21.06.10
14:48 Uhr

Production Value und der neue Optimismus

Ich bewundere Seth Godins Optimismus. Seine Kernthese: Mit all den neuen Werkzeugen, die Menschen zunehmend erschwinglich oder sogar frei zur Verfügung stehen, können auf jedem erdenklichen Gebiet Inhalte realisiert werden mit einem so hohen “Production Value”, daß sie von „professionellen“ Inhalten kaum oder gar nicht mehr zu unterscheiden sind.

Sein Fazit:

So I guess instead of slick we’re now seeking transparency and reputation and guts.

Schön wär’s.

Zum einen bleibt die Technik im professionellen Bereich nicht stehen; viele der neuen Tools sind herabfallende Brotkrumen von den frischen Broten, die in der Profi-Industrie gebacken werden. Um es überspitzt zu formulieren: Daß Teflon ein Beiprodukt des Space Race ist, heißt ja nicht, daß wir eine Saturn V nicht mehr von einer Bratpfanne unterscheiden können. Und selbst da, wo Laien das Production Value eines Inhalts nur schwer einschätzen können, ist im direkten Vergleich mit einer bewußten oder unbewußten Wahrnehmung des Unterschieds immer zu rechnen. Das gilt für Musik- oder Filmproduktion ebenso wie für Werbung.

Und selbst wenn es so wäre: Würde “slick” wirklich abgelöst werden von “transparency, reputation, and guts”? Und selbst wenn auch das so wäre („und gelänge dies, nichts wäre gewonnen“ — ich bin wieder bei Kafka): Wo steht geschrieben, daß sich mit genügend Production Value “transparency, reputation, and guts” nicht täuschend ähnlich imitieren lassen? Ist der witzige, authentische Fanvertising-Clip, den wir auf YouTube sehen und über Twitter verbreiten, wirklich so authentisch, wie wir denken? Nachdem sich die virale Kraft von Fanvertising bei Agenturen einmal herumgesprochen hat?

Und noch ein wichtiger Unterschied: Das Produzierte publizieren können wir zwar alle, ebenfalls dank der neuen Werkzeuge und natürlich der Neuen Medien. Aber hohe Marketing- und Werbebudgets sind hohe Marketing- und Werbebudgets. Und die sind oft nicht nur wichtig für den initialen Schub, sondern auch dafür, daß die einmal gezündete Viralrakete auf dem Radar der Zielmenschen erscheint und dort von ihnen so lange wie möglich auch tatsächlich verfolgt wird.

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Ein Kommentar

  1. Charakterspiel: Allstate Insurance | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Charakterspiel: Allstate Insurance

    [...] für (zur Zeit unausgeübtes) Motorradfahren, (Super) Slow Motion und (slick) Production Value wie durch Butter [...]

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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