01.06.10
11:25 Uhr

Die Kraft menschlicher Bindungen als Vorbild von Social Media

{lang: 'de'}

Ein Film, den ich in die letzten „Schluck/Impfung“-Links der mediaclinique integrierte, zeigte mir das Wesentliche, was Marken lernen müssen, um Social Media/Networking richtig verstehen, deren Relevanz richtig einordnen und schließlich auch wirkungsvoll betreiben zu können:

Das reale Leben selbst, Beziehungen zwischen Menschen, Sehnsucht nach Nähe, Freundschaften unter Gleichgesinnten, die Suche nach Geborgenheit, die Neugier auf Andersdenkende, die Wißbegier des Einzelnen, die Kraft der Erinnerung, die Intelligenz des Teams, der Dialog auf Augenhöhe – all das ist der Nukleus von Social Networking (Nukleus hier verstanden als Kern und als Ursprung).

Das müssen Marken und Manager verstehen. Das muß gelebt werden. Dafür braucht man keine Berater. Dafür braucht man Lebenserfahrung. Dafür muß man etwas zu sagen haben. Etwas Sinnvolles, etwas Bedeutendes, etwas für die Menschen Relevantes.

Man braucht nichts im Sinne einer werblichen Botschaft. Man braucht eine Vision, ein Ziel, ein Thema. Orte, Themen und Gespräche. Etwas, das größer ist als der Einzelne. Etwas, das die Menschen verbindet.

Da muß nichts kampagnenfähig sein, das ist werbisch. Nein, man braucht einen Roten Faden. Eine Fortsetzung, eine Entwicklung. Man braucht Ruhe und Kraft. Man braucht Mut. Engagement. Rückgrat. Attitude – nicht Attitüde(!).

Man braucht keine Gimmicks und keine Gadgets. Man braucht keine Ablenkung, man braucht keine Umleitungen und Abkürzungen.

Die Marke und das Unternehmen müssen aus sich selbst heraus überzeugen – ohne die ‚Lügen‘ von Reklame und ohne PR. Ohne Schminke und Tand. Diese Zeiten sind vorbei.

Marken müssen zu Gefäßen guter Erinnerungen werden – wie z.B. der Bär im folgenden Film. Marken müssen zu Medien zwischen den Menschen werden – wie z.B. der Fernseher im Clip.

Es wird immer wichtiger werden, was Marken über das faktische Produkt hinaus leisten, welchen Wert sie für den Einzelnen tatsächlich darstellen. Einen Wert, den man so nichtmal mehr kaufen kann.

Nochmal: es geht mir nicht um das, was man im Film tatsächlich sehen kann. Es geht mir nicht um die oberflächliche Handlung. Es geht mir nicht um die wichtige Rolle des Fernsehers – denn sie ist nur im Spot selbst wichtig, nicht in der Geschichte, die dahinterliegt.

Es geht mir darum, daß die Menschen, die Familie des einen Bettlers, ihn – vielleicht nach Jahren des Suchens – wiederfindet, ihn wiedersieht, in seinen Augen all das Leid der letzten Jahre zu sehen ist und gleichzeitig die ganze Freude, seine Familie wieder im Arm zu haben.

Es geht mir darum, daß die Bande zwischen diesen einzelnen Menschen nach all den Jahren noch so stark sind. Es geht mir um die menschlichen Bindungen, die nie so ganz zerreissen.

Es geht mir darum, daß ich diese Bande, diesen Einsatz für ‚Gestrauchelte‘, ‚Suchende‘, ‚Zweifelnde‘, dieses Engagement als Vorleistung von der Marke der Zukunft erwarte. Von der Marke erwarte, die in Zukunft Social Networking machen möchte.

Ich möchte, daß sie diese Gefühle versteht und es versteht, diese Gefühle zu wecken, diese Bindungen zu erzeugen, diese Werte zu leben. Wenn sie das schafft, dann hat sie Social Networking wahrhaftig verstanden.

(Vor allem, wenn sie es schafft, derart bescheiden im Hintergrund zu bleiben wie die Marke dieses Filmes :)

Schlagworte (Tags): ,

6 Kommentare

  1. Amos

    Also ich weiß nicht… Ein Fernseher, der eine Familie wieder zusammen bringt? Keine Frage: Der Clip ist hochemotional, sehr gut umgesetzt, aber dennoch weit von den Realitäten Obdachloser entfernt. Habe erst vor einigen Tagen eine Doku gesehen, die genau das thematisiert hat: Erwachsene Kinder von Obdachlosen und die Geschichte dahinter. Warum sind die auf der Straße gelandet? Was haben die vorher ihrer Familie alles angetan (sexueller Mißbrauch, Alkoholismus)? Da tun sich Abgründe auf, die man kaum mit einem Kindheitsvideo wieder kitten kann… Und wieder zurück zum Marketing: Ich sehe da keinen emotionalen Mehrwert, den ich mit der Marke in Verbindung bringen würde oder wollte. Vielleicht habe ich die erwähnte Doku aber noch emotional „im Nacken“.

  2. Amos

    Kleiner Nachtrag für wen die Doku interessiert:
    derwesten.de/kultur/...

    Wirklich sehr aufwühlend.

  3. ralf schwartz

    Meine Rede, Amos, der Fernseher spielt weder im Spot noch in meinem Post eine Rolle! Er leistet nichts, um die Menschen zusammenzubringen.

    Genausogut hätte der Obdachlose auch von seiner Familie träumen können.

    Die Familie, die Familienbande haben die wahre Leistung gebracht. Das Medium ist nur Teil der Kulisse – hier sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

  4. Joschka Budach

    sehr gut gemachter clip und ich finde die Idee sehr gut….

    Gruss

  5. Was Marken lernen müssen « Finance 2.0

    […] Die Kraft menschlicher Bindungen als Vorbild von Social Media […]

  6. menschliche Beziehung als Kern für Social Media | Manuel Stolte

    […] Quelle: werbeblogger.de/2010...; […]

Eure Kommentare

Feed
  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop