29.04.10
13:14 Uhr

Logo-Typographie: Global, Lokal, Egal?

Oded Ezer, Autor von The Typographer’s Guide to the Galaxy, stellte seine Advanced Typography-Klasse am Holon Institute of Technology vor die Aufgabe, bekannte Logos in hebräische Schrift zu übersetzen.

Einige der Ergebnisse, darunter das IBM-Logo und das Sega-Logo, finde ich gelungen. Der Logo-Charakter bleibt vollständig gewahrt:

IBM-Logo

IBM Logo

Sega-Logo

Sega Logo

Andere finde ich aus verschiedenen Gründen nicht so gut getroffen. Die Umsetzung des New York Times-Logos beispielsweise, allerdings eine wirklich harte Nuß, stößt an die Grenze der Lesbarkeit. Statt zu versuchen, die Eigenarten der Black-Letter-nahen Buchstaben (meines Wissens gibt es diese Type nicht als vollständige Schrift) mit Tricks und Kniffen nachzubauen, wäre es eine Option gewesen, einen altmodisch-distinguierten Font als Basis zu nehmen, vielleicht eine Replika der Keter Aram Tsova, um den prinzipiellen Charakter zu etablieren und von dort aus behutsam zu modifizieren, ohne es zu übertreiben. Die handschriftnahe Typo für die Umsetzung des Unilever-Logos wiederum finde ich zu formell und künstlerisch geraten gegenüber dem Original, speziell im Kontext des vollständigen Unilever-Logos. Ein Ansatz irgendwo in der Mitte zwischen diesem stark stilisierten und dem eher typischen Handschriftbild wäre möglicherweise fruchtbarer gewesen.

New York Times-Logo

New York Times Logo

Unilever-Logo

Weitere Logo-Übersetzungen für Carmel und Hallmark sowie zwei Marken, die mir nichts sagen, hier.

Logo-Übersetzungen in die Schrift von Zielmärkten gibt es oft; ein gutes Beispiel ist Coca-Cola, die das von Anfang an konsequent betrieben haben. (Die Anekdoten um Coca-Colas ursprünglichen Fehlgriff bei der Umsetzung in chinesische Schriftzeichen ist, wie praktisch immer in solchen Fällen, eine reine Stadtlegende.)

Letztendlich lautet die Frage: Was ist besser für die Marke? Ein globales Logo wie das von Sony (das auch in Japan selbst von Anfang an in Rômaji gesetzt war) oder Coca-Cola mit Varianten für jede Zielmarkt-Schrift?

Ich denke, das ist nicht einfach zu entscheiden. Von typographischen Erwägungen abgesehen: Welche Marketing-Kriterien kämen für eine solche Entscheidung in Frage?

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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