12.05.10
15:47 Uhr

Social Media ist tot. Es lebe das Web als Teil des realen Lebens.

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Internet-Hypes kommen und gehen. Über Jahre begleiten wir nun schon die medialen Säue, die mit wohlklingenden Namen durch die digitalen Schaufenster der Netzbewohner und Medienhäuser getrieben werden. Die von der Branchen-Avantgarde eifrig befeuerten Themenfelder, Schlagworte und Buzzwords bilden dabei regelmäßig willkomene Container für eine sich selbst replizierende Berichterstattung in Blogs und Fachmedien oder bei Events und Network-Veranstaltungen der Branche.

Waren in den letzten Jahren noch Veranstaltungsmottos bzw. -titel wie “Die Macht der Konsumenten”, “Realtime Web” oder “Share Economy” auf der Agenda, die auch inhaltlich und im jeweiligen zeitlichen Kontext greifbar gemacht werden konnten, so scheint in diesem Jahr irgendwie das fette Futter zu fehlen. Die aktuelle next10 betitelt ihre Digital-Konferenz nun mit dem eher abstrakten Begriff “Game Changers”, der zwar erneut aktuelle Produkte und Services impliziert, aber als Titel so unspezifisch ist, dass er eben auch für die letzten 9 Jahre hätte herhalten können.
Da ich dieses Jahr -leider- nicht auf der next10 sein kann, bin ich also besonders gespannt, was Kollege J. hier im Werbeblogger an inhaltlichen Impulsen von der Next10 mitbringt.

Aufgefallen ist mir heute der Artikel von Ix, der eine Zusammenfassung des ersten Veranstaltungstages im gewohnt augenzwinkernden Stil formuliert hat. Der Begriff “Social Media” ist tot, sind sich Personen wie Nico Lumma, Sebastian Küpers und andere einig. Stimmt. Er ist für Berufskommunikatoren schlicht deshalb tot, weil er in der Realität angekommen ist und keinen Hype-Status mehr erfährt. Ähnlich wie Produktlebenszyklen haben nämlich auch Buzzwords und Hypes ihre spezifische Verlaufskurve.

Was “Social Media” betrifft, ist der Begriff offensichtlich ausgelutscht, obsolet, in der Sättigungs- und Degenerationsphase angekommen. Jetzt erhält der Begriff seine letzte mediale Aufmerksamkeitsverwertung, indem man ihn für tot erklärt.

Ein wenig scheint es aber auch, als wenn die digitalen Marketers und Social Media Berater ihren eigenen Abgesang kultivieren, weil sie, ihre Kunden und vor allem die Kunden ihrer Kunden mehr und mehr in der Web-Realität angekommen sind. Da wundert es dann auch nicht, wenn eher klassisch orientierte Kreativ-Agenturen ihre Spürnase öffnen und Witterung aufnehmen.

Jung von Matt hält nämlich nicht so viel von dem ganzen “Social Media”-Hype und war doch immer schon von einer medialen Überbewertung der neuen digitalen Tools und Strategien überzeugt. Nicht erst sein den berüchtigten “Klowänden des Internets” erkennt Agenturchef Jean Rémy von Matt, dass viele Ansätze des “digitalen Marketings” sich im Ergebnis als “Krenaivität” entpuppten und ziemlich oft vergleichsweise wirkungslos für die Marke blieben.

Das Stimmungsbild auf der Next10 passte also für JvM, um gleich mit einem ganzen Batzen an “überschätzten Hypes” aufzuräumen.

Unterstützend schickte JvM ein leibhaftiges Ferkel auf die Bühne, um die “mediale Sau” in Szene zu setzen. Zeitweise wurde die next10 dann wohl so etwas wie ein riesiges JvMattsches trojanisches Pferd, in dessen Bauch nicht nur die “Sau”, sondern gleich auch die ganze digitale Avantgarde befördert wurde…
Dabei sind alle diese ehemaligen Hypes eigentlich nichts anderes als Entwicklungen, die mittlerweile in der Realität und Praxis von Marketing und Kommunikation angekommen sind. Als Buzzword taugen sie nicht mehr viel, schon eher, um damit Geld zu verdienen.

Von ökonomischen Betrachtungen einmal abgesehen gibt es aber auch einfach nur Entwicklungen im Web, die die Menschen ohne eine wirtschaftliche Gewinnabsicht formen. Diese Entwicklungen befinden sich dann vielleicht im Abgesang bei den “Monetarisierern”, ganz sicher aber nicht bei den Menschen und ihren sozialen Kontakten untereinander.

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29 Kommentare

  1. Frank

    Och, blöd. Jetzt wollt ich gerade noch ein bisschen auf das Keyword optimieren.

  2. ralf schwartz

    01 – Gegen Hypes, die gar keine sind, weil sie danach zum spannenden Teil der Realität aller werden, ist ja eigentlich auch gar nichts zu sagen. (Außer vielleicht man meint, sich (wie JvM) rechtfertigen zu müssen, den ein oder anderen verpaßt zu haben? :)

    02 – Bin langsam auch so richtig gespannt, was Jay von der next10 zu erzählen hat. An jeder Ecke hört man nichts gutes. Schade.

    War schon bei der ersten Nennung des stolzen Preises ungläubig (hingehen zu müssen),
    noch ungläubiger als ich von 20% Rabatt vor einigen Wochen hörte,
    noch viel ungläubiger als vor einigen Tagen in In- und Ausland Tickets für knapp 1/10 des org. Preises (für den 2. Tag und heutiges Get-Together) angeboten wurden,
    noch viel viel ungläubiger als ich ixens Post las.

    Eigentlich ein spannendes Thema. Wer überzeugt mich, doch etwas Relevantes verpaßt zu haben? Just in case – für meine next11-Besuchs-Überlegungen.

  3. Patrick Breitenbach

    Tja, wenn es an den Inhalten mangelt, muss eben früher oder später auch der dazugehörige Container entsorgt werden.

  4. Tim

    Hype, Nicht-Hype… Es gilt, sich der eigentlichen Funktion von Begriffen bewusst zu werden. Begriffe machen keinen Hype. Neue Begriffe dienen der Integration von neuen kulturellen Artefakten in die Gesellschaft. Und dieser Prozess hat unterschiedliche Halbwertzeiten. Der Erleben des Hypes beschränkt sich da in der Regel auf gerade die, die nachher stöhnen und selbigen wieder loswerden möchten. Natürlich gibt es soziale Medien und Tulpen sind auch total toll ;-)

    Begriffe machen einen Griff an Artefakte. Sie erlauben es, (über) Dinge zu kommunizieren, einen Diskurs zu führen. Die Qualität von Begriffen sollte folglich besser nicht daran gemessen werden, ob eine Gruppe damit einen Hype imaginiert oder induziert, sondern vielmehr daran, wie sehr sie gegenüber dem Zeitraum vor ihrer Existenz die Kommunikation verdichten und beschleunigen können.

    Schließlich kann die Reflexion von Begriffen eben dazu führen, dass sie eingehen in die Gestenwelt einer Gesellschaft, was den Begriff selbst unscharf werden lässt. Und genau hier wird es spannend, wie Onkel J. und ich schon mal diskutierten (betweendrafts.com/20...).

  5. Social Media – Sprachenkurs für Einsteiger Teil 1 – LOGOLOOK

    [...] Nachdem ich heute dann endlich meine Prüfungen hinter mir hatte und nach einiger Zeit auch mal wieder entspannt durch die Blogosphäre surfte, habe ich einen sehr interessanten Artikel beim Werbeblogger Roland Kühl-von Puttkamer gelesen. [...]

  6. Sebastian Küpers

    @Patrick ähm also das sehe ich nicht so :) Ich will hier keine Mutmaßungen ins blaue anstellen – daher die Frage: Wieso mangelt es denn an den Inhalten?

    Ich weiss nicht, ob Du meinen Artikel gelesen hast – aber er war ja – trotz der reißerischen Headline ein großes Plädoyer pro und nicht contra.

    Irgendwie schreit das nach einem Podcast und einer spannenden Diskussion, oder? ;)

  7. Armin

    So viel Gerede und Diskussion ueber etwas das man auch in zwei Saetzen zusammenfassen kann:

    Social Media is sooo last year, Daaahling!

    Oh, and Social Media is the new black!

  8. Roland

    @all Also, natürlich ist der Titel (wie auch bei @pixelsebi) provokant. Und ich sehe auch inhaltliche Schwächen aber ebenso fallen mir Beispiele ein, bei denen “goodold” social media etwas in Bewegung gesetzt hat. Vielleicht nicht immer im Sinne des kommerziellen Erfinders, aber dennoch relevant.

  9. Sachar

    Nur kurz zu JvM: Das war mit Sicherheit ein Track, der viel Aufmerksamkeit erzeugt hat. Nur: Zehn angebliche Hypes, die tot sind oder vor dem Sterben stehen, aufzuzeigen, ist destruktiv und hat mich nicht angeregt. Ist JvM also ein Game Changer? Gab es auf der next10 überhaupt solche?

    Auch noch einen Tag nach der Veranstaltung gelingt es mir nicht, meine Enttäuschung über das Programm in Worte zu fassen.

  10. ralf schwartz

    Vielleicht waren auch einfach die Erwartungen zu hoch.
    Denn unter dem Titel ‘Game Changer’ erwartete ich nicht mehr und nicht weniger als die wichtigste Veranstaltung des Jahres.

    Social Media ist nicht das größte Problem von Marken und Unternehmen.

  11. ralf schwartz

    “next10, tag 2″ bei ix.
    wirres.net/article/a...
    Hm, ist nicht wirklich besser geworden.

  12. Hasan Aksoy

    Der Begriff ist auch m.E. wirklich ausgelutsch!
    Kann ich nur bestätigen.

  13. Reinhardt

    Hallo,

    irgendwie fühle ich mich bei solchen Headlines immer angegriffen und lese deshalb die Artikel, die sich dahinter verbergen. Die Angewohnheit sollte ich mal schnell ablegen… einfach mal wieder Inhalte ins Spiel bringen und nicht immer diese worthülsigen Plattitüden…

  14. Mario

    Auch das ist Marketing, antizyklisch wie Börsenguru Kostolani zu agieren. Da der Trend Social Media schon lange angerollt ist, ist zur Zeit genau solche Schlagzeilen zu entdecken. Der Zug ist aber doch in Deutschland noch gar nicht angekommen, von daher kündigt man schon den nächsten Zug an. Vielleicht weil man innovativ gelten möchte oder weil wie in der Modebranche, man eben jedes Jahr einen neuen Trend braucht um ihn durchs Dorf zu jagen, was sollte man sonst noch schreiben ;-)

  15. Patrick Breitenbach

    Was für mich wesentlich gravierender ist. Vor einigen Jahren diskutierten und feilten wir noch am “New Marketing”. Darin steckten “Artefakte” wie “Open Source Marketing”, “Customization”, “Credibility”, “Word-of-mouth” und “Cluetrain”.

    Was ist davon eigentlich noch übrig?

    Ich glaube die Next10 wurde dieses Jahr von der alten Denke mehr als eingeholt. So jedenfalls mein Eindruck ohne dagewesen zu sein. Die neuen “Game-Changer” sind also die Alten mit Pferd?

  16. Patrick Breitenbach

    @sebastian: Sehr gerne! (Podcast)

  17. Nicole Haase

    Bin ebenfalls unwahrscheinlich gespannt auf die Berichte meiner Kollegen von der Next10. Habe kurze Twitterkommentare erhascht, aber so ein persönliches Statement, live mit der Möglichkeit zu Zwischenfragen, ist einfach etwas anderes.

  18. » Social Media in aller Munde - auch in ihrem Unternehmen?

    [...] und Werte teilt und dies dann auch wieder seiner Umwelt mitteilt. gHOCH24 Blog In einem Beitrag im Werbeblogger wird die Behauptung aufgestellt, Social Media sei tot. Was halten Sie davon? FD Ich habe diesen [...]

  19. J. Martin

    @Tim Exzellent formuliert, „Begriffe machen einen Griff an Artefakte“, und auch sonst stimme ich Dir zu. Wenn wir wirklich präzise trennen zwischen Hype um Begriffe-als-Griffe und Hype um die Inhalte als das, wonach wir greifen, wird klar, wie überflüssig Anti-Hype-Diskussionen tatsächlich sind.

    Mehr noch: Anti-Hype-Diskussionen sind dabei das einzige, das wirklich überflüssig ist, da sie weder Be-Griffe bilden noch substantiell auf Inhalte/Artefakte referenzieren. Anti-Hype-Diskussionen sind ein Hype zweiter Generation, der auf nichts anderes referenziert als auf sich selbst.

    Die einzigen „Nabelschauen, Echokammern und Elfenbeintürme“ sind Tiraden über Nabelschauen, Echokammern und Elfenbeintürme. Und auch darüber diskutierten wir ja bereits :-)

  20. MiFoMM › Worüber sprechen wir, wenn wir ‘Social Media’ sagen? – Eine ernstgemeinte Frage!

    [...] Ist Social Media tot,  nicht wirklich, oder streichen wir das ‘Social‘ und lassen nur noch ‘Media’ gelten? [...]

  21. Veröffentlichen und Kommentieren – wie und wo soll ich mich engagieren? « Einfach Machen

    [...] Media … und? Nein, wir sind keinen Schritt weiter; aus meiner Sicht drehen wir uns im Kreis! Oder ist Social Media bereits auch schon wieder tot? Ich konnte nicht widerstehen, einen kleinen Social-Media-Rant zu schreiben [...]

  22. Statusbetrachtung: Social Media, bist Du in der Krise? | PRlen

    [...] Welle rollt. Doch wohin? Social Media scheint in der Krise zu sein. Die Betonung liegt jedoch auf dem [...]

  23. Ein Lob auf den Hype oder: Kann Ignoranz uns retten? | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Ein Lob auf den Hype oder: Kann Ignoranz uns retten?

    [...] Sau hinterherzurennen, die durch das Marketing-Dorf getrieben wird’. Dabei zeigte er 10 Hypes, die er für solche bzw. für überflüssig hält, ua. Social Media und [...]

  24. Peer Spektive

    “Diese Entwicklungen befinden sich dann vielleicht im Abgesang bei den “Monetarisierern”, ganz sicher aber nicht bei den Menschen und ihren sozialen Kontakten untereinander.”

    So ist es. Wobei sich sicher Techniken wie Twitter auf Dauer erst einmal festsetzen müssen. Speziell bei Twitter denke ich, dass das ein Medium für einige wenige Tweeter (V.I.Ps, Leute, die in ihrer Branche vorn sind etc.) und endlos viele Folower wird, für Medien und Agenturen. Die Masse wird sich davon wieder verabschieden…

  25. Webciety 2011 – was sind die Themen? | webciety

    [...] der Gesellschaft angekommen ist. Denn wie vor ein paar Tage schon ausgerufen wurde – der “Social Media Hype” ist tot, die sozialen Medien leben nun aber weiter als integraler Bestandteil der Internet-Wirtschaft. Und [...]

  26. notizblog - Weblog der Social Web WORLD: Markenkommunikation 2.0 heisst den Mitarbeiter zum Brand Advocat zu machen!

    [...] Media" nun zum digitalen Leben irgendwie dazugehört, ist ja fast schon der Konsens der einschlägigen Diskussionen der letzten Monate. Nun aber zu glauben, wir integrieren ein bisschen [...]

  27. Social Media ist kein Projekt : Media Activist + Explicator | birgerh

    [...] Dann wendet Euch lieber an einen Social Media Experten. Bei Xing gibt es fast 500 Stück. Und  Marktbegleiter, die sie am liebsten feuern würden. Natürlich mischen die klassischen Agenturen auch mit. Lieber würden sie den Hype abschreiben. [...]

  28. efha

    dieser Beitrag wurde verfasst um Aufsehen zu erregen, um zu provozieren! Der Trend ist vorbei… das kommt gut an und “zwingt” viele zum lesen.

  29. Datenliebe und was “kreative Unternehmensberater” damit anfangen könnten. | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    [...] Patrick u.a. auch für einen Werbeblogger Podcast unterwegs. Nachdem mich die vergangene Next thematisch nicht so einfangen konnte, ist mit dem diesjährigen Veranstaltungsmotto “Data Love” allerdings eines meiner [...]

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