11.05.10
11:05 Uhr

Conan oder die Zukunft von Kulturschaffenden, Marken und Medien

{lang: 'de'}

Man muß über die Überschrift „@Google & YouTube present A Conversation with Conan O’Brien“ über dem entsprechenden YouTube-Video nicht nachdenken. Das würden Verleger und Politiker auch nicht tun. Man würde sich also in bester Gesllschaft befinden, ließe man es und würde unschuldig den Inhalt des Videos genießen.

Aber will man das wirklich? Nicht nachdenken? Oder in der oben genannten Gesellschaft gesehen (oder auch nur gedacht) werden?

Wir wagen also ein paar Gedanken, die diese Überschrift und das Video angestoßen haben! Idealerweise Gedanken zur Zukunft von Kommunikation, Kulturschaffenden, Marken, Medien …

Ein Unternehmen Google, eine Marke, nicht unbedingt verlegendes Medium im engeren Sinne, veröffentlicht das Video eines knapp 50-minütigen Auftrittes von Conan O’Brien, der vor wenigen Monaten seinen Sender verließ bzw. verlassen mußte.

Ein Unternehmen Google, eine Marke, gibt einem selbstständigen Künstler/Kulturschaffenden eine Plattform, sich selbst zu vermarkten, und sich selbst eine Plattform, die Hand der eigenen Zielgruppe entgegenzustrecken.

Eine Marke übernimmt damit die Funktion, die vor wenigen Monaten noch ein großer Sender, ein Medium, innehatte. Eine Marke wird Medium, da das Medium selbst nicht mehr flexibel genug ist, mit eigen-willigen (im besten Sinne des Wortes) Künstlern/Kulturschaffenden im Sinne des Künstlers umzugehen.

Der Kulturschaffende ist nicht mehr auf ein Medium im engeren Sinne angewiesen, wenn Marken sich engagieren und selbst zu Medien werden.

Für Marken ist die Entwicklung zum Medium der logischste Schritt, denn sie müssen die Menschen gewinnen, interessieren, begeistern. Die Werbung selbst, monologisch und zeitraubend, ist am Ende, sie muß sich neu erfinden. Darauf können Marken nicht warten. Sie müssen die Initiative übernehmen. Inhalteanbieter werden. Inhalte, die eng mit dem Produkt bzw. der Zielgruppe bzw. dem Image und der Positionierung der Marke selbst verknüpft sind.

Inhalte schließlich, die die Menschen so sehr inspirieren, daß sie sich gerne und aus freien Stücken für die Marke engagieren.

(Was alleine wird zwischen den Zeilen dadurch über Google als Unternehmen und Marke transportiert, daß Conan vor Google-Mitarbeitern seinen Auftritt hat, an einem normalen Wochentag, sie ihm Fragen stellen dürfen, mit ihm interagieren können?)

Natürlich haben die Medien Conan großgemacht. Aber seine Position ist nun eine der Unabhängigkeit, nicht mehr der Abhängigkeit vom Good Will eines Mediums oder Verlegers. Dies ist ein immenser Fortschritt -vergleichbar mit der damalig neuen Unabhängigkeit der Musiker von ihren Plattenfirmen als sie begannen, eher auf Konzerte und Free/mium zu setzen als auf Musik-Konzerne.

Die Medien verlieren damit immer mehr an Macht, sie werden immer hilfloser, sie gehen den Weg der Musikindustrie. (Und kommt das von ihnen herbeigeschriebene Leistungsschutzrecht, werden sie erst recht am Ende sein, wie auch fefe schreibt.)

Künstler und Kulturschaffende weden immer selbstbewußter durch die erfolgreichen Beispiele, spüren Rückenwind und sollten es wagen, sich frei zu machen von den tradierten Strukturen in den Medien- und Musikindustrieen.

Goldene Zeiten für den, der sich eigenständig positioniert, der etwas wagt, der etwas zu sagen hat, der die Zeichen der Zeit erkannt hat -erkannt hat vor allem, daß man das Rad des Internets nicht mehr zurückdrehen kann. Immense Chancen nicht nur für Marken, Kulturschaffende und Unternehmen, sondern auch für alerte Politik und agile Medien.

7 Kommentare

  1. Nicole Haase

    Interessanter Gedankengang. Die ersten paar Minuten des Videos fesseln, aber leider ist das Ding zu lang für meine Mittagspause. Muss ich wohl unbedingt heute Abend schauen.

  2. ElleK.

    video fängt gut an. danke dafür!

    alles was darunter steht ist weniger interessant, geschweige denn neu. irgendwie wird mir auch der begriff medium zu schwamming verwendet.

  3. Nicole Haase

    Nun hab ich es gesehen und muss sagen: Großartiger Auftritt von Conan und empfehlenswerter Umgang mit dem negativen Ruf des Veranstalters.

  4. Sascha Herbst

    Vielen Dank für den Beitrag. Ein Meilenstein, der zum weiteren Nachdenken anregt: Wird die Marke immer mehr zum Medium oder sind es Einzelpersonen, die sich – Internetplattformen sei Dank – besser, weil freier, inszenieren können? Und eben weil diese Einzelpersonen Versprechen abgeben und dauerhaft halten können, werden sie zu Marken – auch im web? Doch wie steht es mit Unternehmen, die sich hier neu orientieren? Kürzlich stolperte ich über die Präsenz von Simens auf Youtube. Hat das Zukunft oder ist es nur eine von vielen Sackgassen?

  5. DJones

    „Die Medien verlieren damit immer mehr an Macht, sie werden immer hilfloser … Goldene Zeiten für den, der sich eigenständig positioniert“

    Und warum hat Conan dann bei Fox / News Corporation / Rupert Murdoch unterschrieben?

  6. Malik

    Hallo,

    als erstes wollte ich hier schreiben, wie es Google/Youtube geschafft hat einen so schlechten Moderator aufzutreiben… Nachdem ich nun gesehen habe, wer das ist, sei ihm verziehen. ;-)

    Also für mich ist Google (vor allem wegen Youtbue natürlich) ein Medium und ist natürlich eine interessante Plattform, wenn mna sein eigener Herr sein will über sein künsterlisches Schaffen.

    In diesem konkreten Fall von Conan, ist es ja auch nicht so, dass er dieses Medium nutz, um sich selbst damit zu verwirklichen, sondern dass es nur ein Show von Google ist und er der Gast. Eher profiliert sich Google mit dieser Sendung selbst.

    Ich bin mal gespannt, wie es mit Conan weitergeht. Er hat Jahre lang sehr, sehr gut verdient und kann es sich leisten für einige Zeit mal einen alternativen weg zu gehen. Aber bald wir man sehen, welchen Weg er sich aussuchen wird.

  7. headwar

    wer ist es denn?

    oder meinst du conan?

Eure Kommentare

Feed
  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop