08:24 Uhr
Ich wünsche mir mehr Unbescheidenheit bei der Telekom
Erfolge einfach nicht feiern zu können, sich nicht ausgelassen freuen zu können, das ist eine typische Eigenschaft deutscher Unternehmen und Politik in der Öffentlichkeit. Natürlich, es gibt wenig zu feiern – umso wichtiger sind die kleinen, motivationalen Erfolgssplitter, die uns alle so wundervoll den Tag versüßen und zu weiteren Erfolgen(!) anstacheln.
Ich habe z.B. nun zweimal die Telekom gelobt für das Handling meines Accounts bzw. einer Anfrage vor einigen Tagen.
Warum stellt man nicht positiv heraus, was ich am 19. April schrieb?
(“Sabrina Klegin und Oliver Yeh kämpften für mich und haben mir (sowie den eigenen Häusern) bewiesen, wie Customer Service wirklich funktionieren kann, wenn man sich selbst mit Verve einbringt, keine falschen Grenzen akzeptiert und sich einfach vorstellt, man selbst könne ja auch mal in der misslichen Lage dieses Kunden sein.”)
Warum muß ich nach Tagen nochmal
“RT @mediaclinique @Telekom_hilft Wow! Zeichen & Wunder! Vorbildl Service (aktiver Anruf) von Kathleen Vaessen. Wenn nur mehr bei T so wären!”
retweeten, weil niemand bei der T darauf eingeht?
Warum ‘feiert’ man nicht diese Leistungen, die für mich so beeindruckend waren, daß ich sie in die Öffentlichkeit hinausposaunen wollte, indem man sie verbreitet? Stattdessen gibt es Entschuldigungen, Entschuldigungen und Entschuldigungen :)
Warum stellt man die positiven Beispiele nicht ebenso positiv heraus? Warum nutzt man die Chance zur positiven Mundpropaganda nicht?
Warum verstehen Unternehmen wie die Telekom nicht, daß man seine ‘Fans’ sorgsam auswählen und promoten muß? Daß dies zu einer offenen, motivierenden Corporate Culture gehört? Daß man so am schnellsten, effizientesten und effektivsten lernen, sich entwickeln könnte? Als Mitarbeiter, als Marke, als Unternehmen?
Warum verstehen Unternehmen wie die Telekom nicht, daß man so am effektivsten am Image seiner Mitarbeiter, seiner Marke und seinerselbst arbeiten und es optimieren könnte?
Natürlich ist das nah am Stolz – und unbescheiden. Aber warum soll man nicht auch einfach mal stolz sein dürfen auf das, was man geleistet hat? Stolz und unbescheiden!
Ich jedenfalls wünsche mir von unseren Managern, Marken und Unternehmen mehr (gerechtfertigten!) Stolz auf ihre Mitarbeiter – und entsprechende Un-Bescheidenheit!
4 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 1. Juli 2010 um 11:00 Uhr
Es ist wahrscheinlich noch nie zuvor vorgekommen, dass jemand etwas bei der Telekom gelobt hat. Darauf sind die verständlicherweise nicht vorbereitet und müssen erst ein standardisiertes Verfahren zur Reaktion auf positive Rückmeldungen entwickeln.
Am 1. Juli 2010 um 13:44 Uhr
Ja, sowas kann manchmal ein ganz schöner Schock sein.
Der Grat zwischen Bescheidenheit und Unbescheidenheit ist ein schmaler. Vor allem wenn jegliche Unbescheidenheit großer Unternehmen normalerweise sofort von der Blogosphäre abgestraft wird.
Hier braucht es Selbstbewußtsein!
Am 1. Juli 2010 um 21:03 Uhr
Bescheidenheit steht der Telekom ganz gut. Das Hinausposaunen kleiner Erfolge wäre verständlich. Doch offenbar wissen sie dort, dass sie damit die vielen hundert (tausend?) anderen verhöhnen, die wochenlang auf Telekom-Hilfe warten oder Stunden in der Warteschleife verbringen. Dass es Ausnahmen von dieser Regel gibt, macht es ja nur noch schlimmer.
Am 2. Juli 2010 um 08:42 Uhr
Einerseits richtig – und auch ich wäre so richtig neidisch auf die gewesen, denen es mit der Telekom besser ging als mir. Man fragt sich, warum immer ich? Wieso geht es den anderen besser?
Andererseits, denkt man einen Moment länger darüber nach, hätte man zumindest noch ein wenig Hoffnung, daß es auch anders, also gut und richtig, geht bei der Telekom, würde man auch mal Positives berichten/’feiern’.