besonders mit Rost und Elektrik) in den letzten Jahren gehabt hat, würde ich den aufdringlichen,...
  • peekaboo321: Sicher ist es möglich von der anderen Seite anzuschauen und hahaped wird damit helfen.
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