08.06.10
11:55 Uhr

iAds von Apple. Die Werbekapsel gegen Google.

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Vor einigen Tagen veröffentlichte ich einen Gedanken, der dem einen oder anderen Kommentatoren des Beitrages ziemlich abwegig vorkam:

Es würde mich nicht wundern, wenn diese schmucke Parallelwelt eines Tages ganz ohne Browser auskäme, dessen Inhalte als Einziges nicht von Apple kontrolliert werden können und bei iPad und Co. heute schon den einizigen Zugang in die “offene Welt” darstellen.

Zugegeben, es erscheint zunächst ziemlich absurd, dass mobile Online-Gadgets von Apple wie das iPad und vor allem das iPhone ohne einen Browser auskommen könnten oder -wenn es nach Apple geht- vielleicht zukünftig auch sollen. Die Strategie ist dabei nicht, die Entwicklung des -guten- Safari Browsers zu vernachlässigen oder ihn gar öffentlich abzukündigen, sondern vielmehr für jede noch so kleine Einzelanwendung eine App mittel- oder unmittelbar zur Verfügung zu stellen.

Für Leute, die nicht mehr wollen oder brauchen. Für Leute, denen das App-Konzept genau diejenigen Informations- oder Entertainmenthäppchen handhabbar zur Verfügung stellt, die sie ansonsten in den Weiten des Webs ggf. länger oder weniger komfortabel via Browser suchen müssten. Der Browser wird für bestimmte Nutzergruppen gerade auf dem iPhone dadurch zunehmend unwichtiger.

Und Apple beeilt sich, denn je schneller eine App zur Verfügung steht, desto eher werden viele Nutzer auf den Besuch einer URL via Webbrowser verzichten. Menschen drücken eben lieber auf einen bereitgestellten Knopf, als sich durch das Web zu navigieren, besonders dann, wenn die App speziell auf die Ausgabe von iPad und iPhone angepasst ist. Zwar liegt es genau an diesem Punkt noch bei vielen Apps (auch der Verlage) im Argen, aber der Markt wird schnell reagieren. Warum? Weil nur Apps das Geschäftsmodell von Apple transportieren und eben nicht die Nutzung des Web-Browsers. Weil das browserbasierte Surfen vielmehr Google und seinem werblichen Marktmonopol entgegenkommt. Weil Apple mit iAds umso erfolgreicher ist, je mehr Menschen die Apps nutzen. Und mit der Betriebssystemversion OS 4.0 (IOS4) , die es verständlicherweise gratis auch für Besitzer älterer iPhone-Modelle gibt, machen wir alle unsere Gadgets iAds-fähig…

Hören wir einmal genau hin, wie Steve Jobs sich seine Nutzer im Kontext der iAds Präsentation vorstellt:

„Whats happening, is that they´re spending all their times in apps. When people wanna find out a place to go out to dinner, they are not searching. […] They are using apps to get to data on the internet rather than a generalized search. And this is where the opportunity to deliver advertising is. Not as part of search. As part of apps […]“

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11 Kommentare

  1. Gerhard

    Vollkommen richtig. Google veröffentlicht allerdings auch ständig neue Anwendungen wie Maps oder Docs, die das Internet als unsichtbare Basis nutzen – und das auch noch umsonst. Damit torpediert man zwar vordergründig das eigene Geschäftsmodell, bereitet aber zugleich neue, lukrativere Modelle vor wie Online Web Apps, die Microsoft und anderen Software-Herstellern das Wasser abgraben werden.

  2. Alex

    Ich habe das iPad zwar bisher nur in Videos gesehen, aber warum sollte ich mir Apps kaufen – der Monitor ist doch so groß, da kann ich auch normale Webanwendungen problemlos laufen lassen und lesen. Beim iPhone sind die Apps sinnvoll, da ist das Lesen schon umständlich und mühevoll… Vielleicht merken die iPad-Käufer jetzt „Oh, warum Geld für Apps ausgeben – ich kann doch auch Webseiten nutzen“…. Ich bin sehr gespannt, wie das ausgeht…

  3. epospecht

    Der riesige Nachteil von Apps als Internetersatz ist die fehlende Verknüpfung. Das Internet definiert sich durch Hyperlinks. Das kann eine App nicht bieten (es sei denn sie verlinkt in einen Browser). Und je mehr sich das Leben ins Web verschiebt, je mehr Apps man dafür benötigen würde desto schwieriger wird die Übersciht. Und am Ende benutzt man für alles die Appsuche (statt der Websuche) und muss bei jeder Kleinigkeit erstmal installieren/updaten.

    Ein klarer Rückschritt.

    Für Menschen allerdings deren Nutzungsverhalten mit einem dutzend Apps abgedeckt werden kann sicherlich die intuitivere Lösung.

  4. macmat

    Kann sich noch einer von euch an AOL und Konsorten erinnern?
    Zu den Kindertagen des Internets boten diese Konzerne Plattformen an, auf der Informationen von vielen eigenen Redakteuren „aufbereitet“ wurden, damit die User ja nicht ins „böse Internet“ vordringen mussten. Die Apps sind ein klarer Schritt in diese Plattform-Welt. Aber „time marches on“ – jeder wird (noch) selbst entscheiden können, was er wann nutzt.

  5. Birger Hartung

    Apple ist ja nicht doof. Die haben sehr wohl erkannt, dass der Browser einige Nachteile hat, die seinem Design zugrunde liegen.

    Eine Webapp kann nicht auf die Systemressourcen zugreifen (Dateiindex, Software, Hardware) sondern muss immer durch den Browser mit dem PC kommunizieren. Das ist ja auch eine der großen Herausforderungen von Rich Internet Applications. Die Entwickler müssen immer den gesamten Code durch das Internet transportieren und für unterschiedliche Browser/Konfigurationen anpassen. Im Grunde versucht Google mit den Google Gears genau dieses Problem zu vereinfachen. Doch die Anwendung läuft immer noch in der Sandbox des Browsers, die wir gegen Viren, Bots und anderes brauchen.

    Eine lokale Anwendung auf einem PC ruft einfach die Anwendung auf und fertig. Die Daten werden dann über das Internet im Format XML einfach direkt in die Anwendung übertragen. Diesen Trend konnte man schon bei der Präsentation von Apples iMovie09 und iPhoto 09 beobachten: Anbindung von Geolocation Services, Facebook, Flickr, etc. Das kann man bei Apple und Microsoft auch an den Entwicklungsumgebungen erkennen, die reihenweise Funktionen für die Darstellung von Webinhalten in lokalen Webanwendungen bereitstellen. Einfaches Beispiel sind die Weidgets von Webseiten auf Apples Dashboard, in dem die Anwendung direkt Javascript-Code ausführt und das System den Zugriff auf die Online-Quelle ermöglicht.

    Ich denke, es ist eine gute Entwicklung, wenn die lokalen Programme mehr „Internet“ sprechen können. Für Standards wie Flickr und Co. ist das auch von Vorteil, vielleicht ist die Lieferung von spezialisierten Datenströmen sogar ein Geschäftsmodell der Zukunft.

  6. Nicole

    Für Firmen und ihre Marken ist diese Art der Werbung jedoch unwahrscheinlich attraktiv. Sooo viele Möglichkeiten!
    Finde ich in dieser Art durchaus inspirierend.

  7. Millus

    nach meiner persönlichen Erfahrung mit Apps merke ich, dass ich immer mehr Apps installieren und durch diese Apps meine Informationen bekomme. Ich suche immer weniger im Net.
    Z.B. ich habe meine Wetter App, Pollenflug App etc. drauf. Früher habe ich danach im WWW gesucht. Heute reicht ein Knopfdruck (touch) und ich habe meine Info aus der Hosentasche.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine Chance gibt, dass Apps die Browser in die Enge drängen, weil es ziemlich praktisch und einfach geht. Und durch ipads, wepads etc. wird es immer einfacher…

  8. Wird das iPad zum Totengräber der Zeitungen? | TechBanger.de

    […] Media-Tablet jederzeit verfügbar. Warum sollte man eine App kaufen, wenn man dieselben Artikel gratis im Netz lesen kann? In einer lesenswerten Kolumne in der Financial Times Deutschland beschreibt Horst von […]

  9. Steve

    Für Firmen und ihre Marken ist diese Art der Werbung jedoch unwahrscheinlich attraktiv. Sooo viele Möglichkeiten!
    Finde ich in dieser Art durchaus inspirierend.
    !

  10. Internet-Convenience. Der bequeme Knopfdruck auf Kosten der Freiheit | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Internet-Convenience. Der bequeme Knopfdruck auf Kosten der Freiheit

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