03.08.10
12:36 Uhr

Amir Kassaei´s Agenturmodelle: der Traum einer kreativen Unternehmensberatung

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Amir Kassaei, kommunikative Lichtgestalt und Reizfigur beim Agenturnetzwerk DDB, mahnt schon seit längerem, dass ein Umdenken innerhalb der eigenen Branche passieren muss. Die brachialen Ansagen an die eigenen Kollegen kommen dabei weniger im Florettstil als als Dauersalve mit der abgesägten Schrotflinte daher.

„Ihr seid ja nur ein weltfremder Verband von drogensüchtigen Kreativen, die in Hinterzimmern sitzen und sich einen runterholen.“

Die Verbandsarbeit beim ADC hat er mittlerweile hinter sich gelassen, was vielleicht auch dem Umstand geschuldet ist, dass Kassaei für die Diplomatie im eitlen und empfindlichen Kreis kreativer Werber nicht unbedingt geboren ist. Muss er auch nicht. Seinen beruflichen Weg hat er gemacht, Preise eingeheimst [sic!], Markenaufbau in eigener Sache betrieben und DDB zu einer der führenden Werbeagenturen in Deutschland reaktiviert.

Die kreative Unternehmensberatung

Bei seinen öffentlichen Äußerungen steht immer wieder auch ein Thema im inhaltlichen Mittelpunkt: die kreative Unternehmensberatung als strukturelles „Shift“-Modell überlebenswilliger Werbeagenturen. Nur was bedeutet das? Und was ist überhaupt ein Unternehmensberater bzw. eine Unternehmensberatung im Verständnis von Kassaei?! Reden wir hier von Unternehmensberatungen vom Kaliber Roland Berger oder McKinsey, die Modell stehen für strukturelle Veränderungen in Werbeagenturen?! Wieviel „Architekt“ will ein Kunde überhaupt von Werbeagenturen, die er über Jahre allenfalls als spezialisierte, kommunikative Baumeister und vielmehr noch als kreative Handwerker verortet (und budgetiert) hat?

Ein Wesensmerkmal „kreativer“ Unternehmensberater ist vermutlich nach Kassaei die Fähigkeit, einen neuen Blickwinkel auf unternehmerische Prozesse und Produkte werfen zu können. Im Gegensatz zu eher analytisch geprägten, zahlenorientierten Unternehmensberatern des alten Jahrhunderts erkennt er einen Bedarf nach „kreativen Beratern“, die sich mit ganz anderer Prägung und anderem Blickwinkel der Lösung einer unternehmerischen Aufgabe widmen könnten, die nicht nur mit Kommunikationsmitteln lösbar sein wird. Nicht mehr „werbeorientiert“, sondern „lösungsorientiert“ müsse eine moderne Werbeagentur denken und arbeiten, um als Aspirant für eine erfolgreiche „kreative Unternehmensberatung“ die ersten Schritte zu gehen.

Anspruch und Wirklichkeit

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ wird sicherlich der eine oder andere zugerufen oder zumindest gedacht haben. Denn vor dem elitären Tanz auf dem kreativen Beraterparkett steht der Standard, die handwerklich gute und solide Arbeit, die werbewirksame Umsetzung der vom Kunden formulierten Anforderungen im Briefing. Bereits am Punkt des Briefings dürfte es nämlich erhebliche Probleme geben, wenn der Anspruch des Werbedienstleisters allzu forsch in Richtung Unternehmensberatung geht. Wer will als Bauherr (Kunde) schon mit dem Handwerker über das bauliche Grundkonzept seiner eigenen Marke oder seines Produktes diskutieren?! Wenige Kunden werde es in der täglichen Agenturrealität sein, die dem neu formierten Anspruch einer Werbeagentur entsprechend folgen und sich auf weitreichende Beratung auf einer unternehmerischen Meta-Ebene einlassen. Nicht selten besteht bei Kunden der Werbeagenturen eher ein kommunikativer Handlungsdruck auf Basis einer bereits festgelegten Strategie, wenn sie eine Agentur aufsuchen. Wer als Werbeagentur dann das „große Beratungsfass“ aufmachen will, könnte ganz schnell auf der Verliererstraße sein, denn Anspruch der neu aufgestellten „kreativen Unternehmensberatung“ und Fremdbild beim Kunden passen (noch) nicht.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Das wissen im Grundsatz natürlich auch die Agenturen und sie versuchen, durch  Strukturveränderungen und den Aufbau eigener „Consulting“-Units den Anspruch deutlich zu machen, mehr zu können und zu wollen als ein reiner Werbedienstleister. Das Problem dabei: alter Wein in neuen Schläuchen ändert gar nichts. Zudem besteht, solange im eigenen Unternehmen oder Netzwerk auch die Basiswerbeleistungen erfüllt werden sollen, ein Interessenkonflikt, den eine klassisch aufgestellte Unternehmensberatung so nicht hat. Die „kreative Unternehmensberatung“ soll natürlich nicht auf Kosten traditioneller Werbedienstleistungen aufgebaut werden. Diese Ertrags-Kannibalisierung wäre fatal. Andererseits muss eine neutrale Beratung strukturell immer ergebnisoffen ansetzen, so ergebnisoffen, dass ggf. Werbeetats und kreative Kommunikationsdienstleistungen auch in Frage gestellt werden können. Aber welche Werbeagentur entsorgt beratend ihr eigenes Kerngeschäft?! Und welcher Kunde glaubt einer Agentur, dass sie tatsächlich ergebnisoffen beraten kann?!

Neuer Wein in alten Schläuchen

Die Umsetzung der von Amir Kassaei formulierten Forderungen ist also ein äußerst komplexes Unterfangen, bei dem weniger der Veränderungswille einer Agentur in Frage steht, sondern vielmehr die Bereitschaft des Kunden, Agenturen auch als „kreative Unternehmensberatung“ zu begreifen.

Zweifellos aber hat Kassaei im Grundsatz recht, wenn er darauf verweist, dass Werbeagenturen viel zu eindimensional und „werbisch“ denken. Selbst der Begriff der „integrierten Kommunikation“ ist in der Branche werbisch degeneriert und in alten Mustern verhaftet.

Alleine mit neuen Begriffen und wohlklingenden, nach Beratungsanspruch ausgerichteten Firmennamen frisch aufgebauter Units oder Untergesellschaften ist also noch nichts gewonnen.

Vielmehr wirken die Bemühungen der Branchenstrategen und -Köpfe stellenweise wie der verzweifelte Wunsch, möglichst schnell das (schlechte) Image einer „Werbeagentur“ abzulegen, welches sie selbst über Jahrzehnte in kreativer Selbstgefälligkeit genährt haben. Ebensoviel Zeit dürfte es aber dauern, bis auch große Kunden verinnerlicht haben, dass ihnen nicht mehr eine Werbeagentur, sondern eine „kreative Unternehmensberatung“ gegenüber sitzt.
Diese Aufgabe wird konsequenterweise dem Nachwuchs in der Branche maßgeblich zukommen, denn nur der „Shift“ in den Köpfen führt zur gewünschten Veränderung. Auch müsste darüber nachgedacht werden, ob die klassischen Ausbildungsgänge rund um die Werbebranche diesem Anspruch überhaupt Rechnung tragen können.

Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht notwendig, zur „kreativen Unternehmensberatung“ zu werden, weil die Leistungen im Kerngeschäft wieder besser weil zeitgemäßer werden und der neue Wein in den alten Schläuchen viel besser schmeckt und glaubwürdiger ist.

P.S.: Ich würde mich darüber freuen, wenn es uns in Folge in den Kommentaren gelänge, nicht allzu polemisch und „ad hominem“ zu argumentieren, sondern das durchaus relevante Thema möglichst sachlich und konstruktiv zu erörtern. Danke.

43 Kommentare

  1. Klaas Kramer

    Gute Agenturen sind so etwas wie Sinnstifter im Sinne der Kundenmarke.
    Als Gegenbild verwende ich gerne den „Kanal-Beschicker“, der Botschaften auf Kanäle verteilt — eigentlich traditionell der Job von Mediaagenturen, heute sinngemäß auch SEMs und Virale Seeding-Dienstleister.

    Was gute Werber (Kassaei würde sagen „Alt-Kreative“) haben, ist ein feines Gespür für kulturelle Anschlussfähigkeit von Kommunikationsangeboten. Das ist eine unschätzbare Kompetenz, die heute mehr denn je gebraucht wird.

    Entlernen sollten sie sinnvollerweise ontologische Kanalmodelle, die sich in Selbstbeschreibungen vom Kaliber „360 Grad“ und „Intergrierte Kommunikation“ wiederfinden.
    Vielleicht gibt es die auch nur, weil man glaubt, die BWller auf Kundenseite nur mit ingenieurwissenschaftlicher Rhetorik beeindrucken zu können.

    Agenturen als Unternehmensberater: Ja, im Sinne von die Entscheider auf Kundenseite zu unterstützen, sich gegenüber Kräften die der Marke schaden zu behaupten
    Solche Kräfte sind z.B. kurzfristiges Erfolgsdenken, wenn Effizienz auf Kosten von Effektivität bevorzugt wird, wenn Controller Voodoo-Currancies verlangen.

    Agenturen als Unternehmensberater: Nein, im Sinne von „Ich bin Experte, ich weiß es besser und gebe Dir eine Checkliste, die Du Schritt für Schritt abarbeiten musst.“

  2. Michael

    Beruhigend, was ich da lese. Ich denke, wir sind schon ein Stück weiter und aus der Erfahrung kann ich sagen – 1. „Die Kunden“ gibt es nicht, sind ja alle recht verschieden. 2. Es liegt definitiv nicht an den Kunden, denn es gibt genug, die das wollen und nehmen, wenn es Sinn macht. Die Komplexität ist ja überall enorm hoch. 3. Es liegt also an der kreativen Beratung: Schafft sie Mehrwerte oder nicht? Und das liegt dann 4. Nur noch am Beratungsansatz.

    Als Frage bleibt also nur noch: Wie ist der Beratungsansatz? Was hat der Kunde davon? Wie und wer kann diesen glaubhaft vertreten?

  3. Frank Neuhaus

    Ein guter Ansatz, denn als kreative Unternehmens-Beratung sehe ich mich und agiere ich schon lange.

  4. Christoph

    Vorschlag: wie wäre es, sich mit Amir zu treffen, die angesprochenen Punkte zu diskutieren und diese Gespräche, vielleicht als Video, hier zu veröffentlichen? Dann müssten wir bei der folgenden Diskussion weniger „vermuten“ und hätten ein prima Sprungbrett für die Diskussion.

  5. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Christoph Gute Idee. Ich werde Amir gerne den Vorschlag machen, der ihn vielleicht auch schon auf diesem Kommentarweg erreicht.

  6. Vroni

    Ich versteh den ganzen Hype nicht.

    Gute Agenturen waren schon immer kreative Unternehmens-Berater.
    Sie waren aber klug genug, sich das nicht so raushängen zu lassen.

    Das Umdenken, um das es dem guten Amir geht, trift auf die kaum zu.

  7. ralf schwartz

    ‚Kreative Unternehmensberatung‘ ist zumindest mal ein Spiel mit bekannten und gelernten Worten, unter denen man sich etwas vorstellen kann.
    Schafft man es, dies konstruktiv zu denken, ist es mindestens die notwendige Weiterentwicklung des altbekannten Kreativen. Schließlich haben sich die Welt und die Menschen in ihr geändert. Es wird Zeit, die etablierten Modelle abzuschütteln, denn die können weder mithalten mit der neuen Unabhängigkeit, Individualität und Ungeduld der Konsumenten, noch mit den ’neuen‘ Gründern und Unternehmern im Sinne Google, Facebook, tumblr, Amazon, Zappos, twitter, YouTube, Skype, etc.

    Wir brauchen relevante Antworten auf die (inzwischen bekannten) neuen Herausforderungen.

    Neben diesen kreativen Unternehmensberater wird – als Counterpart auf Augenhöhe – der unternehmerisch-denkende Marken-Verantwortliche treten müssen, den wir heute noch viel zu oft vermissen, da die Marketingfunktionen auf Werbung reduziert wurden, die Kompetenzen beschnitten, der Horizont auf den Tellerrand verkleinert wurde.
    Ich bin sogar überzeugt, wir kommen um eine Marketing-Reorganisation nicht herum.

    Die heute wenigen unternehmerisch-denkenden Marketer hätten im kreativen Unternehmensberater einen wertvollen Partner und Kämpfer für die Marke – einen besseren als in der organisierten Unternehmensberatung alten Schlages, die eher verwaltet als gestaltet, eher konservativ als progressiv Themen setzt und ‚Marke‘ denken kann (wenn überhaupt).

    Eine der wichtigsten Aufgaben wird zudem sein, die neuen Kompetenzen zu definieren und die Ausbildung des Nachwuchses auch in der Breite (und nicht nur einigen kreativen Biotopen) umzustellen.
    Egal, wie die neuen Berater sich denn nennen werden: im Mittelpunkt der zukünftigen und dringend benötigten Kompetenzen wird der nachhaltige Erfolg der Marke selbst stehen müssen. Davon werden sich Agentur-Erfolg et al. ableiten, nicht umgekehrt.

  8. Vroni

    @ Ralf Schwartz

    Um da ernst genommen zu werden, müssen Agenturen sich Wissen und Kompetenz draufschaffen und es beweisen. Das haben die meisten nicht oder nicht mehr. Mit „aber wir sind doch die guten Kreativen und können die Dinge von außen besser beurteilen…“, das reicht als Argumentation nicht.

    Unternehmen nehmen Berater jedweder Richtung nur dann ernst, wenn sie das, was sie einen beraten, selber vorbildlich geschafft und damit Erfolg haben. Bei Agenturen wäre das der Erfolg in diesem Stil: Sich z. B. eine andere Agentur als Berater für den Blick von außen zu holen und erst dadurch zur erfolgreichen Agentur-Marke werden. Und da sehe ich kaum was.

  9. eddi haut in Vronis Kerbe

    Vroni hat Recht.
    Beraten kann nur, wer mehr Know-How hat. Die meisten Agenturen haben mannigfaltigstes „How“ und kaum ein „Know“ (was die Situation der Branche erklärt, die sich immer noch in Blendfeuerwerk ergeht, wenn’s Ernst wird).

    Der „Aussenblick“ der Agentur ist oftmals derart aussen vor, dass die Praxis die glorreichen Beratungs-Ideen schleunigst ad absurdum führt. Mittlerweile ist das sogar bei richtig ahnungslosen Unternehmen angekommen.

    Die Branche ist größtenteils auf Schein und Machterhalt aufgebaut, nicht auf Anspruch und Substanz. Beratungsideen dienen hintenrum viel zu oft dazu, die gute alte Plakatmalerei wieder anschmeissen zu können. Denn Werber glauben noch immer, dass das ihr Kerngeschäft sei.

    Genau darum müssen wir uns regelmäßig von Marktforschern, Consultants und selbst plumpen BWLern die Butter vom Brot nehmen lassen. Weil sie da – leider oft zu Recht – nicht hingehört.

  10. flo

    phew…. ich find, als wahrer gentleman sollte man sich selbst im totalen krieg nicht dieser wortwahl bedienen. das ist zu vulgär. so gut du auch fachlich bist (du bist die absolute kanone, unangefochten, hast meinen vollen respekt). muss sowas denn sein? adc mag ja (du hast da mehr einblick) ein solch ein stranger haufen von egomanischen nasenstaubsaugermaschinen im imaginären werberhimmel sein, jedoch rechtfertigt dies diese wortauswahl nicht. erbitte entschuldigung für diesen ausrutscher. elegante kriegsführung. zauberwort 2010?

    aber: adc – überlegt euch mal warum einer der topkreativen der welt so etwas über euch sagt. das würde selbst mir zu denken geben. wenns die nase schon hinten runterbiegt ists allerhöchste zeit für ein brainstorming :)

  11. Vroni

    An den kerbenhauenden Eddie:

    So isses ja nicht, dasa Agenturen keine BWLer hätten. Das war auch nicht mein Punkt. Sie haben, genügend. Die meisten Key Accounts sind welche, mindestens die Hälfte der Geschäftsführer sind welche. Auch Amir war vorher Buchhalter, Controller und lebte in der Welt der Zahlen.

    Mir geht es darum auszudrücken, dass Agenturen mit dem Unternehmensberatungsanspruch von der Produktentwicklung bis hin was weiß ich ein ganz neues Terrain betreten. In dem ihnen ganz einfach für diese Geschäftsausweitung und Diversifizierung für den Start und für die Glaubwürdigkeit genügend erfolgreiche Show-Cases fehlen dürften. (Das Problem auch aller Starter, dass der Nachweis der Expertise schwierig ist und ihnen am Anfang dazu logicherweise noch die erfolgreichen Beispiele fehlen.)

    Wenn ich das Handelsblatt richtig verstanden habe, welches das Thema Preisträger Amir und seine kreative Unruhe des öfteren aufgriff: Agenturkunden wünschten laut Handelsblatt von ihren Werbeagenturen mehr Bewegung und mehr Expertise in Richtung Neue Medien und Social Media. Da seien sie unzufrieden und da sei es noch dürftig.

    Wenn man als Kreativer dann meint, die Agenturszene sei ein Volk eingeschlafener plakatmalender Statthalter-Socken und es müsste Bewegung rein, wie kommt es, dass der Lösungsschluss dann plötzlich heißt: Kreative Unternehmensbratung!

    Das ist deutlich einen Schritt weiter als der bisher zu hörende relativ konkrete Wunsch von Agenturkunden, mehr Bewegung im Neue-Medien-Bereich zu bekommen. Das erscheint mir sprunghaft und sehr absolut gleichermaßen. Dieser Schluss kann ja seine Berechtigung haben, aber dann will ich ihn erklärt bekommen.

    Was ich im Handelsblatt nicht las, war dass Agenturkunden jetzt komplett und durchgängig von Produktentwicklung bis zur Markenführung (in ihrer eigenen Unternehmensdomäne) kreative Außensicht-Rundum-Beratung wünschten. Tun sie das?

  12. Vroni

    Kreative Unternehmensbratung
    ohne e ist zwar ein Tippfehler. Aber den korrigiere ich grad mal nicht.

    ___________________________________
    Man weiß nie, wodurch man tief wird.

  13. Vroni

    Nachtrag: Richtig neu ist der Unternehmensberatungs- und Markenführungsanspruch, das „Wir müssen alles neu machen, weil wir sonst nicht überleben“ der Agenturen nicht. Es ging in diesen Diskursen historisch da immer schon zwischen Agenturen und Unternehmen hin und her, wer denn der bessere Hüter und/oder Entwickler der Marke sei. Mal war es — neben der Selbstdarstellung/PR, die die Agenturführer damit auch nebenbei kriegten — Mode, dass Agenturen das machen wollten, dann holten sich die Unternehmen das als zwingenden Corporate-Hoheitsanspruch wieder zurück und hüteten möglicherweise zu sehr, statt auch zu entwickeln („Muss im Unternehmen bleiben, weil…“).

    Wer W&V-Abonnent und eifriger Leser in den 90ern war, kennt diese immer wieder aufflammenden Diskurse mit PR-Effekten in den Leitartikeln der W&V zur Genüge. Zur Auffrischung einfach auf den Dachboden gehen und die Hefte der 90er wieder herholen.(Nicht nach dünnen Heften suchen, damals waren sie dicker.)

  14. Christoph

    @Roland Kühl-v.Puttkamer
    Hast du ihn denm mal angetwittert? Ich bin mir sicher, dass er es uns gerne erklärt. Und das sage ich immer noch völlig wertfrei.

  15. Andreas

    Vorab: Lasst doch bitte mal diesen unsäglichen Begriff des „Unternehmensberaters“ außen vor. Der führt nur auf die falsche Fährte. Denn hinter all dem steckt doch ein ganz simpler Gedankengang:

    Wir alle – ob Kreative, Planer oder Berater – begnügen uns noch viel zu oft damit, die lahmen Produkt- oder Dienstleistungsgäule unserer Kunden zu rassigen Rennpferden über zu lackieren (siehe auch wp.me/pcPOb-ip ). Und das, obwohl uns das konzertierte Know how aus Kreation, Beratung und Planning befähigen würde, Kunden viel tiefgreifender voran zu bringen. Erste Lehransätze dazu gibt´s übrigens längst. Siehe „Design Thinking“ oder wp.me/pcPOb-7p

    Wohlgemerkt „konzertiert“! Nicht entweder Beratung oder Kreation oder Planning. Und mit dem ernsthaften Ziel, die Produkte, Dienstleitungen und Services unserer Kunden wirklich besser und damit gefragter zu machen, anstatt sie „nur“ mit toller Kreation hübsch aussehen zu lassen (Das „nur“ ist KEIN Seitenhieb auf die Kreation!)

    All das funktioniert aber erst dann, wenn wir endlich mal diese spätmittelalterliche Kastendenke über doofe BWLer, entscheidungsschwache Produktmanager oder selbstverliebte Kreative ablegen, unsere geliebten Arbeits- und Denkrefugien durchbrechen und die so frei werdende Energie nutzen, um zu echten Innovations-Katalysatoren für unsere Kunden zu werden.

  16. Vroni

    Von wem stammt denn der Begriff „kreative Unternehmensberatung“?

    Und wer ist wir.
    (Das „wir“ hab ich eh immer gfressn, sorry.)

    „…anstatt sie „nur“ mit toller Kreation hübsch aussehen zu lassen“

    Tolle Sonntagspredigt.

    Sage meinen Auftraggebern Tag und Nacht, dass die Deko, die sie wünschen, bei mir so nicht vorkommt. Dass ich anders rangeh. Ich sag das sogar bereits beim Erst-Gespräch: „Es braucht Substanz, Sinn, eine echte Idee, ich mache keine Deko!“ Freundlich bestimmt, mit Engelszungen, mit sauberer Begründung, in Worten und Ton auf den Auftraggebertyp abgestimmt.

    Mit teilweise ernüchternden Ergebnissen: Manchmal muss ich mich von Auftraggebern verabschieden (und tue das auch), manchmal komme ich aber rechtlich nicht aus dem Vertrag raus und muss bis zum bitteren Ende mitspielen und halt die gewünschte Fassaden-Deko liefern.
    Und sag mir bitte keiner, dass ich halt dann nur zu doof bin, die richtigen Auftraggeber dazu einzusammeln. Giltet nicht. Denn sie bekommen es von Anfang an gesagt, ich werde sogar akquiriert, das heißt, sie kommen zu mir. Ich muss denen nicht nachjagen.
    (Falls die „Wer will was von wem“ -Dikussion aufkommt.)

    Was einige Auftraggeber, wenn die Arbeit losgeht, trotz dieser „Vorbearbeitung“ machen: höflich (oder auch echsenhaft, je nach Typus) den Input und den dazu nötigen Prozess ignorieren. Sogar die Positionierung ignorieren, die sie selber (und für teuer Geld) mit mir so zusammen erarbeitet und verabschiedet hatten. Selbst wenn sie so etwas als Position „Beratung“ bezahlen und betonen, sie bräuchten Input.

    So ein Frustprogramm ist doch fürn Ofen. Dann kommt auch nochn Kollege daher und belehrt: Mussdu halt professioneller rangehen: mach det, was die wollen, halt die Fresse und kassier die Kohle!

    Also bitte an unser tollen Werbe-Vordenker:
    Es gehören immer zwei dazu (wie in einer Ehe).
    Gotseidank habe ich auch Auftraggeber, die weniger deko-driven sind und Substanz wolen. Aber es sind definitiv zu wenige.
    Und ohne für die ganze Branche sprechen zu wollen, mir scheint, es geht vielen auch so.

    Es ist nicht so, dass sie dazu nur zu faul wären.
    Nur weil ein preisdekorierter Kreativer das sagt und alle applaudieren.

  17. Andreas

    @Vroni
    Ad 1: War nicht als Sonntagspredigt, sondern als Anregung gemeint (das mit dem „Innovations-Katalysator“)
    Ad 2: Ja klar! Natürlich gehört zu einem neuen, ambitionierten Angebot auch ein ernsthaft anspruchsvoller Kunde. Und wenn der nicht will, dann hast du oder ich (oder auch „wir“) Pech gehabt.
    Aber das ändert doch nichts an der Notwendigkeit, über neue und tiefer gehende Leistungen nachzudenken, oder? Und zwar nicht erst dann, wenn Kunden diese einfordern. Sondern vorher und idealerweise auch über den allgemeinen Vorstellungs-Horizont hinaus.

    Arthur Fischer (Fischerdübel) hat mal in nem Interview dazu gesagt: »… Wenn ich hier im Unternehmen etwas anbiete, heißt es oft: da müssen wir erst Marktforschung betreiben. Ich sage: Womit denn? Das, was ich jetzt in der Hand habe, das haben Sie doch gar nicht. Wenn mich auf die Wiese stelle und sage: Hallo, lieber Markt, was brauchst du denn – der sagt mir gar nichts. Ich muss dem Markt etwas anbieten und dann entscheidet der Markt, ob es richtig ist oder falsch..«

  18. Vroni

    @ Andreas

    Das ist die reine Angebotstheorie-Lehre:
    Dass man erst etwas ausdenken und anbieten muss. Und dann gucken, ob der Markt das nimmt.

    Fischerdübel macht das wohl einfach so (wie viele Ingenieure tun: Sie denken sich ein Produkt aus. Und gucken, ob der Markt das dann nimmt.

    Übe diese Denkweise ist schon viel geschrieben worden und von beruferen Autoren als mich, aber das ist eben auch: typisch deutsche Ingenieursdenke.

    Besser: Anstatt von Anfang an ein Produkt zu entwickeln, das dem Ingeniur halt so einfällt, besser eines das eine hohe Chance haben wird, nachgefragt zu werden. Vor allem in Bereichen wo die F&E-Kosten horrend hoch sind, kann man sich Flops nur wenige Male leisten. Und ja, es gehört Marktforschung dazu, und Fokus-Groups undund.
    Der Markt spricht sehr wohl im Vorfeld.

    Dennoch passt das Beipiel nicht ganz zu den Werbern
    Denn das Unternehmensberatungsmodell ist nicht neu. Der Markt kennt es. Serviceplan macht seit undenklichen Zeiten MaFo, Planning, Unternehmensberatung und macht darüber kein Getöse man muss und man soll doch und die Werber wären so faul. Sie tun es bereits.
    (Man muss Serviceplan als Agentur nicht mögen, Fakt ist, sie arbeiten so, bieten das auch so an und nicht erst seit gestern.)
    KMS macht Tiefendesign.

    Kann sein, es ist eine Luftnummern-Diskussion, die halt ein Vorzeige-Kreativer aus Awarenessgründen anzettelt. Vielleicht meint er es auch wirklich einfach nur gut.

  19. Andreas

    Bin aber mal so was von bei dir, dass blindwütiges, technophiles Drauflos-Anbieten Unsinn ist. Mutiges Erfinden aber nicht. Und so hatte ich das Fischer-Zitat bislang immer verstanden.

    Und ja! Wenn Agenturen zu besseren KPMGs werden wollen, dann wird´s albern. Und wenn´s sowieso schon alle tun, dann hast du auch mit der Luftnummer Recht.
    Nichtsdestotrotz sind da noch längst noch nicht alle Chancen ausgelotet, wie das Thema „Design Thinking“ am Hasso Plattner Institut (snipurl.com/1079yb ) zeigt. Und neben dieser zugegebenermaßen ganz persönlichen Neigung wird es garantiert auch noch weitere Ansätze geben. Vielleicht im Gespräch mit Armir Kassaei oder vielleicht auch in einer Werbeblogger-Gesprächsrunde mit ein paar Marketingbossen. Und wenn der Vorzeige-Kreative das bewirkt hat, dann hat er auch ein bisschen Awareness verdient ;-)

  20. Vroni

    Das Hasso Plattner Institut
    klingt ein bisschen wie die Karlshochschule.
    Fein, machen.

    Und wann gibt es endlich ein Institut, das… Auftraggeber auf Vordermann bringt?

    Klingt ein bisschen trotzig und ist es auch.

    Ohne eine neue Wahrnehmung auch der Auftraggeber ist es eine einseitige Angelegenheit. Klar, der Auftraggeber sagt er wolle Lösungen. Also nix wie ran leute und macht in Lösungen und nicht in Irgendwaswerbung. Klar doch. Wer das als Agntur nicht kapiert und weiterhin schöen Werbung macht, hat die Zeit verpennt.

    WAS er jedoch unter einer Lösung versteht, da bin ich heute schlauer: mancher versteht genau Werbung, den Film, die Anzeige oder die ganze Kampa bereits als seine für ihn ausgemachte Lösung. (Ist es nicht, es sind nur Formate).

    DArüber stolpere ich oft bei Brief und Re-Brief. Frage ich: was ist das Ziel, kriege ich oft die Antwort: Na, die Broschüre. Sie tragen auch schriftlich ein „Ziel: Broschüre“.
    (Es sind nicht unbedingt dumme Leute, viele haben sogar studiert.)

    Das sind genau diese.
    Dann missioniert mal schön.

  21. Andreas

    Nö, lass mal,
    den missionarisch Eifer, alles beim Alten zu belassen, überlasse ich gerne denen, die mit geballter Zwiespältigkeit sowohl den Status quo beweinen als auch alles Neue madig machen. Die die völlig normalen Frustmomente eines jeden Werberlebens trotzig zum Maßstab allen Denkens erheben. Und die sich auf Basis dieser Gesinnung auch noch mit wortgewaltiger Empörung wundern, warum sich Kunden nicht zu Neuem inspirieren lassen.

    Wünsche von ganzen Herzen eine entspannte Nacht!

    Andreas Frank

    PS
    @ alle: Sorry, wenn ich dazu beigetragen habe, den wirklich spannenden und wichtigen Diskurs zum Dialog degradiert zu haben. Vielleicht gelingt es ja morgen, die unterschiedlichen Gedanken wieder auf breiterer Basis weiter zu spinnen.

  22. Vroni

    „…den missionarisch Eifer, alles beim Alten zu belassen,“

    Hä? :-)
    Ich meinte den missionarischen Eifer, Auftraggeber auf Teufel komm raus zum innovativen Neuen zu bekehren. So wird man mistverstanden. Eine Beziehung muss wachsen.

    Zum Missionieren per se habe ich die klare Haltung: Entweder die Chemie und die gemeinsamen Zielsetzungen passen von Anfang an oder es wird ein schwieriger Prozess.
    Ausnahmen bestätigen die Regel. Es kommt vor, dass man sich zusammenrauft und gute Counterparts draus werden auf beiden Seiten. Oft bleibt die Beziehung aber belastet. Es passt einfach nicht, wie man sich auch erklären und die Gegenseite inspirieren mag.

    “ …überlasse ich gerne denen, die mit geballter Zwiespältigkeit sowohl den Status quo beweinen als auch alles Neue madig machen.“

    Wer kritisiert oder einen anderen Zugang hat, macht also madig. Wer nicht mit mir/uns ist, ist gegen uns (und damit doof und alt und will bloß nicht inspirieren). Das klingt nach Sekte.
    Das ist auch genau Amirs rhetorische Haltung.
    Ich kann ehrlich nichts damit anfangen.

    Er predigt doch sonst, dass man interessieren soll, sonst wird die Botschaft nicht angenommen. Auf die eigene Branche haut er jedoch einfach mal so drauf („drogensüchtige Kreative“, „sich einen runterholen“). Wenn sie Aua sagt, dann gleich noch mal.
    Obwohl ich nicht einmal die eigene Branche bin, kriege ich das Fell versohlt? :-) Bin – mit gutem Grund – aus der Werbung raus und arbeite jetzt ganz anders.

    „Und die sich auf Basis dieser Gesinnung auch noch mit wortgewaltiger Empörung wundern, warum sich Kunden nicht zu Neuem inspirieren lassen.“

    Ich weiß nur, dass die von dir vermutete „Gesinnung“ zumindest bei mir nicht existiert. Wen meinst du?

    „PS
    @ alle: Sorry, wenn ich dazu beigetragen habe, den wirklich spannenden und wichtigen Diskurs zum Dialog degradiert zu haben. Vielleicht gelingt es ja morgen, die unterschiedlichen Gedanken wieder auf breiterer Basis weiter zu spinnen.“

    Wenn das ein Dialog geworden ist, statt auf „breiteren Füßen“ zu stehen, ist das doch nicht deine Schuld. (Meine auch nicht.) Kein Grund, sich dafür schlecht zu fühlen. Jeder kann Kommentare dazu schreiben, seine Ansichten darstellen und den breiteren Fuß herstellen.
    _____________________________________________________
    Diskurs ist kein Wattebäuschen-Weitwurf, bei dem man sich plötzlich unmotiviert beleidigt zurückzieht und den anderen doof und mit „Gesinnung“ findet, wenn er mal nicht die gleiche Meinung hat. Das finde ich jedoch gerade bei Kreativen häufig vor: Harmoniesucht und fehlende Konfliktfähigkeit. (Au, das war jetzt deutlich doof, jetzt bin ich endgültig in Ungnade gefallen…)

  23. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Vroni: Hast du jetzt Amir diesen Schluss-Absatz in den Mund legen wollen?
    Zum Thema: Auch aus meiner Sicht ist die wesentliche Beobachtung in der Tat, dass Kunden über Jahrzehnte ihre Agenturen da hinerzogen haben, wo sie jetzt zu einem Großteil stehen. Und das ist sicher nicht Unternehmensberatung. Nicht jeder Kunde und nicht jede Agentur hat sich so verhalten -es gibt willkommene Ausnahmen.Die Tatsache aber, dass leitende Agenturvertreter beschreiben, wie Ihnen immer öfter nur der „Lieferanteneingang“ und/oder der gepitchte Preisbasar bleibt, deutet darauf hin, dass der Haupteingang für andere Strategieberater vorgesehen ist ;-).

    Im Grundsatz erkenne ich aber das Anliegen von Amir durchaus und teile es auch, egal ob der Shift jetzt „kreative UB“ oder „neuer Beratungsansatz“ heißt. Es geht im Prinzip um nichts anderes als die Frage, welchen Stellenwert „Werbung“ bei den Kunden noch hat. Werbung als Teildisziplin der Marketingkommunikation ist eben zum kreativen Lieferprodukt geworden. Abrufbar von hunderttausdenden von Werbeagenturen, die sich so nennen und froh sind, dass ein Auftrag mehr ins Haus kommt. Werbung ist zudem im Verständnis vieler nachwachsender Konsumenten zum „notwendigen Übel“ verkommen oder noch übler: zum -vermeintlich- verzichtbaren Kommunikationsansatz mit dem Markt, zur Kostenposition mit Nervfaktor, dessen Rechnung der Kunde obendrein am Ende im Produkt bezahlt.
    Deswegen ist die „Funtheory“ oder auch ein unterhaltsamer SocialMedia-Case wie bei Old Spice ein! prinzipiell gelungenes Beispiel, wie Konsumenten wieder mehr Spaß (Entertainment) und Einbindung (Involvement) bei der Markenkommunikation erhalten können.

  24. Marketing Manager

    Aus theoretischer wie praktischer Erfahrung ist der Move inhaltlich wichtig, aber auch nicht von heute auf morgen zu leisten.
    Eine kreative Unternehmensberatung sollte sich zuerst in ihrem Selbstbild von einer Kreativberatung deutlich unterscheiden. Die Antwort auf diese Frage ist mehr als spannend! Vor allem geht es bei der Unternehmensberatung um mehr Themen als Marke und Kommunikation. Das ist in meinem Augen der Punkt: dafür benötigt man keine gute Agentur, sondern Wirtschaftskompetenz. Diese Kompetenz liegt bei den klassischen Unternehmensberatungen und in entsprechenden (strategischen) Schlüsselpositionen in Unternehmen. Die Arbeit eines Marketers ist eben, unternehmensstrategische Ziele in Prozesse zu übersetzen, die Wettbewerbsvorteile und Profite gleichermaßen erzielen – ob durch Marken oder Produkte oder beides. Das ist sein Job – wofür benötigt er da einen kreativen Unternehmensberater? Dafür reicht in meinen Augen der klassische Bezugsrahmen eines Werbers der „älteren Generation“ auch nicht aus. Dennoch sehe ich beim Planning eine (positive) Tendenz, mehr Bewegung in das Spiel zu bringen. Aber zurück zum Unternehmen: Was kauft der Marketer ein? Bei der Agentur Kreativität und Methodenkompetenz für die Umsetzung von Marketingkonzepten, aber keine ganzheitliche, strategische, prozessorientierte Beratung. Zumal die praktische Erfahrung zeigt, dass wenige Werber (sorry!) die abzubildenden Prozesse, um Marken lebendig zu gestalten, kennen bzw. durchlebt haben: Einkauf, Logistik, Recht, Vertriebsplanung, Operatives Management…
    Erst wenn es entsprechende Bildungsangebote und einheitliche Bezugsrahmen gibt, die wirtschaftliches Agieren eröffnen, die sich aus kreativen Prozessen und der dahinterliegenden Modellen ergeben, ist die Nachhaltigkeit eines kreativen Unternehmensberaters bewiesen und gefragt. Aber aus rein kreativen Beweggründen Unternehmen zu beraten, da muss sich die Werbebranche zu allererst die (interdisziplinäre) Kompetenz erarbeiten, die moderne Strategie- und Unternehmensberatungen heute mit sich bringen, in dem sie die Besten aus jeder Wissenschaft versammeln. Der Weg geht in die richtige Richtung, aber ein entsprechend fundiertes Angebot zu gestalten wäre eine lange, sicherlich lohnende Aufgabe. In Berlin gibt es einen Studiengang, der sich genau diesem Thema widmet – man nennt ihn GWK (Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation) – er befindet sich auf dem guten Wege, ein Angebot in diese Richtung zu entwickeln. Aber auch erst, wenn Wirtschaftswissenschaften zum Pflichtfach werden ;-)

  25. Klaas Kramer

    @Marketing Manager
    Meine Erfahrung mit jungen Leuten: Sie begreifen, worauf es ankommt: Verknüpfung von BWL-Planungs-Know-how, Rechnenkönnen, kulturelle und unternehmerische Kompetenz sowie Kommunikationskompetenz im Austarieren von personellen Ani-Mimositäten in Organisationen. Kanäle und Instrumente sind Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst.

    Neben dem GKW-Studiengang ist m.E. der Studiengang Wirtschaftskommunikation an der HTW in noch stärkerem Maße auf Kommunikationsmanagement auf Unternehmensseite und Instrument-übergreifend aufgestellten Agenturen abgestimmt.

    Im Übrigen besteht das Gewerk der Unternehmensberater nicht nur aus Zahlen-, Daten- und Matrizendrehern, sondern aus Beratern, die sich auf Menschen und Dynamiken in Organisationen verstehen (Systemische Berater z.B.). Eine Reihe ehemaliger Corporate Branding Beratungsfirmen machen seit einiger Zeit Internal und Employer Branding. Im Übrigen sehe ich nicht, dass sich die klassischen Unternehmensberater wirklich auf Strategie verstehen, auch wenn sich die BCG mit Clausewitz brüstet. Das können viel eher die EKS-Berater wie z.B. der Ex-Werber Peter Sawtschenko. Nur arbeiten die eher für mittelständische Firmen, wo sie es mit Unternehmern zu tun haben.

    All das sind Unternehmensberater. Ich sehe sehr wohl ein Betätigungsfeld für „kreative Unternehmensberater“, die sich auf (Kommunikations)bedürfnisse der Menschen im Markt verstehen.

  26. Die neue Pampers: 10 Jahre für’n Popo! | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Die neue Pampers: 10 Jahre für’n Popo!

    […] da hätte ich mir wirklich einen kreativen Unternehmensberater gewünscht, der angeregt hätte, doch mal bei CATSAN reinzuschauen, die sich “seit […]

  27. Andreas

    @ Roland: Jau! Wie das Kind heisst, ist völlig schnuppe. Hauptsache wir hören damit auf, uns selbst den Weg zu neuen Lösungsansätze mit Stereotyp (blöde Kunden / bekiffte Kreative / Buzzword-Bingo-Berater….) zu verstellen.

    @ Marketing Manager: „Was kauft der Marketer ein? Bei der Agentur Kreativität und Methodenkompetenz …” und die Fähigkeit die Marke relevanter zu machen. Durch Kreation, Beratung, Planning etc. pp.
    Bislang stoßen wir damit aber immer dann an unsere Grenzen (deshalb das Bild vom „Pferdelackierer“ ;-) wenn es Produkten und Dienstleistungen an Substanz fehlt. Aber genau hier könnten Agenturen zukünftig ansetzen: Viel früher als sonst üblich, mit jeder Menge interdisziplinärer Kreativität und mit der Chance, geile Kommunikation für Marken machen zu können, die bereits aus sich heraus relevant sind.

    @ Klaas: Sehe ich genau so. Markenstrategien von klassischen Unternehmensberatungen sind in aller Regel schnarch langweilig und alles andere als relevant. Da brauchen sich gute Berater, Planer und Kreative weiss Gott nicht zu verstecken. Im Gegenteil!

    @ Roland / Christoph: Wie sieht´s denn aus mit dem Armir-Podcast ?!

  28. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Andreas: wenn ich morgen Abend von meinen „kreativ-unternehmensberatenden Tätigkeiten“ zurückkomme (ich hoffe, ich kann dann noch den Vordereingang benutzen), dann werde ich mal schauen, wie Amir über einen gemeinsamen Podcast zu dem Thema denkt.
    Gute Nacht und danke allen Diskutanten für die Insights.

  29. Vroni

    Nicht nur Werber, Designer (so komische Gesellen wie ich..) tuten ins gleiche Horn:
    designkritik.dk/2010...

    Auszug (Zitat Prof. Stapelkamp, Hof):
    „Bisher führte eine auf Utopie und Idealismus aufbauende Grundhaltung der Designer und der Designprofessoren nur dazu, das Designer als Künstler, als Bastelbären, eben als nicht wirklich ernst zunehmende Marktteilnehmer wahrgenommen werden und genau deshalb schlecht bezahlt sind und auch Schwierigkeiten darin haben, ihre Auftraggeber davon zu überzeugen, wie hochwertig doch eigentlich ihre Arbeits- und Ideenleistung ist.“
    […]
    „Design bewegt sich im allgemeinen Verständnis und auch an den meisten Designausbildungen immer nur auf der Ebene des Entwurfs und der Umsetzung des Entwurfs. Aber erst wenn man den kompletten Prozess vom ersten Gedanken beim Anwender bis zur Umsetzung aller Nutzungs- und Feedback-Szenarien analysiert und gestaltet hat, ist die Aufgabe eines Designers erfüllt. [Fettung von mir, d. S.] Ansonsten basiert ein Entwurf auf keinem tragfähigen Konzept und stellt lediglich eine Dekoration gegebener Umstände dar. (Prof. Stapelkamp, Hof)“

    Der grafische Bastelbär für die „Dekoration gegebener Umstände“ ist out (der wird auch in Zukunft wg. Minderbezahlung verhungern, weil das … eine Minderleistung ist: Einfach zu wenig.)

    Ein Designer muss Lösungskreativität haben.

  30. Martin

    Was mir bei der Diskussion völlig untergeht ist ein viel tiefgreifenderes Problem:
    Klassische Agenturen (Netzwerk wie auch Inhabergeführt) haben aus meiner Sicht seit Jahrzenten keine Innovation mehr gezeigt. Wo bleibt die gute Idee das Geschäft mit der Werbung einmal komplett anders zu machen?

    Fluggesellschafen: Ryanair
    Distanzhandel: Amazon
    Paketversand: Packstation
    usw usw…

    Was ist bei Werbeagenturen passiert? Im Grund sind wir immer noch bei dem Modell der 50er Jahre. Wirklich geändert hat sich nur, dass Agenturen kaum noch Agenturprovision gegenüber dem Kunden durchsetzten können.

    Was Werbeagenturen bräuchten ist ein innovativer Ansatz, ihr Business Model neu zu denken, statt alle paar Jahre wieder eine Sau durch das Dorf zu treiben (Dialog-Marketing, Social-Media, Mobile,…)! Und dazu zähle ich auch den Ansatz verstärkt das Planning mit einzubinden (ja ich verzichte auf den Begriff der Kreativen Unternehmensberatung).

  31. Mark Sargent

    Amir Kassaei ist zu danken, dass er mit der ‚Fun Theorie‘ das Rennen eröffnet hat mit ‚Ideen die was tun‘ immer neue Bedeutung für die Marken zu schaffen und das zeitgemäss!
    Eure werten Beiträge und Kommentare haben mich zu der Überzeugung kommen lassen, das nur ein solches von Amir Kassaei vorgeführtes Tatsachen schaffen uns eine Zukunft in der Kommunikation sichern kann und damit auch die Zukunft der Kommunikation gesichert wird. Indem wir Tatsachen schaffen mit Ideen die was tun, demonstrieren wir gleichermassen neue Geschäftsmodelle und Innovation, also Erfindungsgeist. Freilich läuft es darauf hinaus wie auch Martin andeutet, dass alle Beteiligten, Kunde, Agentur, Zulieferer, also auch der Konsument in den Innovationsprozess mit eingebunden werden. Ganz einfach mittels Agenturblog, der Raum für Gedanken ermöglicht und die Entstehung begleitet und dokumentiert.

    Die Deutsche Kommunikationsbranche erwartet sich nun (so hoffe ich) von DDB eine kontinuierliche Berichterstattung und Nachberichterstattung zu VW Funtheorie inklusive Zahlen und Statistiken um Skeptiker in Unterstützer zu wandeln und um seine Spitzenposition auf dem Deutschen Markt gerecht zu werden.

  32. ralf schwartz

    @Mark Sargent
    „Die Deutsche Kommunikationsbranche erwartet sich nun (so hoffe ich) von DDB eine kontinuierliche Berichterstattung und Nachberichterstattung zu VW Funtheorie inklusive Zahlen und Statistiken um Skeptiker in Unterstützer zu wandeln und um seine Spitzenposition auf dem Deutschen Markt gerecht zu werden.“

    Richtig. Danke. Und nicht nur die, sondern ganz speziell auch die Leser des werbeblogger – wie hier
    werbeblogger.de/2010...
    und hier
    ralfschwartz.typepad...
    und in vielen Kommentaren bereits angeregt.

  33. Thomas Walter

    Ich kann nicht sagen, was der Begriff „Kreative Unternehmensberatung“ für andere bedeutet. Ich kann nur sagen, was wir darunter verstehen. Wir (www.supersieben.de) arbeiten jetzt schon seit ca. 3 Jahren als kreative Unternehmensberatung. Für Kunden wie Henkel, Colgate, die Krebsgesellschaft NRW und viele andere lösen wir Marketing- und Vertriebsprobleme. Um das erfolgreich zu tun sind wir anders aufgestellt als herkömmliche Agenturen, arbeiten mit völlig anderen Tools und kommen deshalb auch zu völlig anderen Ergebnissen.
    Der Hauptunterschied zur Werbeagentur (war selbst Geschäftsführer bei Grey und BBDO) ist folgender: Statt ständig darüber nachzudenken „Was können wir in welchem Medium wie (goldverdächtig natürlich) sagen“ denken wir ausschließlich darüber nach, was getan werden muss, um das Geschäft des Kunden voranzubringen. Klingt nicht nach einem großen Unterschied. Ist aber eine ganz andere Dimension.

  34. Vroni

    @ Thomas Walter

    Sagte ich doch unlängst auf den Werbeblogger:
    Wer als Agentur gut ist, macht das längst.

    Als kleine Bude mache ich auch nichts anderes. Heute einem abgesagt, der Mordsgedöns mit Namin und Logo glaubte zu brauchen. Denn er braucht erstmal was ganz anderes.
    Und das habe ich mit Verve vertreten.

  35. Sind Kreativdirektoren zu dumm? | NeueWerbung

    […] Amir Kassaei´s Agenturmodelle: der Traum einer kreativen Unternehmensberatung— […]

  36. Design mit Tiefgang – was soll das eigentlich? | Grafikatur Blog – Design mit Tiefgang

    […] Den Traum einer kreativen Unternehmensberatung nennt es Amir Kassei, während Hannes Offenbacher nach dem Weg zurück zur ursprünglichen Kreativität sucht. Für mich stellt es aber vielmehr ein Leistungsversprechen an mich selbst dar, meine Kreativität jeden Tag aufs neue kritisch zu betrachten und mir dafür die nötige Zeit zu nehmen. Für meine Kunden ist dies nur begrenzt möglich, da sie nicht den Einblick haben, um beurteilen zu können, ob meine Arbeit wirklich kreativ ist. Es wäre zu einfach Design mit Tiefgang mit zufriedenen Kunden zu argumentieren. Es ist mehr eine Frage die den Arbeitsstil betrifft. Ich kann meine Arbeit auch noch so kreativ machen und am Ende kommt ein im höchsten Maße langweiliges Ergebnis zum Vorschein. Genau an diesem Punkt sich die Zeit zu geben es gut sein zu lassen und am nächsten Morgen neu zu beginnen, wenn der Geist danach ist lässt Design mit Tiefgang entstehen und vermeidet Massenware und Kopien von bereits geleistetem kreativem Denken. […]

  37. Datenliebe und was “kreative Unternehmensberater” damit anfangen könnten. | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] direkt zur obersten Unternehmensleitung hofiert wurde. Kein Wunder, dass Branchenvorreiter wie Amir Kassaei diese Entwicklung beklagen und fordern, dass die Branche ihr Heft wieder selbst in die Hand nimmt und es selbstbewusst durch den […]

  38. Kreativer Unternehmensberater | NeueWerbung

    […] im Sommer letzten Jahres, zusammen mit seiner aktiven Leserschaft, was es damit auf sich haben mag, hier zu lesen. Benchmark: kreativer […]

  39. Im Visier: Amir Kassaei kritisiert die Konsumgläubigkeit der eigenen Branche | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] Metaausflügen auch mächtig auf die Nerven. Aber im Kern hat er Recht, egal ob es um das Ansehen und die Positionierung von Agenturen, werbliche Verführung bzw. Täuschung oder die Beliebigkeit von Markenarbeit und Produkten […]

  40. Achtung Werbeagenturkunden: Würgt eure Dienstleister nicht zu Tode! | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] sagte es noch Amir Kassaei sinngemäß: die Agenturen werden heute wie die Papierlieferanten durch den Hintereingang geschleust um ihre […]

  41. Montagspredigt: ‘Binsen-Gebinde’ haben Revolutions-Potential! | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] denke ich, es ist viel sinnvoller in Binsenweisheiten zu sprechen, damit aus der Weisheit endlich die Tat wird, als in Innovationen sich zu verlieren, die erst langsam durch die Trendsetter-Hirne tröpfeln […]

  42. DO

    Nur kein Neid leute ;)

  43. Montagspredigt: ‘Binsen-Gebinde’ haben Revolutions-Potential! | Testblog

    […] denke ich, es ist viel sinnvoller in Binsenweisheiten zu sprechen, damit aus der Weisheit endlich die Tat wird, als in Innovationen sich zu verlieren, die erst langsam durch die Trendsetter-Hirne tröpfeln […]

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