12:29 Uhr
Steve Jobs und seine sechs Gründe, warum Flash und Apple keine Freunde mehr werden
Update 01.05.2010:
Adobe Chef Shantanu Narayen antwortet auf Steve Jobs im Interview via Wall Street Journal.
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Die Entscheidung von Apple, die Programmiersprache Flash nicht auf den eigenen mobilen Endgeräten wie iPhones und iPads zu unterstützen, hat für Adobe voraussichtlich weitreichende Konsequenzen, zumindest für eines ihrer Schlüsselprodukte.
Auf der anderen Seite exisitert eine nicht kleine Anzahl von Nutzern, die Apple in der Argumentation nicht folgen können oder wollen. Zuviele “multimediale” und eigentlich auf die Konsumorientierung von z.B. iPads zugeschnittene Web-Inhalte seien in Flash entwickelt worden. Diese Angebote blieben nun einer wachsenden Nutzergemeinde mehr und mehr verschlossen.
Weiterhin befürchten viele Apple-Kritiker, dass der Konzern neben dem bereits geschlossenen und in Teilen der Apple-Zensur unterliegenden Ökonomie-Systems “iTunes” bzw. “App-Store” nun auch danach strebe, direkten Einfluss auf Entwicklungsplattformen im “offenen” Web zu nehmen.
Steve Jobs hat sich direkt auf der Firmenwebsite dazu geäußert, was seine Motive hinter dieser Entscheidung sind.
1. Das “offene Web”
Einleitend spricht Jobs über die Strategie von Adobe und kritisiert die proprietäre und geschlossene Systemumgebung von Flash.
Adobe’s Flash products are 100% proprietary. They are only available from Adobe, and Adobe has sole authority as to their future enhancement, pricing, etc. While Adobe’s Flash products are widely available, this does not mean they are open, since they are controlled entirely by Adobe and available only from Adobe. By almost any definition, Flash is a closed system.
Auch wenn Jobs direkt im Anschluss an dieses Zitat rhetorisch geschickt versucht, den entscheidenen Einwand vorweg zu nehmen, bleibt dieses Argument natürlich aus dem Munde des Apple-Chefs entwas stumpf, denn mindestens auf der Ebene von “iTunes” und “App-Store” praktiziert Apple genau das, was sie Adobe vorwerfen. Ersetzt man in dem obigen Zitat “Adobe” und “Flash” durch “Apple” und “iTunes Store”, trifft die Kritik an Adobe auch Jobs selbst.
2. Das “ganze” Web
Jobs relativiert unter diesem Punkt die These, dass das Web ohne Flash nur das “halbe Web” sei. Er weist darauf hin, dass sich vor allem die Video-Plattformen (Youtube) auch heute schon mit iPhone und iPad anschauen ließen und Flash sich für dieses große Anwendungsgebiet als “veraltet” erweist. Implizit erhofft er sich, dass alle großen Video-Portale in Zukunft auf HTML5 und H264 setzen, was direkt durch die Apple-Hardware unterstützt wird.
3. Flash Probleme bei der Zuverlässigkeit, Sicherheit und Performance
Jobs rechnet hier ziemlich hart mit der Qualität von Flash ab. Er bescheinigt Flash (zumindest mit der Apple-Systemumgebung) ein massives Qualitätsproblem, welches Adobe trotz intensiver Bemühungen von Apple nicht lösen konnte.
Symantec recently highlighted Flash for having one of the worst security records in 2009. We also know first hand that Flash is the number one reason Macs crash. We have been working with Adobe to fix these problems, but they have persisted for several years now. We don’t want to reduce the reliability and security of our iPhones, iPods and iPads by adding Flash.
4. Stromfresser Flash
Jobs verdeutlicht, dass Flash-Inhalte auf Apple-Hardware rund doppelt so viel Strom und damit Akku-Power beanspruchen. Trotz der Versuche von Adobe, neue Videocoding-Standards (H.264) zu implementieren, müssten Flash-Inhalte nach wie vor via Software dekodiert werden und könnten hardwareseitig nicht mit der neuen Generation von mobilen Chipssets (von Apple) zusammenarbeiten.
Er verweist zusätzlich darauf, dass Flash im Videoumfeld eigentlich komplett überflüssig sei, zumindest aktuell schon mit den Browsern von Apple (Safari) und Google (Chrome).
When websites re-encode their videos using H.264, they can offer them without using Flash at all. They play perfectly in browsers like Apple’s Safari and Google’s Chrome without any plugins whatsoever, and look great on iPhones, iPods and iPads.
5. Touchscreens und Flash vertragen sich nicht
Jobs führt aus, dass sich eine moderne Benutzerführung via “Fingertip und Touch” auf Flash-Websites, die ehemals für mausgestützte Interaktion entwickelt worden sind, nicht vertragen. Viele Funktionen von Flash (Rollovers) ließen sich zudem gar nicht mehr auf Touch-Devices reproduzieren. Selbstbewusst ist sein Fazit daraus. Flash-Websites müssten sowieso neu geschrieben und auf neue Geräte angepasst werden. Warum dann nicht gleich auf Flash verzichten?!
Most Flash websites will need to be rewritten to support touch-based devices. If developers need to rewrite their Flash websites, why not use modern technologies like HTML5, CSS and JavaScript?
6. Flash als Apple-App Entwicklungsplattform
Schließlich führt Jobs aus, warum Apple Flash auch auf Entwicklungsseite für Apps des iPhones und iPads verbannt hat und dokumentiert damit, warum er selbst ein Verfechter propietärer Systeme ist, zumindest was die Apple-Welt betrifft.
If developers grow dependent on third party development libraries and tools, they can only take advantage of platform enhancements if and when the third party chooses to adopt the new features. We cannot be at the mercy of a third party deciding if and when they will make our enhancements available to our developers.
Vertrauen in eine offene Entwicklungsgemeinde sieht jedenfalls anders aus.
Steve Jobs macht mit seinen Statements deutlich, wie er Apple und nicht zuletzt sich selbst in der Welt des Webs sieht. Das Selbstverständnis von Apple basiert ganz wesentlich auf Kontrolle, die zu Ungunsten echter Offenheit und Kompatibilität als “Qualitätskontrolle” definiert wird. Dabei offenbart Jobs in seiner Argumentation durchaus Inkonsistenzen, vor allem, wenn er proprietäre Systeme beklagt, zu denen er konsequenterweise Apple auch zählen müsste.
Letztlich aber gibt ihm der Erfolg recht. Vor allem beweist Apple seit Jahren, dass sie im Bereich von Design und Benutzerführung eine einzigartige Stellung einnehmen, die mit völlig offenen Systemstandards voraussichtlich so nie möglich gewesen wäre. Wenn dieses Credo jetzt auf einen breiten Volumenmarkt trifft, wird Apple sich weiter stärken können. Denn den “Normalnutzer” interessiert es nicht die Bohne, wie der Motor in einem Auto funktioniert. Vielmehr will er eines: Einsteigen und losfahren. Und das so intuitiv und selbsterkärend, dass das Handbuch in den allermeisten Fällen geschlossen bleibt.
Der Verbraucher will nicht die Beta-Phasen und schließlich die Qualitätskontrolle von technischen Geräten übernehmen. Dafür sind die Menschen bereit, auf eine vollständige technische “Kompatibilität” und Offenheit zu verzichten. Hat Apple diese breite Nutzerschaft für sich gewonnen, ist die Frage von “Standards” ohnehin rein akademisch. Denn Standard ist das, was sich am Markt und damit bei den Verbrauchern durchsetzt. Die wachsende Marktmacht von Apple wird dem “Look & Feel” des Web nachhaltig ihren Stempel aufdrücken.
11 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 30. April 2010 um 13:19 Uhr
Die einzige brauchbare Antwort von Adobe darauf wäre die Entwicklung von Software-Produkten für Apples mobile Plattformen abzusagen. Ich glaube dieser Schritt würde bei einigen Apple-Nutzern dann doch noch mal die Alarmglocken anwerfen. Von den Leuten mit iPhone die ich kenne höre ich eigentlich seit Jahren nur, dass Flash ja bald für das iPhone käme und es dann keine Alternative dazu mehr gäbe. Wenn aber feststeht, dass das nicht passieren wird, dann wird die Konkurrenz Windows Phone 7 und Android ordentlich Aufwind erhalten, denn da scheinen die meisten der von Jobs angesprochenen Probleme lösbar zu sein.
Am 30. April 2010 um 13:36 Uhr
Bitte, Steve Jobs beklagt sich über ein geschlossenes System. Da soll er mal mit den ganzen abgelehnten App-Developern in einen Dialog treten.
Am 30. April 2010 um 13:55 Uhr
schaut mal drüben auf boingboing, da hat jemand in der rede einfach ADOBE gegen APPLE ausgetauscht, und FLASH gegen APPLE’S PROGRAMME. Und es macht jeder Satz weiterhin Sinn.
Am 30. April 2010 um 14:04 Uhr
@the_stephan:
Witzig. Den Artikel kannte ich nicht, als ich selbst auf diesen Gedanken kam. Aber es stimmt. Hier ist der Link:
boingboing.net/2010/...
Am 30. April 2010 um 14:20 Uhr
Na ja, so einige der oben genannten Punkte stimmen einfach nicht (oder sind zumindest nicht die ganze Wahrheit), wie Jesse Warden hier sehr schoen zeigt. Wird aber wahrscheinlich kaum einer mitbekommen ausser den Geeks.
Am 1. Mai 2010 um 13:20 Uhr
Es sollte unterschieden werden zwischen dem, was Jobs direkt über Adobe und Flash sagt und dem, was Jobs (in)direkt über Apple und H.264 sagt. In letzterer Abteilung sammelt sich viel Bullshit. In erster Abteilung sind die Argumente solide. An den Problemen mit Flash im allgemeinen wie im speziellen und am “What’s Flash?”—“Flash’s dead baby. Flash’s dead.” gibt es nicht viel zu rütteln, und da hilft auch kein tu quoque-Argument. Und was Narayen da abliefert, finde ich beschämend bis unverschämt. Gruber:
Exactly.
Am 3. Mai 2010 um 09:48 Uhr
Bei aller Diskussion ob Apple sich zu weit aus dem Fenster lehnt oder nicht. Ich glaube Steve Jobs hat auf diesem Moment händeringend gewartet. Denn was Flash und seine Performance und Stabilität auf Macs angeht ist wirklich unter “aller …”. Die Diskussion die Adobe jetzt führen muss und mit zukunftsweisenden Lösungen untermauern sollte ist einfach hausgemacht.
Ich würde mir wünschen, das Flash dadurch einen gigantischen Schritt im Bezug auf Crossplatform-Umgebung nach vorne macht. Ansonsten kann Flash von mir aus auf Windows-Machinen ein Nischendasein führen.
Am 3. Mai 2010 um 12:25 Uhr
Diese Kontrollsucht ist doch einfach erbärmlich. Wieso macht man sich absichtlich so unsympathisch?
Am 4. Juni 2010 um 11:13 Uhr
Wer die Beta von Flash 10.1 installiert hätte und die klaren Verbesserungen gesehen und getestet hätte, der würde nicht soviel quatschen. Einfach mal testen und dann reden. Das würde einigen hier ganz gut tun.
Windows PC´s können wohl besser mit Flash umgehen als Mac´s. Das man das nicht hinbekommt und es dann verteufelt ist sowas von lächerlich und erbärmlich.
@Ralf: Das Nischendasein führen eindeutig und unbestreitbar die Macs, die technisch mit Flash nicht klarkommen. (9% Marktanteil)
Das technisch PC´s mehr können und seit Win7 sogar sicherer sind als OSx und Linux, kann niemand mehr ernsthaft abstreiten.
Übrigens das Credo aller Apple-Jünger, das man sehr individuell mit Apple Produkten sei, ist seit dem Massenverkauf von Apple iPod, iPhone und iPad sowas von hinfällig. Jeder Hinz und Kunz läuft jetzt mit den weißen Ohrstöpseln durch die Gegend, da ist keinerlei individualität mehr vorhanden.
Am 9. August 2010 um 13:23 Uhr
[...] Dilemma ist nun allerdings, dass Apple und Flash (Adobe) keine richtigen Freunde mehr werden wollen. Das gilt insbesondere für die mobilen Plattformen, bei denen iPhone und iPad schlicht nichts [...]
Am 9. August 2010 um 13:23 Uhr
[...] Dilemma ist nun allerdings, dass Apple und Flash (Adobe) keine richtigen Freunde mehr werden wollen. Das gilt insbesondere für die mobilen Plattformen, bei denen iPhone und iPad schlicht nichts [...]