11:25 Uhr
Die Kraft menschlicher Bindungen als Vorbild von Social Media
Ein Film, den ich in die letzten “Schluck/Impfung”-Links der mediaclinique integrierte, zeigte mir das Wesentliche, was Marken lernen müssen, um Social Media/Networking richtig verstehen, deren Relevanz richtig einordnen und schließlich auch wirkungsvoll betreiben zu können:
Das reale Leben selbst, Beziehungen zwischen Menschen, Sehnsucht nach Nähe, Freundschaften unter Gleichgesinnten, die Suche nach Geborgenheit, die Neugier auf Andersdenkende, die Wißbegier des Einzelnen, die Kraft der Erinnerung, die Intelligenz des Teams, der Dialog auf Augenhöhe – all das ist der Nukleus von Social Networking (Nukleus hier verstanden als Kern und als Ursprung).
Das müssen Marken und Manager verstehen. Das muß gelebt werden. Dafür braucht man keine Berater. Dafür braucht man Lebenserfahrung. Dafür muß man etwas zu sagen haben. Etwas Sinnvolles, etwas Bedeutendes, etwas für die Menschen Relevantes.
Man braucht nichts im Sinne einer werblichen Botschaft. Man braucht eine Vision, ein Ziel, ein Thema. Orte, Themen und Gespräche. Etwas, das größer ist als der Einzelne. Etwas, das die Menschen verbindet.
Da muß nichts kampagnenfähig sein, das ist werbisch. Nein, man braucht einen Roten Faden. Eine Fortsetzung, eine Entwicklung. Man braucht Ruhe und Kraft. Man braucht Mut. Engagement. Rückgrat. Attitude – nicht Attitüde(!).
Man braucht keine Gimmicks und keine Gadgets. Man braucht keine Ablenkung, man braucht keine Umleitungen und Abkürzungen.
Die Marke und das Unternehmen müssen aus sich selbst heraus überzeugen – ohne die ‘Lügen’ von Reklame und ohne PR. Ohne Schminke und Tand. Diese Zeiten sind vorbei.
Marken müssen zu Gefäßen guter Erinnerungen werden – wie z.B. der Bär im folgenden Film. Marken müssen zu Medien zwischen den Menschen werden – wie z.B. der Fernseher im Clip.
Es wird immer wichtiger werden, was Marken über das faktische Produkt hinaus leisten, welchen Wert sie für den Einzelnen tatsächlich darstellen. Einen Wert, den man so nichtmal mehr kaufen kann.
Nochmal: es geht mir nicht um das, was man im Film tatsächlich sehen kann. Es geht mir nicht um die oberflächliche Handlung. Es geht mir nicht um die wichtige Rolle des Fernsehers – denn sie ist nur im Spot selbst wichtig, nicht in der Geschichte, die dahinterliegt.
Es geht mir darum, daß die Menschen, die Familie des einen Bettlers, ihn – vielleicht nach Jahren des Suchens – wiederfindet, ihn wiedersieht, in seinen Augen all das Leid der letzten Jahre zu sehen ist und gleichzeitig die ganze Freude, seine Familie wieder im Arm zu haben.
Es geht mir darum, daß die Bande zwischen diesen einzelnen Menschen nach all den Jahren noch so stark sind. Es geht mir um die menschlichen Bindungen, die nie so ganz zerreissen.
Es geht mir darum, daß ich diese Bande, diesen Einsatz für ‘Gestrauchelte’, ‘Suchende’, ‘Zweifelnde’, dieses Engagement als Vorleistung von der Marke der Zukunft erwarte. Von der Marke erwarte, die in Zukunft Social Networking machen möchte.
Ich möchte, daß sie diese Gefühle versteht und es versteht, diese Gefühle zu wecken, diese Bindungen zu erzeugen, diese Werte zu leben. Wenn sie das schafft, dann hat sie Social Networking wahrhaftig verstanden.
(Vor allem, wenn sie es schafft, derart bescheiden im Hintergrund zu bleiben wie die Marke dieses Filmes :)
6 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 1. Juni 2010 um 12:08 Uhr
Also ich weiß nicht… Ein Fernseher, der eine Familie wieder zusammen bringt? Keine Frage: Der Clip ist hochemotional, sehr gut umgesetzt, aber dennoch weit von den Realitäten Obdachloser entfernt. Habe erst vor einigen Tagen eine Doku gesehen, die genau das thematisiert hat: Erwachsene Kinder von Obdachlosen und die Geschichte dahinter. Warum sind die auf der Straße gelandet? Was haben die vorher ihrer Familie alles angetan (sexueller Mißbrauch, Alkoholismus)? Da tun sich Abgründe auf, die man kaum mit einem Kindheitsvideo wieder kitten kann… Und wieder zurück zum Marketing: Ich sehe da keinen emotionalen Mehrwert, den ich mit der Marke in Verbindung bringen würde oder wollte. Vielleicht habe ich die erwähnte Doku aber noch emotional “im Nacken”.
Am 1. Juni 2010 um 12:14 Uhr
Kleiner Nachtrag für wen die Doku interessiert:
derwesten.de/kultur/...
Wirklich sehr aufwühlend.
Am 1. Juni 2010 um 14:30 Uhr
Meine Rede, Amos, der Fernseher spielt weder im Spot noch in meinem Post eine Rolle! Er leistet nichts, um die Menschen zusammenzubringen.
Genausogut hätte der Obdachlose auch von seiner Familie träumen können.
Die Familie, die Familienbande haben die wahre Leistung gebracht. Das Medium ist nur Teil der Kulisse – hier sogar im wahrsten Sinne des Wortes.
Am 1. Juni 2010 um 23:29 Uhr
sehr gut gemachter clip und ich finde die Idee sehr gut….
Gruss
Am 13. Juni 2010 um 15:06 Uhr
[...] Die Kraft menschlicher Bindungen als Vorbild von Social Media [...]
Am 13. Juni 2010 um 19:58 Uhr
[...] Quelle: werbeblogger.de/2010...; [...]