09.06.10
12:21 Uhr

Liqui Moly. Das Dittmeyer-Werbeprinzip für die Schmierstoffbranche?

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Nicht erst seit den legendären Dittmeyer-Spots (Valensina) ist das Prinzip authentischer Unternehmerkommunikation in der Werbung verankert. Auch Persönlichkeiten wie Dr. Claus Hipp (Hipp Babynahrung) oder Wolfgang Grupp (Trigema) präsentieren sich in den unternehmenseigenen Werbespots als Testimonial, um auf die besonderen Stärken und gelebten Verantwortungen des gewerblichen deutschen Mittelstands hinzuweisen. Einen weiteren Akteur stellt nun seit einigen Wochen Herr Ernst Prost dar, geschäftsführender Gesellschafter bei „Liqui Moly“.

Der (Media-)Plan:

Bis Juli werden wir mit 100 Ausstrahlungen mehr als 150 Millionen Zuschauer erreichen.[…]
[…]Mit einer in der Unternehmenshistorie einmaligen und spektakulären Kampagne wirbt LIQUI MOLY auf Großflächenplakaten, in zielgruppenrelevanten Printmedien und ab Anfang Mai im Fernsehen. Insgesamt 8.500 Plakate in beinahe 1.000 Städten sind in der Nähe des Point of Sale angebracht. Das besondere i-Tüpfelchen steht den gesamten Mai über auf Berlins berühmtem Flanierboulevard „Unter den Linden“: Ein 210-qm großes Riesenposter zwischen dem Brandenburger Tor und der Friedrichstraße in der Nähe des Nobelhotels Adlon. Ein absoluter Hingucker in unserer Hauptstadt.
Seit 16. April belebt LIQUI MOLY die bundesdeutsche Werbewelt mit doppelseitigen Anzeigen in stern, AUTO BILD, Auto Motor und Sport, AUTO Zeitung und ADAC-Motorwelt. Ihren Höhepunkt findet die Aktion in der TV-Kampagne. „Diese wird Millionen von Werbeimpulsen, Kaufanstößen und Kontakten erzeugen. Davon profitieren alle, die zu unseren Produkten stehen: jeder Händler, jede Werkstatt, jedes Autohaus. Sie sehen, wir rühren die Werbetrommel erheblich – für Sie“, betont Ernst Prost.

Schmierstoffe, Öle und Additive sind nun aber keine Produkte, die mit Babynahrung oder Sportbekleidung vergleichbar wären. Der Begriff „Öl“ ist zudem im Kampagnenzeitraum durch fortlaufende Berichte der Umweltschäden der „Deepwater Horizon“ und BP ziemlich beansprucht, um es vorsichtig zu formulieren. Zudem thematisiert der TV-Spot ausschließlich die soziale Unternehmensverantwortung, ein Produktvorteil wird nicht kommuniziert.

Dennoch wirkt der Spot auf mich angenehm „konservativ“. Außerdem äußert er kein Produktversprechen, was durchaus auch Vorteile haben kann…

Wie wirkt der Spot auf euch?

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25 Kommentare

  1. Kevin Albrecht

    Ich bin geneigt zu sagen, wieder jemand der auf den Zug der sozialen Verantwortung aufspringen möchte. Er spricht ein Thema an, dass in den Zeiten der Globalisierung in aller Munde ist. Soweit so gut…

    Was für mich den Spot von manch anderen unterscheidet, ist das Gefühl das er in mir auslöst. Wenn ich sehe, wie Ernst Prost in die Kamera spricht, nehme ich ihm jedes Wort ab. Die Bilder, seine Stimme, der ganze Werbespot wirken auf mich unglaublich ehrlich, nicht konstruiert…

    Kurz um: Ich find den Werbespot gut, auch weil ich durchaus ein Produktversprechen erkennen kann: Ich sichere (gut bezahlte) Arbeitsplätze in Deutschland. Und da Motorenöl für mich ein Produkt ist, bei dem ich eigentlich die üblichen Werbeversprechen nach Spritersparnis oder Ähnlichem leid bin, wäre das für mich ein guter Grund :-)

  2. ramses101

    Zum Thema „Produktvorteil“ hat sich der Inhaber schon bei Spießer Alfons zu Wort gemeldet:

    Wir produzieren Motorenöle, so wie einige andere Firmen auch. Die Qualität der Produkte ist sicherlich vergleichbar. Also warum soll ich da noch groß darüber reden?

    Ich finde den Spot zwar langweilig – aber immerhin sind das klare Ansagen und kein Neue-Formel-Ultra-Schmierpower-Geschwurbel.

  3. ramses101

    Sorry, Link vergessen: off-the-record.de/20...

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @ramses: Oh, der Post aus der Nachbarschaft ist mir durchgerutscht. Ich versuche eigentlich doch immer, möglichst wenig thematische Redundanz zu erzeugen ;-). War genau in meinem Offline-Urlaub…

  5. ramses101

    War ja auch keine Kritik, sondern Ergänzung. Thematische Überschneidungen kommen in unserer Kuschelbranche doch schonmal vor ;-)

  6. Icke

    Der Spot und die Ankündigung dazu sind mir schon vor Wochen aufgefallen und ich finde es recht schändlich, mit dem Gewissen der Verbraucher einen Kauf zu erwirken. Sicher ist das gängig, aber der gute Herr bricht ja gleich in Tränen aus. Und abgesichts des Mediabudgets kann es dem Unternehmen schonmal nicht schlecht gehen. Sie haben auch gern ordentlich vor der Tagesschau geworben, also dem teuersten (?) Sendeplatz im deutschen Fernsehen.

    Ich lass meinen Mechaniker kippen, watt er da hat. Basta.

  7. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Icke Sowas nennt man dann wohl „smart shopper“… lol

  8. Philipp

    Klasse Spot, wenn das Ende nicht wäre. Die Bitte am Ende kommt eher wie ein Betteln rüber.

  9. Henning Meyer

    @Phillipp: So ist es. Eine Bitte wirkt nicht als Kaufgrund. Man würde ein Motorenöl kaufen, weil es irgendetwas besser kann (Verbrauch senken, Leistung steigern, Motor schonen…), oder weil es billiger ist als andere. Und vielleicht auch, um deutsche Arbeitsplätze zu sichern. Aber nicht, weil einen der Unternehmer darum bittet. Die Botschaft ist also – trotz aller Glaubwürdigkeit, die Herr Prost ausstrahlt – nicht gut verpackt.

  10. headwar

    Claus Hipp heisst er.

  11. Stefan

    Nach der Lektüre des Portraits des Herrn Porbst wirkt der Spot nicht mehr so überzeugend. Er hat vielleicht Ideale, aber erwartet scheinbar von seinen Mitmenschen, diese vorbehaltlos zu teilen. Sonst folgt Liebesentzug.
    spiegel.de/spiegel/p...

  12. BrothelPianist

    @ stefan hihi, lustiger spiegelartikel. nach der persönlichen antwort des herrn prost an spiesser war man ja geneigt, ihm sooooo einen sympathiebonus vorzuschiessen, trotz aller hier und dort schon besprochenen spotschwächen. auch wenn der spiesser manchmal arg stark seinen eigenen USP featuren muss, hier hatte er dann wohl doch recht mit seinem spiessigen feeling für werbliches.

    PS: motorenöle und dann so einen namen! also, wie alain prost…

  13. Icke

    @Roland

    :D. Der deutsche Staat macht es uns ja nicht gerad einfach, mehr in die nationale Wirtschaft zu investieren, statt auf günstigen Ersatz zurückzugreifen, wenn mir z. B. ab 2013 auch noch 215€ im Jahr „fehlen“, weil mir die Rundfunksteuer (was anderes ist es doch nicht) aufgezwungen wird und deren Verwendung ich nicht mal sauber mitbestimmen kann. Kleinvieh macht Mist und dann knappst man eben, wo es geht. Solange ich noch in der unsäglichen Werbebranche Hungertücher annage :D.

  14. Dr.-Schiwago-Mutter

    Mich verstört nur dieses fast flehende „Damit all dies so bleiben kann, bitte ich Sie sehr herzlich: Verwenden Sie…“

    Warum so devot? Statt offensiv: „Sie können dazu beitragen, dass das so bleibt: Verwenden Sie…“

  15. Marian

    Der letzte Satz „Motorenöle, made in Germany“ wäre nicht nötig gewesen. Ich als Käufer komme mir da vor, als würde man mich für dumm halten, schließlich wurde genau das in den 19 Sekunden Text, den Herr Prost da hatte, auch erzählt.

    Dass da keine großen Leistungsvorteile beworben werden, würde ich als starkes Selbstbewusstsein interpretieren, wenn da nicht (wie Schiwagos Mutter ja schon schrieb) dieser devote Ton gewesen wäre. Ich glaube auch, dass viele Käufer, die sich zwischen „Öl“ für 1 Euro und „Super-Öl“ für 2 Euro eher für das günstigere entscheiden werden, weil sie den Leistungsunterschied nicht klar erkennen können. Da ist die beworbene soziale Komponente des Öls sicher ein guter Ansatz, eben doch zum „Super-Öl“ zu greifen.

  16. Christian

    Ich finds gut, die Werbung ist mir sofort aufgefallen. Wenn das preisliche nicht so extrem ist, im Vergleich zu anderen Ölen und ich welches brächte, dann würd ich es kaufen.

    Ps.: „in Deutschland hergestellt“ da ist doch das Qualitätsversprechen

  17. Malik

    Ich denke, dass dies in den USA mit deren teilweise extremen konservativen „Buy American“ noch besser funktionieren würde.

    ich finde den spot ganz ok. Nicht berauschen, extravagant, aber auch nciht absolut platt und inhaltslos.
    Die soziale Komponente ist ein wichtiger Punkt geworden, gerade in der aktuellen zeit. Wennn amn durch sein Kaufervahlten dazu beitragen kann, dass es anderen in Deutschland gut geht, geht es einem vielleicht auch besser.

    Man sieht es zB. das grosse Unternehmen oder auch öffentliche Eirncihtungen, Gemeinden, fast dazu gezwungen sind nur „buy local“ zu agieren.
    Wenn dann an die Öffentlichkeit kommt, dass man für bestimmte Arbeiten in Billiglohnländer ausweicht, ist der Medienrummel schnell aufbeuascht und der Imageschaden schwer klein zu halten.

  18. Business Lounge » Blog Archive » Menschlichkeit im Marketing

    […] oder sogar Geschäftsführer auf die Öffentlichkeit loszulassen („Liqui Moly. Das Dittmeyer-Werbeprinzip für die Schmierstoffbranche?“). Federführend hierbei war Dr. Claus Hipp, der für die Babynahrung seines Unternehmens […]

  19. Hannes Jähnert

    … Als ich den Spot das erste Mal gesehen habe, musste ich mir schon die Augen reiben. Da bittet mich jemand das Motorenöl seiner Firma zu kaufen. Er sagt bitte?! Im Grunde ist das nichts anderes als was die anderen Werberinnen und Werber auch tun nur eben tun die es nicht so offensiv.

  20. amo

    hatte den spot vorhin vor der tagesschau gesehen. spontane gedanken:

    – sehr sympathisch.

    – sagen die nichts zum öl, zur qualität? stark!

    – müsste ich morgen welches kaufen, ich würde liqui moly kaufen. so.

  21. andre

    Es kommt mir vor als würden die einen anbetteln ihre Öle zu kaufen. Außerdem klingt es so als wäre es bei anderen Firmen normal Kurzarbeit zu haben. Auch finde ich die extreme Überbelegung im Radio langsam echt nervig. Kommt bei mir auf der Arbeit alle 30 Minuten. Kaum einer hat wahrscheinlich vorher gewusst, dass die Firma aus Deutschland stammt.

  22. Michael

    Es haben wohl nicht viele Leute gewusst, dass Liqui Moly in Deutschland produziert, aber gerade deswegen finde ich eine solche Werbung ziemlich gut! Liqui Moly produziert Qualitätsprodukte und wenn der Kunde in Deutschland vor seiner „Kaufentscheidung“ steht, sollte man schon wissen, dass dieses Produkt eben Deutsche Arbeitsplätze sichert.
    Bei der allgemeinen „Geiz ist Geil“ Stimmung in Deutschland vergessen viele Kunden, dass dadurch unsere Wirtschaft nicht gerade profitiert, denn oft werden eben die Produkte im Ausland produziert, damit höhrere Gewinne generiert werden.

    Also, wenn sich die Preise zur Konkurrenz ziemlich die Waage halten, greife ich immer und lieber auf ein Produkt zurück, welches in Deutschland produziert wird!

  23. Chris

    Was ist denn das hier bitte!?!?
    Wette, dass alle Leute die hier gepostet haben direkt bei diesem Ölhersteller angestellt sind. ekelhaft das zu lesen.
    danke.

  24. Jan

    Deutschlands Wohlstand resultiert in erheblichem Maß aus der Bereitschaft anderer Länder, unsere Produkte zu kaufen. Das können sich übrigens auch andere Länder nur dann leisten, wenn diese selbst Produkte exportieren können. Herrn Prosts und Herrn Grupps betteln: „Kauft nur bei Deutschen!“ ist nicht sozial sondern im globalen Sinn genau das Gegenteil. Es entsteht der Eindruck, als wären die Produkte ohne einen moralischen Protektionismus nicht konkurrenzfähig.

  25. Chris2005

    Jeder der diesen Werbespot kritisiert, sollte sich mal genauer über die Firma Liqui-Moly informieren und sich dann ein abschließendes Urteil bilden.
    Viele Großkonzerne verlagern ihre Produktionsstandorte ins Ausland, soblad die Bedingungen für maximalen Gewinn hierzulande nicht mehr gegeben sind. Gerade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten ist Deutschland dringend auf solche mittelständischen Unternehmen wie Liqui-Moly angewiesen, die hier Arbeitsplätze sichern und hier auch Steuern zahlen.
    Auch die soziale Verantwortung, die Herr Prost als Unternehmer an den Tag legt, sollte hier mal positiv erwähnt werden.
    Ich kann nur sagen, weiter so !

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