10.06.10
19:20 Uhr

Die Vorteile von Social vs. Klassisch Media am Beispiel Jörg Sasses ‘Speicher II’

Bei der Ausstellung RUHRBLICKE stellen Photographen Werke aus, die sich mit dem Ruhrgebiet, seiner Geschichte, den Menschen und Bauwerken beschäftigen: Andreas Gursky, Bernd & Hilla Becher, Thomas Struth, etc.

Die Ausstellung selbst findet im SANAA-Gebäude des Welterbes Zollverein statt, einem Gebäude, das die Zukunft des Ruhrgebietes repräsentiert. Ein reduzierter Komplex, der Mensch und (in diesem Falle) Kunst in den Vordergrund stellt.

Hier eine Innenaufnahme (die wir später noch benötigen). In der Mitte, am Ende der weißen Wand, sieht man eine kleine Ecke des ordentlichen Stapels aus 512 Bilder/Rahmen, der Teil Jörg Sasses‘Speicher II’ ist

By Angelika J. Trojnarski.
Wir alle erinnern uns an die klassischen Medien TV, Radio, Plakat, etc., die zu uns sprechen, uns aber nicht hören können, die monoton ihre Botschaft präsentieren, ihren Text, ihre Bilder – unbeeindruckt von eventuellen Miß- oder Gefallens-Bekundungen des Rezipienten – vor sich hin plätschern lassen bis das Budget aufgebraucht ist.

Ähnlich verhält es sich normalerweise mit der Kunst, wie man zB am Bild im obigen Photo sieht. (Wobei dort die mediale Situation auf die Spitze getrieben wird, denn für den genauen Betrachter ist das Bild im Bild auch noch selbstreferentiell!)

Jörg Sasse nun hat mit ‘Speicher II’ sozusagen das klassische Medium Photographie um die sozial-mediale Komponente erweitert. Eine Erweiterung, die Beispiel, Benchmark und Business Optimization Model für manche Marke und Unternehmung sein könnte.

Im folgenden beschreibe ich Vorgehen und Möglichkeiten von ‘Speicher II’. Zum besseren Verständnis der von mir anvisierten Analogie zu Social Media stelle man sich eine App oder einen Kundenservice vor und ersetze Künstler/Kunstwerk durch Unternehmen/Marke, Mitarbeiter durch Programmierung (oder Mitarbeiter!) und Mensch/Rezipient durch den (pot.) Konsumenten:

- Jörg Sasse erlaubt dem jeweiligen Betrachter von 5 Bildern an einer Wand eben diese Bilder aus einem Fundus von 512 Bildern heraus nach eigenem Gutdünken zu ersetzen, sein Werk zu erweitern, zu verändern, im Auge des Betrachters weiterzuentwickeln. Die Leistung des Künstlers ist hier die Zurverfügungstellung der Bilder.

- 2 Mitarbeiter tauschen auf Rezipientenwunsch ein Bild an der Wand aus. Es gibt 3 Wände, die parallel und indivduell bespielt werden.

- Auf der Rückseite jedes Bildes stehen 10 mögliche Kombinationen mit weiteren Bildern. Kombinationen, die schlüssige Abfolgen ermöglichen. Kombinationen, die vom Künstler bestimmt wurden, um die Qualität des Werkes an sich zu sichern.

- Der Rezipient wählt das nächste Bild. Ab jetzt ist er – aufgrund der Neugier der Umstehenden – nicht mehr alleine. Man beginnt zu diskutieren, zu verwerfen, zu optimieren. Freunde und gänzlich Unbekannte mischen freudig und gern gesehen mit.

- Der Mitarbeiter zieht das gewünschte Bild und hängt es auf. Ein neuer Eindruck, eine neue Lösung entsteht. Neue Perspektiven, neue Horizonte.

- Mehr Menschen bleiben stehen, an drei Wänden wird parallel rezipiert, ausgewählt, verworfen, optimiert, gelacht, gedacht, gemenschelt, kooperiert, kollaboriert und ko-kreiert.

- Die Menschen sind integraler Bestandteil des Kunstwerkes geworden. Sie sind nicht mehr wegzudenken.

- Die Mitarbeiter sind durchweg gut gelaunt, geben ihr Bestes, erteilen Rat, wägen ab, werden ebenso Teil des Werkes.

- Kunstwerk, Mitarbeiter und Rezipienten werden zu einem unteilbar Ganzen. Dieses Ganze ist längst mehr als die Summe seiner Teile.

Während hier der Kunstbär tobt, legt sich Einsamkeit über die klassischen Werke der restlichen Ausstellung. Dies sollte uns zu denken geben … und allen Marken und Unternehmen, die immer noch nicht von Social Networking und seinem Wert, seinem Nutzen und seinen Chancen überzeugt sind.

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4 Kommentare

  1. #Twitternehmen 2010 – Meine Twitter Unternehmung – LOGOLOOK

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  2. Silberfalke

    Sehr interessanter Beitrag. Das hat mich jetzt selbst auf eine sehr gute Idee gebracht. Danke für die Inspiration. Unsere Werbeagentur dankt vielmals :)

  3. Nena

    Vor allem das Foto ist klasse.

  4. Lesetipps für den 16. Juni | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

    [...] Die Vorteile von Social vs. Klassisch Media am Beispiel Jörg Sasses ‘Speicher II’: Jörg Sasse nun hat mit ‘Speicher II’ sozusagen das klassische Medium Photographie um die sozial-mediale Komponente erweitert. Eine Erweiterung, die Beispiel, Benchmark und Business Optimization Model für manche Marke und Unternehmung sein könnte. [...]

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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