12.07.10
12:31 Uhr

retroGrey – Bleibt in der ‘Recession’ nur der ‘Exit’?

Am Wochenende bin ich mal meine RSS-Feeds durchgegangen und habe sie um alles bereinigt, was mir qualitativ nicht mehr gut genug war, quantitativ zu aufdringlich erschien oder (wohl) einfach eingestellt wurde – insgesamt 33 Feeds.

Zwei Blogs sind mir besonders aufgefallen: einerseits mit Exit Recession das Blog der Grey Gruppe, andererseits retromedia. Einerseits, andererseits?

01 – Mit Exit Recession schließt ein Agentur-Blog ohne sich zu verabschieden. War es so wenig erfolgreich? So arbeitsintensiv? Oder ist die Rezession bereits im Oktober 09 zu Ende gewesen – und wir alle haben es gar nicht bemerkt – so daß man Exit nicht mehr benötigte?

Schade, daß Agenturen ihre Kommunikation so wenig ernstnehmen, daß sie aus Projekten einfach aussteigen und die Ruinen unberührt im Netz zurücklassen. Das erinnert ein wenig an die Wahlplakate der Parteien, die nach der Wahl (weiterhin) die Landschaft verschandeln und manches Versprechen als wahre Lüge enttarnen.

“Echte Größe ist gefragt” heißt dann auch der letzte Post am 12. Oktober 2009 im Exit Recession Blog. Eine Vorahnung des kommenden Endes? Nein, denn der Post selbst hat nur noch wenig mit der deutungsvollen Überschrift zu tun. Werbisch halt.

Das hätte eine gute Sache werden können. Ein spannendes Thema war es allemal. Vielleicht aber hat man es nur selbst nicht richtig verstanden. Denn obwohl die meisten Überschriften (wie die letzte) mit der Krise zu tun haben, wirken die Texte selbst dann sehr an den Haaren herbeigezogen. Werbisch halt, wie gesagt.

Konsequenterweise hat man den Twitter-Account auch sterben und die 266 Follower ohne Abschied am langen Arm verhungern lassen.

Schade, denn Frank Dopheide, Chairman Grey, hatte so schön getextet: “Lesen Sie, was wir aus der Vergangenheit lernten. Was Erfolgsmodelle sind und was der Rest der Welt dazu so denkt. Einfach hier klicken.” Tja, qed.

02 – retromedia, nach eigenem Bekunden, der “Friedhof der Medienbranche. Hier finden Sie nützliches und nutzloses Wissen über Zeitschriften, TV-Sendungen und Internet-Angebote, die es nicht mehr gibt. Kommen Sie mit uns auf eine Zeitreise durch die Mediengeschichte.”

Nun gehört man anscheinend selbst dazu – oder hat seit Mai 09 kein Titel mehr das Zeitliche gesegnet? Und man macht nur ein Päuschen? Vielleicht erfahren wir es ja in den Kommentaren, wenn die Macher diese Zeilen hier lesen – denn auch retromedia hat sich nicht von seinen Lesern verabschiedet.

Wünschen würden ich mir jedenfalls, daß einerseits relevante Angebote wie retromedia ‘alive & kicking’ blieben, andererseits Agenturen die Kommunikation im Netz ernster nehmen, den Dialog leben und beweisen, daß sie verstanden haben, wohin sich ihre Welt entwickeln wird.

Keine Tags vorhanden

8 Kommentare

  1. J. Martin

    Na toll, erst jetzt raffe ich, daß Magazine Death Pool, retromedias englischsprachiges Vorbild, schon vor Monaten auf Feedburner umgestellt hat, ohne daß mein Google Reader & ich das gemerkt hätten. Und ich dachte schon, das Magazinsterben sei vorbei …

  2. ralf schwartz

    @J.
    :)
    Nun, anscheinend habe ich die beiden auch nicht so sehr vermißt, daß sich bei mir eine deutliche Lücke, ein Trennungsschmerz sozusagen, einstellte.
    Ich mußte auch erst durch die ‘verfaulenden’ Feeds daran erinnert werden, daß da mal was war.

  3. Grey Worldwide

    Sehr geehrter Herr Schwartz,

    haben Sie vielen Dank für Ihren offenen und freimütigen Post!

    In der Tat: Wir haben den Exit Recession Blog sowie den dazugehörigen Twitter-Account brach liegen lassen. Und: Sie weisen zu Recht daraufhin.

    Wir konnten uns dem Thema, welches thematisch durchaus, wie Sie ja bestätigen, interessant gewählt ist, nicht in der Art und Weise widmen, wie wir es uns vorgestellt haben. Auch im Hinblick auf unsere Leser tut uns dies wirklich leid.

    In der Zwischenzeit haben wir reagiert. Künftig werden wir nach Kräften versuchen, in der Blogosphäre und im Social Media Bereich allgemein einen nachhaltigen Auftritt anzustreben.

    Insbesondere über die persönliche Präsenz unserer Mitarbeiter Johannes Lenz und Andre Paetzel möchten wir in Zukunft die Kommunikation rund um das Social Web offener gestalten.

    Wenn Sie dazu Fragen haben, beantworten wir Ihnen diese gerne.

    Mit besten Grüßen aus Düsseldorf

    Johannes Lenz

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Gut, dass es bei Grey jetzt jemanden gibt, der zuhört :-)
    logolook.de/2010/07/...

  5. Andre Paetzel

    Wir geben auf jeden Fall unser Bestes ;)

  6. ralf schwartz

    @roland
    Wer hat ihm diesen “offenen und freimütigen” Brief(!) wohl geschrieben, in dem er sich selbst “unser Mitarbeiter Johannes Lenz” nennt – und mich mit “Sehr geehrter Herr Schwartz” anspricht? :)

    Ich fühle mich dann so alt, Johannes!
    Danke für Deine Antwort, und die PR-Entschuldigung an die Leser, geholfen ist ihnen damit nicht. Du drehst Dich bei einer Party ja auch nicht einfach auf dem Absatz rum und läßt Dein Gegenüber stehen. Social Media funktioniert so nicht.

    Viel zu tun – Viel Vergnügen!
    Als uralter Grey/Media-ner bin ich natürlich besonders gespannt.

  7. Grey Worldwide

    Hallo Roland,

    da hast Du absolut Recht. Ich denke, wir haben da die gleiche Einstellung zu Social Media.

    Schließe mich Andre an: Wir werden unser Bestes geben!

    Viele Grüße

    Johannes

  8. carlos care

    Es tut so was von weh, sich dieses halbherzige Amateur Geschwafel von Grey anzuschauen. Das PR Antwortbriefchen von Grey oben mit den merkwürdigen Anreden und verschiedenen Absendern ist mal wieder ein perfektes Beispiel für öffentlich zur Schau gestelle PR Vaux Passe en masse.
    Generell hat man das Gefühl, Greys Online Gehversuche taugten höchsten als Lehrstück in der Rubrik: “Finde den (eigentlich eher DIE) Fehler.”
    Grey bleibt sich aber wenigstens selbst treu: Wie immer werden wenn es wichtig wird zwar durchaus ambitionierte aber eben auch blutjunge und unerfahrene Rookies im Bereich Social Media auf die Strasse geschickt und das Rest-Image von Grey nun auch digital voll vor die Wand zu fahren. Wenigstens das ist konsequent und stringent! Kann da mal bitte jemand intervenieren, bevor noch weitere Grey Mitarbeiter zum vorlesen von Blitz Illu Horoskopen gezwungen werden (blog.grey.de/tag/hor...) um völlig redundanten Content zu generieren?! (In diesem Zusammenhang wundert es mich, dass es keine Zeit für den Exit Ressession Blog gab, aber für tägliche hausinterne Zukunftsorakeln…)
    Also Jungs, nichts für ungut, ich finde ihr macht das toll, Und das meine ich ernst: Viel Herzblut und Mühe drin, das ist klar, aber man muss eben auch schauen, dass alles eine gewisse Qualität – naja – zumindest nicht unterschreitet. Und um das zu gewährleitsten braucht man eben manchmal etwas mehr als 2 Jungster und eine Videocam…
    Leider ist der eigene Firmenblog einer Kommunikationsagentur keine gute Plattform zum testen uns ausprobieren – man sollte schon einigermaßen wissen, was und wie man es tut. Das Internet ist natürlich tagesaktuell und hat immer Raum für Verbesserungen, sicherlich, aber: Es vergisst eben auch nicht. Beobachter eures Tuns haben oft nicht mehr übrig als eben heftiges Kopfschütteln vor so viel fehlender Konsequenz, Stringenz und Ausführungsqualität von “Deutschlands #2″…

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop