23.06.10
16:31 Uhr

Kriegsspiele: Cerveza Quilmes


Promo Quilmes Mundial (WM 2006)

Dies ist ein Promo-Video zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für Quilmes Bier, offizieller Sponsor des argentinischen Nationalteams. Die Agentur wird nirgendwo genannt; die aktuelle Hausagentur ist Young & Rubicam, Argentina.

Bilde ich mir das nur ein, oder ist dieser Clip gepackt voll mit visuellen Memen aus Kriegs- und Terrorreportagen? Hier ein paar Frames, die mir besonders auffielen:

Schon klar, daß sich Fußball ebenso wie Marketing vorzugsweise aus dem Kriegsmetaphern-Arsenal (sic) bedient, aber die hier um den Fußball herum plazierten visuellen Metaphern finde ich schon sehr speziell, von der trauerumflorten Vignette, gesprochen von Diego Maradona, bis zum Bekleben von Wänden (Überkleben von Pin-up Girls, in diesem Fall) mit Personenphotos, was an die bedrückende Tradition der Vermißte-Personen-Photowände gerade auch in mittel- und südamerikanischen Ländern erinnert.

Ist das Absicht? Und welche Absicht wurde damit verfolgt? Oder folgten Auswahl und Schnitt lediglich dem unbewußten Impuls, trittbrettzufahren auf den Effekten der visuellen Dramatik des Terrors, was sich nur bei in dieser Hinsicht ausreichend kontextualisierten oder medial konditionierten Beobachterinnen und Beobachtern bewußt manifestiert?

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3 Kommentare

  1. Hannes Jähnert

    Nun ich glaube, man muss schon schwer sensibilisiert sein, um zu sehen, was du siehst. Wie in vielen Spots, die eine Bootschaft, an starke Emotionen gebunden, verbreiten wollen, finden sich auch hier visuelle Metaphern auf emotional aufgeladene Medienereignisse (wie Krieg). Doch nur weil Häuser zu explodieren scheinen muss man nicht auch das Überkleben eines Pinup-Girls als Anspielung auf Rasterfahndung oder ähnliches verstehen.

  2. J. Martin

    @Hannes Jähnert Schon recht, und das leugne ich ja auch gar nicht. Aber die schiere Taktzahl an visuellen Memen in dieser Richtung erschien und erscheint mir ungewöhnlich hoch. (PS nicht Rasterfahndung, sondern Missing-Persons-Walls.)

  3. Timo

    Schön, dass du dieses Thema aufgreifst. Ich glaube man muss nicht “schwer sensibilisiert” sein, um die ästhetischen Referenzen auf Krieg und Terror-Reportage hier zu erkennen. Man muss nur ein geschultes, analytisches Sehvermögen ausgebildet haben. Im Spot ist die angesprochene Stilistik sehr subtil und gekonnt eingewoben, evoziert aber gerade dadurch ein unterschwellig wirkendes, aggressives emotionales Gefüge, das sich sehr von den anderen Werbespots à la Fest-der-Völker-Gestus differenziert.
    Danke für die scharfe Beobachtung!

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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