15:49 Uhr
Schuld hat der Verbraucherschützer! Verkehrte Welt bei Absatzwirtschaft und YouGov/Psychonomics
Verbraucherschützer sind Menschen, die Konsumenten vor Unternehmen und ihren Auswüchsen schützen wollen, da die Unternehmen auf der Suche nach Profit manchmal die Verhältnismäßigkeit ihres Tuns aus dem Auge verlieren.
Medien sind Unternehmen, die darüber informieren und auf der Seite ihrer Leser für deren Rechte kämpfen.
Fachmedien sind Unternehmen, die objektiv und qualitativ hochwertig berichten, damit sich die Leser ein eigenes Bild auf Basis der gebotenen Information machen können.
Ausnahme: Die Unternehmen, vor denen die Konsumenten von Verbraucherschützern gewarnt werden müssen, stellen für das Medium die heilige Profit-Dreifaltigkeit aus Leser, Abonnent und anzeigenschaltendem Kunden dar. Da kann es dann schonmal passieren, daß Artikel ein wenig subjektiv eindimensional werden und schwarz/weiß malen.
Vielleicht aber schreiben die Medien auch einfach nur unreflektiert Pressemitteilungen ab!? Pressemitteilungen von Unternehmen wie YouGov/Psychonomics, deren zahlende Kunden eben jene Unternehmen sind, vor denen uns die Verbraucherschützer warnen müssen!?
So beginnen Absatzwirtschaft/Psychonomics ihren PR-Artikel “Verbraucherschützer sorgen für Imageverlust bei Facebook, BP & Co.” über Marken-Images mit: “Eine Vielzahl an Vorwürfen …” – als ob die Vorwürfe das Problem seien und nicht die Verfehlungen der Unternehmen. “… gegen unterschiedlichste Unternehmen …” – als seien die Verbraucherschützer mit der Vorwurfs-vollen Gießkanne losgezogen. Die Psychonomics-PM spricht gar von “Kampagnen-Journalismus” (.pdf).
Weiter geht’s: “… hat die beispielsweise durch Daten- und Umweltschützer angeheizte Negativpresse ihre Wirkung nicht verfehlt: Zahlreiche Marken haben in den vergangenen sechs Monaten an Beliebtheit verloren”. – Klar, eine Kampagne der Daten- und Umweltschützer! Alles Lüge, die beliebten Unternehmen tun doch nichts, die wollen nur spielen.
Und: “Zum Beispiel habe das Kreuzfeuer der Datenschützer gegen Facebook deutliche Wirkung gezeigt.” – Kreuzfeuer! Hallo!? Erst die Massenproteste konnten Facebook wieder einigermaßen einnorden.
Oder: “Das Online-Netzwerk sei durch mögliche Datenschutzlücken und die Möglichkeit der Weitergabe von privaten Netzwerkdaten an Dritte in die Kritik geraten.” – Hm, alles irreal und undenkbar. Alles nur möglich, aber nicht real!
Auch gut: “Die intensive Berichterstattung über die Ölkatastrophe habe nicht nur das Image der Dachmarke BP ins Abseits befördert. Auch die zum BP-Konzern gehörende Marke Aral habe 21 Punkte verloren.” – So sorgt anscheinend die Berichterstattung, vor allem die intensive, für Imageverluste, nicht die von BP selbst verursachte größte Ölpest aller Zeiten!
Zum Glück aber wissen Absatzwirtschaft und YouGov/Psychonomics auch, wie man Imageverluste und -probleme vermeiden kann – also nicht etwa durch vorbildliches Verhalten als Marke oder Unternehmen, sondern ganz einfach durch pure Ablenkung und Entertainment: “In diesem Fall könnte positive PR ein Grund für den Erfolg sein: Mit Shakira als Werbestar habe der Autohersteller offensichtlich gerade im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft bei den Verbrauchern punkten können.”
Sollte man also in Zukunft noch Wert auf die Urteile und Einschätzungen, Analysen und Learnings von Absatzwirtschaft und YouGov/Psychonomis legen? Im Verbraucherschutz-Sinne muß man das wohl verneinen. Diese impliziten Analysen und Ableitungen leisten den betroffenen Unternehmen einen wahren Bärendienst, Kausalitäten werden verdreht, root causes im Dunklen gelassen, notwendige Konsequenzen verhindert. Das hilft keinem Unternehmen und keiner Marke.
4 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 13. August 2010 um 16:35 Uhr
Werbeblogger sorgt für eine Schädigung der Werte von Absatzwirtschaft. Die haben doch nur ganz objektiv Stellung bezogen ;-)
Am 13. August 2010 um 18:16 Uhr
ich lass heute mal die genervtheit raus …
die absatzwirtschaft ist doch eh nur die bild für marketeers, die heiße luft zum nachfüllen brauchen. in ruhe nachdenken und danach mit kollegen diskutieren scheint mir eh deutlich erfolgsversprechender als nach “wissen” in den phrasen dieser zeitschrift zu suchen.
wuv & horizont bieten doch außer gerüchteküche, wer jetzt wohin gewechselt und wer welchen etat gewonnen hat, auch nicht viel – oder täusche ich mich? gibt es jemanden der aus diesen zeitschriften tatsächlich inhaltliche anregungen für die arbeit gewinnt? (personaler und akquise ausgenommen)
Am 13. August 2010 um 19:16 Uhr
nö :)
Am 25. August 2010 um 15:05 Uhr
[...] wie der stärkste Konkurrent Shell.” Also nichts gewesen? Oder ist dies wiedermal solch ein PR-Aufbau-Artikel der absatzwirtschaft!? Man weiß es [...]