05.08.10
13:34 Uhr

Bugatti Volo: Retro Toaster, Retro Infomercial

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Sechs Kilogramm wiegt der Retro-Toaster namens Volo von Bugatti und läuft auf schlanken 930W — markengerecht, da läßt sich nicht meckern. Wie sinnvoll es für Autohersteller aber ist, sich überhaupt in den Küchengerätemarkt zu diversifizieren, läßt sich nicht ohne weiteres entscheiden. Aber Porsche hat es wohl nicht geschadet, denn die Geräte von Porsche Design, eine Tochtergesellschaft der Porsche AG, haben sich im Home Appliances-Markt stabil positioniert. Die Frage, die sich stellt, ist diese: Welchen Zweck erfüllen solche Brachial-Diversifizierungen? Oder sind sie gar nicht so brachial und eher damit vergleichbar, wenn eingesessene Marken jeder Art sich im Lizenzgeschäft beim Zeitgeist-Posing mit Mode- und Kosmetik-Reihen aufstylen? Ohne einen Blick in Strategiepapiere und harte Zahlen läßt sich da schwer ein Urteil fällen.

Aber, ebenso wie der Toaster selbst und seine Eigenschaften, verdient sich auch das dazugehörige Infomercial redlich sein Retro-Prädikat, in jeder Hinsicht. So derb, so schlecht, so authentisch sexistisch, daß ich mich frage, ob ich nicht auf einen Fall von Poe’s Law hereinfalle.


Bugatti Volo Infomercial

Der Bugatti Volo kam Ende 2007 auf den Markt, ursprünglich in den Farben Rot und Silber. Einige Modelle gibt es schon ab 160 Euro.

Update 5.8.2010, 22:30h:
Auch wenn die Frage im Prinzip dieselbe bleibt, auf Bugatti trifft sie in diesem Fall nicht zu: Dank Perry Krell und Martin Zellerhogg in dem Kommentaren wurde klar, daß die Marke Bugatti tatsächlich mehrfach existiert. Das wäre mal ein gutes Thema für einen eigenen Eintrag, denn mit neuzeitlicheren Marken wäre so etwas praktisch kaum noch möglich. Ich erinnere mich zum Beispiel, daß ein Immobilienunternehmen (!) namens Casa (!) in einigen Ländern dem Filesharing-Programm (!) Kazaa (!) erfolgreich die Markenrechte wegen „Verwechslungsgefahr“ streitig machte und an viele ähnliche absurde Fälle. Dankbarerweise aber war ich mit dem Bugatti-Irrtum alles andere als allein.

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7 Kommentare

  1. Perry Krell

    Die Frage die dahinter steckt, ist die des Markenkerns.
    Wird der Markenkern durch so eine Diversifizierung verletzt oder gestärkt? Oder gar nicht berührt, was ich in keinem Fall glaube.

    Edit: sehe jetzt er den Film. Bugatti Logo ist nicht das Auto-Logo. Hat Bugatti (also VW) alle Rechte an dem Logo bzw. den Namen. Anscheinend nicht. Ich glaube, daß da ein Firma dahinter steckt, die nichts mit der Kfz-Marke zu tun hat.
    Italienisches Recht? Siehe: casabugatti.it/

  2. Martin Zellerhogg

    wie schon Perry vermutet da hast Du dich leider geirrt. Der von Dir vorgestellte Toaster ist nicht von der Automarke bugatti.com, sondern von der Design Firma „bugatti“ unter casabugatti.it die hat genauso wenig mit dem Auto zu tun wie die Marke bugatti aus dem Hause Brinkmann bugatti.de/ oder die Produkte von Bugatti mobilcases. bugatti-mobilecases..... Ist aber auch kompliziert mit all diesen bugattis.

  3. J. Martin

    LOL, kompliziert, in der Tat — das erste Mal, daß sich alle meine Quellen mit diesem Detail auf die Nase gelegt haben, allen voran Gizmodo.

    Danke für die Aufklärung!

  4. Mullah Trullalah

    Ich dachte früher auch, die Waffelröllchen von Dove wären mit Shampoo gefüllt ;-)

  5. ulla trulla

    Als Bugatti sich aus dem Automobilbau zurückgezogen hat, wurde die Marke Bugatti für alles mögliche lizensiert: Sonnenbrillen, Bekleidung, ich glaube auch Schuhe. Davidoff hat – wenn auch mit etwas mehr Fingerspitzengefühl für den Markenkern – unterschiedliche Lizenznehmer in verschiedenen Branchen. Also gar nicht so unüblich für eine Marke, die nur noch als Marke existiert.

    Zur Frage, wie weit man sich als Autohersteller mit Lizenzen vom Kerngeschäft und damit Markenkern entfernen soll, passen Lamborghini und Porsche tatsächlich auf den ersten Blick besser, aber:
    – Porsche Design ist keine Porsche Tochter
    – Lamborghini baut neben Sportwagen auch Trecker und Werkzeug, z.B. Akkuschrauber, aber hier handelt es sich auch nicht um Diversifizierung, denn die Trecker waren zuerst da

    Ferrari vergibt ne Menge unsinnige Lizenzen. Vielleicht gibts da einige Beispiele? (Und Harley Davidson hat ne Lizenz für Schreibgeräte vergeben, fällt mir grad ein)

  6. J. Martin

    :-) In welcher Hinsicht genau ist Porsche Design keine Porsche-Tochter?

    Porsche Design ist Teil der Porsche Design Group, die Ferdinand Alexander Porsche und der Porsche AG gehört (die wiederum zum Teil Ferdinand Alexander Porsche gehört). Zwar könnte ich mich jetzt zum Haarespalten hinreißen lassen, ob das die Bedingung „Tochter“ erfüllt, aber gerne lenke ich Deine Aufmerksamkeit auf porsche-design.com selbst:

    Die Porsche Lizenz- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG [Porsche Design Group] mit Sitz in Bietigheim-Bissingen ist eine mehrheitliche Tochtergesellschaft der Porsche AG in Stuttgart.

    Unter der „aktuellen“ Auto-Marke Bugatti (VW) läuft ja auch einiges an Merchandising und/oder Lizenzgeschäft, inklusive Parfüm und Pflegelinie, was ja inzwischen, wie erwähnt, zum guten Ton gehört. Auch von daher lag der Toaster-Irrtum nicht so wahnsinnig fern. (Interessanterweise haben Gizmodo, Retro etc. ihre Einträge nie korrigiert…) Wenn ich Dich richtig verstehe: es gibt also nicht nur original eigenständig gegründete Bugatti-Marken neben dem Autohersteller, sondern auch eigenständige Bugatti-Marken, die aus Lizenzvergaben nach 1963 entstanden?

  7. Hamsterkäfig

    Ich denke die Jungs haben alles richitg gemacht. Der Name Bugatti steht ja noch für Luxus. Wieso nicht was anderes Probieren? Der Toaster sieht echt Klasse aus.
    Ob Porsche Design eine Tochter ist oder nicht hängt warscheinlich von irgendwelchem Steuerkram ab.

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